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Nutzt die Politik die Sommerpause, um besonders umstrittene Gesetze möglichst gerĂ€uschlos zu verabschieden? DarĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in der aktuellen Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ.
Im Mittelpunkt steht erneut das GKV-Stabilisierungsgesetz (GKV-Spargesetz), das weiterhin fĂŒr erhebliche Diskussionen sorgt. Besonders angespannt ist die Lage in der Pflegeversicherung, deren Finanzierung zunehmend unter Druck gerĂ€t. Ursachen sind der demografische Wandel, sinkende Geburtenzahlen, eine rĂŒcklĂ€ufige Netto-Einwanderung und die steigende Lebenserwartung.
Dabei liegen lĂ€ngst VorschlĂ€ge der Finanzkommission Gesundheit auf dem Tisch, um PrĂ€vention zu stĂ€rken â etwa durch gesundes Schulessen oder eine Zuckersteuer. Aus Sicht von Laura fehlt jedoch der politische Wille, diese MaĂnahmen konsequent umzusetzen.
Auch die KassenĂ€rztliche Vereinigung Bremen hat reagiert und den Deutschen Ethikrat eingeschaltet. Diskutiert wird die Frage, ob die aktuelle Ausgabenpolitik der Bundesregierung noch mit einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung vereinbar ist. Gleichzeitig wird geprĂŒft, ob die Finanzierung der KrankenversicherungsbeitrĂ€ge von BĂŒrgergeldempfĂ€nger:innen durch die gesetzlich Versicherten verfassungsrechtlich Bestand haben kann.
Ein weiteres groĂes Thema ist die Situation der KrankenhĂ€user. Laura kritisiert, dass das Krankenhaussterben zunehmend den Marktmechanismen ĂŒberlassen wird â mit möglichen Folgen fĂŒr die Versorgungssicherheit, insbesondere bei kommunalen KrankenhĂ€usern. Auch SanitĂ€tshĂ€user geraten wirtschaftlich immer stĂ€rker unter Druck.
Nach den heftigen Debatten um die Honorare der Psychotherapeut:innen hĂ€lt das Bundesministerium fĂŒr Gesundheit trotz massiver Proteste an seiner Linie fest und sieht keinen Anlass fĂŒr Beanstandungen. FĂŒr Laura ist das vor allem mit Blick auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen problematisch. Fehlende Investitionen in diesem Bereich hĂ€tten nicht nur gesundheitliche, sondern auch langfristige volkswirtschaftliche Folgen.
Auch bei der PrĂ€vention sieht sie verpasste Chancen. WĂ€hrend ĂŒber höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol diskutiert wird, lehnt Bundesfinanzminister Klingbeil entsprechende Schritte fĂŒr Bier und Wein ab. Gleichzeitig fordert Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Akzeptanz fĂŒr die geplanten Reformen. Laura wĂŒrde ihn gerne einen Tag in ihrer Hausarztpraxis begleiten lassen, um die RealitĂ€t der Versorgung kennenzulernen.
Die SparplĂ€ne von Nina Warken hinterlassen bereits Spuren: Immer mehr Niedergelassene denken darĂŒber nach, ihre Praxis aufzugeben. FĂŒr Laura entsteht der Eindruck, dass der ambulanten Versorgung in der politischen Diskussion zu wenig Bedeutung beigemessen wird.
Dabei war die demografische Entwicklung seit Jahren vorhersehbar. Statt rechtzeitig gegenzusteuern, werden die finanziellen Folgen nun zunehmend auf die Leistungserbringer ĂŒbertragen.
Nahezu alle Akteure im Gesundheitswesen warnen inzwischen vor den Auswirkungen der SparmaĂnahmen. Die KV Rheinland-Pfalz bezeichnete das Gesetz sogar als âPatienten-Versorgungs-Verschlechterungs-Gesetzâ â eine Formulierung, die Laura durchaus nachvollziehen kann. Gleichzeitig wirkt vieles wie Symbolpolitik: FĂŒr die Anhörung von rund 90 VerbĂ€nden standen lediglich 150 Minuten zur VerfĂŒgung.
