radioTexte - Bayern 2

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Die Lesungen in Bayern 2. Literatur im Ohr. Die Bibliothek zum Hören. Tipps zum Weiterlesen. Klassiker, neue Bücher, Romane, Briefe, Manuskripte – exklusiv, das alles in den radioTexten. Erfundene und wahre Geschichten, kommentiert von den Autoren, gelesen von den Autoren selbst oder von namhaften Schauspielern, wie Ulrike Kriener, Lisa Wagner, Gert Heidenreich, Axel Milberg und anderen.

Episodes

Das offene Buch: Preisträger Mathias Énard in Leipzig und sein "Kompass" - 26.03.2017  

Mit enzyklopädischem Wissen und Leidenschaft für die Verbindung von Orient und Okzident schrieb Mathias Énard seinen Roman „Kompass“. In Frankreich erhielt er dafür den Prix Goncourt. Nun ehrte die Leipziger Buchmesse den Franzosen mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. "In einer Welt, in der sich Orient und Okzident zunehmend in einer Schockstarre aus Feindseligkeit, Angst, aus Drohung und Gegendrohung gegenüberstehen, schenkt uns Mathias Énard einen von grosser menschlicher Anteilnahme geprägten Einblick in den arabischen Kulturraum", schrieb die Jury. „Kompass“ ruft die Einflüsse zwischen Europa und dem Orient in Erinnerung. Énard denkt und lebt Osten und Westen zusammen, wie seine Romanfigur Franz Ritter. Zwischen Opium, Erinnerung und ärztlicher Todes-Diagnose, steht der Musikwissenschaftler und Orientalist in seiner Wiener Wohnung am Fenster, schaut in die Nacht und resümiert sein Leben, seine Liebe zum Orient und zu Sarah, seine Reisen nach Istanbul, Damaskus, Palmyra und Aleppo. In einer langen Kette von Assoziationen und poetischen Bildern, erzählt „Kompass“ von der Faszination der Europäer fürs Morgenland, von Goethe bis Rimbaud; elegant, mitreißend und hochaktuell. Der Schauspieler André Jung liest aus dem Roman-Anfang, und Mathias Énard spricht über den Orient und Europa. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / J. L. Carr: Ein Monat auf dem Land - 23.03.2017  

"Beglückend", "ergreifend", "ein schmaler Band, der lange nachwirkt", "von Eleganz und Einfachheit" – die Kritiker waren hingerissen von dieser Erzählung, die der britische Autor J. L. Carr schon vor langer Zeit geschrieben hat, die aber erst im letzten Jahr auch auf Deutsch zu lesen war.

radioTexte / C. Hell: Eiserner Wolf im barocken Labyrinth - 21.03.2017  

Eiserner Wolf im barocken Labyrinth - Das Labyrinth der Altstadt von Vilnius vereint verwinkelte Gassen und großzügige Plätze, unzählige Kirchen und zahlreiche Paläste - Zeugnisse einer bewegten Vergangenheit. In seinen Streifzügen durch die Traumstadt der Großfürsten Gediminas, der Legende nach uneinnehmbar wie ein eiserner Wolf, erinnert der österreichische Autor Cornelius Hell an die wechselvolle Geschichte der Hauptstadt von Litauen, dem diesjährigen Gastland auf der Leipziger Buchmesse, wo es heißt: Labas Litauen! Antonio Pellegrino im Gespräch mit dem begeisterten Vilnius-Flaneur Cornelius Hell (Veni, vidi, Vilnius), dessen Essays Siemen Rühaak liest.

