radioTexte - Bayern 2

radioTexte - Bayern 2

Germany

Die Lesungen in Bayern 2. Literatur im Ohr. Die Bibliothek zum Hören. Tipps zum Weiterlesen. Klassiker, neue Bücher, Romane, Briefe, Manuskripte – exklusiv, das alles in den radioTexten. Erfundene und wahre Geschichten, kommentiert von den Autoren, gelesen von den Autoren selbst oder von namhaften Schauspielern, wie Ulrike Kriener, Lisa Wagner, Gert Heidenreich, Axel Milberg und anderen.

Episodes

radioTexte / Meir Shalev: Mein Wildgarten - 20.06.2017  

"Ich habe Jahre lang für eine Tageszeitung eine Kolumne geschrieben. Und seitdem ich diesen Garten besitze, habe ich ab und zu eine Art Bericht darüber verfasst. Über den Wechsel der Jahreszeiten, wie meine Pflanzen und Blumen reagieren. Kurzum: über alles, was sich in meinem Garten tut. Und ich weiß, dass die Leser dies zu schätzen wissen. Sie haben viel besser darauf reagiert als auf meine politischen Artikel und Kommentare. Und da dachte, vielleicht wollen sie viel mehr darüber erfahren. Nach einigen Jahren habe ich diese Artikel gesammelt, habe auch weitere geschrieben, und so ist das Buch entstanden. Es ist aber botanisches Werk. Mit wissenschaftlichen Fakten. Es ist aber auch kein Gartenbuch im üblichen Sinn. Kein Ratgeber. Man erfährt also nicht, wie man ein guter Gärtner wird. Darin schildere ich meine Erfahrungen und meine Erlebnisse mit der Pflanzenwelt in meinem Garten. Ich bin auch kein Profigärtner. Es geht ausschließlich um das Eigenleben der Blumen. Und um meine Liebe zu Natur", so der israelische Erfolgsautor Meir Shalev über die Entstehung seines Buchs "Mein Wildgarten", in dem er über seine botanischen Vorlieben spricht, amüsante Anekdoten, historische Ereignisse und Familiengeschichten zum Besten gibt. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino.

radioTexte / ARD-Themenwoche "Woran glaubst?" - Navid Kermanis "Ungläubiges Staunen - Über das Christentum" - 13.06.2017  

Deutschlands bekanntester Orientalist staunt über christliche Kunst: In seiner Essay-Sammlung "Ungläubiges Staunen - über das Christentum" schildert der in Deutschland aufgewachsene Schriftsteller Navid Kermani, der u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, seine Eindrücke von Gemälden, Skulpturen, religiösen Objekten und Mosaiken in katholischen Kirchen zwischen Köln und Rom, gibt Deutungsmöglichkeiten, sucht religiöse Motive in anderen Glaubensrichtungen und setzt sie in Beziehung zueinander. Es lesen Thomas Loibl und Peter Weiß.

Das offene Buch: "Woran glaubst du?" Schriftsteller antworten - 11.06.2017  

Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Spielt der Glaube noch eine Rolle? Wie würde Luther heute reden, und wie klingt ein Psalm, mit Blick auf diese heillose Welt? Wann gaben Bibeltexte Halt, und was sagen sie Schriftstellern heute? Feridun Zaimoglu, der deutsche Wortkünstler türkischer Herkunft, läßt in seinem neuen Luther-Roman „Evangelio“ den Reformator mit Gott und seinem Glauben ringen – in einer ganz neuen, nur scheinbar historischen Kunstsprache. Uwe Kolbe, der sich einen „Ketzer“ nennt, in einem „gottlosen Haushalt“ aufgewachsen, publiziert im Juli ein Buch mit Psalmen. Gila Lustiger, die deutsch-jüdische Autorin in Paris, erinnert – mit den Psalmen – an ihren Vater, den Historiker Arno Lustiger, der sieben Konzentrationslager überlebte und, obwohl säkular, im Ritual des Gebets Halt suchte. Said, der iranisch-deutsche Exilant und Dichter in München, ein Agnostiker, wendet sich wütend-kummervoll an Gott, der Gewalt und Unrecht heute zuläßt. Vier Literaten zur ARD-Themen-Woche „Was glaubst du?“. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Michail Bulgakow: Meister und Margarita (2/2) - 08.06.2017  

