Hörspiel Pool - Bayern 2

Hörspiel Pool - Bayern 2

Germany

Jede Zeit ist Hörspielzeit. Der Hörspiel Pool bietet Produktionen des Bayerischen Rundfunks zum Herunterladen.

Episodes

Karl May: Sitara - Land der Sternenblumen (Teil III: Stadt der Toten) - 21.05.2017  

Musik: Franz Hautzinger / Bearbeitung und Regie: Michael Farin / BR 2017 // Schön war sie gewesen, diese einstige Hauptstadt und Residenz von Ardistan! Wenn ich mir die seltsam gestalteten Höhen, zwischen denen sie lag, bewaldet und mit grünenden, blühenden Gärten ausgestattet dachte, so fiel mir keine europäische Großstadt ein, von der ich hätte sagen mögen, daß sie mit ihr zu vergleichen sei. Nun lag sie da als Leiche! Es gab keine Spur von Pflanzengrün, von Tier- und Menschenleben. Und doch war der Ausdruck ‚Leiche‘ und ‚Tod‘ nicht ganz richtig. Es gibt überhaupt keine vollpassende, sprachliche Bezeichnung für das Gefühl, welches mich wie mit mächtigen, unwiderstehlichen Fäusten packte, als mein Blick auf dieses ungewöhnliche, starre, öde, leere Häusermeer fiel. Denn die Gebäude standen noch genau so da, wie sie vor Jahrhunderten gestanden hatten. Fast nichts war zerstört. Nur die weit draußen liegenden Hütten der Armut hatten sich in Trümmer, in formlose Haufen verwandelt. "Die fantastische Schilderung der ‚Totenstadt‘ ist ein wirkliches Meisterstück, das ein wirre Kette unvergeßlicher Bilder vorführt."

Raymond Federman/Herbert Kapfer: Über die Stimme im Schrank - 20.05.2017  

Raymond Federman im Gespräch mit Herbert Kapfer / BR 1990 / Länge: 21'16

ARD Radio Tatort: Robert Hültner: Toter Acker - 17.05.2017  

Mit Brigitte Hobmeier, Florian Karlheim, Michael A. Grimm, Josef Eder, Moses Wolff, Markus Langer, Richard Oehmann, Susanne Schroeder, Ferdinand Dörfler, Tanja Frehse, Sigi Zimmerschied, Andreas Borcherding, David Zimmerschied, Judith Toth, Rena Dumont, Matthias Kupfer, Esther Then / Komposition: zeitblom / Redie: Ulrich Lampen / BR 2017 / Länge: 53'20 // Ihre Nachtschicht hat eben erst begonnen, als Senta und Rudi die Meldung von einer Schießerei im Gewerbegebiet außerhalb der Stadt erreicht. Als sie wenig später auf dem Gelände einer Recycling-Firma eintreffen, finden sie den Firmeninhaber und seinen Vorarbeiter in ihrem Blut liegend. Während bei Letzterem jede Hilfe zu spät kommt, gibt der Unternehmer Max Hörbacher noch Lebenszeichen von sich und kann gerettet werden. Da für die Kripo alle Indizien auf einen Raubmord deuten, schenkt sie dem Hinweis, dass Hörbacher seit einige Zeit von einem jungen Landwirt mit unbändigem Hass verfolgt wird, zunächst wenig Beachtung. Dann aber lassen die Ergebnisse der Kriminaltechnik Zweifel an der Raub-Hypothese aufkommen. Als sich der junge Landwirt zudem in Widersprüche und Lügen verstrickt, wird er zum Hauptverdächtigen. Senta und Rudi zweifeln daran, müssen aber erkennen, dass der Festgenommene sehr wohl einen Grund gehabt haben könnte, sich an Max Hörbacher zu rächen. Aber ist er ein Mörder?

