Hörspiel Pool - Bayern 2

Hörspiel Pool - Bayern 2

Germany

Jede Zeit ist Hörspielzeit. Der Hörspiel Pool bietet Produktionen des Bayerischen Rundfunks zum Herunterladen.

Episodes

Bernd Baader: Bei Hannah Höch, Berlin-Heiligensee, 12. August 1977 - 11.08.2017  

Readytape / Länge: 73'25 // Bernd Baaders Readytape dokumentiert einen Überraschungsbesuch bei der Künstlerin und Dadaistin Hannah Höch von der ersten bis zur letzten Sekunde. „Ein Readytape ist ein vorgefundenes Tonband, das unbearbeitet, ungeschnitten zum Hörspiel erklärt und zur Sendung gebracht werden kann. Ein Readytape ist also eine Manifestation, die davon ausgeht, daß jeder technische Eingriff, jede Veränderung eines vorgefundenen Bandes eine unnötige Ästhetisierung bedeutet und Informationen abschneidet bzw. verfälscht und auf ein Ergebnis hinausläuft, das korrekterweise mit dem Etikett besser als echt versehen werden sollte ... Sounds like Hörspiel: es sind neben den intendierten auch die nicht-intendierten Informationen, die den Charakter eines Bands bestimmen: die bewußten oder unbewußten Selbstinszenierungsversuche von Gesprächspartnern beispielsweise, die eine Aufnahmesituation überspielen sollen oder die zusätzlichen akustischen Informationen wie Bandrauschen, Aufnahme-Mängel, Überlagerungen, die durch unsauberes Löschen oder unscharfe Spurentrennung zustandekommen. Readytapes können Zufallsprodukte oder Konzept-Relikte sein. … Es können Funde sein, Spulen, die aus Archiven stammen, aus Nachlässen etc. Es sind Aufnahmen, die zum Hörspiel erklärt werden, ohne bearbeitet worden zu sein.“ (Herbert Kapfer, Readytapes Definition, 1992) „Als ich während meiner Tätigkeit als Grafik-Designer beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart, Helmut Heißenbüttel, den Redakteur des Radio-Essay, in den Siebziger Jahren kennenlernte, und er von meiner Verwandtschaft als Neffe des Dadaisten Johannes Baader erfuhr, bat er, ich solle mich doch mit dem Dadaismus näher befassen und in meiner Familie nach bisher noch Unbekanntem forschen. Ich ließ mich darauf ein, und es ergaben sich im Laufe der Jahre viele Kontakte mit Dada-Forschern. Es entstanden zwei Rundfunksendungen, Vorträge und Dokumentations-Ausstellungen teils mit Rezitationen von Dada-Texten. Mit dem Dadaismus noch wenig vertraut damals, flog ich im August 1977 nach Berlin, um die umfangreiche Ausstellung Tendenzen der Zwanziger Jahre zu sehen. – Und dann schon in Berlin, wollte ich gleichzeitig die Möglichkeit nutzen, die mir noch unbekannte Malerin Hannah Höch in Berlin-Heiligensee, An der Wildbahn 33, spontan zu besuchen. Sie hatte in den Zwanziger Jahren eine Freundschaft mit Johannes Baader. Unangemeldet und mit zwiespältigem Gefühl vor ihrem Haus angekommen, drückte ich den Klingelknopf.“ (Bernd Baader)

Dominik Busch: Unsere Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen - 06.08.2017  

Mit Katja Bürkle, Brigitte Hobmeier, Gabriel Raab, Steven Scharf, Georgia Stahl / Realisation: Dominik Busch / BR 2017 // Hier ist die Rede von Männern und Frauen. Sie sind zwischen fünfundzwanzig und vierzig. Sie sehen jünger aus. Sie sind sympathisch und attraktiv. Sie haben dieses Strahlen, etwas Ungezwungenes und Leichtes geht von ihnen aus. Sie sind fit, sie sind durchtrainiert - und oft im Freien. Ihre Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen. Sie sind gut ausgebildet; sie fühlen sich frei. Sie meinen es nicht böse. Sie sind Monster. Unter ihnen: Karen und Sven. Das Paar hat eine kleine Siedlung entworfen, direkt am Meer. Hier leben sie zusammen mit Gleichgesinnten. Sie sind offen – und unter sich. Eines Tages kommt Karens Schwester Gesa zu Besuch. Ein paar Tage am Meer werden ihr gut tun, denkt sie. Sie irrt sich. „In meinem Hörspiel Unsere Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen geht es mir nicht um die medial allgegenwärtigen Formen von Gewalt, sondern um eine subtilere Art der Unterdrückung und Ausgrenzung. Ich wollte eine Geschichte erzählen, in der es um Menschen geht, die ein bestimmtes Ideal zu leben versuchen – dieses Ideal beinhaltet, gut ausgebildet und gut informiert zu sein. Man hat ein großes Wissen über den eigenen Körper, die eigene Gesundheit. Man legt großen Wert auf die eigene Fitness und ernährt sich aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. Es ist eine Lebensform, bei der alles zu einem Statussymbol wird: Aussehen, Beruf, Bildung, Wohnort, Freunde und vieles mehr. Und alle diese Sachen kann man wie Waffen vor sich her tragen, Waffen in einem sozialen Kampf der Ab- und Ausgrenzung. Eine Art Dauer-Hochleistungssport auf allen Ebenen, oder: Gentrifizierung in allen Lebensbereichen. Wer nicht über diese soziale Fitness verfügt, wird von der Bugwelle dieses Lifestyles verdrängt. Kurz: Ich wollte eine Geschichte erzählen, in der eine Person, die im Leben Pech hatte, in einen Kreis von Menschen gerät, die genau dieses Ideal leben. Eine Mobbing-Geschichte, in architektonisch auffälliger Umgebung, ein Woyzeck unter modernen Leistungsträgern.“ (Dominik Busch)

