radioTexte - Bayern 2

radioTexte - Bayern 2

Germany

Die Lesungen in Bayern 2. Literatur im Ohr. Die Bibliothek zum Hören. Tipps zum Weiterlesen. Klassiker, neue Bücher, Romane, Briefe, Manuskripte – exklusiv, das alles in den radioTexten. Erfundene und wahre Geschichten, kommentiert von den Autoren, gelesen von den Autoren selbst oder von namhaften Schauspielern, wie Ulrike Kriener, Lisa Wagner, Gert Heidenreich, Axel Milberg und anderen.

Episodes

radioTexte / H. G. Wells: Krieg der Welten (2/7) - 19.01.2017  

Eine merkwürdige Raumkapsel ist der erste Vorbote dieser Invasion vom Mars. Im idyllischen Surrey erregt sie zunächst Neugier und Spott - bald aber erweist sie sich als tödlich, und Panik und Entsetzen greifen um sich. Die Feinde vom roten Planeten greifen mit dreibeinigen Kampfmaschinen Großbritannien an, um die rohstoff- und wasserreiche Erde zu erobern. Irdisches Militär ist machtlos gegen diesen Gegner, wie sich bald herausstellt. Flucht, Verwüstung, Apokalypse, schlimmste Alpträume werden wahr, rücksichtslos kämpft - fast - jeder gegen jeden um das Überleben.

radioTexte / A. de Tocqueville: Demokratie in Amerika (2/4) - 17.01.2017  

In seinem zweibändigen Werk „De la démocratie en Amérique“ beschreibt der Spross eines altnormannischen Adelsgeschlechts Alexis de Tocqueville die demokratische sowie und bürgerliche Gesellschaftsordnung während der zweiten Amtsperiode von Präsident Andrew Jackson. Einem, nach dem Urteil vieler Historiker, “politischen Taschenspieler, Selfmademan neuen Stils, Freund der aufsteigenden Kapitalisten, jedoch einem Politiker, der in seiner direkten und ungehobelten Art die Sehnsucht der kleinen Leute nach mehr Gerechtigkeit verkörperte und progressive Ziele verfolgte. Aber mit Blick auf Jacksons Administration stellt der französische Gelehrte fest, dass die Qualität der amerikanischen Staatsmänner sich in den letzten Jahrzehnten sehr zum Nachteil entwickelt habe. In dieser Folge beschreibt der Gast aus Frankreich die amerikanische Bevölkerung, die dortige Gesellschaftsstruktur beschreibt und welche Unterschiede er zwischen dem Alten und dem Neuen Kontinent herausfindet. Mit Axel Milberg. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

radioTexte / H. G. Wells: Krieg der Welten (1/7) - 12.01.2017  

Dies ist ein Buch, das Geschichte geschrieben hat: H. G. Wells "Krieg der Welten". Ein Roman, der über 100 Jahre alt ist und bis heute Leser, Autoren und Filmemacher bewegt. Die so beängstigende wie plausible Frage: Was ist, wenn die Erde von überlegenen Außerirdischen angegriffen wird, denen die ganze schöne menschliche Zivilisation völlig egal ist? Diese Marsianer haben eigene Interessen und brutalste Mittel, um sie durchzusetzen - und genau das tun sie bei Wells auch. In der klassischen Lesung auf Bayern 2 tobt ab Januar der Krieg der Welten - gelesen von Star-Sprecher Andreas Fröhlich, in der Neu-Übersetzung von Lutz-W. Wolff.

A. de Tocqueville: Demokratie in Amerika (1/4) - 10.01.2017  

Er prägte den Begriff der „Tyrannei der Mehrheit“, beschrieb die Amerikaner als ein „Volk von Händlern, das sich mit Politik beschäftigt, wenn die Geschäfte ihnen die Zeit dafür lassen“: Alexis de Tocqueville. Mit seiner Werk „Über die Demokratie in Amerika“ aus dem Jahr 1835 schrieb der französische Aristokrat die meist diskutierte Studie über die Vereinigten Staaten. Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse scheinen seine Thesen aktueller denn je zu sein. Es liest Axel Milberg. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

radioTexte / Arthur Conan Doyle: Der blaue Karfunkel - 22.12.2016  

"Holmes nahm den Hut in die Hand und betrachtete ihn mit dem eigentümlichen, nach innen gerichteten Blick, der für ihn charakteristisch war. Er ist vielleicht weniger aufschlussreich, als er sein könnte‘, sagte er, 'aber trotzdem liefert er einige eindeutige Hinweise sowie ein paar andere, die zumindest sehr wahrscheinliche Schlussfolgerungen gestatten. Dass der Träger des Huts ein intellektueller Mensch ist, fällt natürlich sofort ins Auge."