Karl May: Sitara - Land der Sternenblumen (Teil II: Insel der Heiden) - 14.05.2017  

Musik: Franz Hautzinger / Bearbeitung und Regie: Michael Farin / BR 2017 // Im Dschirbani, dem "Räudigen", der Hauptfigur des zweiten Teils des Hörspiels, sieht Arno Schmidt - neben Kara Ben Nemsi - ein weiteres Alter Ego Karl Mays. Der Wissenschaft gegenüber aufgeschlossen öffnet er sich dem Spirituellen, dem Transzendenten, wie niemand sonst im Roman: "Untersucht das Land, in dem wir wohnen! Was findet ihr weiter als Moder, Verwesung, Schimmel und Gestank! Und was findet ihr weiter als Leben, Schönheit, Kraft, Unsterblichkeit und Duft? Heut sage ich: Das Leben duftet, der Tod aber stinkt! Und morgen sage ich: Der Tod duftet, das Leben aber stinkt! … Was von beiden ist richtig? … Ich sage, beides! Denn Leben und Tod sind eins. Man kann nicht leben, ohne immerfort zu sterben. Und man kann nicht sterben, ohne dabei das Leben zu erneuern. Merke dir das, o Hadschi Halef Omar, daß du nicht an deinem letzten, sondern an deinem ersten Atemzuge stirbst! Du lebst, indem du ohne Unterlaß verwest. Aber du hast dafür zu sorgen, daß nicht etwa beide stinken, dein Leben sowohl wie dein Tod, sondern daß beide duften.

Colin Black/Ania Mauruschat: Soundwalks, Dreamscapes, Radio Art - 12.05.2017  

Colin Black ( Radiokünstler) im Gespräch mit Ania Mauruschat / BR 2017

Karl May: Sitara - Land der Sternenblumen (Teil I: Lichte Höhen) - 07.05.2017  

Mit Sibylle Canonica, Juliane Köhler, Peter Fricke, Felix Klare, Aurel Manthei, Stefan Wilkening / Komposition: Franz Hautzinger / Bearbeitung und Regie: Michael Farin / BR 2017 // Arno Schmidt zählte Karl Mays Doppelroman "Ardistan und Dschinnistan" (1907/1909), wie überhaupt dessen späte Romane und dessen einziges Drama "Babel und Bibel" (1906), zu den "merkwürdigsten Werken deutscher Zunge" und leitete aus ihm vielerlei und allerlei her. Seine Deutungen gipfelten in der grandios gescheiterten Studie "Sitara und der Weg dorthin" (1963). Wobei: auch Arno Schmidt kam vom Wege ab und verfehlte, ähnlich wie Karl May, sein selbst-gestecktes Ziel: "Jedenfalls ist es bei diesem Ardistan & Dschinnistan so, daß man sich bis zur letzten Zeile immer noch in Ardistan befindet, das ‚& Dschinnistan‘ ist Programm geblieben; ja selbst das ‚hochinteressante‘ Zwischenland Märdistans mit der ‚Geisterschmiede‘ muß man sich aus Babel und Bibel hinzukonstruieren." Dieser Doppelroman – ein Bündel aus zahlreichen losen Handlungsfäden, die sich selbst auf über 1.200 Seiten nicht verknüpfen und am Ende „im Winde flattern“ – erzählt auf der Folie des Märchens von der Spiegelerde Sitara, das für Karl May den Beginn seines „eigentlichen“, allerdings nie vollendeten Werks darstellt, von der letzten Reise des Kara Ben Nemsi. Er unternimmt sie im Auftrag seiner Freundin Marah Durimeh, um den drohenden Krieg zwischen Ardistan und Dschinnistan zu verhindern. (Was ihm im Übrigen gelingt!) Seine Reise führt ihn an die Grenzen Dschinnistans, aber auch an die Grenzen seines Ichs. Jenseits davon, so heißt es, liegen die Pforten des Paradieses. In diesen Jahren schrieb Karl May, das ist kein Zufall, zudem einen seiner aufregendsten Texte: die 'psychologische Studie' "Frau Pollmer" (1907) sowie seine Autobiographie "Mein Leben und Sterben" (1910), die nicht grundlos mit dem „Märchen von Sitara“ beginnt. "Ardistan und Dschinnistan" lässt sich denn auch ohne weiteres als symbolistisch überhöhte, psychologisch-theologisch aufgeladene Selbstvergewisserung eines Autors deuten, der sich seinen Jenseitsvorstellungen, sie in eindrückliche Bilder transformierend, rückhaltlos auslieferte.