Ein Leben für einen Roman - Mit Karl Corino - 04.08.2017  

Karl Corino (Musil-Biograph) im Gespräch mit Katarina Agathos und Herbert Kapfer, BR 2004

Wolfgang Hörner, Tobias Roth, Peter Wawerzinek: Extrempoesie - 30.07.2017  

Mit Wolfgang Hörner, Tobias Roth, Peter Wawerzinek / Realisation: Stefanie Ramb / BR 2017 // Regelbruch, Entgrenzung, Verabschiedung von Form und Sinn, Zertrümmerung der Sprache - das sind Eigenarten von Poesie, die man gemeinhin mit der Moderne in Verbindung bringt. Allerdings gab es die Moderne schon vor der Moderne, Hunderte von Jahren vorher. Seit dem Mittelalter feiert das Sinn- und Zwecklose Urständ, und es wird mit anarchischer Lust Sprache gehäckselt und rekombiniert. Konventionen werden gesprengt, Sprachen vermischt, Sprachen neu erfunden und Klanggedichte allein um des Klangs Willen intoniert. Auf der Reise durch die Extrempoesie geht es aber nicht um eine stringente Literaturgeschichte oder den Nachweis einer Entwicklung, die beispielsweise im klassischen Dadaismus Zürichs seine Vollendung findet. Vielmehr handelt es sich um einen unsystematischen Gang durch die Konditorei des Sinnfreien, Sinnbefreiten, Sinnlosen, so unsystematisch, das es ab und an auch Prosaflecken gibt. Freilich sind auch diese Probebohrungen im verbalen Wahnsinn. „Kaldaune aus Senf“, „Reim aus Nichts“‚ „Glucktrara“, „Truncken Litanei“‚ „Die leipsigker Spargkelmesse“ oder „Reimereien einer Köchin“ heißen einige der Stücke, sie stammen aus einem Zeitraum, der vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert reicht. Es wird gereimt, gerühmt, gelallt und gelacht. Es wird mit Motiven jongliert, es werden Worte zersägt und neu zusammengesetzt, Sprachen und Akzente werden aufeinander gepfropft: Autoren des 17. Jahrhunderts beispielsweise hatten, kaum dass sich der Pulverdampf des Dreißigjährigen Krieges gesenkt hatte, ein klares Bewusstsein dafür entwickelt, dass „elchpso Ceukk blaenst / pferpf Boebbschwoem / quaemf / tzebs Schrei und blanfl“.

Elfriede Jelinek: Am Königsweg (3/3) - 22.07.2017  

Mit Thomas Albus, Peter Brombacher, Katja Bürkle, Helga Fellerer, Christian Gaul, Mechthild Großmann, Johannes Herrschmann, Christoph Jablonka, Johannes Silberschneider, Kathrin von Steinburg, Sebastian Weber, David Zimmerschied sowie Elfriede Jelinek / Musik: Chor des Bayerischen Rundfunks und Akademie für Alte Musik Berlin. Leitung: Howard Arman / Ton und Technik: Michael Krogmann / Susanne Herzig / Regieassistenz: Stefanie Ramb / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2017 / Länge: 53'28 // Am Abend, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, begann Elfriede Jelinek, ihr Stück Am Königsweg zu schreiben. Vor Trumps Amtseinführung hatte die Autorin eine erste Fassung des Textes abgeschlossen. Der Bayerische Rundfunk präsentiert seine Hörspielproduktion "Am Königsweg" als deutsche Erstinszenierung in zwei Varianten: Eine Fassung in drei Teilen, die in der Gesamtlänge von sechs Stunden den ungekürzten Text ausbreitet, und eine eigenständige, das gesamte Material komprimierende Miniaturfassung, die ebenfalls in drei Teile gegliedert, in 53 Minuten eine Königsweg-Abkürzung anbietet. Schon die Konstellation hier Elfriede Jelinek, dort Donald Trump verspricht einen Schaukampf: Auf der einen Seite die Literaturnobelpreisträgerin und Dramatikerin, die in ihren Werken ebenso sprachmusikalisch wie -analytisch die Inszenierungen politischer Macht und Verbrechen seziert und offenlegt, auf der anderen Seite ein skrupellos agierender Milliardär, Bauunternehmer und Skandalproduzent, der in einer jähen Wendung jene politische Rolle übernimmt, die ihn zum mächtigsten Mann der Welt werden lässt.