radioTexte / Thomas Mann - Frank Wedekind: In die Anstalt - 20.12.2016  

Was haben der Marquis von Keith und Ernst Scholz zu verbergen? Um weiteren Schaden zu verhindern, fordert Scholz den vermeintlichen Aristokraten auf, sich mit ihm gemeinsam in eine Anstalt zurückzuziehen. In einer vor kurzem in den Archiven des BR wiederentdeckten Aufnahme spricht Thomas Mann über die letzte Szene des Schauspiels »Der Marquis von Keith« von Frank Wedekind und erläutert dessen Auffassung von Künstlertum zwischen Schein und Sein. Mitschnitt einer öffentlichen Veranstaltung im Münchner Funkhaus mit einer szenischer Lesung aus Wedekinds Schauspiel, vorgetragen von Christian Löber und Max Wagner. Anschließend diskutierten Dirk Heißerer, Antonio Pellegrino Anatol Regnier, der einige Lieder seines Großvaters Frank Wedekind gesungen hat.

Das offene Buch: Bachtyar Ali - "Der letzte Granatapfel" - 18.12.2016  

Wie kann man Schrecken erzählen? Als Märchen, sagt Bachtyar Ali, der Kurde in Köln und landet mit „Der letzte Granatapfel“ seinen ersten Erfolg auf Deutsch. Ein modernes Märchen, erzählt wie 1001 Nacht, tatsächlich aber eine Geschichte aus der jüngsten Vergangenheit Kurdistans im Irak, als Peschmerga-Kämpfer um die Unabhängigkeit rangen. Im Hintergrund, bringen die Aufstände gegen Saddam Hussein in den 80er Jahren, die blutigen ethnisch-politischen Konflikte der 90er größtes Leid. Aber die Fakten bleiben schemenhaft, denn es geht nicht um eine Geschichtsschreibung Kurdistans, es geht um das Wesen des Menschen: Was macht ihn aus? Wie geht er um mit Gewalt und Not? - Ein hoher Peschmerga wird aus der Haft entlassen, einem Wüstengefängnis am Ende der Welt. 21 Jahre zuvor war er im Kampf in eine Falle geraten. Nun sucht er seinen Sohn Saryasi und sammelt eine Fülle von Geschichten, erzählt auf einem Flüchtlingsboot Richtung Europa. Franz Pätzold vom Residenztheater liest, wie Muzafari aus dem Wüstengefängnis freikommt und wie sein Sohn zum „Professor der Karren“ wird. Und Bachtyar Ali erzählt, wie es zu dem Buch kam. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege - 15.12.2016  

15 Jahre werden erzählt. Zahlreiche Personen beschrieben. Eine klar auszumachende Handlung gibt es nicht. Dafür lange Sätze, elaborierte Gedankenwindungen, viel zur Metaebene von Seiten eines klugen, etwas kauzigen, aber nicht selbst in Erscheinung tretenden Erzählers. Das Ganze erschienen zu einer Zeit, als karger Nachkriegsminimalismus die Literatur dominierte. Noch dazu erst, als der Verfasser - mit Mitte 50 - kaum noch damit rechnen konnte, irgendwann als bedeutender Schriftsteller zu gelten. Doch für die "Strudlhofstiege" wurde er gefeiert und zum neuesten Wiener Klassiker erklärt