Elfriede Jelinek: Unseres. - 05.05.2017  

Lesung Elfriede Jelinek / BR 2017 / Länge: 76'29 // "Was, der Vater tot, der Vater tot? Was regen Sie sich auf? Jeder Vater stirbt, Ihrer halt jetzt, gestern, heute, morgen, übermorgen ein andrer, egal, ermordet, sagen Sie? Das können wir glauben oder auch nicht. Und deshalb sind Sie so unglücklich, daß Sie in den Strom nur greifen wollen, anstatt sich zur Gänze hineinzuschmeißen? Da fließt er doch, schon lang fließt er dahin. Worauf warten Sie? Der eine fließt, der andre auch, selbst wenn Sie nicht da sind. Gehts noch? Daß Sie sich auf die Schienen legen? Nicht auf die Schienen, da ist nichts drin für Sie, null Spannung. Gehts noch? Also für die Straßenbahn gehts nicht mehr, die gehört uns allen, keiner hält sie auf, keiner hält uns auf! Der Weg, egal wohin, kann beschwerlich sein, der Weg wird kein leichter sein, wir brauchen das Gefährt, das Sie da jetzt auf seiner Bahn aufhalten. Die Bahn will doch ihre Bahn entlangfahren! Was haben wir da? Wer ist da? Ein Toter, der keiner ist, eine Straßenbahn, die nicht mehr fährt. Sie muß warten. Alles steht. Der Stromabnehmer nimmt Ihnen das nicht ab. Bitte, ich bin auch Stromabnehmer! Ich nehme soviel Strom ab, wie ich halt brauche." (Unseres., 03.11.2016/07.11.2016; elfriedejelinek.com)

Elfriede Jelinek: DAS KOMMEN - 05.05.2017  

Lesung Elfriede Jelinek / BR 2017 / Länge: 11'41 // "Der Sprecher, welcher? Einer, der neueste: Die Zuversicht vertreiben wir aus dem Land, denn wir sind stark! Entschuldigung, nein, wir bringen sie, die Zuversicht, mit federleichtem Leib. Wenn wir uns selber anschaun, ist die Angst auf einmal klein. Verläßlich sind wir wie der Tod, jetzt sind wir da. Noch nicht recht wissen wir, wann und wo, egal, wir sind nicht willkommen, überall, doch bei den Guten, die nicht geschändet werden wollen, von Fremden in ihren Betten, auf dem Bahnhof, vor der Kirche, bei denen schon. Das Gift der Schreiberlinge nutzlos tropft zu Boden. Sie verbreiten Lügen, die Frucht und Feld verseuchen. Wir tanzen Polka, Ländler, Plattler, Reigen, und unbekümmert fallen dazu Schnee und Sonne. Uns um den Hals. Auf unsrer Seite. Nicht fliehn wir, wir hörn auf die Heimat, die Eltern, vor allem den lieben Vater. Das Land gehört uns, nach langer glücklicher Reise, da wir pflügten durch das, was da nutzlos gebrüllt vor unserem Bug. Der Zorn der Schreiber, ihr Gift hielt uns nicht auf, niemand hielt uns auf, wir kamen immer wieder, da die Bürger beieinander warn und das Gericht über uns in Freuden endet, im Gericht über andre. Jetzt sind wir da. Wir kamen wie gerufen, wir wurden auch gerufen schließlich! Nichts, was tun wir werden, wird ganz falsch sein und nichts ganz richtig, und nichts wird bringen Gefahr." (DAS KOMMEN, 26.04.2016/18.10.2016; elfriedejelinek.com)

