SWR2 Zeitgenossen

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Germany

In einem 45-minütigen Gespräch werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken. Samstags, 17.05 bis 17.50 Uhr in SWR2.

Episodes

SWR2 Zeitgenossen: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Politikerin  

Am Anfang habe er sie für ein aufgescheuchtes Huhn gehalten, meinte einmal der Altliberale Gerhart Baum. Später habe er sie bewundert, für ihre Leidenschaft, ihren Mut und ihre Entschiedenheit. Die gebürtige Ostwestfalin gilt längst als eine der prägenden Figuren liberaler Politik in Deutschland. Wer ihr begegnet, spürt sofort, wie ernst es ihr mit der Wahrung von Freiheitsrechten ist. Ein Augenblick hat ihre Lebensgeschichte dabei ganz besonders geprägt: 1995 trat sie unter Tränen als Bundesjustizministerin zurück, weil sich damals neben der Union auch die Mehrheit ihrer eigenen Partei, der FDP, für den großen Lauschangriff ausgesprochen hatte.

SWR2 Zeitgenossen: Necla Kelek, Soziologin  

Necla Kelek verabscheut islamische Eiferer. Islamische Eiferer verabscheuen Necla Kelek. Die deutsche Soziologin und Publizistin türkischer Herkunft bezieht in ihrer Arbeit offen, manchmal auch provokant Stellung gegen jede Art des religiös verbrämten Fundamentalismus. Das hat ihr den Ruf der "Islamkritikerin" eingebracht. Dabei kritisiert Necla Kelek weniger die Religion als solche. Sie attackiert vielmehr die rigide Auslegung des Islam in vielen Moscheen in Deutschland. Aus "falsch verstandener Toleranz" heraus werde es hingenommen, dass dort oft ein reaktionärer Islam gepredigt werde, meint Kelek. Kritiker halten dagegen, ihre Islamkritik sei wissenschaftlich wenig fundiert.

SWR2 Zeitgenossen: Raoul Schrott, Schriftsteller  

Kaum ein deutschsprachiger Schriftsteller setzt sich so intensiv mit naturwissenschaftlichen und zeithistorischen Themen auseinander wie der Tiroler Literaturwissenschaftler, Essayist, Dichter und Romanautor Raoul Schrott. Begeisterung und schroffe Ablehnung haben seine Werke hervorgerufen, man denke nur an die Debatte um seine Neuübersetzung und Interpretation von Homers "Ilias". Schrott ist - und hier trifft diese Formulierung wirklich mal zu - ein beseelter Wanderer zwischen den unterschiedlichsten kulturellen und wissenschaftlichen Welten, und dies ist insbesondere in seinem neuen Werk zu bestaunen, das schlicht "Erste Erde" heißt, aber ein Epos von biblischem Ausmaß ist und das auf furiose Weisen versucht, den Anfang unseres Universums in wechselnden lyrischen Formen zu erzählen

SWR2 Zeitgenossen: Uwe-Karsten Heye, Journalist und Regierungssprecher a. D.  

Uwe-Karsten Heye wurde 1940 im Sudentenland geboren und gelangte unter dramatischen Umständen in den letzten Kriegstagen mit seiner Mutter in den Westen. Die Kriegswirren muteten seiner Familie unglaubliche Schicksalsperipetien zu. Heye hat diese Erinnerungen 2004 als Buch veröffentlicht. Das ZDF verfilmte die Familiengeschichte u. a. mit Maria Furtwängler unter dem Titel "Schicksalsjahre". Die journalistische Karriere von Uwe-Karsten Heye begann in Mainz. Von 1974 bis 1979 war er Redenschreiber für Willy Brandt. Für Bundeskanzler Gerhard Schröder arbeitete er als Regierungssprecher. Bis 2010 war Heye Chefredakteur der SPD-Parteizeitung Vorwärts. Heye engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.