Der Meister aus dem Titel taucht erst nach einem Drittel der Handlung auf, er wird gefangen gehalten und verfasst einen Roman über Jesus vor Pontius Pilatus. Währenddessen langweilt sich seine frühere Geliebte Margarita. Doch dann wird für den Teufelsball noch eine Ballkönigin gebraucht. Und Margarita weiß, worauf sie sich einlässt, als sie mit Luzifer persönlich handelt. Der nächstliegende Besen wird lebendig und seine neue Besitzerin in die Moskauer Nacht entführt.

radioTexte / Der Glaube an Reinkarnation und Wiedergeburt - 06.06.2017  

Nach dem alten indischen Gesetz des Karma, worauf die Wiederverkörperungsidee basiert, drängt das wahre Selbst immer zu einer neuen Existenz. In seiner politischen Schrift „Politeia“ beschreibt Platon, wie die Seelen aufgrund ihrer individuellen Lebensführung in die Unterwelt verbannt und gereinigt oder an einen himmlischen Ort versetzt werden. Nach tausend Jahren werden sie zur „Spindel der Ananke“ (Notwendigkeit) geführt, die die Gestirne in Bewegung hält. Dort werden die Seelen von den Moiren, den Schicksalsgöttinnen, beaufsichtigt, und sie können sich für ein neues Lebensmodell entscheiden, das sie in Zukunft verwirklichen wollen. Auf diesem können sie erneut in den Kreis der Inkarnation zurückfinden. Eine menschliche Seele kann in ein tierisches Leben übergehen, ein Tier, das früher ein Mensch war, kann wiederum zum Menschen werden. “Sind wir nur einmal auf Erden?“, fragt der Künstler und Philosoph Hans Torwesten in seiner gleichnamigen Abhandlung. “ Welche Rolle spielt der Reinkarnationsgedanke in der Neuzeit in den Weltreligionen und in den unterschiedlichen spirituellen Richtungen? Ist die menschliche Seele unsterblich? Gibt es eine Existenz vor und nach unserem Dasein? Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

Fahrrad-Geschichten (2/2) - 05.06.2017  

Fahrrad-Geschichten - Shenja Lacher liest David Coventry Als Karl von Drais, der adelige Forstbeamte, 1817 erstmals vor aller Öffentlichkeit seine Draisine erprobte und von Mannheim nach Schwetzingen fuhr – noch ohne Pedale -, da ahnte niemand, welchen Siegeszug sein Reitpferd-Ersatz weltweit antreten würde. Heute ist das Fahrrad für Millionen Menschen das wichtigste Gefährt und ein großes Freiheitsgefühl, denn Radfahren heißt mobil sein - im Rausch der Geschwindigkeit. Das erste Fahrrad ist den meisten präsent. Viele Fahrrad-Episoden sind Kindheitserinnerungen, auch die Geschichten von Büchner-Preisträger Martin Mosebach. Und Uwe Dick gräbt sich gleich danach in der ersten Lesefolge lautmalend per Fahrrad durch den Großstadtstau. – Am Pfingstmontag erinnert David Coventry aus Neuseeland in „Die unsichtbare Meile“ an die Tour de France 1928, als erstmals Neuseeländer und Australier antraten. Shenja Lacher liest aus Coventrys neuem preisgekröntem Roman. - In drei Etappen an zwei Tagen feiert „Das offene Buch“ den 200. Geburtstag des Fahrrads. Moderation: Cornelia Zetzsche.