Seismographie des Hörspiels: Dreißig Jahre "Hörspiel des Jahres" - 16.07.2017  

Mit Katarina Agathos, Regine Ahrem, Christoph Buggert, Thomas Fritz, Ulrich Gerhardt, Christina Hänsel, Manfred Hess, Stefanie Hoster, Herbert Kapfer, Sabine Küchler, Anette Kührmeyer, Jochen Meißner, Martina Müller-Wallraf, Holger Rink, Ursula Ruppel, Matthias Thalheim, Ulrike Toma / Zusammenstellung und Realisation: Michael Farin / BR 2017 / Ein Doppeljubiläum ist der Anlass, in einer vielstimmigen Sendung die Möglichkeiten und Entwicklungen des Genres Hörspiel auszuloten: Vor vierzig Jahren, im April 1977, wurde von der Deutschen Akademie der Darstellende Künste die Initiative "Hörspiel des Monats" ins Leben gerufen. Der später hinzugekommene Preis "Hörspiel des Jahres" wurde 2017 zum dreißigsten Mal vergeben. Mehrere hundert Produktionen wurden in den vergangenen Jahrzehnten ausgezeichnet, von jährlich wechselnden Jurys, die sich aus Publizist/innen und Kritiker/innen zusammensetzten. Das Prinzip des kontinuierlichen Wechsels sorgte für die ständigen, häufig kontrovers geführten Diskussionen zur Qualität von Stücken, zu Kriterien der Beurteilung künstlerischer Produktion und zu Entscheidungen der Jury. Als „eine der lebendigsten, phantasievollsten und formal variantenreichsten Kunstgattungen der Gegenwart“ bezeichnete Christoph Buggert, Autor und Mitglied des Präsidiums der Akademie, in diesem Zusammenhang das Hörspiel. Er lud Autor/innen, Komponist/innen, Regisseur/innen, Dramaturg/innen und Publizist/innen ein, für eine Hörspiel-Publikation der Akademie Beiträge zu verfassen: Gedankensplitter, Kurz-Essays, Kommentare, Erinnerungsfetzen, Fußnoten, Polemiken und Miszellen zum Zustand und den Perspektiven der Radiokunst. "Seismographie des Hörspiels" versammelt viele Stimmen für eine Momentaufnahme zur Situation und zu den Entwicklungsmöglichkeiten jener Kunstform, die das Medium Radio hervorgebracht hat. Die Sendung stellt eine Auswahl der entstandenen Beiträge vor. Es ist eine Textauswahl, die überwiegend dramaturgische, programmliche und produktionsbezogene Aspekte und Überlegungen in den Mittelpunkt stellt. Die Autor/innen sprechen ihre Texte selbst.

Elfriede Jelinek: Am Königsweg (2/3) - 15.07.2017  

Mit Thomas Albus, Peter Brombacher, Katja Bürkle, Helga Fellerer, Christian Gaul, Mechthild Großmann, Johannes Herrschmann, Christoph Jablonka, Johannes Silberschneider, Kathrin von Steinburg, Sebastian Weber, David Zimmerschied sowie Elfriede Jelinek / Musik: Elliott Sharp / Ton und Technik: Michael Krogmann / Susanne Herzig / Regieassistenz: Stefanie Ramb / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2017 / Länge: 53'28 // Am Abend, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, begann Elfriede Jelinek, ihr Stück Am Königsweg zu schreiben. Vor Trumps Amtseinführung hatte die Autorin eine erste Fassung des Textes abgeschlossen. Der Bayerische Rundfunk präsentiert seine Hörspielproduktion Am Königsweg als deutsche Erstinszenierung in zwei Varianten: Eine Fassung in drei Teilen, die in der Gesamtlänge von sechs Stunden den ungekürzten Text ausbreitet, und eine eigenständige, das gesamte Material komprimierende Miniaturfassung, die ebenfalls in drei Teile gegliedert, in 53 Minuten eine Königsweg-Abkürzung anbietet. Schon die Konstellation hier Elfriede Jelinek, dort Donald Trump verspricht einen Schaukampf: Auf der einen Seite die Literaturnobelpreisträgerin und Dramatikerin, die in ihren Werken ebenso sprachmusikalisch wie -analytisch die Inszenierungen politischer Macht und Verbrechen seziert und offenlegt, auf der anderen Seite ein skrupellos agierender Milliardär, Bauunternehmer und Skandalproduzent, der in einer jähen Wendung jene politische Rolle übernimmt, die ihn zum mächtigsten Mann der Welt werden lässt.