Neben dem Spargesetz sorgt auch das Digitalgesetz fĂŒr Kritik. Die niedergelassene Ărzteschaft befĂŒrchtet, dass Krankenkassen kĂŒnftig Informationen aus der ePa nutzen könnten, um Patient:innen direkt anzusprechen. ZusĂ€tzlich stehen PlĂ€ne im Raum, Krankenkassen stĂ€rker in das PVS-System einzubinden und Termine ĂŒber Krankenkassen-Apps zu steuern. FĂŒr Laura widerspricht das dem Prinzip der Ă€rztlichen Freiberuflichkeit.
AuĂerdem startet sie eine neue Rubrik: âKassen und Wahrheitâ. Darin greift sie unter anderem auf, dass die Techniker Krankenkasse (TK) eine eigene Studie zur HZV in Auftrag gegeben hat, obwohl bereits wissenschaftliche Untersuchungen zur Hausarztzentrierten Versorgung vorliegen. FĂŒr Laura ist das ein unnötiger Einsatz von Beitragsgeldern.
Parallel denken inzwischen immer mehr Niedergelassene ĂŒber den Wechsel in eine Privatpraxis nach. Gleichzeitig sollen Apotheken kĂŒnftig verstĂ€rkt Impfungen ĂŒbernehmen. Laura sieht darin den Aufbau weiterer Parallelstrukturen und stellt die Frage, wer im Fall von Komplikationen die Verantwortung ĂŒbernimmt.
Zum Abschluss macht sie deutlich: Gerade jetzt, wo Ungerechtigkeiten entstehen, dĂŒrfen MissstĂ€nde nicht unwidersprochen bleiben. Offene Debatten ĂŒber Versorgung, Finanzierung und Gerechtigkeit seien nicht nur fĂŒr das Gesundheitssystem wichtig, sondern auch fĂŒr das Vertrauen in die Demokratie.
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Das Gesundheitssystem entfernt sich immer weiter vom Klassenziel. DarĂŒber sprechen Dr. Laura Dalhaus und Dr. Andrea Morawe in dieser Folge, die auf dem BAM â dem Bundeskongress Allgemeinmedizin â aufgenommen wurde.
Digitalisieren wir aktuell die richtigen Bereiche? WÀhrend digitale Lösungen eigentlich Verwaltungsaufgaben vereinfachen sollten, entsteht zunehmend der Eindruck, dass stattdessen die Arzt-Patienten-Beziehung verÀndert wird.
Andrea berichtet, dass ihre Hausarztpraxis mit Telefon-KI und einer Online-Rezeption bereits vergleichsweise digital aufgestellt ist. Gleichzeitig beobachtet Laura, dass die klassische körperliche Untersuchung zunehmend an Bedeutung verliert. Dabei braucht gute Versorgung nicht nur digitale Prozesse, sondern vor allem Steuerung, Vorsortierung und eine sinnvolle diagnostische Einordnung. Genau dieses VerstÀndnis scheint aus ihrer Sicht in der politischen Diskussion hÀufig zu fehlen.
Damit geht auch klinische Erfahrung verloren. Wenn weniger untersucht wird, lernen Nachwuchsmediziner:innen wichtige Untersuchungstechniken seltener im Alltag kennen. FĂŒr Laura besteht gute Medizin nicht aus dem bloĂen Abarbeiten von Checklisten. Sie stellt die grundsĂ€tzliche Frage, ob wir uns zunehmend auf Befunde konzentrieren, die zwar messbar sind, aber fĂŒr die tatsĂ€chliche Gesundheit der Patient:innen oft keine relevante Bedeutung haben.