SWR2 Zeitgenossen: Burghart Klaußner, Schauspieler  

Burghart Klaußner, Jahrgang 1949, ist einer der bekanntesten aktuellen Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler. Seine Ausbildung erhielt er an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. 2012 erhielt er den Deutschen Theaterpreis DER FAUST. Als Filmschauspieler kam der Durchbruch für Burkhart Klaußner 2005 mit Die fetten Jahre sind vorbei. Er wurde mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Seine Filmografie reicht von Goodbye Lenin über Das weiße Band, Der Vorleser, Der Staat gegen Fritz Bauer bis zu Bridge of Spies von Steven Spielberg. Burkhart Klaußner führt auch Theater-Regie und tritt als Sänger auf.

SWR2 Zeitgenossen: Christine Hohmann-Dennhardt, Verfassungsrichterin a. D. und Unternehmensvorstand  

Christine Hohmann-Dennhardt ist Juristin, ehemalige Justizministerin in Hessen und frühere Richterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Derzeit wirkt sie als Vorstand für "Integrität und Recht" beim skandalgeschüttelten Autohersteller VW, eine Position, welche die "Anstandsdame der deutschen Automobilindustrie" (so das Magazin "Cicero") auch zuvor schon beim Daimler-Konzern innehatte. Bei beiden Unternehmen ist Christine Hohmann-Dennhardt die erste Frau in dieser Position, die "erste Frau" war die Sozialdemokratin bereits öfter in ihrer Karriere. "Feministin" ist für sie kein Schimpfwort, im Gegenteil, sie tritt für Frauenrechte ein. Ihr Name wird auch schon mal genannt, wenn es um das höchste Amt der Republik geht.

SWR2 Zeitgenossen: Uli Sigg, Unternehmer und Kunstsammler  

Im Rahmen einer Wehrübung eroberte Uli Sigg als junger Offizier einmal die Insel Mauensee mit dem dazugehörigen Schloss. Danach befand er: "So zu wohnen, das wäre schön." Jahrzehnte später kaufte er das Schloss mitsamt dem See. Wenn nicht dort, sagt Sigg, dann würde er in China leben. Sigg wurde 1946 in Luzern geboren. Er brachte das erste Joint-Venture eines chinesischen Staatsbetriebs mit einem westlichen Industriekonzern auf den Weg. Später war er dann Botschafter der Schweiz in China. Wichtiges Renommee hat sich der Unternehmer aber auch durch seine Leistung auf kulturellem Gebiet erworben: Er baute die weltweit wichtigste Sammlung chinesischer Kunst der Gegenwart auf.

SWR2 Zeitgenossen: Armin Thurnher, Verleger und Journalist  

Eigentlich wollte Armin Thurnher, seit 1977 Herausgeber und Chefredakteur der links-alternativen Wiener Wochenzeitung „Falter“, in diesem Bücherherbst eine Abrechnung mit dem österreichischen Mediensystem vorlegen. Doch die weit über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregenden innenpolitischen Zustände rund um die mehrfach verschobene Bundepräsidentenwahl drängte Thurner danach - entgegen selbstaufgelegter Schwüre - doch noch schnell ein „Ach, Österreich“ dazwischenzuschieben. Im Gespräch mit Claus Heinrich verrät Armin Thurner, warum er den Parteichef der rechten FPÖ ungestraft einen Rechtsextremen nennen darf. Und warum er glaubt, dass der Deutschnationale Norbert Hofer bei der Wahl doch nicht Bundespräsident wird.

SWR2 Zeitgenossen: Prof. Dr. Peter Zimmerling, Theologe  

Protestanten sind im Gegensatz zu Katholiken nüchtern. Diesem weitverbreiteten Vorurteil tritt Peter Zimmerling, Professor für Praktische Theologie in Leipzig, energisch entgegen. Denn neben seinem Schwerpunktthema Seelsorge liegt dem evangelischen Pfarrer aus Hessen vor allem an der Wiederbelebung evangelischer Spiritualität. Als Universitätsprediger hat er auch die Gemeindesituation im Blick. Inspiriert durch Forschungen über Mystik und Pietismus sowie deren prägenden Gestalten plädiert Zimmerling für mehr Lebendigkeit in der Kirche und für einen alltagsverträglichen Glauben. Der evangelische Theologe, der auch den Titel Domherr zu Meißen trägt, steht auch persönlich für ein Christentum zwischen kritischer Ratio und gelebter Mystik.