"Wortspiele 17" - Die besten Texte und der Bayern2-Wortspielepreis - 19.03.2017  

„Bianca ist 17. Blaue Haare, Springerstiefel, neu auf dem Sonnenhof, wo sie Sozialstunden ableisten soll. Wie Alice im Wunderland rutscht sie durch einen Tunnel in diesen Mikrokosmos wundersamer Figuren, ‚marsig und nice‘ allesamt. Aber richtig schräg wird es, als Sydney Seapunk auf den Plan tritt und sich entführen lassen möchte, für den guten Zweck und seine Vision vom besseren Leben. Ohne missionarischen Gestus erzählt Andreas Stichmann von einer Mission des Guten. So vergnügt und originell, so einfühlsam und gewitzt schreibt selten einer über verlorene Utopien, einsame Glücksucher und Betreutes Wohnen als Schelmenroman.“ Mit diesen Worten kürte die Jury den neuen Bayern 2 – Wortspiele-Preisträger Andreas Stichmann und seine Lesung aus seinem neuen Roman „Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk“. Andreas Sichtmann ist zu Gast in Bayern 2, „Das offene Buch“ sendet Auszüge der besten Texte von „Wortspiele 17“, dem Festival Junger Literatur. Mit Nadja Schlüter, Martin Becker, Benjamin Lebert, Philipp Winkler, Nina Bußmann und Andreas Stichmann. Moderation. Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Zelda Fitzgerald: Unsere Leinwandkönigin - 16.03.2017  

Eigensinnig und eigenständig sind die jungen Frauen, die bei Zelda Fitzgerald im Mittelpunkt stehen. Standbein, Spielbein, so tanzen sie durch die goldenen 20er. Eine Zeit, in der Frauen sich einen Menge Spielraum nehmen konnten – wenn sie bereit waren, den Preis dafür zu zahlen. Zelda Fitzgerald zum Beispiel, die mit 19 Jahren Scott F. Fitzgerald geheiratet hatte und mit ihm ein mondänes Leben in den USA und Europa führte. Sie schrieb Texte im jazzigen Rhythmus der Epoche – und veröffentlichte sie unter dem Namen ihres Mannes.

radioTexte / Georg S. Troller: Unterwegs ...(2/2) - 14.03.2017  

Louis Ferdinand Céline, Edith Piaf, Picasso, Brigitte Bardot: Internationale Prominente passten in sein Beuteschema, aber auch den Helden des Alltags schenkte der Reporter und Filmemacher Georg Stefan Troller seine Aufmerksamkeit und verewigte sie in seinen Filmen und gesellschaftlichen Reportagen. Im Gespräch mit Antonio Pellegrino spricht der 95jährige aus Wien stammende Autor und Journalist über seine Begegnungen, seine Erfolge und Niederlagen.

Das offene Buch - 12.03.2017  

"salam Yamen" - "Lieber Said". Ein Dialog Seit gut zwei Jahren lebt der syrische Dichter Yamen Hussein, Mitte 30, als "Writer in Exile" und Gast des deutschen PEN in München. Vor über 50 Jahren kam Said als Student aus Teheran, strandete in München, blieb als Exilant und wurde Schriftsteller. Drei Monate schrieben sich Said und Yamen Hussein Briefe und Gedichte, ohne einander zu kennen. Das Ergebnis ist ein poetischer Dialog, übersetzt von Leila Chammaa und Kenan Khadaj, angeregt vom PEN, dem Literaturhaus München und Bayern 2. Am 9.März sahen sich die beiden Dichter zum ersten Mal, auf der Bühne des Literaturhauses. Ein Abend voller Poesie, eine berührende Begegnung im ausverkauften Saal, Nachdenken über Heimatverlust und Exil, über die Schönheit als Energiequelle und Homs als Stadt des Humors. "Kunst und Kultur werden den Schmerz überdauern". Lesung mit Said, Yamen Hussein und Paul Herwig. Live-Musik: Roman Bunka (Oud), Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Marguerite Duras: Der Liebhaber - 09.03.2017  

