SWR2 Zeitgenossen

SWR2 Zeitgenossen

Germany

In einem 45-minütigen Gespräch werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken. Samstags, 17.05 bis 17.50 Uhr in SWR2.

Episodes

SWR2 Zeitgenossen: Stefan Kraus, Museumsleiter  

Stefan Kraus ist seit 2008 Direktor des "Kolumba"; gemeint ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, das in einem eigensinnigen Haus residiert. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor baute es in die Ruine der im Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche St. Kolumba. In diesem Museum treffen die Schätze und Dokumente einer Jahrhunderte alten Frömmigkeitsgeschichte mit Werken der klassischen Moderne und der aktuellen Kunst zusammen. Dieser etwas andere Direktor eines etwas anderen Museums sieht sein Metier auch mit anderen Augen. "Formate bestimmen die Inhalte" sagt Stefan Kraus 2016 in einer kleinen Grundsatzschrift und formuliert damit "ein radikales Plädoyer für die Subjektivität und eine Ästhetik des Humanen."

SWR2 Zeitgenossen: Klaus von Beyme, Politikwissenschaftler  

Wäre die Familie am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht aus Schlesien vertrieben worden, Klaus von Beyme wäre eventuell Landwirt geworden. So aber baute er, nach einer Lehre als Buchhändler, in der Bundesrepublik das Fach Politikwissenschaft mit auf. Da er auch in Moskau studiert hatte, machte er sich einen Namen als Osteuropa-Experte. Akademische Heimat von Beymes wurde (und ist) die Universität Heidelberg, aber beruflich wie privat zog es ihn auf alle Kontinente. Mit Rainer Volk spricht er über seine Lebensstationen und sein Garten-Hobby.

SWR2 Zeitgenossen: Nicole Heesters, Schauspielerin  

Sie ist die Tochter von Johannes Heesters. Auch ihre Mutter war eine berühmte Sängerin und Schauspielerin. Kein Wunder, dass es Nicole Heesters früh auf die Bühne zog. Schon im Alter von 15 Jahren wurde sie beim berühmten Wiener "Max-Reinhardt-Seminar" zugelassen. Seitdem hat sie an vielen großen Bühnen gespielt, mit bekannten Regisseuren, die schwierigsten Rollen. Sie war die erste "Tatort"-Kommissarin der ARD und natürlich spielte sie auch in zahlreichen Kinofilmen. Nun, mit 80 Jahren, steht sie immer noch auf der Bühne und beeindruckt mit ihrer großartigen Bühnenpräsenz. Gerade ist sie in Mannheim in Roland Schimmelpfennigs "Das große Feuer" zu erleben.

SWR2 Zeitgenossen: Christian Gerhaher, Bariton  

Er gilt als bester und vielseitigster Bariton unserer Tage, wird von Publikum und Fach-welt gleichermaßen gefeiert, hat eine Stimme, die süchtig macht. Christian Gerhaher, 1969 im bayerischen Straubing geboren, füllt mit seinen Liederabenden große Häuser und ist auch als Opernsänger weltweit gefragt. Dennoch entspricht er nicht dem gängi-gen Bild vom "Klassik-Star". Er hat Umwege gemacht, hat Philosophie studiert und ein Medizinstudium abgeschlossen, musste lange auf seinen Erfolg als Sänger warten. Bis heute ist er ein Zweifler und Grübler - und hat vielleicht gerade deshalb im Liedgesang neue Maßstäbe gesetzt.

SWR2 Zeitgenossen: Franz Müntefering, Politiker  

Zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder setzte Franz Müntefering als Generalsekretär und dann als SPD-Chef die umstrittene Agenda 2010 durch. 2009 übergab er mit 69 Jahren das Zepter an Sigmar Gabriel. Und meldete sich immer dann zu Wort, wenn er sein politisches Erbe durch seine Nachfolger gefährdet sah, etwa bei der von ihm scharf kritisierten Rente mit 63. Was sagt Müntefering am Tag der Arbeit zu den Plänen des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Ältere deutlich verlängern will? Welche Chancen sieht er mit Schulz an der Spitze für seine Partei bei der Bundestagswahl?