SWR2 Zeitgenossen: Ruth Weiss, Journalistin und Schriftstellerin  

Ruth Weiss ist eine Jahrhundertzeugin.1936 floh sie mit ihrer jüdischen Familie vor dem Naziterror in Deutschland nach Südafrika. Im Exil erlebt die Jugendliche die Anfänge des Apartheid-Regimes. Als Weiße wäre sie privilegiert gewesen, doch sie akzeptiert das nicht. Die Journalistin und Schriftstellerin schreibt an gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Ruth Weiss bereist ganz Afrika und trifft Persönlichkeiten, die die Geschicke des Kontinents entscheidend prägen sollten, wie Nelson Mandela. Ruth Weiss lebt inzwischen in Dänemark. Die 92jährige kommt regelmäßig nach Deutschland, um in Schulen von ihrem ereignisreichen Leben zu erzählen.

SWR2 Zeitgenossen: Gila Lustiger, Journalistin und Schriftstellerin  

"Nun sind wir alle Juden", heißt ein Schlüsselsatz in "Erschütterung", dem aktuellen Buch von Gila Lustiger. Die Pariser Autorin beschreibt und analysiert darin, wie der dschihadistische Terror Frankreich verändert. Auch ihr Roman "Die Schuld der anderen", erschienen 2015, zeichnet realitätsnah und spannend das Sittenbild einer französischen Gesellschaft, die sich von den eigenen Idealen "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" entfernt hat. Gila Lustiger lebt seit 30 Jahren in Paris. Geboren wurde sie 1963 in Frankfurt am Main, als Tochter des Historikers und Holocaust-Überlebenden Arno Lustiger.

SWR2 Zeitgenossen: Volker Demuth, Schriftsteller  

Nach dem Studium von Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte wohnte der aus dem oberschwäbischen Laupheim stammende Volker Demuthr lange an der Donau am Rande der Schwäbischen Alb, war einige Jahre Professor für Medientheorie und Mediengeschichte in Schwäbisch Hall und lebt derzeit als freier Schriftsteller in Berlin. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Reflexion der Körper-, Technik- und Mediengeschichte der Neuzeit sowie der Versuch, inmitten der uns umgebenden und transzendierenden digitalen Informationsflut auf neue Weise poetisch "zu Wort" zu kommen; 2013 erschien sein Roman "Stille Leben".

SWR2 Zeitgenossen: Kathrin Oxen, EKD-Zentrum für Predigtkultur Wittenberg.  

Für Kathrin Oxen ist predigen nicht nur ein Handwerk, sondern auch eine Kunst, in der jede Pfarrerin, jeder Pfarrer die eigene Persönlichkeit einbringt. Kathrin Oxen absolvierte die "Meisterklasse Predigt" des Atelier Sprache in Braunschweig und erhielt 2009 den Ökumenischen Predigtpreis für die "beste Predigt". Seitdem leitet die evangelische Theologin das Zentrum für Evangelische Predigtkultur in der Lutherstadt. Zuvor war Kathrin Oxen acht Jahre lang als Pfarrerin der evangelisch-reformierten Kirche in Mecklenburg-Bützow tätig. Sie steht für eine sprachfähige und sprachgewandte Kirche, die möglichst weit über den eigenen Horizont hinausschaut

