SWR2 Zeitgenossen

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Germany

In einem 45-minütigen Gespräch werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken. Samstags, 17.05 bis 17.50 Uhr in SWR2.

Episodes

SWR2 Zeitgenossen: Robert Menasse, Schriftsteller  

Der 1954 in Wien geborene Robert Menasse gehört zu den wortgewaltigsten Autoren Österreichs. Er hat vielgelobte Romane geschrieben, etwa die "Trilogie der Entgeisterung", in der Menasse unter anderem Hegels Geschichtsdialektik auf den Kopf stellt. Philosophie und Politik spielen ohnehin eine wichtige Rolle in seinem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Werk. Menasse hat eine lange Liste von Essays und Kommentaren zum Zeitgeschehen veröffentlicht, die dann auch in breiter Öffentlichkeit diskutiert wurden, etwa zu Fragen der Globalisierung, der Demokratie und der Zukunft Europas. Die Europäische Union, die seit vielen Jahren zahlreiche Krisen durchlebt, gehört in jüngster Zeit zu seinen wichtigsten Themen.

SWR2 Zeitgenossen: Marin Trenk, Food-Ethnologe  

"Exotisch ja, aber bitte deutsch!" - so bringt es der Frankfurter Food-Ethnologe Marin Trenk auf den Punkt. Man könne sich in Deutschland inzwischen durch fast alle Küchen der Welt essen, doch dieses "Ethno-Food", das bei einer großen Mehrheit Anklang findet, wird immer dem deutschen Geschmack angepasst. Es hat mit der ursprünglichen Küche nicht mehr viel zu tun. Damit beschäftigt sich Marin Trenk auch in seinem vielbeachteten Buch "Döner Hawaii" aus dem Jahr 2015. Kuriose, kulinarische Geschichten bringt der Ethnologe regelmäßig von seinen Forschungsreisen, wie kürzlich aus Südostasien, mit.

SWR2 Zeitgenossen: Peter Berthold, Ornithologe  

"Ich bin nicht nur Ornithologe, sondern auch Ornithomane, vielleicht sogar Ornithopath, also den Piepmätzen regelrecht verfallen", so stellt sich Professor Peter Berthold vor. Aufgewachsen ist Peter Berthold in Zittau in Sachsen. Schon früh hat der Junge Vögel beobachtet und gefangen: auf dem Fensterbrett seines Elternhauses etwa "H69870 Radolfzell Germania". Über diese beringte Kohlmeise erfuhr der 13-Jährige zum ersten Mal von der Vogelwarte Radolfzell. Das war 1952. Und es war der Anfang einer lebenslangen Verbindung. Nach dem Studium in Tübingen und neben der Habilitation an der Uni Konstanz untersuchte Peter Berthold in Radolfzell/Möggingen die Geheimnisse des Vogelzugs.

SWR2 Zeitgenossen: Michael Kötz, Filmfestivalleiter  

Seit vielen Jahren leitet Michael Kötz Filmfestivals im Rhein-Main-Gebiet. Nach der Promotion bei Alexander Kluge war er zunächst Filmkritiker bei Printmedien, Hörfunk und Fernsehen. 1992 übernahm Michael Kötz die Leitung des Internationalen Filmfests Mannheim-Heidelberg und seit 2005 ist er Direktor des Festivals des Deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein. Vor Beginn des diesjährigen Festivals des Deutschen Films in Ludwigshafen, senden wir ein Gespräch des Filmexperten Herbert Spaich mit Michael Kötz über die Entwicklung der Kinokunst, über Filmästhetik und über die Lust und die gelegentliche Last des Festivalmachens.