SWR2 Zeitgenossen: Ulrike Draesner, Schriftstellerin  

Sie wird es hinter sich haben: die Uraufführung von "Tre Volti - 3 Blicke auf Liebe und Krieg - Musiktheater mit Monteverdi" am Abend zuvor - mit einem Text von ihr. Ein Text über Krieg und Liebe, über ein Paar, das sich nach 17 Jahren trennt. Er: Handelsvertreter für Handys im Nahen Osten. Sie: Pilotin einer Kampfdrohne. Die 1962 in München geborene Schriftstellerin und promovierte Philologin Ulrike Draesner wagt häufig den (Über)Sprung in andere Genres: Multimediales, Aktionskunst, Bildhauerei. Ihre Texte gehen viele Beziehungen ein. Und das Interesse der Ulrike Draesner ist breit.

SWR2 Zeitgenossen: Wita Noack, Museumsleiterin  

1959 in Bautzen, in eine sorbische Künstlerfamilie hinein geboren, kam Wita Noack 1985 nach Berlin und landete wenig später in der Kulturbehörde Berlin-Hohenschönhausen. 1992 übernahm sie als Leiterin das Mies van der Rohe Haus; bis 1945, 'Haus Lemke', das letzte Privathaus des großen Architekten in Deutschland vor der Emigration in die USA. Im Gespräch mit Reinhard Ermen erzählt Wita Noack, wie es möglich war, auf Basis eigener Konzepte und Forschungen, "praktisch aus dem Nichts" die vergessene Architekturikone, in der bis zur Wende die Stasi mit einem Wäschedepot und einer Hausmeisterwohnung residierte, in eine vielbeachtete Kunstinstitution zu verwandeln. (Produktion 2016)

SWR2 Zeitgenossen: Manuel Herder, Verleger  

Manuel Herder leitet den Herder Verlag in sechster Generation. Fast 200 Jahre lang wurden Bücher und Zeitschriften im Geiste des Katholizismus gedruckt. Manuel Herder ist dabei, die Inhalte seiner Publikationen auf moderne gesellschaftliche Themen in einer globalen Welt zu erweitern. Manuel Herder gibt neben der "Herder-Bibel" auch den Koran in deutscher Sprache heraus. So unterschiedliche Autoren wie Papst Benedikt XVI, der romkritische Theologe Hans Küng, Pater Anselm Grün, der Dalai Lama aber auch politisch kontroverse Stimmen wie Karl Theodor zu Guttenberg von der CSU und die SPD Politiker Henning Scharf und Franz Müntefering finden in Manuel Herder ihren Verleger.

SWR2 Zeitgenossen: Hubert Wolf, Katholischer Theologe und Kirchenhistoriker  

Hubert Wolf kann reden und er kann schreiben - und wie. Seine Themen bezieht der Theologe mit schwäbischen Wurzeln aus der Kirchengeschichte. Als Kirchenhistoriker an der Uni Münster gräbt und fördert er teils vernachlässigte, teils vergessene Realitäten zu Tage, die vor allem eines belegen: Es gab in der Geschichte der Kirche fast nichts, was es nicht gab. In der Diskussion um die Reformen in der katholischen Kirche ist eine solche wissenschaftliche Arbeit enorm wichtig, weil sie das Argument im Keim erstickt, man müsse sich immer an die Traditionen in der Kirche halten. Derer gab es nämlich viele. Und außerdem belegt die Kirchengeschichte, dass die Kirche sich immer zu erneuern hat.

SWR2 Zeitgenossen: Isolde Karle, evangelische Theologin  

Erst evangelische Pfarrerin, jetzt Theologieprofessorin. Isolde Karle, geboren 1963 in Schwäbisch Hall, hält nicht an traditionellen Kategorien fest. Vielmehr untersucht die Direktorin des interdisziplinären Instituts für Religion und Gesellschaft an der Ruhruniversität Bochum moderne Lebens-, aber auch Organisationsformen. Die eigene Kirche und deren Personal spart sie dabei nicht aus. Kritischer Austausch ist der zweifachen Mutter ebenso wichtig wie die Auseinandersetzung mit neuen Themengebieten, beispielsweise Gender oder neue Familienformen. Neben vielen wissenschaftlichen Verpflichtungen engagiert sich Isolde Karle beim Deutschen Evangelischen Kirchentag oder als Universitätspredigerin.