Ein Beispiel dafĂŒr sieht sie im betrieblichen Gesundheitsmanagement einiger groĂer Unternehmen. Dort werden umfangreiche Untersuchungen durchgefĂŒhrt, deren Ergebnis hĂ€ufig lautet: âLassen Sie das bitte beim Hausarzt abklĂ€ren.â Die eigentliche Einordnung und Beratung bleibt dann bei den HausĂ€rzt:innen hĂ€ngen. FĂŒr Laura zeigt das deutlich, dass einzelne Messwerte ohne eine umfassende Risikobewertung wenig Aussagekraft haben.
Auch Andrea sieht hier eine SchwĂ€che vieler KI-Systeme. Gesundheitliche Probleme lassen sich nicht isoliert betrachten. Menschen mĂŒssen ganzheitlich bewertet werden â mit ihrer Lebenssituation, ihrer Vorgeschichte und ihren individuellen Belastungen.
Laura schildert dazu den Fall eines Patienten, der einen schweren Trauerfall erlebt hatte. FĂŒr sie bestand die hausĂ€rztliche Aufgabe nicht einfach darin, eine ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung auszustellen, sondern die HintergrĂŒnde zu verstehen und den Menschen zu begleiten. In einer rein standardisierten Checklisten-Medizin wĂ€re dafĂŒr kaum Raum vorhanden.
Beide sind sich deshalb einig: KI kann unterstĂŒtzen, aber sie ersetzt keine menschliche Medizin. Entscheidend ist, digitale Werkzeuge dort einzusetzen, wo sie tatsĂ€chlich entlasten.
Ein groĂes Thema bleibt die BĂŒrokratie. Formulare, AntrĂ€ge und Dokumentationspflichten nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Dabei könnten Medizinische Fachangestellte (MFA) ihre Qualifikation fĂŒr deutlich sinnvollere Aufgaben einsetzen. Genau hier sehen Laura und Andrea die StĂ€rken digitaler Lösungen.
In ihrem Praxisalltag nutzen beide beispielsweise Heidi. Das System unterstĂŒtzt bei der Dokumentation, beantwortet viele administrative Anfragen und spart dadurch wertvolle Zeit. Gleichzeitig kann es GesprĂ€chsinhalte strukturieren und fĂŒr Patient:innen verstĂ€ndlich zusammenfassen. Dadurch verbessert sich aus ihrer Sicht sogar die Arzt-Patienten-Beziehung, weil wĂ€hrend der Sprechstunde weniger Zeit am Bildschirm verbracht werden muss.
DarĂŒber hinaus sprechen die beiden ĂŒber die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Insbesondere die Ambulantisierung sorgt fĂŒr zusĂ€tzliche Herausforderungen, wenn Nachsorgekonzepte nicht ausreichend mitgedacht werden. Auch andere Regelungen, etwa VerĂ€nderungen bei den Pflegegraden, könnten die Versorgung verschlechtern.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Zeit fĂŒr Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wenn Medizin immer stĂ€rker ökonomischen ZwĂ€ngen unterliegt, stellt sich die Frage, wie zukĂŒnftige Ărzt:innen ausreichend ausgebildet werden sollen. Gerade hier könnte ein sinnvoller Einsatz von KI FreirĂ€ume schaffen.
Kritisch sehen beide auĂerdem, dass gesundheitspolitische Entscheidungen hĂ€ufig entlang von Legislaturperioden getroffen werden. Langfristige Ziele und nachhaltige Strukturreformen geraten dabei oft in den Hintergrund. Gleichzeitig sollte das deutsche Gesundheitssystem aus ihrer Sicht nicht die Aufgabe haben, den Pharmastandort Deutschland zu sichern.
Zum Abschluss machen Laura und Andrea deutlich: Weder Resignation noch blinder Aktionismus helfen weiter. Notwendig sind kluge Entscheidungen, langfristiges Denken und der Wille, das System wirklich zu verbessern.
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Missing episodes?