Auf der Fähre nach Saigon trifft das weiße Mädchen den schüchternen Chinesen. Die beiden verfallen einander, und die Veröffentlichung von "Der Liebhaber", ganz offenbar ein autobiographisch gefärbtes Buch, löste 1984 einen Skandal aus. Der Roman um eine schockierende Beziehung und eine verzweifelte Kindheit wurde ein in zahlreiche Sprachen übersetzter Bestseller - und Duras mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

radioTexte / Georg S. Troller: Unterwegs ...(1/2) - 07.03.2017  

Abenteuer eines Jahrhunderts "Herr Troller, Sie können ja aus Paris mit einem französischen Akzent berichten oder zur Not einem amerikanischen. Aber doch nicht mit einem wienerischen!" Diesen Satz hörte der 1921 in Wien geborene Pelzhändlersohn nach dem Zweiten Weltkrieg als angehender Journalist in Paris nicht selten. Da Georg Stefan Troller auf die Aufträge mehrerer Sender angewiesen war, musste er sich den Wiener Tonfall "schleunigst abschminken". Seitdem sei seine Sprache so neutral wie das "vielbewunderte Burgtheaterdeutsch" geworden, erinnert sich der Filmemacher und Autor in seinen kürzlich erschienen Memoiren "Unterwegs auf vielen Straßen", aus denen er für die radioTexte am Dienstag die spannendsten, skurrilsten und dramatischsten Passagen liest und im Gespräch mit Antonio Pellegrino kommentiert.

Das offene Buch: "salam, yamen" - "Lieber Said" (1/1) - 05.03.2017  

Sie leben in einer Stadt und kennen sich nicht. Der eine ist halb so alt wie der andere, aber beiden gemeinsam ist die Ankunft in der Fremde. Yamen Hussein, Mitte dreißig, floh 2013 aus Syrien und kam 2014 über den Libanon und die Türkei nach Deutschland. Der Dichter Said, 70, stammt aus Teheran, wollte 1965 in München studieren und blieb „als flüchtling, seit beinah fünfzig jahren“, wie er schreibt. In der deutschen Sprache fand er sein Zuhause. „salam yamen, sei du herzlich willkommen in deutschland, im territorium der deutschen sprache, deiner eigentlichen gastgeberin“, begrüßt Said den Dichter und Journalisten Yamen Hussein, der hofft auf Rückkehr und antwortet: „Ich habe Angst, Du zu werden“, das heißt: ein Flüchtling ein Leben lang. Zwei Dichter, zwei Generationen, zwei Lebensläufe, ein Dialog in Briefen und Gedichten, vor der ersten Begegnung am 9. März im Literaturhaus München. Lesung: Said, Yamen Hussein und der Schauspieler Paul Herwig. Live Musik: Roman Bunka (Oud). Moderation: Cornelia Zetzsche. Eine Kooperation des BR/ Bayern 2 mit dem PEN/ „Writer in Exile“ und dem Literaturhaus München

radioTexte / Erika Mann: Wenn die Lichter ausgehen - 02.03.2017  

Geschickt machte die Autorin deutlich, wie ähnlich Menschen in Städten sich sind, unabhängig von System oder Kontinent. Erika Mann hoffte, ihre Leser aufzurütteln in der Phase des amerikanischen Isolationismus, den drohenden Krieg zu verhindern - genau, wie sie es mit ihren Vorträgen versuchte. Doch als "When the lights go down" 1940 in New York und London erschien, war der Krieg bereits da.

radioTexte / Höherer Blödsinn komm... - 28.02.2017  

Nicht nur die Traumdeutung, die Neurosenlehre und die Sexualtheorie beschäftigten den Seelendoktor Sigmund Freud, der zu erstaunlichen - mehr literarischen denn wissenschaftlichen Erkenntnissen - gelangte. Der Wiener Professor forschte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit tierischem Ernst auch noch über die Beziehung des Witzes zum Unbewussten. Kurzzeitig baue der Witz Hemmungen ab, bestimmte Triebe auszuleben und wirke dementsprechend lustvoll. An diesen Gedanken könnte man wohl nahtlos Robert Gernhardts Bonmot anschließen: "Die Komik ist tatsächlich der Zauberstab, der aus Leid Lust, aus Unterlegenheit Überhebung, aus Einsamkeit Anerkennung, aus Wut Witz, aus Scheiße Bonbon macht." Aber an diesem Faschingsdienstag folgen wir Robert Gernhardt und anderen Meistern des Witzes, damit wir schmunzeln – ja lachen können. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