Elfriede Jelinek: Jackie - 01.05.2017  

Mit Marion Breckwoldt / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2003 / Länge: 55'33 // Eine ehemalige Heroine Amerikas, ein längst verstorbenes Idol, ruft aus dem Jenseits die Toten an. Dabei erschafft sie ein Bild von sich selbst, sie prüft Inhalt und Form ihrer Rolle, sie inszeniert sich als Kunstwerk. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 – 1994), die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Ein Leben voller Glanz und Glamour, Bedeutung und Behauptung, Schicksalsschläge und Schocks. Das konzentrierte Textgebilde zieht immer engere Kreise um die Person, äußert sich immer deutlicher über die Eigenwahrnehmung des Charakters, die Einschätzung des politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens, die Analyse der Familienverhältnisse. „‚Ein Zombie hing am Glockenseil‘ hieß einst ein billiger italienischer Horrorfilm. Jelineks Zombie heißt Jackie und hängt am Glockenseil seiner Erinnerungen, sitzt auf einer Parkbank im Jenseits; wie ‚Forrest Gump‘ hat dieser Zombie seinen Unterkiefer ausgehängt und lässt den Text laufen. Elfriede Jelinek nimmt diesen Zombie an, lässt ihn sich ausheulen, lässt ihn vertrackte Wortakrobatik treiben, lässt ihn die Schrecknisse eines Menschenlebens unbarmherzig im trüben Drüben wieder erleben. Die Regie vertraut sich dem Text ganz an, lässt ihn kreisen, gar rotieren, lässt ihn scheinbar sinnfrei mäandern bis zum Delirium; ideal für diesen Ansatz ist die Stimme von Marion Breckwoldt, die Jelineks Zombie-Sentenzen durch die Inszenierung wälzt als wären sie Bonmots, wie sie eben beim Kaffeeklatsch einer First Lady fallen. Schlechte Stimmung also im Jenseits, aber alle Anwesenden haben guten Grund dazu.“ (Karl Bruckmaier)

Karl May: Sitara -Seelenland. Vortrag Augsburg 1909 - 30.04.2017  

Mit Katja Bürkle, Peter Fricke / Komposition: Franz Hautzinger / Bearbeitung und Regie: Michael Farin / BR 2017 / Länge: 52'08 // Von jeher habe er ein Hakawati, ein Märchenerzähler, werden wollen, sagte Karl May am 8. Dezember 1909 anlässlich eines Vortrags, den er im Schießgrabensaal zu Augsburg hielt - und erzählte ein Märchen. Geht man drei Monate lang von der Erde aus direkt zur Sonne und dann noch drei Monate in genau derselben Richtung weiter, gelangt man an einen Stern, von kleiner Gestalt zwar, für uns aber von großer Wichtigkeit, den man als Sitara bezeichnet. Sitara ist ein persisches Wort und bedeutet: Stern. Dieser Stern hat einen Durchmesser von etwa 1.700 Meilen und einen Umfang von 5.400 Meilen. Er bewegt sich in etwas über 365 Tagen einmal um die Sonne. Diese Zeit nennt man ein Jahr. Und in rund 24 Stunden einmal um sich selbst. Diese Zeit heißt ein Tag. Er besteht aus Land und Wasser. Das Land nimmt ein Drittel und das Wasser zwei Drittel der Oberfläche ein. Das Festland gruppiert sich in das Tiefland Ardistan und das Hochland Dschinnistan. Ard heißt Erde, heißt Erdboden, irdischer Stoff. Dschinn heißt Geist, heißt Seele. Das sei doch gar kein Märchen, sagen Sie. Wie recht Sie haben: Denn auf welchen Stern stoßen wir, wenn wir, vom jetzigen Augenblick an 3 Monate lang auf die Sonne zugehen und dann noch 3 Monate lang in derselben Richtung über die Sonne hinaus? Auf die Erde. Sitara ist also nichts anderes als unsere Erde – mit dem Auge des Märchens betrachtet, das tiefer schaut als jedes andere Auge.