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Nicht nur Ărzt:innen schlagen wegen des GKV-Spargesetzes beziehungsweise des Beitragsstabilisierungsgesetzes Alarm. Auch die Heilmittelerbringer â von der Physiotherapie ĂŒber die Ergotherapie bis zur LogopĂ€die â sehen die Versorgung durch die geplanten MaĂnahmen massiv gefĂ€hrdet.
DarĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ mit Christine Donner, geschĂ€ftsfĂŒhrendem Vorstand des Bundesverbands der Ergotherapeut:innen, und Tobias Niklas, Landesvorsitzendem sowie stellvertretendem Bundesvorsitzenden des Verbands fĂŒr Physiotherapie (VPT e.V.).
Christine erlĂ€utert zunĂ€chst die Aufgaben der Ergotherapie. Im Mittelpunkt steht dabei, Menschen dabei zu unterstĂŒtzen, möglichst selbststĂ€ndig zu bleiben und ein Leben in der eigenen HĂ€uslichkeit zu ermöglichen. Die geplanten Einschnitte bewertet sie kritisch: Aus ihrer Sicht drohen lĂ€ngere Wartezeiten, höhere Zuzahlungen und spĂŒrbare Verschlechterungen in der Versorgung. Besonders problematisch ist, dass Gesundheit und Einkommen eng miteinander verknĂŒpft sind. Schon heute gibt es viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, die Zuzahlungen fĂŒr Heilmittel aufzubringen.
Auch in der Physiotherapie sind die Belastungsgrenzen lĂ€ngst erreicht. Tobias berichtet von Behandlungszeiten von 15 bis 20 Minuten, in denen zusĂ€tzlich Dokumentation sowie Vor- und Nachbereitung stattfinden mĂŒssen. Gleichzeitig sei die wirtschaftliche Situation vieler Praxen schwieriger geworden, da die VergĂŒtung mit den allgemeinen Kostensteigerungen nicht Schritt gehalten habe.
Ein weiteres Problem sehen beide in der zunehmenden Ambulantisierung. Immer mehr Patient:innen werden frĂŒher aus dem Krankenhaus entlassen und benötigen anschlieĂend zeitnah Heilmittel. Die dafĂŒr notwendigen KapazitĂ€ten wurden jedoch politisch nicht mitgeplant. Tobias fordert deshalb keine EinzelmaĂnahmen mehr, sondern eine grundlegende Gesundheitsreform.
Auch die politischen Ziele rund um PrĂ€vention und die Vermeidung von PflegebedĂŒrftigkeit werden diskutiert. Laura weist darauf hin, dass sich diese Ziele kaum erreichen lassen, wenn gleichzeitig bei den Heilmittelerbringern gespart wird. Christine bestĂ€tigt, dass der Zusammenhang zwischen Heilmitteln und der Vermeidung von PflegebedĂŒrftigkeit in politischen Entscheidungen hĂ€ufig unterschĂ€tzt werde.
Besonders kritisch blickt sie auf die aktuelle Legislaturperiode. Aus ihrer Sicht kommen Beteiligung und fachlicher Austausch deutlich zu kurz. Dabei verweist sie auf eine Zahl, die den volkswirtschaftlichen Nutzen des Gesundheitswesens verdeutlicht: Investitionen in die Versorgung der Versicherten wirken sich unmittelbar positiv auf die Gesamtwirtschaft aus.
Vor diesem Hintergrund denken immer mehr Praxen darĂŒber nach, ihr Angebot stĂ€rker auf Selbstzahlerleistungen auszurichten. Gerade in der Physiotherapie werde dieser Trend zunehmen, weil wirtschaftliches Arbeiten im regulĂ€ren Kassensystem zunehmend schwieriger werde.
Auch der FachkrĂ€ftemangel bleibt ein zentrales Thema. Beide sind sich einig, dass die Entwicklung seit Jahren absehbar war. WĂ€hrend die Ărzteschaft teilweise von Zuwanderung profitiert, fehlt es bei den Heilmittelerbringern an wirksamen MaĂnahmen, um die Berufe attraktiver zu machen. Tobias verweist darauf, dass BeschĂ€ftigte im Sozialversicherungsbereich teilweise deutlich höhere GehĂ€lter erhalten als Physiotherapeut:innen.