radioTexte / H. G. Wells: Krieg der Welten (7/7) - 23.02.2017  

Für den britischen Science-Fiction-Pionier H. G. Wells (1866 - 1946) war die Geschichte gleichzeitig eine böse Satire auf die Kolonialpolitik des Empire - die Briten nicht in der Rolle der Eroberer, sondern als übertölpelte Ureinwohner. Gleichzeitig gestaltete er mit seinem Roman zum ersten Mal das klassisch gewordene Motiv einer außerirdischen Invasion. Nach dem Erfolg des Romans von 1898 wurde "Krieg der Welten" 40 Jahre später als Hörspiel berühmt: Orson Welles verlegte die Handlung nach Nordamerika und inszenierte eine wie echt wirkende Nachrichtensendung, die zu Panik unter den Radiohörern führte. Auch Hollywood griff den Stoff mehrfach und millionenschwer auf: Independence Day von Roland Emmerich etwa beruht teilweise auf "Krieg der Welten" und Steven Spielbergs hochgelobter Apokalypse-Blockbuster "War of the worlds" mit Tom Cruise zeigte 2005 - mit gar nicht so vielen Veränderungen - erneut die Faszination der alten Geschichte. Wer den ursprünglichen Text als Parabel auf die Welt des 21. Jahrhunderts mit ihren radikalen Strömungen und asymmetrischen Kriegen liest und hört, wird bedrückende Parallelen finden.

radioTexte / Früher war die Zukunft ... (3/3) - 21.02.2017  

Wie und wo wollen wir leben? Wie sieht die ideale Stadt aus? Und der optimale Arbeitsplatz? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns im dritten Teil unserer Reihe „Früher war die Zukunft“ mit Utopien aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Der amerikanische Journalist und Sozialreformer Edward Bellamy wurde 1850 in Chicopee/Massachusetts geboren. Sein bekanntester Roman „Rückblick aus dem Jahr 2000 auf das Jahr 1887“ ist eine Zukunftsvision, die dazu beitragen soll, in eine bessere Welt zu gelangen. Held der Geschichte ist Julian West, ein reicher junger Mann aus Boston. Er leidet an Schlaflosigkeit. Deswegen lässt es sich von einem Arzt hypnotisieren und sucht Ruhe in einem schalldichten, unterirdischen Schlafzimmer seines Hauses. Kurz nach dessen Erscheinen im Jahr 1888 wurde Bellamys Buch ein Bestseller. Im ganzen Land wurden über 150 Bellamy-Clubs gegründet, die ein Ziel verfolgten: die Verwirklichung der im Roman beschriebenen idealen Gesellschaft. Im Jahr 2000 soll es „industrielle Republiken“ geben, die wie ein globaler Bundesstaat kooperieren und dadurch jedem Bürger eine gesicherte Existenz garantieren. „Die Erben des Untergangs“ heißt Oskar Maria Grafs Roman, in dem er eine Zukunftsvision über das Verhältnis von Mensch und Natur entwirft. Als Utopist versuchte sich der 1894 in Berg am Starnberger See geborene Schriftsteller noch mitten im Zweiten Weltkrieg. 1949 erschien ein Roman mit dem Titel „Die Eroberung der Welt“. Nach mehreren Überarbeitungen kam zehn Jahre später eine endgültige Fassung heraus: „Die Erben des Untergangs. Roman einer Zukunft“. Oskar Maria Grafs Zukunftsvision ist radikal und optimistisch zugleich. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