SWR2 Zeitgenossen: Hans-Christian Ströbele, Anwalt und Politiker  

Er ist das Gesicht der Grünen; erstmals im Bundestag 1985, dann wieder seit 1998. Ein Linker in seiner Partei, der als einziger Grüner in seinem Wahlkreis das Direktmandat errang. Auf seinem Kiez in Friedrichshain-Kreuzberg ist er nahbar, vertritt die Anliegen der Menschen dort. Seine Eltern waren Schwaben, geboren wurde er in Marl. Politisch sozialisiert wurde Ströbele nach der Tötung des Studenten Benno Ohnesorg 1967. Anders als seine Weggenossen Horst Mahler (heute Nazi) oder Otto Schily (wechselte zur SPD) blieb sich Ströbele immer selbst treu. Nach der kommenden Bundestagswahl am 24. September wird Ströbele nicht mehr dem Bundestag angehören. Hans-Christian Ströbele ist 78 Jahre alt.

SWR2 Zeitgenossen: Volker Ludwig, Theatergründer.  

Volker Ludwig gilt als der Erfinder des modernen Jugendtheaters. Anfang der 70er-Jahre eröffnete er mit dem GRIPS das erste Theater für Kinder in Westdeutschland. Dort spielte er seine antiautoritären "Mutmach-Stücke", die auch Themen wie Gewalt gegen Kinder, Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus ansprachen. Sein größter Erfolg: die musikalische Berlin-Revue "Linie 1". Wie man politische Themen auf die Bühne bringt, wusste Volker Ludwig aus dem Kabarett. Nach zahlreichen Programmen für das Kommödchen, die Lach- und Schießgesellschaft oder die Stachelschweine gründete er 1965 mit dem Reichskabarett seine eigene Gruppe in Berlin. Im Juni ist Volker Ludwig 80 Jahre alt geworden.

SWR2 Zeitgenossen: André Heller, Künstler  

Der 70-jährige Künstler André Heller lebt abwechselnd in seiner Heimatstadt Wien, in Marrakesch und "auf Reisen". Und die führen ihn vornehmlich dorthin, wo sein aktueller Roman "Das Buch vom Süden" spielt. Ansonsten interviewt er für seine nächste Publikation seine mittlerweile 102-jährige Mutter. Vor kurzem rief er eine Bürgermeisterkonferenz ins Leben, um den Flüchtlingen, die in Österreich gestrandet sind, eine neue Heimat zu organisieren.

SWR2 Zeitgenossen: Michael Köhlmeier, Schriftsteller  

Der 1949 im österreichischen Hard am Bodensee geborene Michael Köhlmeier gehört zu den vielseitigsten Schriftstellern deutscher Sprache. Er hat zahlreiche Romane geschrieben, etwa das vielgelobte Monumentalwerk "Abendland", die ausgezeichneten Texte "Zwei Herren am Strand" und "Das Mädchen mit dem Fingerhut". Köhlmeier hat aber auch Gedichte veröffentlicht, ein Kinderbuch, Kurzgeschichten, Hörspiele, Lieder, Feuilletons, die unterschiedlichsten Beiträge für Printmedien und fürs Radio. Der mit zahlreichen Literaturpreisen bedachte Autor hat sich als Interpret antiker und heimischer Sagenstoffe einen Namen gemacht, und er kennt sich bestens in der Geschichtenwelt der Bibel aus.

SWR2 Zeitgenossen: Tilman Allert, Soziologe  

Warum tragen Frauen High Heels? Was macht den Latte Macchiato zum Getränk einer ganzen Generation? Der Frankfurter Soziologie-Professor Tilman Allert ist sich für die Beantwortung solcher Fragen keineswegs zu schade, im Gegenteil, er macht sie zum Zentrum seiner "Soziologie der kleinen Dinge". Neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen wie der international viel beachteten Studie "Der Deutsche Gruß-Geschichte einer unheilvollen Geste" publiziert der 1947 geborene Allert spritzige Feuilletons in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Neuen Zürcher Zeitung" und anderen journalistischen Medien. Im August erscheint bei S. Fischer der 2. Band der "Soziologie der kleinen Dinge".