radioTexte / Astrid Lindgren: Liebe, süße Louise (2/2) - 13.12.2016  

Elf Jahre lang schrieben sich die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren und die deutsche Sängerin und Frauenrechtlerin Louise Hartung fast 600 Briefe über ihren Alltag, ihr Arbeitsleben, ihre Träume, die Kunst der Freundschaft und der Liebe. Louise Hartung stammte aus Münster, lebte bereits seit den zwanziger Jahren in Berlin, wo sie sich 1953 kennen lernten. Louise Hartung war mit Kurt Weill und Lotte Lenya, Wassily Kandinsky, Marc Chagall und Paul Klee befreundet. Im Ostsektor der zerbombten Stadt hatte sie als Sängerin Konzerte gegeben, an der Uraufführung der Dreigroschenoper von Bert Brecht mitgewirkt, Schallplatten aufgenommen. Später war sie hauptamtliche Mitarbeiterin des Berliner Hauptjugendamtes, das die Erfinderin der rebellischen Pippi zur einer Lesung eingeladen hatte. Astrid und Louise. Mit ihren Freiheitsgedanken, ihren Phantasien. "Wir brauchen in der Welt viel mehr "Abenteuer der Hingebung", sonst ersticken wir an der Geschäftemacherei und der Bürokratie", hatte Louise Hartung bereits im Februar 1954 der schwedischen Briefpartnerin Astrid Lindgren geschrieben und ihr ihre nicht nur platonische Liebe gestanden. Im November 1964 wurde Louise ins Berliner Virchow-Krankenhaus eingewiesen. Astrid, die keine Nachricht erhalten hatte, versuchte sie anzurufen. Vergeblich. Stattdessen bekam sie einen Brief, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass man Louise wegen eines Tumors am Hals operiert hatte. Die Schauspielerinnen Eva Mattes und Oda Thormeyer lesen aus dem vor kurzem erschienenen Band "Ich habe auch gelebt!" ausgewählte Briefe der langjährigen Freundinnen. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

Das offene Buch: Amanda Lee Koe - "Flamingo Valley”, Singapur - 11.12.2016  

Ling Ko Mui war mal ein „heißer Feger“, nun ist sie alt, gebrechlich und ein wenig wirr im Kopf. Aber Deddy Haikel erinnert sich noch gut an früher, als er in Ling Ko Mui verliebt war und sie zum Tanzen ausführte, heimlich, denn einen Malaien als Freund ihrer Tochter duldeten die chinesischen Eltern nicht. Auch das Harmonie-Gesetz, mit dem in Singapur das multiethnische Zusammenleben geregelt werden soll, kann solchen Standesdünkel nicht verhindern. Nun, nach vielen Jahren, begegnen sie sich wieder, auf der Pflegestation von „Flamingo Valley“. Zwei alte Menschen, aufs einfühlsamste beschrieben von der 29jährigen Amanda Lee Koe. Eine von vierzehn Erzählungen im Band „Ministerium für öffentliche Erregung“, Geschichten von ungewöhnlichen Beziehungen, verpassten Lieben, ungelebten Leben, gescheiterten Lebensentwürfen. Wolfgang Maria Bauer liest „Flamingo Valley“. Im Gespräch: Amanda Lee Koe. Moderation: Cornelia Zetzsche

radioTexte / Astrid Lindgren: Liebe, süße Louise (1/2) - 06.12.2016  

Astrid Lindgren stand 1953 am Beginn einer beispiellosen Weltkarriere. Bei einem Berlin-Besuch lernte sie die Deutsche Louise Hartung kennen und es entwickelte sich eine ganz besondere Brieffreundschaft, die elf Jahre andauerte. Elf Jahre lang schrieben sich die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren und die deutsche Sängerin und Frauenrechtlerin Louise Hartung fast 600 Briefe über ihren Alltag, ihr Arbeitsleben, ihre Träume, die Kunst der Freundschaft und der Liebe. Louise Hartung stammte aus Münster, lebte bereits seit den zwanziger Jahren in Berlin, wo sie sich 1953 kennen lernten. Louise Hartung war mit Kurt Weill und Lotte Lenya, Wassily Kandinsky, Marc Chagall und Paul Klee befreundet. Im Ostsektor der zerbombten Stadt hatte sie als Sängerin Konzerte gegeben, an der Uraufführung der Dreigroschenoper von Bert Brecht mitgewirkt, Schallplatten aufgenommen. Später war sie hauptamtliche Mitarbeiterin des Berliner Hauptjugendamtes, das die Erfinderin der rebellischen Pippi zu einer Lesung eingeladen hatte. Die Schauspielerinnen Eva Mattes und Oda Thormeyer lesen aus dem vor kurzem erschienenen Band „Ich habe auch gelebt!“ ausgewählte Briefe der langjährigen Freundinnen. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

radioTexte / Raymond Queneau: Stilübungen - 01.12.2016  

Eine winzige Szene in einem Bus, ohne Spannung, ohne Pointe - Raymond Queneau, der französische Schriftsteller, schrieb über 100 stilistische Variationen zu diesem Mini-Inhalt. Mal reimt er, mal ruft er, mal ist er sachlich, mal ordinär, malt macht Komödie, mal Klappentext, mal lässt er die Vokaler weg. Er springt durch die Genres und durch die Perspektiven. Form follows function? Von wegen! Die Form ist alles, der Inhalt nichts. Mit Katja Bürkle, Burchard Dabinnus, Oliver Nägele und Franz Pätzold. Regie: Irene Schuck. Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp.