Das offene Buch: Terézia Mora und der Marathonmann - 19.02.2017  

Seit Terézia Mora 1999 den Bachmann-Preis gewann und mit dem Erzählband „Seltsame Materie“ als Schriftstellerin debütierte, ist sie eine wichtige Stimme im deutschsprachigen Literaturleben. Vor allem aber ist sie bekannt für opulente Romane wie „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ und „Das Ungeheuer“, die ersten zwei Bücher einer Trilogie über den IT-Experten Dariusz Kopp. Nun überraschte sie mit zehn Erzählungen, die 2015 entstanden und gerade mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurden: „Die Liebe unter Aliens“. Eine der schönsten Erzählungen dieses Bandes ist die vom Marathonmann, der eines Tages beraubt wird und zu seinem letzten Lauf antritt. Der Schauspieler Franz Pätzold liest „Fisch schwimmt, Vogel fliegt“. Und Terézia Mora erzählt von ihrer Herkunft, einem ungarischen Dorf, von ihre literarischen Figuren und davon, wie sie den Marathonmann fand. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / H. G. Wells: Krieg der Welten (6/7) - 16.02.2017  

Dies ist ein Buch, das Geschichte geschrieben hat: H. G. Wells "Krieg der Welten". Ein Roman, der über 100 Jahre alt ist und bis heute Leser, Autoren und Filmemacher bewegt. Die so beängstigende wie plausible Frage: Was ist, wenn die Erde von überlegenen Außerirdischen angegriffen wird, denen die ganze schöne menschliche Zivilisation völlig egal ist? Diese Marsianer haben eigene Interessen und brutalste Mittel, um sie durchzusetzen - und genau das tun sie bei Wells auch. In der klassischen Lesung auf Bayern 2 tobt ab Januar der Krieg der Welten - gelesen von Star-Sprecher Andreas Fröhlich, in der Neu-Übersetzung von Lutz-W. Wolff. Eine merkwürdige Raumkapsel ist der erste Vorbote dieser Invasion vom Mars. Im idyllischen Surrey erregt sie zunächst Neugier und Spott - bald aber erweist sie sich als tödlich, und Panik und Entsetzen greifen um sich. Die Feinde vom roten Planeten greifen mit dreibeinigen Kampfmaschinen Großbritannien an, um die rohstoff- und wasserreiche Erde zu erobern. Irdisches Militär ist machtlos gegen diesen Gegner, wie sich bald herausstellt. Flucht, Verwüstung, Apokalypse, schlimmste Alpträume werden wahr, rücksichtslos kämpft - fast - jeder gegen jeden um das Überleben.

radioTexte / Früher war die Zukunft ... (2/3) - 14.02.2017  

Louis Sébastien Mercier wurde 1740 in Paris geboren und ist 1814 dort gestorben. Seine 1771 erschienene Utopie „Das Jahr 2440“ dient der schonungslosen Kritik an den Zuständen, die unter dem Regime Ludwigs XV. herrschten. In dem vorgestellten Ausschnitt erwacht der Erzähler aus einem fast siebenhundertjährigen Schlaf, versucht, sich in seiner Geburtsstadt zurecht zu finden, sich angemessen zu kleiden, nach dem gültigen Modekanon. Merciers Kritik richtet sich gegen die unnatürliche und gesundheitsschädliche Mode des vorrevolutionären Zeitalters. Noch kritischer und leidenschaftlicher ist sein Plädoyer für eine menschlichere Justiz. Der 1835 in Langar/Nottinghamshire geborene Schriftsteller Samuel Butler studierte zunächst in Cambridge, wanderte später nach Neuseeland aus. Sein Roman „Erewhon oder Jenseits der Berge“ erschien 1872. Erewhon ist ein Anagramm des Wortes nowhere- nirgendwo und ist der Name eines fiktiven Landes. Butler spart nicht mit Kritik an den fragwürdigen Werten seiner Zeitgenossen, die er zur Wahrhaftigkeit aufruft. Er nimmt Stellung zu wichtigen Themenkomplexen wie Krankheiten, Verbrechen und Moral, Religion und Handel sowie den blinden Glauben an Fortschritt und Technik. Mit seinen Gedanken zur Geburtenreglung greift Butler die von ihm verhasste elterliche Erziehung an. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino.