SWR2 Zeitgenossen: Christoph Ingenhoven, Architekt  

Als er 2008 von seiner Zunft forderte, nicht die Repräsentationsbauten für Diktaturen zu entwerfen, entfachte er einen baukulturellen Orkan, in dem ihm unter anderem "moralischer Rigorismus" vorgeworfen wurde. Im Mittelpunkt des Bürgerzorns steht er auch, seit er als Planer den Neubau des Hauptbahnhofs in Stuttgart verantwortet. Doch der Kontroversen-erprobte Architekt aus Düsseldorf, der in den USA und in Australien baut, in Europa und in Asien, konnte für seine Bauten auch zahlreiche Preise entgegen nehmen. Christoph Ingenhoven, der zur den bedeutendsten deutschen Architekten gezählt wird und aus einer Architektenfamilie stammt, skizziert seinen Werdegang und seine Positionen.

SWR2 Zeitgenossen: Christoph Maria Herbst, Schauspieler  

Christoph Maria Herbst absolvierte zunächst eine Banklehre, pflegte aber parallel seine Liebe zum Theater. Sein erstes Engagement erhielt er am Landestheater Dinslaken. Einem breiteren Publikum wurde er als Ekelchef in der Comedy-TV-Serie "Stromberg" bekannt, dafür erhielt er 2006 den Grimme-Preis. Bei den Nibelungenfestspielen in Worms 2009 stand er als Hagen auf der Bühne. Vor kurzem war Christoph Maria Herbst als Bewährungshelfer Benno im Kinofilm "Die Kleinen und die Bösen" zu sehen.

SWR2 Zeitgenossen: Hans-Ulrich Treichel, Schriftsteller  

Heimat, Flucht und Vertreibung sind zentrale Themen im Werk von Hans-Ulrich Treichel. Auf der Flucht war sein älterer Bruder verloren gegangen, ein Tabuthema in der Familie. In seinem berühmten ersten Roman "Der Verlorene" (1998) erzählte er vom Schweigen der Eltern und seiner Kindheit in Nachkriegsdeutschland. Auch sein jüngstes Buch "Tagesanbruch" (2016) umkreist die Ereignisse der Flucht. Die Erzählung führt in die Erinnerungswelt einer Mutter, die ihr Schweigen erst bricht, als sie den Leichnam ihres erwachsenen Sohnes in den Armen hält. Hans-Ulrich Treichel leitet seit 1998 das Deutsche Literaturinstitut Leipzig und gibt hier als Professor für literarisches Schreiben seine Erfahrungen als Lyriker und Romancier an angehende Schriftsteller weiter.

SWR2 Zeitgenossen: Friedrich Christian Delius, Schriftsteller  

Mit dem Revoluzzer-Image, dem Bild des "68er-Heißsporns", kann er sich nicht so recht anfreunden. Der Anarchist in ihm dürfe noch wachsen, gestand Friedrich Christian Delius in einem Interview. Tatsächlich hat er sich jedoch mehr als einmal als widerständiger und unabhängiger Geist erwiesen. Er hat gegen den Vietnamkrieg protestiert und gegen die Springerpresse Front gemacht sowie den Hochkapitalismus aufs Korn genommen. Als literarischer Chronist der Gegenwart wird Delius oft bezeichnet. Er selbst wäre gern ein Romantiker, wie er sagt. Und er schreibe Romane, weil er die Welt nicht auf eine Formel bringen könne. Und so zeugen seine Werke von wacher, humorvoller und nachdenklicher Zeitgenossenschaft.

