SWR2 Zeitgenossen

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Germany

In einem 45-minütigen Gespräch werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken. Samstags, 17.05 bis 17.50 Uhr in SWR2.

Episodes

SWR2 Zeitgenossen: Tilman Allert, Soziologe  

Warum tragen Frauen High Heels? Was macht den Latte Macchiato zum Getränk einer ganzen Generation? Der Frankfurter Soziologie-Professor Tilman Allert ist sich für die Beantwortung solcher Fragen keineswegs zu schade, im Gegenteil, er macht sie zum Zentrum seiner "Soziologie der kleinen Dinge". Neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen wie der international viel beachteten Studie "Der Deutsche Gruß-Geschichte einer unheilvollen Geste" publiziert der 1947 geborene Allert spritzige Feuilletons in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Neuen Zürcher Zeitung" und anderen journalistischen Medien. Im August erscheint bei S. Fischer der 2. Band der "Soziologie der kleinen Dinge".

SWR2 Zeitgenossen: Barrie Kosky, Intendant  

Als Barrie Kosky im Jahr 2012 die Leitung der Komischen Oper in Berlin übernahm, stand das Haus auf wackligem Fundament. Immer wieder drohte die Schließung, immerhin hat Berlin drei Opernhäuser. Inzwischen ist davon keine Rede mehr. Kosky hat mit seinem Spielplan und den Inszenierungen Publikum und Kritik begeistert, die Auslastung gilt als beispielhaft und die Komische Oper inzwischen als das spannendste Opernhaus in Berlin. Zu Koskys besonderen Verdiensten gehört unter anderem die Wiederbelebung der Berliner Operette.

SWR2 Zeitgenossen: Igor Levit, Pianist  

Am 3. Mai 2010 nimmt das Leben von Igor Levit eine spektakuläre Wende. Die Musikkritikerin Eleonore Büning schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Dieser junge Mann hat nicht nur das Zeug, einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts zu werden. Er ist es schon". Levit ist damals erst 23 Jahre alt. Heute gilt Levit als "Pianist der Stunde", als "Prototyp eines modernen Künstlers", der nicht nur meisterhaft auf seinem Flügel spielt, sondern auch als wacher Zeitgenosse Haltung zeigt, ständig in Bewegung ist, leidenschaftlich twittert, liest und reist.

SWR2 Zeitgenossen: Rüdiger Lentz, Leiter des Aspen Institute Berlin  

"Die Welt brennt an allen Ecken und Enden, wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen", sagt Rüdiger Lentz. Er leitet das Aspen Institut in Berlin und ist der erste deutsche Direktor der amerikanischen Denkfabrik. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften hat Lentz zunächst viele Jahre als Journalist gearbeitet. Zuerst beim Spiegel in Hamburg, danach beim Rias in Berlin und später als Washington-Korrespondent für Rias und Deutsche Welle. Im Aspen Institut bringt der leidenschaftliche Netzwerker seither Politiker und Wissenschaftler zu Diskussionen über Krisenherde und mögliche Konfliktlösungen zusammen.

SWR2 Zeitgenossen: Zuzana R?ži?ková, Cembalistin  

Zuzana R?ži?ková ist die bedeutendste Cembalistin des 20. Jahrhunderts. Die tschechische Ausnahmekünstlerin, die in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden ist, sagt über ihr Leben: "Ich habe das Schönste und Schrecklichste erlebt." Zum Schönsten gehört eine doppelte Liebe zu zwei Komponisten: zu ihrem 2006 verstorbenen Ehemann Viktor Kalabis und zu Johann Sebastian Bach, dessen vollständiges Klavierwerk sie in den 60er- und 70er-Jahren erstmals überhaupt auf dem Cembalo eingespielt hat. Schrecklich waren die Erfahrungen mit den Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Als Jüdin im Dritten Reich hat die junge Zuzana R?ži?ková vier Konzentrationslager, darunter Auschwitz, überlebt. Trotzdem hat sie nach dem Krieg auch in Deutschland regelmäßig Konzerte gegeben. Heute sagt sie: "Bachs Musik hat mich mit Deutschland versöhnt".

SWR2 Zeitgenossen: Friedemann Schrenk, Paläoanthropologe  

Friedemann Schrenk ist Deutschlands bekanntester Paläoanthropologe. Der Leiter des Senckenberg Museums forscht seit mehr als drei Jahrzehnten zur Entwicklungsgeschichte unserer Vorfahren. Dafür reist Schrenk regelmäßig in Länder wie Malawi, Tansania, Iran oder Georgien. Zurück in Frankfurt erzählt er einem breiten Publikum von den Ergebnissen seiner Arbeit auf Vorträgen und in populärwissenschaftlichen Büchern wie "Adams Eltern" oder "Die Neandertaler". Darüber hinaus initiiert und fördert Schrenk Kultur- und Bildungsprojekte in Deutschland und in Afrika. Für seine Arbeit ist er vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz.

