SWR2 Zeitgenossen

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Germany

In einem 45-minütigen Gespräch werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken. Samstags, 17.05 bis 17.50 Uhr in SWR2.

Episodes

SWR2 Zeitgenossen: Armin Thurnher, Verleger und Journalist  

Eigentlich wollte Armin Thurnher, seit 1977 Herausgeber und Chefredakteur der links-alternativen Wiener Wochenzeitung „Falter“, in diesem Bücherherbst eine Abrechnung mit dem österreichischen Mediensystem vorlegen. Doch die weit über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregenden innenpolitischen Zustände rund um die mehrfach verschobene Bundepräsidentenwahl drängte Thurner danach - entgegen selbstaufgelegter Schwüre - doch noch schnell ein „Ach, Österreich“ dazwischenzuschieben. Im Gespräch mit Claus Heinrich verrät Armin Thurner, warum er den Parteichef der rechten FPÖ ungestraft einen Rechtsextremen nennen darf. Und warum er glaubt, dass der Deutschnationale Norbert Hofer bei der Wahl doch nicht Bundespräsident wird.

SWR2 Zeitgenossen: Prof. Dr. Peter Zimmerling, Theologe  

Protestanten sind im Gegensatz zu Katholiken nüchtern. Diesem weitverbreiteten Vorurteil tritt Peter Zimmerling, Professor für Praktische Theologie in Leipzig, energisch entgegen. Denn neben seinem Schwerpunktthema Seelsorge liegt dem evangelischen Pfarrer aus Hessen vor allem an der Wiederbelebung evangelischer Spiritualität. Als Universitätsprediger hat er auch die Gemeindesituation im Blick. Inspiriert durch Forschungen über Mystik und Pietismus sowie deren prägenden Gestalten plädiert Zimmerling für mehr Lebendigkeit in der Kirche und für einen alltagsverträglichen Glauben. Der evangelische Theologe, der auch den Titel Domherr zu Meißen trägt, steht auch persönlich für ein Christentum zwischen kritischer Ratio und gelebter Mystik.

SWR2 Zeitgenossen: Ruth Weiss, Journalistin und Schriftstellerin  

Ruth Weiss ist eine Jahrhundertzeugin.1936 floh sie mit ihrer jüdischen Familie vor dem Naziterror in Deutschland nach Südafrika. Im Exil erlebt die Jugendliche die Anfänge des Apartheid-Regimes. Als Weiße wäre sie privilegiert gewesen, doch sie akzeptiert das nicht. Die Journalistin und Schriftstellerin schreibt an gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Ruth Weiss bereist ganz Afrika und trifft Persönlichkeiten, die die Geschicke des Kontinents entscheidend prägen sollten, wie Nelson Mandela. Ruth Weiss lebt inzwischen in Dänemark. Die 92jährige kommt regelmäßig nach Deutschland, um in Schulen von ihrem ereignisreichen Leben zu erzählen.

SWR2 Zeitgenossen: Gila Lustiger, Journalistin und Schriftstellerin  

"Nun sind wir alle Juden", heißt ein Schlüsselsatz in "Erschütterung", dem aktuellen Buch von Gila Lustiger. Die Pariser Autorin beschreibt und analysiert darin, wie der dschihadistische Terror Frankreich verändert. Auch ihr Roman "Die Schuld der anderen", erschienen 2015, zeichnet realitätsnah und spannend das Sittenbild einer französischen Gesellschaft, die sich von den eigenen Idealen "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" entfernt hat. Gila Lustiger lebt seit 30 Jahren in Paris. Geboren wurde sie 1963 in Frankfurt am Main, als Tochter des Historikers und Holocaust-Überlebenden Arno Lustiger.