Elfriede Jelinek: Am Königsweg (1/3) - 08.07.2017  

Mit Thomas Albus, Peter Brombacher, Katja Bürkle, Helga Fellerer, Christian Gaul, Mechthild Großmann, Johannes Herrschmann, Christoph Jablonka, Johannes Silberschneider, Kathrin von Steinburg, Sebastian Weber, David Zimmerschied sowie Elfriede Jelinek / Musik: Sven-Åke Johansson / Ton und Technik: Michael Krogmann / Susanne Herzig / Regieassistenz: Stefanie Ramb / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2017 / Länge: 53'28 // Am Abend, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, begann Elfriede Jelinek, ihr Stück Am Königsweg zu schreiben. Vor Trumps Amtseinführung hatte die Autorin eine erste Fassung des Textes abgeschlossen. Der Bayerische Rundfunk präsentiert seine Hörspielproduktion Am Königsweg als deutsche Erstinszenierung in zwei Varianten: Eine Fassung in drei Teilen, die in der Gesamtlänge von sechs Stunden den ungekürzten Text ausbreitet, und eine eigenständige, das gesamte Material komprimierende Miniaturfassung, die ebenfalls in drei Teile gegliedert, in 53 Minuten eine Königsweg-Abkürzung anbietet. Schon die Konstellation hier Elfriede Jelinek, dort Donald Trump verspricht einen Schaukampf: Auf der einen Seite die Literaturnobelpreisträgerin und Dramatikerin, die in ihren Werken ebenso sprachmusikalisch wie -analytisch die Inszenierungen politischer Macht und Verbrechen seziert und offenlegt, auf der anderen Seite ein skrupellos agierender Milliardär, Bauunternehmer und Skandalproduzent, der in einer jähen Wendung jene politische Rolle übernimmt, die ihn zum mächtigsten Mann der Welt werden lässt.

Christoph Buggert: Preiserfindung. Wie das "Hörspiel des Monats" entstand - 07.07.2017  

Christoph Buggert (Hörspielautor und Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste) im Gespräch mit Michael Farin, BR 2017.

Elfriede Jelinek: Am Königsweg - 02.07.2017  

Mit Thomas Albus, Peter Brombacher, Katja Bürkle, Helga Fellerer, Christian Gaul, Mechthild Großmann, Johannes Herrschmann, Christoph Jablonka, Johannes Silberschneider, Kathrin von Steinburg, Sebastian Weber, David Zimmerschied sowie Elfriede Jelinek / Musik: Sven-Åke Johansson, Elliott Sharp, Chor des Bayerischen Rundfunks und Akademie für Alte Musik Berlin. Leitung: Howard Arman / Ton und Technik: Michael Krogmann / Susanne Herzig / Regieasssistenz: Stefanie Ramb / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2017 / Länge: 53'28 // Am Abend, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, begann Elfriede Jelinek, ihr Stück Am Königsweg zu schreiben. Vor Trumps Amtseinführung hatte die Autorin eine erste Fassung des Textes abgeschlossen. Der Bayerische Rundfunk präsentiert seine Hörspielproduktion Am Königsweg als deutsche Erstinszenierung in zwei Varianten: Eine Fassung in drei Teilen, die in der Gesamtlänge von sechs Stunden den ungekürzten Text ausbreitet, und eine eigenständige, das gesamte Material komprimierende Miniaturfassung, die ebenfalls in drei Teile gegliedert, in 53 Minuten eine Königsweg-Abkürzung anbietet. Schon die Konstellation hier Elfriede Jelinek, dort Donald Trump verspricht einen Schaukampf: Auf der einen Seite die Literaturnobelpreisträgerin und Dramatikerin, die in ihren Werken ebenso sprachmusikalisch wie -analytisch die Inszenierungen politischer Macht und Verbrechen seziert und offenlegt, auf der anderen Seite ein skrupellos agierender Milliardär, Bauunternehmer und Skandalproduzent, der in einer jähen Wendung jene politische Rolle übernimmt, die ihn zum mächtigsten Mann der Welt werden lässt.

Arnd Beise: Peter Weiss neu entdecken - 30.06.2017  

Arnd Beise (Literaturwissenschaftler) im Gespräch mit Thomas Kretschmer (BR 2007)

Peter Weiss: Abschied von den Eltern (4/4) - 30.06.2017  

Mit Robert Stadlober / Komposition: The Notwist / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2013 // Der Tod der Eltern wird für den Erzähler in Peter Weiss' autobiografischer Prosa Auslöser zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. "Abschied von den Eltern", erstmals 1961 erschienen, handelt von dem Zauber und den Abgründen der Kindheit, von den schmerzhaften Prozessen des Wachsens, der unausweichlichen Loslösung von Vater und Mutter, der Suche nach einem eigenen Leben. Sprunghaft und dennoch kunstvoll gewebt, mit einer gleichermaßen soghaften wie präzisen Sprache breitet Weiss ein Netz aus Momentaufnahmen aus und entwirft eine Ausdeutung seiner Vergangenheit, die in seine Entwicklung zum Künstler mündet. Der Erzähler berichtet von der frühen Kindheit und den ersten prägenden Eindrücken seiner Heimatstadt, schildert die sublimen Machtspiele unter Kindern und seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er berichtet von Friederle, dem Nachbarsjungen, der ihn beständig drangsaliert und darüber, wie ausgeschlossen er sich nicht nur gegenüber Gleichaltrigen, sondern auch innerhalb seiner Familie fühlt. Die Beziehungslosigkeit der autoritären Eltern und ihre unantastbare Dominanz erzeugen für ihn den Eindruck als Fremder unter Fremden zu leben und den Wunsch nach Wärme und Zugehörigkeit. Als die geliebte Schwester Margit stirbt, beginnt für ihn die allmähliche Auflösung seiner Familie, die begleitet wird durch die lange Flucht vor den Nationalsozialisten ins schwedische Exil über London und Prag. Schließlich führt die Möglichkeit, eigene Ausdrucksformen in Malerei und Literatur zu finden, zu freiheitlicher Selbstbestimmung und innerer Unabhängigkeit. Eine Entwicklung, der seine Eltern durch eine Lehre im Warenhaus vergeblich versuchen, entgegen zu wirken. „Und die Unruhe, die jetzt begonnen hatte, ließ sich nicht mehr eindämmen, nach Wochen und Monaten langsamer innerer Veränderungen, nach Rückfällen in Schwäche und Mutlosigkeit, nahm ich Abschied von den Eltern.“ Abschied von den Eltern erscheint als erster Teil einer autobiografischen Künstlerprosa, die in Fluchtpunkt (1962) ihre Fortsetzung findet. Obwohl Peter Weiss immer sehr nah an seinen persönlichen Erfahrungen bleibt, bekommen seine Schilderungen etwas entwicklungspsychologisch Allgemeingültiges. Gleichzeitig schafft er durch die differenzierte Beschreibung des Einflusses von Familie auf das Individuum auch eine kritische Betrachtung des konservativen Bürgertums Mitte des 20. Jahrhunderts, wodurch seine Erzählung zu einem wichtigen Werk für die Jugendprotestbewegung von 1968 wurde. Die Stimmung der Audiofassung der Erzählung wird auch durch den Sound der Independent Band „The Notwist“ zur Geltung gebracht. Grundlage für die musikalischen Intermezzi sind acht Collagen, die Peter Weiss 1962 zu Abschied von den Eltern angefertigt hat, um die Geschichte mit anderen Mitteln noch einmal zu erzählen.