Fahrrad-Geschichten (1/2) - 04.06.2017  

Fahrrad-Geschichten mit Martin Mosebach und Uwe Dick Als Karl von Drais, der adelige Forstbeamte, 1817 erstmals in aller Öffentlichkeit seine Draisine erprobte und von Mannheim nach Schwetzingen fuhr - noch ohne Pedale -, da ahnte niemand, welchen Siegeszug sein Reitpferd-Ersatz weltweit antreten würde. Heute ist das Fahrrad für Millionen Menschen das wichtigste Gefährt und ein großes Freiheitsgefühl, denn Radfahren heißt mobil sein – im Rausch der Geschwindigkeit. Das erste Fahrrad, die erste Fahrt sind den meisten präsent. Viele Fahrrad-Episoden sind Kindheitserinnerungen, auch in den Geschichten von Büchner-Preisträger Martin Mosebach. Ihm auf den Fersen gräbt sich „Mundfunker“ Uwe Dick in der ersten Lesefolge lautmalend per Fahrrad durch den Großstadtstau. – Tags darauf, am Pfingstmontag, erinnert David Coventry aus Neuseeland in „Die unsichtbare Meile“ an die Tour de France 1928, als erstmals Neuseeländer und Australier antraten. Shenja Lacher liest aus Coventrys neuem Roman. - In drei Etappen an zwei Tagen feiert „Das offene Buch“ 200 Jahre Fahrrad. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Michail Bulgakow: Meister und Margarita (1/2) - 01.06.2017  

Michail Bulgakows „Meister und Margarita“ ist ein Buch, das über 20 Jahre brauchte bis zur Veröffentlichung und mehr als weitere 20 sowie den Untergang der UdSSR, um das Kultbuch zu werden, das es für viele heute ist. Der Roman ist ein Moskauer Hexensabbat um Literaten, Künstler, Politiker, Genossen und des Teufels Spießgesellen. In der Karwoche taucht der schwarze Magier Voland in Moskau auf, begleitet von einem großen sprechenden Kater, und beginnt die Stadt auf den Kopf zu stellen.

radioTexte / 10 Jahre nemo - das literarische Ratespiel - 30.05.2017  

nemo, das literarische Ratespiel des BR, feierte Jubiläum: Seit 10 Jahren fahnden drei Experten nach Autoren und ihren Texten. Am 20. April fand die Geburtstagsausgabe im Lyrik Kabinett in München statt. Antonio Pellegrino leitete die literarische Großfahndung mit den Detektiven Elke Schmitter, Elisabeth Tworek, Norbert Niemann und Andreas Trojan. Wir senden einen Mitschnitt der Veranstaltung mit dem Hörerrätsel.

Alissa Walser: Eindeutiger Versuch einer Verführung - 28.05.2017  

Die Supermarkt-Theke, der U-Bahneingang, ein Spinnennetz – Alltagsmomente verführen Alissa Walser zu bezaubernden kurzen Erzählungen im neuen Band „Eindeutiger Versuch einer Verführung“. Im Zentrum: eine Frau, allein, paarweise oder mit Freunden. Sie lebt auf dem Land, mit sehr genauem Blick für Tiere , die kleinen Dinge des Lebens, zwischenmenschliche Beziehungen. Und zwischen ihre bildhaften Erzählungen setzt Alissa Walser, die Künstlerin und Schriftstellerin, zur Irritation ihrer Leser/Innen, zarte Zeichnungen wie einen Mottenschwarm. Alissa Walser, die Meisterin der kleinen Form, schreibt elegant, lakonisch, oft ironisch grundiert und von heiterer Melancholie. Lesung mit der Schauspielerin Valery Tscheplanowa. Im Studio: Alissa Walser. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / E. T. Seton: Das Manifest des roten Mannes (2/2) - 23.05.2017  