SWR2 Zeitgenossen: Barrie Kosky, Intendant  

Als Barrie Kosky im Jahr 2012 die Leitung der Komischen Oper in Berlin übernahm, stand das Haus auf wackligem Fundament. Immer wieder drohte die Schließung, immerhin hat Berlin drei Opernhäuser. Inzwischen ist davon keine Rede mehr. Kosky hat mit seinem Spielplan und den Inszenierungen Publikum und Kritik begeistert, die Auslastung gilt als beispielhaft und die Komische Oper inzwischen als das spannendste Opernhaus in Berlin. Zu Koskys besonderen Verdiensten gehört unter anderem die Wiederbelebung der Berliner Operette.

SWR2 Zeitgenossen: Igor Levit, Pianist  

Am 3. Mai 2010 nimmt das Leben von Igor Levit eine spektakuläre Wende. Die Musikkritikerin Eleonore Büning schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Dieser junge Mann hat nicht nur das Zeug, einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts zu werden. Er ist es schon". Levit ist damals erst 23 Jahre alt. Heute gilt Levit als "Pianist der Stunde", als "Prototyp eines modernen Künstlers", der nicht nur meisterhaft auf seinem Flügel spielt, sondern auch als wacher Zeitgenosse Haltung zeigt, ständig in Bewegung ist, leidenschaftlich twittert, liest und reist.

SWR2 Zeitgenossen: Rüdiger Lentz, Leiter des Aspen Institute Berlin  

"Die Welt brennt an allen Ecken und Enden, wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen", sagt Rüdiger Lentz. Er leitet das Aspen Institut in Berlin und ist der erste deutsche Direktor der amerikanischen Denkfabrik. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften hat Lentz zunächst viele Jahre als Journalist gearbeitet. Zuerst beim Spiegel in Hamburg, danach beim Rias in Berlin und später als Washington-Korrespondent für Rias und Deutsche Welle. Im Aspen Institut bringt der leidenschaftliche Netzwerker seither Politiker und Wissenschaftler zu Diskussionen über Krisenherde und mögliche Konfliktlösungen zusammen.

SWR2 Zeitgenossen: Zuzana R?ži?ková, Cembalistin  

Zuzana R?ži?ková ist die bedeutendste Cembalistin des 20. Jahrhunderts. Die tschechische Ausnahmekünstlerin, die in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden ist, sagt über ihr Leben: "Ich habe das Schönste und Schrecklichste erlebt." Zum Schönsten gehört eine doppelte Liebe zu zwei Komponisten: zu ihrem 2006 verstorbenen Ehemann Viktor Kalabis und zu Johann Sebastian Bach, dessen vollständiges Klavierwerk sie in den 60er- und 70er-Jahren erstmals überhaupt auf dem Cembalo eingespielt hat. Schrecklich waren die Erfahrungen mit den Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Als Jüdin im Dritten Reich hat die junge Zuzana R?ži?ková vier Konzentrationslager, darunter Auschwitz, überlebt. Trotzdem hat sie nach dem Krieg auch in Deutschland regelmäßig Konzerte gegeben. Heute sagt sie: "Bachs Musik hat mich mit Deutschland versöhnt".

SWR2 Zeitgenossen: Friedemann Schrenk, Paläoanthropologe  

Friedemann Schrenk ist Deutschlands bekanntester Paläoanthropologe. Der Leiter des Senckenberg Museums forscht seit mehr als drei Jahrzehnten zur Entwicklungsgeschichte unserer Vorfahren. Dafür reist Schrenk regelmäßig in Länder wie Malawi, Tansania, Iran oder Georgien. Zurück in Frankfurt erzählt er einem breiten Publikum von den Ergebnissen seiner Arbeit auf Vorträgen und in populärwissenschaftlichen Büchern wie "Adams Eltern" oder "Die Neandertaler". Darüber hinaus initiiert und fördert Schrenk Kultur- und Bildungsprojekte in Deutschland und in Afrika. Für seine Arbeit ist er vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz.