Hannah Höch: Weiter in die Nacht. Terminkalender 1937-1939 - 28.04.2017  

Mit Judith Adlhoch, Katharina Franck, Pelaar Quartett: Joe Rappaport (1. Violine), Luciana Beleaeva (2. Violine), Gunter Pretzel (Viola), Graham Waterhouse (Violoncello) / Komposition und Regie: Helga Pogatschar / BR 2014 / Länge: 65'31 // Ein Hörstück für Sprechstimme und Streichquartett in acht Sätzen, mit den Titeln Erster Unfall, Zweiter Unfall, Fluchtversuch, Dritter Unfall, Vierter Unfall, Fünfter Unfall, Sechster Unfall, Benzin. In den späten 1930er Jahren ist die Künstlerin Hannah Höch mit ihrem damaligen Ehemann Kurt Heinz Matthies, der als Vertreter vor allem Maschinenbau- und Rüstungsunternehmen aufsucht, oft monatelang im Auto unterwegs. Täglich viele Stunden unterwegs durchkreuzen sie das von den Nationalsozialisten beherrschte Deutschland, übernachten in Privatzimmern, Hotels oder mit dem Wohnwagen auf Rastplätzen. In ihren Terminkalendern hat Hannah Höch, die diese Reisen vor allem für Malereien, Skizzen und Naturbeobachtungen nutzt, die Stationen und Erlebnisse stichpunktartig festgehalten. Landstraßen- und Autobahnfahrten durch Nacht und Nebel, Erschöpfungszustände, Stadtbesichtigungen, Besuche der Ausstellung Entartete Kunst in mehreren Städten – und immer wieder: Autounfälle. Vieles bleibt Andeutung – Familiäres, Privates, aber auch die Schicksale verfolgter Freunde. Der Text des Hörstücks beginnt im Mai 1937, „weg von Berlin“, „nach Dresden, weiter bis Stuppen“, und endet im September 1939: „Jammer! Krieg!!! Jammer! Deutschland steht im Krieg mit Polen.“ Weiter in die Nacht steht wie eine Art Metapher für die Finsternis der Zeit. Es ist das Bild bzw. die Nachtaufnahme einer nomadenhaften, von Unrast getriebenen Künstlerexistenz in einem Land, das dem politischen Untergang, der europäischen Zerstörung und der Shoah zutreibt. Hannah Höch gilt heute als wohl bedeutendste deutsche Künstlerin der klassischen Moderne. Sie entwickelte mit Raoul Hausmann während der Berliner Dada-Periode die Fotomontage und produzierte in der Folgezeit Collage-Serien und Klebearbeiten. Gleichzeitig entstand ihr umfangreiches malerisches Werk, das von Dada bis zur lyrischen Abstraktion in der Nachkriegszeit reicht. Im September 1939 erwarb Hannah Höch in Heiligensee, am Nordrand Berlins, ein ehemaliges Flugwärterhäuschen, in dem sie völlig zurückgezogen die Kriegsjahre verbrachte. Als Sammlerin gelang es ihr, dort ein einzigartiges und umfangreiches Archiv mit Werken, Korrespondenzen und Publikationen zur literarischen und künstlerischen Avantgarde zu verbergen und vor dem Zugriff der Nazis und vor Kriegszerstörungen zu bewahren. Hannah Höchs Terminkalender, die den Ausgangspunkt für das Hörstück bilden, sind veröffentlicht in der insgesamt sechs Bände umfassenden Archiv-Edition Hannah Höch. Eine Lebenscollage, herausgegeben vom Künstlerarchiv der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur.

Die Künstlerin Hannah Höch - Mit Hanne Bergius - 28.04.2017  

Hanne Bergius (Kunsthistorikerin) im Gespräch mit Julian Doepp (BR 2014)

Alice Elstner/Julian Doepp: Die Stimme vor Augen - 21.04.2017  

Alice Elstner (Hörspielmacherin) im Gespräch mit Julian Doepp (BR 2011)

Anne Chaplet: Caruso singt nicht mehr (2/2) - 17.04.2017  

Mit Gert Heidenreich Eva Gosciejewicz Rudolf Kowalski Axel Milberg Krista Posch Natalie Spinell Helga Fellerer, Hans Kremer, Burchard Dabinnus, Michele Tichawsky, Peter Bamler, Thomas Albus, Thorsten Nindel, Csaba Gál, Carola Regnier, Johannes Suhm, Stephan Bissmeier, Anna Barbara Kurek, Michael Tregor, Marion Breckwoldt / Komposition: Pierre Oser / Bearbeitung und Regie: Walter Adler / BR 2003 / Länge: 54'29 // Eine bundesdeutsche Milieustudie voller krimineller Energie, einem Stück Zeitgeschichte und handfestem dörflichen Einschlag. Paul Bremer ist in ein kleines Dorf in der Rhön gezogen, um eine gescheiterte Ehe und eine Karriere in der Werbebranche zu vergessen. Er verliebt sich in die Biolandwirtin Anne Burau. Die ländliche Idylle trügt: ein Pferdeschlitzer und ein Brandstifter verunsichern die Landbewohner. Als Anne Buraus Mann Leo, von dem sie seit Jahren getrennt lebt, an einem Fleischerhaken aufgehängt im Kühlraum ihres Anwesens gefunden wird, nimmt Kriminalinspektor Kosinski die Ermittlungen auf. Auch die Frankfurter Staatsanwältin Karen Stark, Paul Bremers ehemalige Freundin, muss sich mit den Fall befassen, in dem die Friedensbewegung, das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit, ein russischer Zirkus und die Liebe - enttäuschte wie verratene - eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Anne Chaplet: Caruso singt nicht mehr (1/2) - 16.04.2017  