Jan Peters: Wie ich mich dem Ereignishorizont annäherte - 25.06.2017  

Mit Jan Peters, Pit Przygodda, Cecile Lapoire, Michael Layton, Neal Hartman / Komposition: Pit Przygodda / Realisation: Jan Peters / BR in Zusammenarbeit mit arts@CERN 2014 / Länge: 53'46 // Immer noch ist der Filmemacher und Hörspielautor Jan Peters auf der Suche nach Antworten auf die wirklich großen Fragen: nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Mit dem Eindruck, es schon an vielen Stellen versucht und dabei wenig Neues entdeckt zu haben, hat er sich als "artist in residence" an einem Ort beworben, der für die Entwicklung neuer Ideen bekannt ist: am CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung in Genf, wo Wissenschaftler aus aller Welt auch auf der Suche nach Antworten auf wirklich große Fragen sind. Sie suchen die Weltformel, die alle bekannten physikalischen Phänomene erklären und verknüpfen soll. Dazu haben sie einen gigantischen Teilchenbeschleuniger gebaut, den Large Hadron Collider, ein 100 Meter unter der Erde liegender, 27 km langer Ring, in dem auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigte Protonen zur Kollision gebracht werden, um die Situation im Universum wenige Nanosekunden nach dem Urknall zu simulieren. Im Rahmen eines Stipendiums ab September 2013 konnte Jan Peters an dieser Grundlagenforschung teilnehmen und ist mit dem CERN-Ingenieur und nebenberuflichen Filmemacher Neal Hartman zum Forschungsteam um den Pixel- Detektor am ATLAS-Experiment im CERN gestoßen. Der Pixel-Detektor ist nur wenige Zentimeter von dem Ort entfernt, an dem die auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Protonen kollidieren, er hält die Spuren der Teilchen fest, die in den Kollisionen entstehen. Zum Zeitpunkt des Stipendiums ist am ATLAS- Experiment gerade eine mehrmonatige Betriebspause, die dazu genutzt wird, den Pixel-Detektor aus- und umzubauen. Jan Peters hat während seines Stipendiums das Team um den Pixel-Detektor beim Wiedereinbau begleitet und zugesehen (und manchmal sogar mit angefasst), wie mehr als 24.000 Datenkabel erneut verbunden, durchgemessen und getestet wurden, wie Stickstoff in unzählige Rohre gepumpt wurde, um diese auf Lecks zu testen, wie das Strahlenschutzteam mit Staubsaugern auf dem Rücken zum Anschleifen von Klebestellen hinzugeholt wurde und vieles, vieles mehr. Im Hörspiel Wie ich mich dem Ereignishorizont annäherte erzählt Jan Peters aus der Zeit seines Aufenthalts am CERN, wobei er sich tief in das Forschungsprojekt hineinbegibt, dabei aber eine kritische Distanz nicht verliert, den Zuhörer mit Selbstironie zum Lachen bringt und immer wieder eine Verbindung zwischen Physik und Kunst, zwischen Philosophie und Politik herstellt.