Hinzu kommen strukturelle Probleme in der Ausbildung. Lange mussten angehende Physio- und Ergotherapeut:innen ihre Ausbildung sogar selbst finanzieren. Viele angekĂŒndigte Reformen wurden zwar diskutiert, aber nicht umgesetzt. Unklar bleibt zudem, wie der Ăbergang von der Schulgeldfreiheit zu einer vergĂŒteten Ausbildung gestaltet werden soll.
Laura betont, dass die WertschĂ€tzung von Aus- und Weiterbildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Als Beispiel nennt sie die Lymphdrainage: Obwohl Physiotherapeut:innen diese bereits in ihrer Ausbildung erlernen, dĂŒrfen sie die Leistung erst nach einer zusĂ€tzlichen und aufwendigen Weiterbildung abrechnen.
Christine kritisiert auĂerdem den Einfluss der KostentrĂ€ger auf politische Entscheidungen. Einerseits werde auf steigende Ausgaben verwiesen, andererseits wolle man Leistungen begrenzen â obwohl eine alternde Gesellschaft zwangslĂ€ufig einen höheren Versorgungsbedarf mit sich bringt. Aus ihrer Sicht mĂŒssten die KostentrĂ€ger stĂ€rker Rechenschaft ĂŒber ihre Entscheidungen ablegen.
Am Ende sind sich alle drei einig: Das Gesundheitssystem braucht eine echte Strukturreform. Fachleute mĂŒssen stĂ€rker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, die VergĂŒtung muss verbessert werden und die Probleme der Versorgung dĂŒrfen nicht lĂ€nger ignoriert werden.
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Nicht nur das Gesundheitssystem steht vor groĂen Versorgungsproblemen â auch die Pflege gerĂ€t zunehmend an ihre Grenzen. In dieser Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Jennifer Höfer von Valentcura. Sie begleitet PflegebedĂŒrftige und ihre Angehörigen durch die oft komplizierten Prozesse rund um Pflegegrad, Leistungen und AntrĂ€ge und unterstĂŒtzt sie mit ihrer fachlichen Expertise.
Schnell wird deutlich: Wer mit Pflege in BerĂŒhrung kommt, sieht sich hĂ€ufig einem undurchsichtigen Geflecht aus AntrĂ€gen, Vorschriften und Datenschutzregelungen gegenĂŒber.
Jennifer erlĂ€utert den gesamten Weg von der Beantragung eines Pflegegrads ĂŒber die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) bis hin zur konkreten Organisation der Versorgung. Dabei begleitet sie Betroffene hĂ€ufig auch persönlich bei den MD-Terminen. Gerade Ă€ltere Menschen tun sich oft schwer damit, ihre EinschrĂ€nkungen offen anzusprechen oder UnterstĂŒtzung anzunehmen. Gleichzeitig bieten diese Begutachtungen die Möglichkeit, notwendige Hilfsmittel zu identifizieren, die den Alltag erheblich erleichtern können.
Laura weist darauf hin, dass viele Angehörige die Belastung der Grundpflege unterschĂ€tzen. Aus ihrer Sicht sollte man sich gut ĂŒberlegen, ob man diese Aufgaben selbst ĂŒbernehmen kann. Gleichzeitig stellt sie infrage, warum der Zugang zu Hilfsmitteln in Deutschland hĂ€ufig so kompliziert ist, obwohl diese die SelbststĂ€ndigkeit und LebensqualitĂ€t deutlich verbessern können.