SWR2 Zeitgenossen: Bettina Gaus, Journalistin  

"Ansteckend streitlustig" fand sie die Wochenzeitung "Die Zeit". Viele ihrer "taz"-Kommentare belegen das, ebenso die Bücher über Amerika, Afrika und das Innenleben der Berliner Republik. Bettina Gaus beobachtet seit vielen Jahren die Umbrüche in der Welt - und in den Medien. Was von diesem Talent in den Familien-Genen liegt, was in der Zeit als Korrespondentin in Nairobi wuchs? Bei den "Südwestdeutschen Medientagen" auf dem Hambacher Schloss spricht Bettina Gaus über ihre Stationen als Journalistin und analysiert das Weltgeschehen.

SWR2 Zeitgenossen: Karl-Josef Kuschel, Theologe  

Ein "guter" Theologe kennt sich in seinen Heiligen Schriften aus und kann Auskunft geben über deren Werden und ihre Bedeutung damals und heute. Das ist schließlich auch die Pflicht eines Theologen. Die Kür macht den "sehr guten" Theologen aus, wenn er über den eigenen Tellerrand schauen kann, wenn er Bezüge herstellen kann zu anderen theologischen Schriften, zur Literatur, zu gesellschaftlichen Strömungen, zum Zeitgeist, möglichst verständlich und verständnisvoll, aber auch kritisch und immer auf der Hut vor sich selbst. Karl-Josef Kuschel ist ein solch "sehr guter Theologe", der sich vor allem mit dem interreligiösen Trialog zwischen den monotheistischen Religionen beschäftigt hat

SWR2 Zeitgenossen: Gerd Heinz, Regisseur  

Der Schauspieler und Regisseur Gerd Heinz bezeichnet sich selbst als "homme de théâtre". Auf oder neben der Bühne steht der gebürtige Aachener jetzt tatsächlich schon seit über 50 Jahren, einmal als Schauspieler, Regisseur und Intendant oder auch als Dozent an verschiedenen Hochschulen. Mehr dem Text und seinen historischen Hintergründen verpflichtet als den Ideen des sogenannten "Regietheaters", arbeitet er seit einigen Jahren wieder als freier Opern- und Schauspielregisseur. Zu seinen jüngsten Inszenierungen gehören "Der Ignorant und der Wahnsinnige" bei den Salzburger Festspielen und Wagners "Ring des Nibelungen" am kleinen Theater Minden.

SWR2 Zeitgenossen: Volkwin Marg, Architekt  

Prof. Volkwin Marg ist einer der ganz großen deutschen Architekten. Gemeinsam mit Meinhard von Gerkan gründete er Mitte der 60er Jahre in Hamburg das Architekturbüro "von Gerkan, Marg und Partner". Für die vergangenen Fußballweltmeisterschaften hat er Stadien in Deutschland, Südafrika und Brasilien gebaut. Außerdem entwarf er den Berliner Hauptbahnhof, den Flughafen Berlin-Tegel sowie die neue Messe Friedrichshafen. Volkwin Marg hat für seine Arbeiten mehr als 400 nationale und internationale Preise gewonnen.

SWR2 Zeitgenossen: Stefan Kraus, Museumsleiter  

Stefan Kraus ist seit 2008 Direktor des "Kolumba"; gemeint ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, das in einem eigensinnigen Haus residiert. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor baute es in die Ruine der im Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche St. Kolumba. In diesem Museum treffen die Schätze und Dokumente einer Jahrhunderte alten Frömmigkeitsgeschichte mit Werken der klassischen Moderne und der aktuellen Kunst zusammen. Dieser etwas andere Direktor eines etwas anderen Museums sieht sein Metier auch mit anderen Augen. "Formate bestimmen die Inhalte" sagt Stefan Kraus 2016 in einer kleinen Grundsatzschrift und formuliert damit "ein radikales Plädoyer für die Subjektivität und eine Ästhetik des Humanen."

SWR2 Zeitgenossen: Klaus von Beyme, Politikwissenschaftler  

Wäre die Familie am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht aus Schlesien vertrieben worden, Klaus von Beyme wäre eventuell Landwirt geworden. So aber baute er, nach einer Lehre als Buchhändler, in der Bundesrepublik das Fach Politikwissenschaft mit auf. Da er auch in Moskau studiert hatte, machte er sich einen Namen als Osteuropa-Experte. Akademische Heimat von Beymes wurde (und ist) die Universität Heidelberg, aber beruflich wie privat zog es ihn auf alle Kontinente. Mit Rainer Volk spricht er über seine Lebensstationen und sein Garten-Hobby.