SWR2 Zeitgenossen: Bettina Gaus, Journalistin  

"Ansteckend streitlustig" fand sie die Wochenzeitung "Die Zeit". Viele ihrer "taz"-Kommentare belegen das, ebenso die Bücher über Amerika, Afrika und das Innenleben der Berliner Republik. Bettina Gaus beobachtet seit vielen Jahren die Umbrüche in der Welt - und in den Medien. Was von diesem Talent in den Familien-Genen liegt, was in der Zeit als Korrespondentin in Nairobi wuchs? Bei den "Südwestdeutschen Medientagen" auf dem Hambacher Schloss spricht Bettina Gaus über ihre Stationen als Journalistin und analysiert das Weltgeschehen.

SWR2 Zeitgenossen: Karl-Josef Kuschel, Theologe  

Ein "guter" Theologe kennt sich in seinen Heiligen Schriften aus und kann Auskunft geben über deren Werden und ihre Bedeutung damals und heute. Das ist schließlich auch die Pflicht eines Theologen. Die Kür macht den "sehr guten" Theologen aus, wenn er über den eigenen Tellerrand schauen kann, wenn er Bezüge herstellen kann zu anderen theologischen Schriften, zur Literatur, zu gesellschaftlichen Strömungen, zum Zeitgeist, möglichst verständlich und verständnisvoll, aber auch kritisch und immer auf der Hut vor sich selbst. Karl-Josef Kuschel ist ein solch "sehr guter Theologe", der sich vor allem mit dem interreligiösen Trialog zwischen den monotheistischen Religionen beschäftigt hat

SWR2 Zeitgenossen: Gerd Heinz, Regisseur  

Der Schauspieler und Regisseur Gerd Heinz bezeichnet sich selbst als "homme de théâtre". Auf oder neben der Bühne steht der gebürtige Aachener jetzt tatsächlich schon seit über 50 Jahren, einmal als Schauspieler, Regisseur und Intendant oder auch als Dozent an verschiedenen Hochschulen. Mehr dem Text und seinen historischen Hintergründen verpflichtet als den Ideen des sogenannten "Regietheaters", arbeitet er seit einigen Jahren wieder als freier Opern- und Schauspielregisseur. Zu seinen jüngsten Inszenierungen gehören "Der Ignorant und der Wahnsinnige" bei den Salzburger Festspielen und Wagners "Ring des Nibelungen" am kleinen Theater Minden.

SWR2 Zeitgenossen: Volkwin Marg, Architekt  

Prof. Volkwin Marg ist einer der ganz großen deutschen Architekten. Gemeinsam mit Meinhard von Gerkan gründete er Mitte der 60er Jahre in Hamburg das Architekturbüro "von Gerkan, Marg und Partner". Für die vergangenen Fußballweltmeisterschaften hat er Stadien in Deutschland, Südafrika und Brasilien gebaut. Außerdem entwarf er den Berliner Hauptbahnhof, den Flughafen Berlin-Tegel sowie die neue Messe Friedrichshafen. Volkwin Marg hat für seine Arbeiten mehr als 400 nationale und internationale Preise gewonnen.

SWR2 Zeitgenossen: Stefan Kraus, Museumsleiter  

Stefan Kraus ist seit 2008 Direktor des "Kolumba"; gemeint ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, das in einem eigensinnigen Haus residiert. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor baute es in die Ruine der im Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche St. Kolumba. In diesem Museum treffen die Schätze und Dokumente einer Jahrhunderte alten Frömmigkeitsgeschichte mit Werken der klassischen Moderne und der aktuellen Kunst zusammen. Dieser etwas andere Direktor eines etwas anderen Museums sieht sein Metier auch mit anderen Augen. "Formate bestimmen die Inhalte" sagt Stefan Kraus 2016 in einer kleinen Grundsatzschrift und formuliert damit "ein radikales Plädoyer für die Subjektivität und eine Ästhetik des Humanen."

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