Als weißer Mann inmitten von Indianern, offen für ihre Kultur und beeindruckt von ihren Prinzipien. Ernest Thompson Seton war einer der Ersten, der den Ureinwohnern Amerikas Respekt zollte und ihnen ein Denkmal setzte. Der Untergang der amerikanischen Ureinwohner, die Ausrottung durch den weißen Mann, die Diskriminierung und Missachtung ihrer Kultur und Lebensweise gehören zu den dunklen Kapiteln der amerikanischen Geschichte. Mit Ideologien vom Fortschritt und vom Pioniergeist, mit Biologismen und Rassismen wurden Mitte des 19. Jahrhunderts unvorstellbare Gräueltaten gegen die Indianer gerechtfertigt. Einer derjenigen, die dagegen Einspruch erhoben, war der britisch-kanadische Autor und Maler Ernest Thompson Seton (1860-1946). Er konnte direkt miterleben, wie die glorifizierte Pionierzeit zur Vernichtung der Lebensgrundlagen und der Kultur eines großen Teils der nordamerikanischen Indianer führte. Ernest Thompson Seton war einer der Ersten, der den Ureinwohnern Amerikas Respekt zollte und ihnen mit dem „Manifest des roten Mannes“ ein Denkmal setzte. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

Das offene Buch: Kaschnitz-Preis für Michael Köhlmeier - 21.05.2017  

Er ist ein brillanter Erzähler und virtuoser Erfinder wahrer Geschichten; erprobt in Musik, Malerei, Literatur. Er hat in 35 Jahren Romane, Stücke, Hörspiele, Novellen, Drehbücher, Libretti vorgelegt. Seine Nacherzählungen von antiken Sagen, biblischen Geschichten und Dramen Shakespeares sind ein großer Publikumserfolg. Am 21. Mai ehrt ihn die Evangelische Akademie Tutzing mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis: „Michael Köhlmeier ist ein meisterhafter Erzähler, der von Buch zu Buch auf ebenso unterhaltsame wie hoch intelligente, traditionsbewusste wie eigensinnig-tollkühne Weise seine Leserinnen und Leser in grenzenlose Welten verführt“, schrieb die Jury. In Tutzing und für Bayern 2 liest Michael Köhlmeier aus seiner Novelle „Der Mann, der Verlorenes wiederfindet“, die im Juli bei Hanser erscheint. Autorenlesung und Gespräch mit Michael Köhlmeier. Moderation: Cornelia Zetzsche.

Das offene Buch: Luiz Ruffato - "Teilansicht der Nacht" - 14.05.2017  

Eine Familie zwischen Hoffnung und Stillstand, „Paradies“ und Militärdiktatur in Brasiliens finsterer Zeit der 70er Jahre. Tragikomisch, atemraubend, expressiv und politisch sind die Milieuschilderungen des preisgekrönten Erzählers Luiz Ruffato. Experimentell, stakkatoartig, manchmal nur in Wortfetzen, dennoch detailgenau, beschreibt er Menschen der unteren Mittelschicht und der Arbeiterklasse, aus der er selber kommt und der er seinen Zyklus „Vorläufige Hölle“ widmete. „Teilansicht der Nacht“, der dritte Band – wieder von Michael Kegler souverän übersetzt – sammelt Geschichten aus Cataguases, Ruffatos Herkunftsort in Minas Gerais. Schonungslose und doch zärtliche Porträts und Episoden zur Zeit der finsteren Militärdiktatur, auf die der Titel anspielt. Die Figuren sind Arbeiter, Migranten und Arme, manche schon bekannt aus den früheren Bänden, wieder mit ihren Sorgen und Träumen, mit Alkohol und Gewalt als Dauerproblem. Schauspieler Shenja Lacher liest die Skizze einer Familie, die im Sommer 72 voll Elan und mit hochfliegenden Plänen in eine bessere Gegend zieht, nach „Paraíso“. Das Umsiedelungsprojekt folgt den Fortschrittsparolen der Militärs, aber die Familie wird nie da landen, wohin sie wollte. Moderation und Redaktion: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / E. T. Seton: Das Manifest des roten Mannes (1/2) - 09.05.2017  