Das offene Buch: Kultautor César Aira und der Maler Rugendas - 12.02.2017  

Argentiniens Star-Autor César Aira erzählt, auf den Spuren des Augsburger Malers Johann Moritz Rugendas in Argentinien, "Eine Episode im Leben des Reisemalers". Rugendas ist 35 Jahre alt, als er 1837 zum ersten Mal Lateinamerika bereist, zusammen mit dem älteren Freund und Bewunderer Alexander von Humboldt. Er soll den Universalgelehrten und Naturforscher begleiten und seine Entdeckungen illustrieren. Der Maler dokumentiert in Mexiko, Chile, Argentinien rotblühende Mimosen, exotische Tiere und mächtige Schneeberge, Lebensweisen und Indianer-Überfälle. Und das sind nicht die einzigen Gefahren, die Rugendas zu meistern hat. César Aira zieht alle Register, wenn er einen realen Unfall dramatisiert und Rugendas in einen elektrisierten Reiter verwandelt. Immer sprühen Airas Geschichten vor überbordender Phantasie und eleganter Ironie. Opulentes Fabulieren ist seine Sache nicht, eher Lakonie, sprachliche Präzision auf kleinem Raum und Zuspitzungen ins Groteske. Über 90 Bücher hat er geschrieben, wer sie kennt, von Patti Smith bis Kollegen wie Mario Vargas Llosa, rühmt Airas literarische Raffinesse. Schauspieler Nico Holonics liest aus César Airas kurzem Roman „Eine Episode im Leben des Reisemalers“. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / H. G. Wells: Krieg der Welten (5/7) - 09.02.2017  

Dies ist ein Buch, das Geschichte geschrieben hat: H. G. Wells "Krieg der Welten". Ein Roman, der über 100 Jahre alt ist und bis heute Leser, Autoren und Filmemacher bewegt. Die so beängstigende wie plausible Frage: Was ist, wenn die Erde von überlegenen Außerirdischen angegriffen wird, denen die ganze schöne menschliche Zivilisation völlig egal ist? Diese Marsianer haben eigene Interessen und brutalste Mittel, um sie durchzusetzen - und genau das tun sie bei Wells auch. In der klassischen Lesung auf Bayern 2 tobt ab Januar der Krieg der Welten - gelesen von Star-Sprecher Andreas Fröhlich, in der Neu-Übersetzung von Lutz-W. Wolff. Sieben Folgen - bis zu einem Ende mit knappem Davonkommen. Es geht noch mal gut, aber das liegt nicht an menschlichen Lebensformen … Eine merkwürdige Raumkapsel ist der erste Vorbote dieser Invasion vom Mars. Im idyllischen Surrey erregt sie zunächst Neugier und Spott - bald aber erweist sie sich als tödlich, und Panik und Entsetzen greifen um sich. Die Feinde vom roten Planeten greifen mit dreibeinigen Kampfmaschinen Großbritannien an, um die rohstoff- und wasserreiche Erde zu erobern. Irdisches Militär ist machtlos gegen diesen Gegner, wie sich bald herausstellt. Flucht, Verwüstung, Apokalypse, schlimmste Alpträume werden wahr, rücksichtslos kämpft - fast - jeder gegen jeden um das Überleben.

radioTexte / Früher war die Zukunft ... (1/3) - 07.02.2017  

Was ist ein guter Staat? Und eine gerechte Gesellschaft? „Vom besten Zustandes des Staates und der neuen Insel Utopia“ träumte der englische Staatsmann Thomas Morus. Sein Klassiker „Utopia“ beeinflusste Generationen von Schriftstellern und Sinnsuchern. Von Karl May bis Edward Bellamy. In der Reihe „Früher war die Zukunft…“ werden Utopien aus verschiedenen Jahrhunderten vorgestellt und kommentiert. In der heutigen Folge geht es um Karl Mays "Sitara" und um die Zukunftsvision von Savinien Cyrano de Bergerac "Mondstaaten und Sonnenreiche". Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino.

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