Guillermo Cabrera Infante: "Ansicht der Tropen im Morgengrauen" - 27.11.2016  

Guillermo Cabrera Infantes Streifzug durch Kubas Geschichte von den spanischen Kolonisatoren bis Fidel Castro. Lesung mit Siemen Rühaak Kuba, Cocodrilo Verde, eine Insel wie ein grünes Krokodil, mit dem Maul nach Südosten, wo Santiagos schwarze Rhythmen den Ton angeben; und im Westen, im Schwanz des Krokodils sozusagen: La Habana, die Hauptstadt, das Tor zur Neuen Welt, mit seiner verfallenen kolonialen Pracht. Seit über 60 Jahren regiert Fídel Castros karibischer Sozialismus auf der durch Kolonialismus und blutige Rebellion geschundenen Insel. Guillermo Cabrera Infante, Kubas berühmtem Schriftsteller und Cineasten; 1929 geboren, war anfangs ein glühender Mitstreiter der Revolution, dann ihr größter Kritiker. Bis zu seinem Tod im Februar 2005 schleuderte er aus dem Londoner Exil wütende Blitze gegen Fidel Castro. „Ansicht der Tropen im Morgengrauen“ heißt sein poetischer Streifzug durch Kubas Geschichte, von den Conquistadoren des 15.Jahrhunderts bis zu Castros Regime auf der grünen Insel - zuckerkrank, tabaksüchtig, ausgebeutet und jetzt mehr denn je mit ungewisser Zukunft. Guillermo Cabrera Infante muss die ersten Miniaturen aus der Luft skizziert haben: Dinosaurier, Muscheln, blaugrüne Inselgruppen wachsen aus dem Wasser, mangrovenüberwuchert, von Flamingos umflattert, von weißen Sandbändern umsäumt und umrandet vom Türkis des Meeres. Aber sein Blick reicht bis in die Kerker des Regimes. Es liest: Siemen Rühaak. Redaktion und Moderation: Cornelia Zetzsche

radioTexte / Balzac: Presse? Unrat! Journalisten: Unflat! - 22.11.2016  

In seiner erstmals ins Deutsche übersetzten Tirade zieht der französische Bestsellerautor und Verfechter des Urheberrechts Honoré de Balzac über die Pariser Journaille zu Felde, beschimpft Zeitungsmacher und Kritiker als Opportunisten und prinzipienlose Ignoranten

Das offene Buch: Dmitri Kapitelmans Vater-Sohn-Geschichte - 20.11.2016  

Was ist das „Jude“ sein, wenn man als ukrainischer Kontingent-Flüchtling in Deutschland lebt, fragt Dmitri Kapitelman in seiner autobiographischen Vater-Sohn-Geschichte: „Das Lächeln meines unbekannten Vaters“. Für Dima ist der eigene Vater ein Rätsel. Er behauptet, Jude zu sein, isst aber am liebsten Schweinefleisch in Schweinefleischsoße und will auf dem Judenfriedhof begraben werden. Was heißt Jude-Sein, für einen Vater, der sich nirgends zu Hause fühlt? Und für den Sohn Dima, dessen Mutter aus Moldawien kommt, der also nach jüdischen Regeln gar kein Jude ist, fragt der junge Hip Hopper Dmitri Kapitelman in seinem Debüt. Kann eine Reise ins Heilige Land, nach Israel klären, wer wohin gehört? - Der Schauspieler Shenja Lacher liest aus dieser sehr vergnüglichen Selbstsuche. Sie führt zurück in die Zeit der Familie Kapitelman als Neuankömmlinge in Meerane; ins Lager, in die ersten Wohnung, auf die Jagd nach Billigangeboten in Supermärkten, nach Leipzig-Grünau mit Neo-Nazis als Nachbarn. Im Studio: Dmitri Kapitelman Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Jack London: Martin Eden - 17.11.2016  