Peter Weiss: Abschied von den Eltern (3/4) - 23.06.2017  

Mit Robert Stadlober / Komposition: The Notwist / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2013 // Der Tod der Eltern wird für den Erzähler in Peter Weiss' autobiografischer Prosa Auslöser zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. "Abschied von den Eltern", erstmals 1961 erschienen, handelt von dem Zauber und den Abgründen der Kindheit, von den schmerzhaften Prozessen des Wachsens, der unausweichlichen Loslösung von Vater und Mutter, der Suche nach einem eigenen Leben. Sprunghaft und dennoch kunstvoll gewebt, mit einer gleichermaßen soghaften wie präzisen Sprache breitet Weiss ein Netz aus Momentaufnahmen aus und entwirft eine Ausdeutung seiner Vergangenheit, die in seine Entwicklung zum Künstler mündet. Der Erzähler berichtet von der frühen Kindheit und den ersten prägenden Eindrücken seiner Heimatstadt, schildert die sublimen Machtspiele unter Kindern und seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er berichtet von Friederle, dem Nachbarsjungen, der ihn beständig drangsaliert und darüber, wie ausgeschlossen er sich nicht nur gegenüber Gleichaltrigen, sondern auch innerhalb seiner Familie fühlt. Die Beziehungslosigkeit der autoritären Eltern und ihre unantastbare Dominanz erzeugen für ihn den Eindruck als Fremder unter Fremden zu leben und den Wunsch nach Wärme und Zugehörigkeit. Als die geliebte Schwester Margit stirbt, beginnt für ihn die allmähliche Auflösung seiner Familie, die begleitet wird durch die lange Flucht vor den Nationalsozialisten ins schwedische Exil über London und Prag. Schließlich führt die Möglichkeit, eigene Ausdrucksformen in Malerei und Literatur zu finden, zu freiheitlicher Selbstbestimmung und innerer Unabhängigkeit. Eine Entwicklung, der seine Eltern durch eine Lehre im Warenhaus vergeblich versuchen, entgegen zu wirken. „Und die Unruhe, die jetzt begonnen hatte, ließ sich nicht mehr eindämmen, nach Wochen und Monaten langsamer innerer Veränderungen, nach Rückfällen in Schwäche und Mutlosigkeit, nahm ich Abschied von den Eltern.“ Abschied von den Eltern erscheint als erster Teil einer autobiografischen Künstlerprosa, die in Fluchtpunkt (1962) ihre Fortsetzung findet. Obwohl Peter Weiss immer sehr nah an seinen persönlichen Erfahrungen bleibt, bekommen seine Schilderungen etwas entwicklungspsychologisch Allgemeingültiges. Gleichzeitig schafft er durch die differenzierte Beschreibung des Einflusses von Familie auf das Individuum auch eine kritische Betrachtung des konservativen Bürgertums Mitte des 20. Jahrhunderts, wodurch seine Erzählung zu einem wichtigen Werk für die Jugendprotestbewegung von 1968 wurde. Die Stimmung der Audiofassung der Erzählung wird auch durch den Sound der Independent Band „The Notwist“ zur Geltung gebracht. Grundlage für die musikalischen Intermezzi sind acht Collagen, die Peter Weiss 1962 zu Abschied von den Eltern angefertigt hat, um die Geschichte mit anderen Mitteln noch einmal zu erzählen.

Peter Weiss: Abschied von den Eltern (2/4) - 16.06.2017  

Mit Robert Stadlober / Komposition: The Notwist / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2013 // Der Tod der Eltern wird für den Erzähler in Peter Weiss' autobiografischer Prosa Auslöser zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. "Abschied von den Eltern", erstmals 1961 erschienen, handelt von dem Zauber und den Abgründen der Kindheit, von den schmerzhaften Prozessen des Wachsens, der unausweichlichen Loslösung von Vater und Mutter, der Suche nach einem eigenen Leben. Sprunghaft und dennoch kunstvoll gewebt, mit einer gleichermaßen soghaften wie präzisen Sprache breitet Weiss ein Netz aus Momentaufnahmen aus und entwirft eine Ausdeutung seiner Vergangenheit, die in seine Entwicklung zum Künstler mündet. Der Erzähler berichtet von der frühen Kindheit und den ersten prägenden Eindrücken seiner Heimatstadt, schildert die sublimen Machtspiele unter Kindern und seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er berichtet von Friederle, dem Nachbarsjungen, der ihn beständig drangsaliert und darüber, wie ausgeschlossen er sich nicht nur gegenüber Gleichaltrigen, sondern auch innerhalb seiner Familie fühlt. Die Beziehungslosigkeit der autoritären Eltern und ihre unantastbare Dominanz erzeugen für ihn den Eindruck als Fremder unter Fremden zu leben und den Wunsch nach Wärme und Zugehörigkeit. Als die geliebte Schwester Margit stirbt, beginnt für ihn die allmähliche Auflösung seiner Familie, die begleitet wird durch die lange Flucht vor den Nationalsozialisten ins schwedische Exil über London und Prag. Schließlich führt die Möglichkeit, eigene Ausdrucksformen in Malerei und Literatur zu finden, zu freiheitlicher Selbstbestimmung und innerer Unabhängigkeit. Eine Entwicklung, der seine Eltern durch eine Lehre im Warenhaus vergeblich versuchen, entgegen zu wirken. „Und die Unruhe, die jetzt begonnen hatte, ließ sich nicht mehr eindämmen, nach Wochen und Monaten langsamer innerer Veränderungen, nach Rückfällen in Schwäche und Mutlosigkeit, nahm ich Abschied von den Eltern.“ Abschied von den Eltern erscheint als erster Teil einer autobiografischen Künstlerprosa, die in Fluchtpunkt (1962) ihre Fortsetzung findet. Obwohl Peter Weiss immer sehr nah an seinen persönlichen Erfahrungen bleibt, bekommen seine Schilderungen etwas entwicklungspsychologisch Allgemeingültiges. Gleichzeitig schafft er durch die differenzierte Beschreibung des Einflusses von Familie auf das Individuum auch eine kritische Betrachtung des konservativen Bürgertums Mitte des 20. Jahrhunderts, wodurch seine Erzählung zu einem wichtigen Werk für die Jugendprotestbewegung von 1968 wurde. Die Stimmung der Audiofassung der Erzählung wird auch durch den Sound der Independent Band „The Notwist“ zur Geltung gebracht. Grundlage für die musikalischen Intermezzi sind acht Collagen, die Peter Weiss 1962 zu Abschied von den Eltern angefertigt hat, um die Geschichte mit anderen Mitteln noch einmal zu erzählen.