Jennifer hĂ€lt es fĂŒr sinnvoll, sehr alten Menschen automatisch Pflegegrad 1 zuzuerkennen. Dadurch könnten aufwendige Begutachtungsverfahren reduziert werden, die FachkrĂ€fte und finanzielle Ressourcen binden. Gleichzeitig beobachtet sie politische Diskussionen, die Leistungen rund um Pflegegrad 1 einschrĂ€nken und pflegende Angehörige benachteiligen könnten, etwa bei der Anrechnung von Rentenpunkten. Stattdessen sollte aus ihrer Sicht die UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen gestĂ€rkt werden, die ihre Angehörigen zuhause versorgen. SchlieĂlich findet der GroĂteil der Pflege in Deutschland weiterhin im hĂ€uslichen Umfeld statt.
Ein weiteres Problem sieht Jennifer in der geringen politischen Vertretung pflegender Angehöriger. WĂ€hrend viele andere Gruppen starke Interessenvertretungen haben, fehlt es hier hĂ€ufig an einer lauten Stimme. Dadurch entsteht zunehmend der Eindruck, dass die Verantwortung fĂŒr Pflege wieder stĂ€rker auf die Familien verlagert wird.
Dabei verĂ€ndert die Pflege zuhause oft die gesamte Familiendynamik. Wenn Kinder plötzlich Verantwortung fĂŒr ihre Eltern ĂŒbernehmen, entstehen neue Belastungen und Konflikte. Aus Sicht beider GesprĂ€chspartnerinnen benötigen pflegende Angehörige deshalb deutlich mehr psychische und organisatorische UnterstĂŒtzung.
Die Pflegekassen sind verpflichtet, innerhalb von 25 Werktagen ĂŒber AntrĂ€ge zu entscheiden. Viele Betroffene suchen jedoch erst Hilfe, wenn die Situation bereits eskaliert ist â oft auch, weil finanzielle Sorgen und geringe Renten den Druck zusĂ€tzlich erhöhen.
Gleichzeitig verlassen immer mehr FachkrĂ€fte die direkte Versorgung und wechseln in administrative TĂ€tigkeiten. FĂŒr Laura ist das auch eine Folge von Fehlanreizen und ĂŒberbordender BĂŒrokratie, die wertvolle Arbeitskraft von der eigentlichen Versorgung abzieht.
Daraus ergibt sich fĂŒr sie eine zentrale Frage: Wie viel Versorgungspotenzial lieĂe sich gewinnen, wenn Prozesse vereinfacht und bestimmte Leistungen ohne aufwendige Begutachtungen zugĂ€nglich gemacht wĂŒrden? SchlieĂlich ist Pflegeberatung bereits heute gesetzlich vorgesehen und gehört eigentlich zu den Aufgaben der Krankenkassen.
Jennifer sieht hier zahlreiche Möglichkeiten. Neben einer stÀrkeren Vernetzung mit HausÀrzt:innen könnte sie sich beispielsweise auch Beratungsangebote in Apotheken vorstellen. Gerade hochbetagte Menschen haben oft weder die Zeit noch die Möglichkeiten, sich selbststÀndig durch die Informationsflut zu arbeiten.
Auch HausĂ€rzt:innen werden regelmĂ€Ăig mit pflegerischen Fragestellungen konfrontiert, obwohl dies hĂ€ufig nicht ihr eigentlicher Schwerpunkt ist. Laura betont deshalb, dass solche Aufgaben aus ihrer Sicht stĂ€rker von spezialisierten FachkrĂ€ften ĂŒbernommen werden sollten. Ihr Wunsch ist es, dass erfolgreiche Pilotprojekte kĂŒnftig ausgebaut werden und die Pflegeberatung den Stellenwert erhĂ€lt, den sie angesichts des demografischen Wandels dringend braucht.
Zur Website von Jennifer: www.valentcura.de
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Auf dem Deutschen Ărztetag haben Medizinstudentinnen ein Thema öffentlich gemacht, das in der Medizin viel zu lange weggeschoben wurde: sexuelle BelĂ€stigung, sexuelle GrenzĂŒberschreitungen und Machtmissbrauch.
In der neuen Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ spricht Dr. Laura Dalhaus darĂŒber mit Dr. Andrea Morawe.