Martin Eden will Schriftsteller werden. Doch er ist der einzige, der an sich glaubt - für alle anderen scheint es ausgemacht, dass ein Matrose wie er niemals ernsthaft Bücher schreiben wird. Als schließlich doch der Literatur-Erfolg kommt, kommt mit ihm auch sein Schatten: die bittere Erkenntnis, wie willkürlich Ruhm und Anerkennung sein können … "Success", so sollte Jack Londons Künstlerroman "Martin Eden" ursprünglich heißen, ist ein enttäuschter Blick auf einen rasanten Aufstieg, wie ihn London selbst erlebt hat. Vom Matrosen, Robbenjäger, Goldsucher wurde er zum Bestseller-Autor. Bildung erkämpfte er sich gegen alle Widerstände. Als nach Erfolgen wie "Ruf der Wildnis", "Seewolf" und "Wolfsblut" von außen alles perfekt schien, quälten von innen Depressionen und Sucht. Sein Roman "Martin Eden" endet damit, dass der Held sich einschifft auf eine Reise ohne Wiederkehr. Zum 100. Todestag von Jack London liest der Theater- und Filmschauspieler Thomas Loibl ("Tony Erdmann") Ausschnitte aus diesem literarischen Spiegelbild. Regie: Irene Schuck. Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp.

radioTexte / Michael Schulte: Eine Kindheit in Damaskus - 15.11.2016  

Als Michael Schulte in jungen Jahren in Damaskus ankam, war Syrien erst seit wenigen Jahren, genauer seit 1946, unabhängig geworden. Unter Präsident Adib asch-Schischakli und dessen Nachfolger Schukri al-Quwatli sollte Michael Schultes Stiefvater "Colonel Heigl", wie der ehemalige hochrangige deutsche Offizier genannt wurde, die noch junge syrische Republik dabei unterstützen, eine Armee aufzubauen. In seinen Erinnerungen "Eine Kindheit in Damaskus" schildert der 1941 in München geborene Schriftsteller seine Eindrücke in der syrischen Hauptstadt, beschreibt seine Erlebnisse im strengen Schulalltag. Es liest Andreas Wimberger. Redaktion: Antonio Pellegrino

Das offene Buch: "Winterreise". Eine west-östliche Begegnung - 13.11.2016  

„Fremd bin ich eingezogen / Fremd zieh ich wieder aus / Der Mai war mir gewogen / Mit manchem Blumenstrauß“, so beginnt Schuberts berühmte „Winterreise“ mit Versen von Wilhelm Müller: „Ich kann zu meiner Reisen / Nicht wählen mit der Zeit; Muß selbst den Weg mir weisen / In dieser Dunkelheit“, dichtete Müller in einer Zeit des Umbruchs, der Repression und des Krieges. Er selbst war Soldat und starb – wie Schubert – früh, mit nur 32 Jahren. Das Literaturfest München wagt nun den Dialog der deutschen Romantik mit Texten des Syrers Yamen Hussein, der aus Homs floh. Seine Winterreise führte zu Fuß durch Schneestürme in den Libanon. Seine Gedichte erzählen von Flucht, Abschied und Erinnerungen: „Vertraue nicht fremden Städten, sie sind das Exil … Sei stolz auf Dein Herumirren belle wie ein wütender Hund“. Franz Pätzold, Yamen Hussein und Burchard Darbinnus lesen Gedichte zur Musik der syrischen Musiker Ehab Abou Fakhar und Abathar Kmash und ihres marokkanischen Freundes Mohcine Ramdan. Moderation: Cornelia Zetzsche

radioTexte / Wilhelm Hauff: Das kalte Herz (2/2) - 10.11.2016  

Hauff greift konkrete gesellschaftliche Fragen seiner Zeit auf und verwendet eine Sprache, die schon fast nach Realismus klingt. Der Reiz der Märchenform lag für den Romantiker Hauff darin, dass auch in dieser so gegenwartsnahen Szenerie ein Zauberwesen auftreten kann. Und die Moral von der Geschichte: "Es ist doch besser, zufrieden zu sein mit wenigem, als Gold und Güter zu haben und ein kaltes Herz“.

radioTexte / Saul Friedländer: Wohin die Erinnerung führt - 08.11.2016  

"In Prag war ich Pavel, bei meiner Ankunft in Frankreich Paul, Paul-Henri-Marie Ferland im Internat, Shaul nach meiner Ankunft in Israel, dann wieder Saul in Frankreich und schließlich Saul, ein Kompromiss zwischen Paul und Shaul", schreibt der 1938 in Prag geborene "Historiker des Holocaust" Saul Friedländer in seinen vor kurzem erschienenen Memoiren "Wohin die Erinnerung führt". Darin lässt der preisgekrönte Publizist die wichtigsten Stationen seines Lebens Revue passieren: die Flucht nach Frankreich, seine "Lehrjahre" in Israel, das Leben in der Schweiz, in den Vereinigten Staaten und seinen Aufenthalt in Berlin. Er schildert die Umstände, die zum "Historikerstreit" geführt haben und erläutert sein neues Verhältnis zu seiner persönlichen "deutschen Frage".

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