Leonora Carrington/Ulrike Haage: Alle Vögel fliegen hoch, alle Schafe fliegen hoch, alle Engel fliegen hoch - 11.06.2017  

Mit Bernhard Schütz, Antje Greie, Ken Yamamoto / Komposition und Realisation: Ulrike Haage / BR 2012 / Länge: 52'38 // In ihrer Erzählung Die Debütantin schickt die Surrealistin Leonora Carrington eine Hyäne auf einen Ball. Als einzige Tochter in einer wohlhabenden englischen Industriellenfamilie wie im goldenen Käfig aufgewachsen („Meine Mutter sah ich am Tag nur ein einziges Mal: wenn ich von meiner Gouvernante zum Tee geführt wurde“), mutet bereits Carringtons Kindheit und Jugend wie eine Gartenparty mit Hyänen an: Sie vertreibt sich die Langeweile mit Märchen, Gespenster- und Horrorgeschichten und den Erzählungen von Lewis Carroll. Schon als Kind beginnt sie selbst zu malen und zu erfinden. Nachdem sie von ihren Eltern am englischen Hof vorgestellt wurde, beschließt sie: „Ihr habt euren Spaß gehabt, jetzt werde ich den meinen besorgen“ und beginnt in London Kunst zu studieren. Durch ihre dreijährige, intensive Liebesbeziehung mit dem erheblich älteren Max Ernst kommt sie in Kontakt mit den Surrealisten im Paris der 30er Jahre. Auf der großen Surrealisten Ausstellung von 1938 ist sie 21jährig mit eigenen Werken vertreten. Bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs wird sie von Max Ernst getrennt, was bei ihr vorübergehend eine Angstpsychose auslöst, die sie literarisch verarbeitet. Sie geht nach Mexiko, wo sie bis auf wenige Jahre, die sie in New York verbringt, bis zu ihrem Tod 2011 lebt und Gemälde und Skulpturen erschafft, die oft mystische Motive, Tier-Menschgestalten, Fabelwesen, manchmal auch Engel aufweisen. Neben ihrem großen bildnerischen Werk, hinterließ Leonora Carrington auch zahlreiche Erzählungen, Romane, Theaterstücke. Die Komponistin Ulrike Haage verwebt zwei Erzählungen Der Unscheinbare und Wie man ein Unternehmen gründet mit Motiven aus der Debütantin, englischen Abzählreimen und nonsens-Gedichten von Edward Lear, einem Zeitgenossen von Lewis Carroll, in ein Hörstück. Ein soundtrack, der Carringtons Welt akustisch wieder erstehen lässt, ein Soundtrack, in dem sich Harmonien und exzessive Atonalität ganz selbstverständlich durchdringen. Rhythmischer Sprech-Gesang, zarte Melodien, vorbeitrudelnde Akkorde, Elektronik, verwandeln die überbordenden short stories in lange songs und treiben die seltsamen Begebenheiten eines magischen Maskenballs und eines utopischen Picknicks vor sich her.