Mit Gert Heidenreich Eva Gosciejewicz Rudolf Kowalski Axel Milberg Krista Posch Natalie Spinell Helga Fellerer, Hans Kremer, Burchard Dabinnus, Michele Tichawsky, Peter Bamler, Thomas Albus, Thorsten Nindel, Csaba Gál, Carola Regnier, Johannes Suhm, Stephan Bissmeier, Anna Barbara Kurek, Michael Tregor, Marion Breckwoldt / Komposition: Pierre Oser / Bearbeitung und Regie: Walter Adler / BR 2003 / Länge: 54'29 // Eine bundesdeutsche Milieustudie voller krimineller Energie, einem Stück Zeitgeschichte und handfestem dörflichen Einschlag. Paul Bremer ist in ein kleines Dorf in der Rhön gezogen, um eine gescheiterte Ehe und eine Karriere in der Werbebranche zu vergessen. Er verliebt sich in die Biolandwirtin Anne Burau. Die ländliche Idylle trügt: ein Pferdeschlitzer und ein Brandstifter verunsichern die Landbewohner. Als Anne Buraus Mann Leo, von dem sie seit Jahren getrennt lebt, an einem Fleischerhaken aufgehängt im Kühlraum ihres Anwesens gefunden wird, nimmt Kriminalinspektor Kosinski die Ermittlungen auf. Auch die Frankfurter Staatsanwältin Karen Stark, Paul Bremers ehemalige Freundin, muss sich mit den Fall befassen, in dem die Friedensbewegung, das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit, ein russischer Zirkus und die Liebe - enttäuschte wie verratene - eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Georg Büchner: Lenz - 15.04.2017  

Mit Rainer Bock, Anna Drexler, Marek Harloff, Steven Scharf, Anton Winstel / Regie: Ulrich Lampen / BR 2017 / Länge: 69‘06 // „Den 20. Januar 1778 kam er hierher.“ Er, das ist Jakob Michael Reinhold Lenz, Pfarrerssohn, Theologe, Dichter des Sturm und Drang. Hierher, das ist das elsässische Dorf Waldersbach in den Vogesen. Dort lebt der pietistische Pfarrer, Reformpädagoge und Seelenarzt Johan Friedrich Oberlin. Zu ihm kommt der Dichter Lenz auf Anraten eines Freundes. Lenz erhofft sich von der Begegnung mit Oberlin und seiner Familie Linderung seiner psychischen Leiden. Oberlin führt Buch über den Aufenthalt des Dichters, über die Tage der Besserung, über die wiederkehrenden Anfälle und die letztliche Übergabe des Gastes in professionelle Obhut in Straßburg nach knapp drei Wochen. Nüchtern, beobachtend, sachlich: Ein Krankenbericht. "Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen." So beginnt Georg Büchner die Erzählung Lenz, die 1836 unter anderem auf der Grundlage von Oberlins Bericht entsteht. Schon dieser Anfang, in dem sich die Psyche der Titelfigur unmittelbar in den Naturbeschreibungen spiegelt, zeigt an: Lenz ist hier mehr als ein Krankheitsfall. Er wird zur literarischen, d.h. exemplarischen Figur. Sein Innenleben wird bestimmende Kraft der Erzählung. Sein Schwanken zwischen emotionalem Aufruhr und innerer Taubheit, seine Wechsel zwischen überbordender Euphorie und äußerster Hilflosigkeit sind Ausdruck eines Gefühls existenzieller Ohnmacht und Heimatlosigkeit. Zwar gibt es bei Büchner durchaus Hinweise auf konkrete biografische Erfahrungen, die Jakob Michael Reinhold Lenz in die psychische Instabilität treiben. Die Ansprüche des Vaters etwa, denen Lenz, seinen eigenen Bedürfnissen als Dichter folgend, nicht gerecht wird. Schuldgefühle aufgrund unglücklicher Liebesbeziehungen. Religiöse Zweifel. Doch in Lenz geht es nicht um ein biographisches Porträt oder um psychologische Diagnose. Es geht um die sprachliche Anverwandlung eines Lebensgefühls, um die Auslieferung an eine Verzweiflung an der Welt, der kaum etwas entgegenzusetzen ist. Auch wenn Lenz dies in der Erzählung immer wieder versucht: als er mit einer Kirchenpredigt zurück zu Gott und in die Dorfgemeinschaft finden will. Als er im Gespräch mit einem Freund die eigene künstlerische Programmatik verteidigt. Oder als er ganz im Wahn um die Wiedererweckung eines gestorbenen Mädchens kämpft. Am Ende aber scheitert er: „die Welt, die er hatte nutzen wollen, hatte einen ungeheuren Riß, er hatte keinen Haß, keine Liebe, keine Hoffnung, eine schreckliche Leere, und doch eine folternde Unruhe, sie auszufu?llen. Er hatte Nichts.“ Georg Büchner, der als politisch Verfolgter und resigniert über die Möglichkeiten politischer Veränderung die Emotionslagen seines Protagonisten sehr genau kannte, hat mit Lenz ein Fragment hinterlassen, das heute nichts an Wirkung und Identifikationspotential verloren hat.