Oft kommt bei solchen Berichten sofort die Reaktion: âBei uns gibt es das nicht.â Genau deshalb ordnet Andrea zunĂ€chst ein, worum es ĂŒberhaupt geht. Sexuelle BelĂ€stigung kann bereits durch unangemessene Kommentare, Blicke oder Gesten entstehen. Von einer sexuellen GrenzĂŒberschreitung sprechen wir dann, wenn die WĂŒrde einer Person verletzt wird.
Auf dem Deutschen Ărztetag berichteten Studentinnen davon, dass sie auf Hotelzimmer eingeladen wurden und GesprĂ€che mit ihnen weniger um Berufspolitik, sondern plötzlich um private Themen kreisten. Gerade in der Berufspolitik treffen junge Frauen hĂ€ufig auf Strukturen, die noch immer stark vom Bild des âalten weiĂen Mannesâ geprĂ€gt sind.
Dass solche Erfahrungen keine EinzelfÀlle sind, zeigt auch eine Umfrage des Marburger Bundes. Fast die HÀlfte der Befragten gab an, bereits Machtmissbrauch am Àrztlichen Arbeitsplatz erlebt zu haben.
Ein wichtiger Punkt sind die Hierarchien in der Medizin. Besonders in der Chirurgie sind Ărzt:innen in Weiterbildung darauf angewiesen, bestimmte Eingriffe zu bekommen. Dadurch entstehen AbhĂ€ngigkeiten von Vorgesetzten, die ĂŒber OP-PlĂ€ne, Weiterbildung und Karrierewege entscheiden.
Andrea erklĂ€rt diese Dynamiken auch ĂŒber das Konzept der toxischen MĂ€nnlichkeit. Viele Jungen lernen frĂŒh, GefĂŒhle zu unterdrĂŒcken, nicht zu weinen und Kontrolle mit StĂ€rke gleichzusetzen. In hierarchischen Systemen kann das problematische Verhaltensweisen verstĂ€rken. Das ist keine Entschuldigung, aber ein ErklĂ€rungsansatz. Wer merkt, dass Hilflosigkeit oder Frust regelmĂ€Ăig in Aggression umschlagen, sollte sich Hilfe holen â denn solche Muster können langfristig auch in Gewalt mĂŒnden.
Laura und Andrea machen aber auch klar: Machtmissbrauch ist kein rein mĂ€nnliches Thema. Auch Frauen können Machtpositionen ausnutzen oder schlecht fĂŒhren. Dahinter stehen oft Ăberforderung, Unsicherheit oder fehlende Reflexion.
Im Kern geht es beiden um Gleichberechtigung. Frauen wollen keine Sonderbehandlung, sondern faire Strukturen und den Abbau von MachtgefÀllen.
Laura spricht dazu auch ĂŒber den Fall an der UniversitĂ€tsklinik Essen, bei dem der Chefarzt der GynĂ€kologie keine SchwangerschaftsabbrĂŒche durchfĂŒhren wollte â auch keine medizinisch indizierten. Daran diskutieren die beiden, wie sehr SchwangerschaftsabbrĂŒche historisch und politisch immer wieder zur Bevölkerungs- und Geburtenkontrolle genutzt wurden. FĂŒr sie ist klar: Frauen mĂŒssen ihren Lebensweg selbst bestimmen können. DafĂŒr braucht es familienfreundliche Politik und echte Gleichbehandlung der Geschlechter.
Im weiteren Verlauf sprechen Laura und Andrea ĂŒber ihre eigenen Erfahrungen, ĂŒber Erziehung, Kindheit und gesellschaftliche Rollenbilder. Auch KinderbĂŒcher kommen zur Sprache, weil sie frĂŒh prĂ€gen, welches Bild von MĂ€nnern, Frauen und Familie vermittelt wird.