SWR2 Zeitgenossen: Jan Ilhan Kizilhan, Diplom-Psychologe  

Jan Ilhan Kizilhan ist Psychotherapeut, Orientalist und Publizist. Das Bedürfnis, Menschen in Notsituationen zu helfen, habe er wohl von einem Vorfahren geerbt, der traditioneller Heiler war, erzählt der 50 Jährige. Durch seine jesidischen Wurzeln und seine Kindheit in der Türkei war er von Anfang an auch ein Vermittler zwischen unterschiedlichen Kulturen und wurde bald zum Experten für die Behandlung von Traumata, ausgelöst durch Krieg, Flucht und Folter. Durch seine Hilfe konnten inzwischen über 1000 jesidische Mädchen und Frauen, die vom IS verschleppt, versklavt und vergewaltigt wurden, nach Baden-Württemberg geholt und psychologisch betreut werden. "Jedes Mal, wenn man denkt, man hat bereits das Schlimmste gehört, erzählt einem jemand etwas noch Schlimmeres", berichtet Jan Ilhan Kizilhan.

SWR2 Zeitgenossen: Ulrich Khuon, Theaterintendant  

Ulrich Khuon, gebürtig aus Stuttgart, war nach dem Studium von Theologie und Germanistik zunächst in Freiburg als Theaterintendant tätig, ehe er als Chefdramaturg an die Bühne in Konstanz ging. Am Bodensee war er derart erfolgreich, dass man ihm alsbald die Leitung des Hauses übertrug, was bundesweit derart starke Beachtung fand, dass er wenig später als Intendant an das Schauspielhaus Hannover berufen wurde. Kaum hatte er dort vor allem zeitgenössische Produktionen etabliert, ereilte ihn der Ruf an das Hamburger Thalia-Theater, wo er sich in kurzer Zeit ein derart großes Renommée erwarb, dass ihn die Hanseaten höchst ungern ziehen ließen, als er zur Spielzeit 2009/2010 die Leitung des deutschen Theaters in Berlin übernahm.

SWR2 Zeitgenossen: Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin Kulturstiftung der Länder  

Ihr Herz schlägt seit jeher für die Kultur, doch sie studierte Jura bis zum Zweiten Staatsexamen. Diese Kombination führte Isabel Pfeiffer-Poensgen bis an die Spitze der Kulturstiftung der Länder. Zuvor war sie u. a. Kanzlerin der Kölner Musikhochschule und Kulturdezernentin in ihrer Geburtsstadt Aachen. Diesen Posten übernahm sie freilich nur, weil ihr die SPD ihn angeboten hatte. Als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder setzt sich Pfeiffer-Poensgen heute vor allem für den Erhalt national bedeutsamen Kulturguts ein.

SWR2 Zeitgenossen: Franzobel, Schriftsteller  

Wenn man sich die Liste der Bücher anschaut, auf dem der Name Franzobel gedruckt ist, schaut man noch einmal genau in die Autorenbiographie: Geboren 1967 im österreichischen Vöcklabruck. Nein, dieser Schriftsteller ist nicht mal 50 Jahre alt und sein Werk umfasst trotzdem so viele Publikationen, dass man meinen könnte, unter dem Künstlernamen arbeitet eine Literaturkohorte - aber dem ist nicht so. Franzobel, der mit bürgerlichem Namen Franz Stefan Griebl heißt, ist schlichtweg ein manischer Autor, der zudem äußerst vielseitig ist. Er schreibt wüste Satiren auf sein Heimatland, veröffentlicht Trashkrimis, bringt Gedichtbände heraus, parodiert erotische Literatur, taucht ein in die Geschichte der Groteske, versteht sich bei allem schrägen Humor vor allem als Humanist, ohne dabei ins Moralinsaure abzudriften. Der umstrittene Autor unterhält ein breites Publikum und hat für sein Werk zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhalten

SWR2 Zeitgenossen: Wolfgang Schmale, Europahistoriker an der Universität Wien  

"Das 20. Jahrhundert ist 2017 noch nicht zu Ende", meint Prof. Dr. Wolfgang Schmale. In den Wahlerfolgen der extremen Rechten und der Abschottungspolitik europäischer Regierungen sieht der Historiker Parallelen zu den Zwischenkriegsjahren 1918 bis 1939. Die Entwicklung Europas in den vergangenen Jahren beunruhigt ihn sehr, denn "mein ganzes Leben habe ich von der europäischen Integration profitiert". Schmale lehrt seit 1999 Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Europäische Integration an der Universität Wien.

0:00/0:00
Video player is in betaClose