SWR2 Zeitgenossen: Nicole Heesters, Schauspielerin  

Sie ist die Tochter von Johannes Heesters. Auch ihre Mutter war eine berühmte Sängerin und Schauspielerin. Kein Wunder, dass es Nicole Heesters früh auf die Bühne zog. Schon im Alter von 15 Jahren wurde sie beim berühmten Wiener "Max-Reinhardt-Seminar" zugelassen. Seitdem hat sie an vielen großen Bühnen gespielt, mit bekannten Regisseuren, die schwierigsten Rollen. Sie war die erste "Tatort"-Kommissarin der ARD und natürlich spielte sie auch in zahlreichen Kinofilmen. Nun, mit 80 Jahren, steht sie immer noch auf der Bühne und beeindruckt mit ihrer großartigen Bühnenpräsenz. Gerade ist sie in Mannheim in Roland Schimmelpfennigs "Das große Feuer" zu erleben.

SWR2 Zeitgenossen: Christian Gerhaher, Bariton  

Er gilt als bester und vielseitigster Bariton unserer Tage, wird von Publikum und Fach-welt gleichermaßen gefeiert, hat eine Stimme, die süchtig macht. Christian Gerhaher, 1969 im bayerischen Straubing geboren, füllt mit seinen Liederabenden große Häuser und ist auch als Opernsänger weltweit gefragt. Dennoch entspricht er nicht dem gängi-gen Bild vom "Klassik-Star". Er hat Umwege gemacht, hat Philosophie studiert und ein Medizinstudium abgeschlossen, musste lange auf seinen Erfolg als Sänger warten. Bis heute ist er ein Zweifler und Grübler - und hat vielleicht gerade deshalb im Liedgesang neue Maßstäbe gesetzt.

SWR2 Zeitgenossen: Franz Müntefering, Politiker  

Zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder setzte Franz Müntefering als Generalsekretär und dann als SPD-Chef die umstrittene Agenda 2010 durch. 2009 übergab er mit 69 Jahren das Zepter an Sigmar Gabriel. Und meldete sich immer dann zu Wort, wenn er sein politisches Erbe durch seine Nachfolger gefährdet sah, etwa bei der von ihm scharf kritisierten Rente mit 63. Was sagt Müntefering am Tag der Arbeit zu den Plänen des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Ältere deutlich verlängern will? Welche Chancen sieht er mit Schulz an der Spitze für seine Partei bei der Bundestagswahl?

SWR2 Zeitgenossen: Ulrike Draesner, Schriftstellerin  

Sie wird es hinter sich haben: die Uraufführung von "Tre Volti - 3 Blicke auf Liebe und Krieg - Musiktheater mit Monteverdi" am Abend zuvor - mit einem Text von ihr. Ein Text über Krieg und Liebe, über ein Paar, das sich nach 17 Jahren trennt. Er: Handelsvertreter für Handys im Nahen Osten. Sie: Pilotin einer Kampfdrohne. Die 1962 in München geborene Schriftstellerin und promovierte Philologin Ulrike Draesner wagt häufig den (Über)Sprung in andere Genres: Multimediales, Aktionskunst, Bildhauerei. Ihre Texte gehen viele Beziehungen ein. Und das Interesse der Ulrike Draesner ist breit.

SWR2 Zeitgenossen: Wita Noack, Museumsleiterin  

1959 in Bautzen, in eine sorbische Künstlerfamilie hinein geboren, kam Wita Noack 1985 nach Berlin und landete wenig später in der Kulturbehörde Berlin-Hohenschönhausen. 1992 übernahm sie als Leiterin das Mies van der Rohe Haus; bis 1945, 'Haus Lemke', das letzte Privathaus des großen Architekten in Deutschland vor der Emigration in die USA. Im Gespräch mit Reinhard Ermen erzählt Wita Noack, wie es möglich war, auf Basis eigener Konzepte und Forschungen, "praktisch aus dem Nichts" die vergessene Architekturikone, in der bis zur Wende die Stasi mit einem Wäschedepot und einer Hausmeisterwohnung residierte, in eine vielbeachtete Kunstinstitution zu verwandeln. (Produktion 2016)

SWR2 Zeitgenossen: Manuel Herder, Verleger  

Manuel Herder leitet den Herder Verlag in sechster Generation. Fast 200 Jahre lang wurden Bücher und Zeitschriften im Geiste des Katholizismus gedruckt. Manuel Herder ist dabei, die Inhalte seiner Publikationen auf moderne gesellschaftliche Themen in einer globalen Welt zu erweitern. Manuel Herder gibt neben der "Herder-Bibel" auch den Koran in deutscher Sprache heraus. So unterschiedliche Autoren wie Papst Benedikt XVI, der romkritische Theologe Hans Küng, Pater Anselm Grün, der Dalai Lama aber auch politisch kontroverse Stimmen wie Karl Theodor zu Guttenberg von der CSU und die SPD Politiker Henning Scharf und Franz Müntefering finden in Manuel Herder ihren Verleger.

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