SWR2 Zeitgenossen: Volker Demuth, Schriftsteller  

Nach dem Studium von Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte wohnte der aus dem oberschwäbischen Laupheim stammende Volker Demuthr lange an der Donau am Rande der Schwäbischen Alb, war einige Jahre Professor für Medientheorie und Mediengeschichte in Schwäbisch Hall und lebt derzeit als freier Schriftsteller in Berlin. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Reflexion der Körper-, Technik- und Mediengeschichte der Neuzeit sowie der Versuch, inmitten der uns umgebenden und transzendierenden digitalen Informationsflut auf neue Weise poetisch "zu Wort" zu kommen; 2013 erschien sein Roman "Stille Leben".

SWR2 Zeitgenossen: Kathrin Oxen, EKD-Zentrum für Predigtkultur Wittenberg.  

Für Kathrin Oxen ist predigen nicht nur ein Handwerk, sondern auch eine Kunst, in der jede Pfarrerin, jeder Pfarrer die eigene Persönlichkeit einbringt. Kathrin Oxen absolvierte die "Meisterklasse Predigt" des Atelier Sprache in Braunschweig und erhielt 2009 den Ökumenischen Predigtpreis für die "beste Predigt". Seitdem leitet die evangelische Theologin das Zentrum für Evangelische Predigtkultur in der Lutherstadt. Zuvor war Kathrin Oxen acht Jahre lang als Pfarrerin der evangelisch-reformierten Kirche in Mecklenburg-Bützow tätig. Sie steht für eine sprachfähige und sprachgewandte Kirche, die möglichst weit über den eigenen Horizont hinausschaut

SWR2 Zeitgenossen: Alice Schwarzer, Feministin  

Sie initiierte 1971 die Aktion "Frauen gegen § 218",vier Jahre später veröffentlichte sie den Band "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen", der zur Gründungsurkunde der neuen deutschen Frauenbewegung wurde: Alice Schwarzer, die seither als die Stimme des Feminismus zwischen Kiel und Konstanz gilt. Sie erwies sich in den folgenden Jahrzehnten als couragierte Kämpferin für die Gleichstellung von Mann und Frau, wobei die von ihr mitbegründete Zeitschrift "Emma" zum Leit- und Debattenmedium wurde. Doch die bald 75-jährige, engagierte Publizistin provozierte immer wieder auch Widerspruch: ob sie für BILD vom Kachelmann-Prozess berichtete oder jüngst das Strafverfahren gegen Gina-Lisa Lohfink kommentierte - bis in die Reihen der Frauenbewegung hin polarisierte Alice Schwarzer mit ihren Stellungnahmen.

SWR2 Zeitgenossen: David Wagner, Schriftsteller  

Mal streift der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller David Wagner mit seinem Protagonisten durch die Gänge eines Supermarktes und entwickelt auf ironische und doch einfühlsame Weise eine Art Phänomenologie des Kaufens und Verkaufens. Mal erzählt er nachdenklich, aber vollkommen unpathetisch vom "Wunder einer Organtransplantation" - die er selbst erlebt hat. Nun lässt er seinen präzisen Erzählerblick durch Hotelzimmer überall in der Welt streifen. Einfache und luxuriöse Herbergen werden beschrieben, Schuhschachtelzimmer und großräumige Suiten. Wir Leser scheinen die uniformen und dann wieder seltsam um Originalität bemühten Räume zu kennen, und doch erleben wir sie ganz anders: Wenn David Wagner den Inhalt der Minibar oder den Schminkspiegel im Badezimmer beschreibt, die "Zierkissenpest" auf dem Bett oder den Bleistift auf dem Schreibtisch, dann entsteht ein poetischer Raum, der ein erstaunlich intensives Reise- und Seherlebnis ermöglicht.