Als weißer Mann inmitten von Indianern, offen für ihre Kultur und beeindruckt von ihren Prinzipien. Ernest Thompson Seton war einer der Ersten, der den Ureinwohnern Amerikas Respekt zollte und ihnen ein Denkmal setzte. "Einige der hervorragenden Eigenschaften des Indianers sind: seine Entschlossenheit, sein Humor, seine Weisheit", so der Schriftsteller und Maler Ernest Thompson Seton, der als weißer Mann inmitten von Indianern lebte und von den moralischen Prinzipien des Roten Mannes beeindruckt war. Sein wichtigstes Werk "The Gospel oft he Redman" – Das Manifest des Roten Mannes - wurde nach kritischer Überprüfung durch amerikanische Wissenschaftler und Vertreter der amerikanischen Ureinwohner 1935 veröffentlicht. Durch eigene Beobachtung und längeres Leben bei den Indianern lernte Seton deren Alltag, Geschichte und Religion kennen. In seinem Buch beschreibt er die wichtigsten Prinzipien, die Denken und Handel der Indianer bestimmen. Mit seiner anthropologischen Recherche setzte der Mitbegründer der amerikanischen Pfadfinderbewegung - angefangen bei den Entstehungsmythen der Welt, über Religion, Ethik, Ehe, Kindererziehung bis zu den Alltagsritualen - den Indianern, deren Kultur und Existenzgrundlagen immer noch bedroht werden, ein Denkmal. (1.Folge – Die 2. Folge hören Sie am 16.5.2017) Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino .

Das offene Buch: "Höre mich!" - Psalmen literarisch (3/3) - 07.05.2017  

„herr /höre mich, wenn du kannst/ auf mein gedicht hast du nicht gehört/ war es zu fein für deine lakaien?/ so daß sie dich mit ihrem lärm daran gehindert haben/ zuzuhören?“. So beginnt Said, der Münchner Dichter und Exilant aus Teheran, sein Gebet zu Gott, oder besser: sein Zwiegespräch mit Gott auf Augenhöhe, ein kummervoll-wütender Psalm gegen das Unrecht in der Welt. – Büchner-Preisträger Arnold Stadler schickt in seiner höchst vergnüglichen Geschichte einen Grabredner in die Heimat, mit Navi, anders findet er die Heimat nicht mehr und den Dorffriedhof, auf dem er einst mit den Grabinschriften Lesen lernte. Zwei von sechs exklusiven Texten, die renommierte Schriftsteller wie Arnold Stadler, Said, Feridun Zaimoglu, Sibylle Lewitscharoff, Gila Lustiger und Uwe Kolbe für Bayern 2 schrieben, als Antwort auf den Psalter. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Gerhard Polt: Vom Muspilli bis zur "Weißen Rose" - 02.05.2017  

Die Bayern sind besonders, sagt schon die frühe Geschichtsschreibung. Ihre Literatur auch. Die radioTexte laden ein zu einer Reise durch 1000 Jahre Bayerische Literatur. Und grautulieren Gerhard Polt zum 75. Geburtstag. Die Bayern sind besonders, so kann man es schon in der frühen Geschichtsschreibung bei Aventin oder Venancius Fortunatus lesen. Ihre Literatur auch. Die radioTexte laden ein zu einer Reise durch 1000 Jahre Bayerische Literatur mit den Schauspielern Gisela Schneeberger und Gerhard Polt, die mit großem Vergnügen diese literarische Crème Bavaroise servieren. Übrigens: am 7. Mai feiert der bayerische Sprachkünstler seinen 75. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich: Carissimo Gert: Tanti Auguri! Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

Ashokamitran - "Lust auf Wahrheit" - 01.05.2017  

Manickaraj will reinen Tisch machen und kündigt seinen Job. „Ich habe es satt, mein Leben lang lügen zu müssen in dieser falschen, auf Illusionen aufgebauten Welt“, verkündet er und will nicht mehr seine Gläubiger belügen. Mit der Abfindung möchte er seine Schulden bezahlen und ein neues Leben beginnen, aber was wird die Zukunft bringen – ohne Arbeit? Noch glaubt sein Vorgesetzter, er könne Manickaraj halten, dann kommt alles ganz anders. – Ashokamitran aus Chennai, der Meistererzähler der Tamil-Literatur, starb Ende März. Seine Romane und rund 200 Kurzgeschichten gehören zum Kanon der modernen indischen Literatur. Sie spielen in Städten, porträtieren kleine Leute, Angestellte oder Landflüchtige, Figuren aus der Nachbarschaft. Ashokamitran beschrieb sie mit Mitgefühl, großer Humanität und mit Humor. Es liest: Wolfgang Hinze. Moderation: Cornelia Zetzsche.