SWR2 Zeitgenossen: Alice Schwarzer, Feministin  

Sie initiierte 1971 die Aktion "Frauen gegen § 218",vier Jahre später veröffentlichte sie den Band "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen", der zur Gründungsurkunde der neuen deutschen Frauenbewegung wurde: Alice Schwarzer, die seither als die Stimme des Feminismus zwischen Kiel und Konstanz gilt. Sie erwies sich in den folgenden Jahrzehnten als couragierte Kämpferin für die Gleichstellung von Mann und Frau, wobei die von ihr mitbegründete Zeitschrift "Emma" zum Leit- und Debattenmedium wurde. Doch die bald 75-jährige, engagierte Publizistin provozierte immer wieder auch Widerspruch: ob sie für BILD vom Kachelmann-Prozess berichtete oder jüngst das Strafverfahren gegen Gina-Lisa Lohfink kommentierte - bis in die Reihen der Frauenbewegung hin polarisierte Alice Schwarzer mit ihren Stellungnahmen.

SWR2 Zeitgenossen: David Wagner, Schriftsteller  

Mal streift der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller David Wagner mit seinem Protagonisten durch die Gänge eines Supermarktes und entwickelt auf ironische und doch einfühlsame Weise eine Art Phänomenologie des Kaufens und Verkaufens. Mal erzählt er nachdenklich, aber vollkommen unpathetisch vom "Wunder einer Organtransplantation" - die er selbst erlebt hat. Nun lässt er seinen präzisen Erzählerblick durch Hotelzimmer überall in der Welt streifen. Einfache und luxuriöse Herbergen werden beschrieben, Schuhschachtelzimmer und großräumige Suiten. Wir Leser scheinen die uniformen und dann wieder seltsam um Originalität bemühten Räume zu kennen, und doch erleben wir sie ganz anders: Wenn David Wagner den Inhalt der Minibar oder den Schminkspiegel im Badezimmer beschreibt, die "Zierkissenpest" auf dem Bett oder den Bleistift auf dem Schreibtisch, dann entsteht ein poetischer Raum, der ein erstaunlich intensives Reise- und Seherlebnis ermöglicht.

SWR2 Zeitgenossen: Johannes Fried, Historiker  

Johannes Fried, geboren 1942 in Hamburg, war bis zu seiner Emeritierung 2009 fast drei Jahrzehnte lang Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt am Main. Er hat geschafft, was vielen Historikern ein Leben lang verwehrt bleibt: Seine Bücher sind Bestseller! Dazu zählt insbesondere sein 2013 erschienenes Buch "Karl der Große. Gewalt und Glaube". Fried ist überzeugt, dass das menschliche Erinnerungsvermögen und damit der Wert historischer Quellen begrenzt sind. Er plädiert dafür, die Erkenntnisse der Hirnforschung für die Geschichtswissenschaft heranzuziehen und fordert eine Neuausrichtung des Fachs als neurokulturelle Geschichts- und Lebenswissenschaft. Seine Ideen haben viel Zuspruch gefunden, sind aber auch stark kritisiert worden.

SWR2 Zeitgenossen: Michael von Hintzenstern, Komponist und Performer  

Aufgewachsen in Weimar, studiert Michael von Hintzenstern dort Komposition an der Hochschule für Musik "Franz Liszt", Orgel an der Thüringer Kirchenmusikschule in Eisenach und Musikwissenschaft in Halle. Als Preisträger des Internationalen Kompositionswettbewerbs in Boswil hielt er sich 1976 für kurze Zeit in der Schweiz auf und gründete dann, inspiriert vom in der DDR verfemten Karl-Heinz Stockhausen, 1980 das "Ensemble für Intuitive Musik Weimar". Seit 1986 ist von Hintzenstern Organist an der von ihm wiederentdeckten und auf sein Betreiben hin restaurierten "Liszt-Orgel" in Denstedt bei Weimar. Kurz vor der "Wende" initiierte er in Weimar die "Tage Neuer Musik" und gründete die "Klang Projekte Weimar e. V." der "Unabhängige Vereinigung für Musik der Gegenwart.

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