SWR2 Zeitgenossen: Johannes Fried, Historiker  

Johannes Fried, geboren 1942 in Hamburg, war bis zu seiner Emeritierung 2009 fast drei Jahrzehnte lang Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt am Main. Er hat geschafft, was vielen Historikern ein Leben lang verwehrt bleibt: Seine Bücher sind Bestseller! Dazu zählt insbesondere sein 2013 erschienenes Buch "Karl der Große. Gewalt und Glaube". Fried ist überzeugt, dass das menschliche Erinnerungsvermögen und damit der Wert historischer Quellen begrenzt sind. Er plädiert dafür, die Erkenntnisse der Hirnforschung für die Geschichtswissenschaft heranzuziehen und fordert eine Neuausrichtung des Fachs als neurokulturelle Geschichts- und Lebenswissenschaft. Seine Ideen haben viel Zuspruch gefunden, sind aber auch stark kritisiert worden.

SWR2 Zeitgenossen: Michael von Hintzenstern, Komponist und Performer  

Aufgewachsen in Weimar, studiert Michael von Hintzenstern dort Komposition an der Hochschule für Musik "Franz Liszt", Orgel an der Thüringer Kirchenmusikschule in Eisenach und Musikwissenschaft in Halle. Als Preisträger des Internationalen Kompositionswettbewerbs in Boswil hielt er sich 1976 für kurze Zeit in der Schweiz auf und gründete dann, inspiriert vom in der DDR verfemten Karl-Heinz Stockhausen, 1980 das "Ensemble für Intuitive Musik Weimar". Seit 1986 ist von Hintzenstern Organist an der von ihm wiederentdeckten und auf sein Betreiben hin restaurierten "Liszt-Orgel" in Denstedt bei Weimar. Kurz vor der "Wende" initiierte er in Weimar die "Tage Neuer Musik" und gründete die "Klang Projekte Weimar e. V." der "Unabhängige Vereinigung für Musik der Gegenwart.

SWR2 Zeitgenossen: Sigune von Osten, Sängerin und Komponistin  

Die Sängerin Sigune von Osten wurde von der Kritik "Diva der Neuen Musik" genannt, gastierte auf den Bühnen der ganzen Welt und arbeitete mit allen namhaften Komponisten der Avantgarde zusammen. Doch die bloße Interpretation fertiger Werke reichte ihr nicht und sie initiierte mehrere Festivals und sie entwickelte neue, eigene Formen des Musiktheaters. Als Musik-Künstlerin versuchte sie dabei immer Neue Musik mit unverfälschten Traditionen aus allen Erdteilen zusammenzuführen. Ihr jüngstes Projekt ist der Aufbau einer Musikhochschule in Myanmar.

SWR2 Zeitgenossen: Regine Leibinger, Architektin  

In Stuttgart aufgewachsen, studierte sie in Berlin, später in den USA - wo sie auch ihren Ehemann und Geschäftspartner Frank Barkow kennenlernte - um Anfang der 90er-Jahre an die Spree zurückzukehren. Barkow Leibinger erarbeiteten sich mit ihren Bauten in Freiburg und Ditzingen, in Potsdam und Berlin, in Korea, der Schweiz und den USA einen guten Ruf. Vor allem ihre Industriearchitekturen setzten Maßstäbe, weil sie im komplexen Interessengefüge von Unternehmern, Mitarbeitern und Kunden überzeugende Lösungen fanden, die hohe ökonomische, ökologische und ästhetische Ansprüche einlösen und deshalb vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurden. Regine Leibinger lehrt zudem an Hochschulen in Berlin, London und Harvard.

SWR2 Zeitgenossen: Peter Kurth, Schauspieler  

Peter Kurth, Jahrgang 1957, absolvierte die Schauspielschule Rostock und war nach Engagements in Magdeburg und Leipzig Ensemble-Mitglied am Thalia Theater Hamburg. Vom Berliner Gorki-Theater wechselte er in der Spielzeit 2013/2014 ans Schauspiel Stuttgart. Aber nicht nur auf Deutschlands Bühnen, auch in Film und Fernsehen ist er präsent. Er war im ARD-Tatort als Kommissar Erik Seidel zu sehen, im Kino in "Good Bye Lenin!" und erhielt für seine Darstellung des "Herbert", im gleichnamigen Kinostreifen, in diesem Jahr den Deutschen Filmpreis. Zuvor, 2014, wurde der leidenschaftliche Motorradfahrer vom Magazin "Theater heute" zum "Schauspieler des Jahres" gekürt.