Peter Weiss: Abschied von den Eltern (1/4) - 09.06.2017  

Mit Robert Stadlober / Komposition: The Notwist / Regie: Karl Bruckmaier / BR 2013 // Der Tod der Eltern wird für den Erzähler in Peter Weiss' autobiografischer Prosa Auslöser zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. "Abschied von den Eltern", erstmals 1961 erschienen, handelt von dem Zauber und den Abgründen der Kindheit, von den schmerzhaften Prozessen des Wachsens, der unausweichlichen Loslösung von Vater und Mutter, der Suche nach einem eigenen Leben. Sprunghaft und dennoch kunstvoll gewebt, mit einer gleichermaßen soghaften wie präzisen Sprache breitet Weiss ein Netz aus Momentaufnahmen aus und entwirft eine Ausdeutung seiner Vergangenheit, die in seine Entwicklung zum Künstler mündet. Der Erzähler berichtet von der frühen Kindheit und den ersten prägenden Eindrücken seiner Heimatstadt, schildert die sublimen Machtspiele unter Kindern und seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er berichtet von Friederle, dem Nachbarsjungen, der ihn beständig drangsaliert und darüber, wie ausgeschlossen er sich nicht nur gegenüber Gleichaltrigen, sondern auch innerhalb seiner Familie fühlt. Die Beziehungslosigkeit der autoritären Eltern und ihre unantastbare Dominanz erzeugen für ihn den Eindruck als Fremder unter Fremden zu leben und den Wunsch nach Wärme und Zugehörigkeit. Als die geliebte Schwester Margit stirbt, beginnt für ihn die allmähliche Auflösung seiner Familie, die begleitet wird durch die lange Flucht vor den Nationalsozialisten ins schwedische Exil über London und Prag. Schließlich führt die Möglichkeit, eigene Ausdrucksformen in Malerei und Literatur zu finden, zu freiheitlicher Selbstbestimmung und innerer Unabhängigkeit. Eine Entwicklung, der seine Eltern durch eine Lehre im Warenhaus vergeblich versuchen, entgegen zu wirken. „Und die Unruhe, die jetzt begonnen hatte, ließ sich nicht mehr eindämmen, nach Wochen und Monaten langsamer innerer Veränderungen, nach Rückfällen in Schwäche und Mutlosigkeit, nahm ich Abschied von den Eltern.“ Abschied von den Eltern erscheint als erster Teil einer autobiografischen Künstlerprosa, die in Fluchtpunkt (1962) ihre Fortsetzung findet. Obwohl Peter Weiss immer sehr nah an seinen persönlichen Erfahrungen bleibt, bekommen seine Schilderungen etwas entwicklungspsychologisch Allgemeingültiges. Gleichzeitig schafft er durch die differenzierte Beschreibung des Einflusses von Familie auf das Individuum auch eine kritische Betrachtung des konservativen Bürgertums Mitte des 20. Jahrhunderts, wodurch seine Erzählung zu einem wichtigen Werk für die Jugendprotestbewegung von 1968 wurde. Die Stimmung der Audiofassung der Erzählung wird auch durch den Sound der Independent Band „The Notwist“ zur Geltung gebracht. Grundlage für die musikalischen Intermezzi sind acht Collagen, die Peter Weiss 1962 zu Abschied von den Eltern angefertigt hat, um die Geschichte mit anderen Mitteln noch einmal zu erzählen.

Ernst Kreuder: Die Gesellschaft vom Dachboden - 02.06.2017  

Mit Manfred Zapatka, Thomas Thieme, Bernhard Schütz, Stefan Wilkening, Michael Habeck, Tanja Schleiff / Komposition und Regie: Klaus Buhlert / BR 2003 / Länge: 81'25 // Auf dem Dachboden eines deutschen Kleinstadthauses beginnt ein Verschwörermärchen: Sechs höchst eigenwillige Männer haben es satt, ihr Leben trübsinnig-rechtschaffen und in ordentlicher kleinbürgerlicher Manier zu vergeuden. Unter dem Motto "jeder sein eigener Phantast" gründen sie als vehemente Absage an die moderne Industriegesellschaft zwischen abgestellten Kisten, ausrangierten Körben und Vogelkäfigen eine Gegenwelt: den Geheimbund wider die Dummheit. Der Dachboden wird von Geschäftemachern ‚besetzt‘, die Geheimbündler heben einen Schatz, werden verstreut und finden sich am Ende auf der ‚Alten Liebe‘, einem ausgemusterten Fluss-Dampfer, wieder. Sie haben gelobt, in einer Welt der ruhelos Tüchtigen als ‚Verborgene‘ zu überleben – getreu ihren 7 Programmpunkten: Aufrichtigkeit, Anhänglichkeit, Beharrlichkeit, Barmherzigkeit, Überschwenglichkeit, Friedfertigkeit und Wandelbarkeit. ‚Die Gesellschaft vom Dachboden‘ wurde 1946 von der Kritik als „Zaubergarten skurriler deutscher Träumerei“ bezeichnet, „bizarre Phantastik, verhaltene Heiterkeit und grotesker Überschwang“ machten es zu einem international beachteten Buch deutscher Nachkriegsliteratur. 1953 wurde Ernst Kreuder der Georg-Büchner-Preis verliehen, aber bereits in den sechziger Jahren gehörte er in Deutschland zu den vergessenen Autoren.

Karl May: Sitara - Land der Sternenblumen (Teil IV: Marah Durimeh) - 28.05.2017  

Musik: Franz Hautzinger / Bearbeitung und Regie: Michael Farin / BR 2017 // Zweifelsohne, Marah Durimeh ist die geheimnisvollste Gestalt im Werk Karl Mays. Wie keine andere Figur durchgeistert sie sein Spätwerk ... Sie ist die Herrin von Sitara, dem in Europa "fast gänzlich unbekannten Land der Sternenblumen" ... Herrscherin aus uraltem Königsgeschlecht ... ist alterslos und weise ... voller Würde ... oder, in den Worten Hadschi Halef Omars: "... kein gewöhnliches Weib; sie ist auch keine Königin. Sie ist ein Dschinni, eine Seele, ein Geist. Ja noch mehr: sie ist nicht nur Seele oder Geist, sondern sie ist die Herrin und die Gebieterin aller Seelen und aller Geister, die es gibt. Allah segne sie!“ Eigentlich hat mit ihr alles begonnen. Sie schickte Kara Ben Nemsi auf seine letzte Reise, auf jenem Segler namens „Wilahde“. Was nichts anderes heißt als Geburt. Und mit ihr wird alles enden, denn sie wird dort sein, wo er hinkommt. Weil der Anfang das Ende ist und das Ende der Anfang. Und sie wird es hören, wenn er aufsteht und sagt: „Hier. Hier bin ich.“

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