Das offene Buch: "Höre mich!" (2/3) - 30.04.2017  

Ist die Bibel als Sprachkunstwerk literarisch zu lesen? Das war eine der Fragen, die am Donnerstagabend in St. Matthäus München von sechs namhaften Schriftstellern diskutiert wurde. „Die Luther-Bibel ist keine Bibel, sondern eine Übersetzung! Luther ist der virtuoseste Übersetzer ins Deutsche, aber es ist eine Übersetzung, kein Original“, erinnerte der Büchner-Preisträger und katholische Theologe Arnold Stadler. „Mich begeistert, als Nicht-Christin, dieser Stil. Ich lese es als literarischen Text“, bekannte Gila Lustiger, die jüdische Erzählerin aus Paris. „Die Bibel wird interessanter, je stärker man in ihr wurmisiert. Die große Gewalt der Bibel geht davon aus, dass zwischen den Sätzen ein Abgrund lodert. Deshalb habe ich immer etwas Zahnweh, wenn ich höre, dass das alles Literatur ist. Die Literatur fordert niemals dazu auf, ändere dein Leben, aber die Bibel tut es in höchstem Maße!“ mahnte die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff, eine Stimme im spannenden Autoren-Gespräch mit Landesbischof Bedford-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das Herzstück des Psalmenabends in St. Matthäus München aber waren ihre exklusiven Autoren-Texte zum Psalter. Zu hören in drei Lesefolgen. Im 2. Teil erzählt Feridun Zaimoglu in einem Poem von bedrohten Christen im Orient, und Sibylle Lewitscharoff reagiert auf Rachepsalmen wie Psalm 140, der den Feinden „feurige Kohlen“ an den Hals wünscht. Landesbischof Bedford-Strohm bilanziert den großen Psalmen-Abend: „Das ging ans Herz“. Moderation: Cornelia Zetzsche.

radioTexte / Charlotte Perkins Gilman: Die gelbe Tapete - 27.04.2017  

„Es gibt eine sich wiederholende Stelle, wo sich das Muster wie ein gebrochenes Genick krümmt und wo mich zwei herausquellende Glupschaugen verkehrt herum anstarren. Ihr unverfrorenes und unverwandtes Glotzen macht mich richtig wütend. Rauf und runter und seitwärts kriechen sie, und diese absurden, starren Augen sind überall ...“ Heute würde man von vielleicht von Burn out sprechen. Oder schlicht von postnataler Depression. Das Baby ist da, die Mutter ist nicht glücklich. Der Patientin wird Ruhe verordnet, eine Liegekur im Zimmer mit der gelben Tapete im neuen Landhaus.

radioTexte / Schwarze Pädagogik: Wer nicht hören will ... - 25.04.2017  

Körperliche Züchtigung als pädagogischer Heilsweg. Rigorose Erziehung als Dienst an der Gesellschaft. Die schwarze Pädagogik ist älter als ihr Name. Auch in der Literatur hat sie zahlreiche Anhänger gefunden. Und Kritiker. "Erwachsene sind Herrscher (nicht Diener!) des abhängigen Kindes; Eltern bestimmen über Recht oder Unrecht wie Götter; die lebendigen Gefühle des Kindes bedeuten für den Herrscher eine Gefahr." Alice Miller in „Am Anfang war Erziehung“ Körperliche Züchtigung als pädagogischer Heilsweg. Rigorose Erziehungsmaßnahmen als Dienst an der Gesellschaft. Die Schwarze Pädagogik ist älter als ihr Name. Auch in der Literatur hat sie zahlreiche Anhänger gefunden. Und Kritiker. Mit Texten von Sophie de Ségur, Else Ury, Rainer Maria Rilke, Friedrich Wilhelm Förster, George Bernhard Shaw und Neil Postman. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino

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