SWR2 Zeitgenossen: Martin Roth, Direktor des Victoria and Albert Museum, London  

Martin Roth (61) leitet seit fünf Jahren das Victoria and Albert Museum in London. Der Kulturhistoriker ist für die weltweit größte Sammlung von Kunst, Kunstgewerbe und Design zuständig. Roth gilt als einer der weltweit wichtigsten Kulturmanager. Das V&A ist inzwischen eine Art Kulturmarke. Dependancen in aller Welt tragen dazu bei, das Museum und sein Konzept bekannt zu machen. Im Gespräch erzählt Roth, wie er als Deutscher zu diesem Posten kam, wie Prinz Albert und das Thema "Weltausstellung" seine Karriere und letztlich seine Berufung zum V&A beeinflusst haben, wie man in der teuersten Stadt der Welt an Millionen für Ausstellungen kommt und warum der Eintritt trotzdem umsonst ist.

SWR2 Zeitgenossen: Ilija Trojanow, Autor, Übersetzer und Verleger  

Ilija Trojanow ist Weltbürger und "Weltensammler". Das scheint keine überraschende Entwicklung zu sein, wenn man 1965 in Bulgarien geboren wird, mit den Eltern als Sechsjähriger über Jugoslawien nach Italien und von dort weiter nach Deutschland flieht. Nach dem Abitur in Kenia sind Mumbai und Kapstadt weitere Wohnsitze. Reportagen für namhafte Zeitungen zeigen, dass sich Ilija Trojanow als Vermittler zwischen den Kulturen sieht. Sein erster Roman "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" wurde 2008 verfilmt. Der Weltensammler wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Trojanow erhielt zahlreiche Auszeichnungen, er war 2007 Stadtschreiber in Mainz und im gleichen Jahr Inhaber der Tübinger Poetik-Dozentur.

SWR2 Zeitgenossen: Katja Lange-Müller, Schriftstellerin  

Katja Lange-Müller gehört zu den besten deutschsprachigen Erzählerinnen der Gegenwart. Ihre Prosa ist so eigentümlich wie präzise. Da wird berlinert und zugleich klug über Sprache räsoniert. Dabei hat sie ruppige und zugleich feinfühlige Figuren geschaffen, die man nicht vergisst. Lange-Müller hat für ihre Arbeit zahlreiche Preise erhalten: den Bachmannpreis, den Alfred-Döblin-Preis, den Wilhelm-Raabe-Preis und den Kleistpreis. Aber was für ihre literarische Biografie mindestens genauso wichtig war und ist, sind handfeste Erfahrungen: Katja Lange-Müller hat eine Schriftsetzerlehre gemacht, erst in einer Druckerei, dann als Bildredakteurin gearbeitet. Und sie war sechs Jahre als pflegerische Hilfskraft auf geschlossenen psychiatrischen Frauenstationen tätig.

SWR2 Zeitgenossen: Yascha Mounk, Autor und Wissenschaftler  

Geboren 1982 in München, wuchs Yascha Mounk in Südwestdeutschland auf. Nach einem Studienaufenthalt im britischen Cambridge wanderte er in die USA aus. Heute lebt und arbeitet er als Dozent an der Bostoner Harvard University und ist freier Publizist in New York. Aufsehen erregte er unlängst mit dem Buch "Stranger in my country", in Deutschland erschienen unter dem Titel "Fremd im eigenen Land". Der Erfahrungsbericht eines jungen Juden, der sich im Gegenwartsdeutschland nicht heimisch zu fühlen vermag, ist zugleich ein ernüchterndes Protokoll misslingender deutsch-jüdischer Identitätsfindung

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