Franz Kafka: Das Schloss (12/12) - 02.04.2017  

Mit Michael Rotschopf, Devid Striesow, Werner Wölbern, Steven Scharf, Peter Kurth, Corinna Harfouch, Stefan Zinner, Jens Harzer, Gerti Drassl, Sandra Hüller, Samuel Finzi, Moritz Kienemann, Dieter Fischer, Wowo Habdank, Deleila Piaskov, Margit Bendokat, Wolfram Berger, Götz Schulte, Anna Drechsler, Benedict Lückenhaus, Bibiana Beglau, Johannes Silberschneider, Stefan Wilkening / Bearbeitung, Komposition und Regie: Klaus Buhlert /BR 2016 // Drei Gassen, zwei Gasthöfe und ein Schloss. Alles auf engstem dörflichen Raum: draußen ist Winter. Der rätselhafte Neuankömmling K. betritt diese kleine, kalte Welt des Grafen Westwest mit ihren eigenen und eingefahrenen Gesetzen. Den Makel eines ewig Überzähligen, des Außenseiters, wird er, 'Landvermesser' K., hier nie verlieren. Ob der Gast im Dorfgasthaus ein heimatloser Querulant ist oder wirklich als Landvermesser kommt, das wird in der fragmentarischen Versuchsanordnung "Das Schloss", die Franz Kafka 1922 schrieb und die 1926 posthum von seinem Freund Max Brod veröffentlicht wurde, nie eindeutig geklärt. Erstarrung und Bürokratie, Willkür, Argwohn und Fremdenhass verbergen sich hinter den winterlichen Masken dörflicher Stumpfheit. Hier ist offenbar das moralisch reinigende Mandat des wehrhaften Außenseiters gefragt. Kafka lässt seinen Helden K. erst einmal hungrig, müde und allein eintreffen, in der ungastlichen Wirtsstube des ‚Brückenhofes‘. Doch An- und Weiterkommen, das schwant auch dem Kafka-unkundigen Zuhörer, werden schnell zum heiklen Unter-fangen. Der Zutritt zum mysteriösen Schloss bleibt K. beharrlich verwehrt. Ohne Status und Legitimation wird er zusehends zum Irrgänger – ähnlich den Ortsansässigen, die teilnahmslos durch die „hiesige Ordnung der Dinge“ treiben, ohne dass „Ordnung“ oder „Dinge“ je durchschaubar wären. Nur in den Anfangskapiteln des Romanfragments wird überhaupt eine Handlung entwickelt. Alle weiterführenden Kapitel dagegen sind durch lange in sich kreisende Gespräche geprägt. Der kausale Ablauf verliert sich zunehmend. Ob der bürokratische Apparat des Schlosses K. will oder nicht, ob die Bauern ihm trauen, die Schankmädchen ihn lieben, das bleibt ungewiss; der ‚Roman’ bleibt Fragment. Die Chiffren der Entfremdung, die Kafkas Das Schloss bietet, überträgt die 12-teilige Hörspielproduktion von Klaus Buhlert in eine dunkel ironische Inszenierung von Sprache und Klang.

Ekkehart Fleischhammer/Julian Doepp: Diskurs und Pop - 31.03.2017  

Ekkehart Fleischhammer im Gespräch mit Julian Doepp (BR 2010).

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