Andrea bringt auĂerdem ihre Perspektive aus Ostdeutschland ein. Die Jahre nach der Wende waren dort stark von Arbeitslosigkeit und Unsicherheit geprĂ€gt. Solche Erfahrungen wirken bis heute nach und können ein NĂ€hrboden fĂŒr politische Strömungen sein, die traditionelle Rollenmodelle wieder stĂ€rker machen wollen.
Am Ende steht der Appell: Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen Familie, Beruf und Gleichberechtigung zusammen funktionieren. Und jedes Wahlkreuz hat Konsequenzen, auch fĂŒr die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.
Zum Buch von Alicia Baier âDas Patriarchat im Uterusâ: https://www.genialokal.de/Produkt/Alicia-Baier/Das-Patriarchat-im-Uterus_lid_55333313.html
Zum Buch âWenn die letzte Frau den Raum verlĂ€sstâ: https://www.genialokal.de/Produkt/Vincent-Immanuel-Herr-Martin-Speer/Wenn-die-letzte-Frau-den-Raum-verlaesst_lid_54081188.html
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Wie sieht die aktuelle Lage der Psychotherapie aus, in Anbetracht des GKV-Stabilisierungsgesetzes? DarĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Katja Udolph. Diese engagiert sich aktiv gegen die geplanten Einschnitte und vertritt eine Bundestagspetition im Petitionsausschuss.
Im Mittelpunkt steht die Sorge, dass ausgerechnet ein ohnehin ĂŒberlasteter Versorgungsbereich finanziell geschwĂ€cht werden soll. Nach einer bereits beschlossenen KĂŒrzung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent drohen durch weitere Regelungen zusĂ€tzliche EinschrĂ€nkungen. Katja macht deutlich, dass dies nicht nur die wirtschaftliche Situation von Praxen verschĂ€rft, sondern langfristig auch die Versorgung von Patient:innen gefĂ€hrden kann. Steigende Kosten fĂŒr Personal, Miete, Energie und Verwaltung treffen auf ein System, das gleichzeitig weniger finanzielle SpielrĂ€ume bietet.
Besonders kritisch sehen beide die Situation von Kindern und Jugendlichen. Schon heute sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz vielerorts enorm. Wenn junge Menschen Monate oder sogar Jahre auf UnterstĂŒtzung warten mĂŒssen, gehen wichtige Entwicklungsphasen verloren. Psychische Erkrankungen in jungen Jahren beeinflussen hĂ€ufig den weiteren Bildungsweg, die Berufsperspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe. FĂŒr Laura und Katja ist deshalb klar: Jeder nicht behandelte Fall kann langfristig hohe persönliche und gesellschaftliche Folgekosten verursachen.
Auch die Reform der Psychotherapeutenausbildung wird kritisch beleuchtet. Katja berichtet, dass PĂ€dagog:innen frĂŒher ĂŒber einen alternativen Weg Zugang zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hatten. Mit der Neustrukturierung der Ausbildung ist dieser Weg weitgehend weggefallen. Dadurch verliert die Versorgung aus ihrer Sicht eine Berufsgruppe, die gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen wertvolle Kompetenzen mitbringt. Die ursprĂŒngliche Reformidee sei zwar sinnvoll gewesen, mĂŒsse aber an einigen Stellen dringend nachgebessert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bedarfsplanung. Derzeit werden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen gemeinsam mit Psychotherapeut:innen fĂŒr Erwachsene erfasst. Das fĂŒhrt dazu, dass Regionen offiziell als ausreichend versorgt gelten, obwohl fĂŒr junge Patient:innen tatsĂ€chlich ein erheblicher Mangel besteht. Katja plĂ€diert deshalb fĂŒr eine eigenstĂ€ndige Bedarfsplanung, die den tatsĂ€chlichen Versorgungsbedarf von Kindern und Jugendlichen abbildet.
Die beiden sprechen auĂerdem ĂŒber die RealitĂ€t im Praxisalltag. Ăberlastete Strukturen, Personalmangel und organisatorische HĂŒrden erschweren die Arbeit zunehmend. Katja schildert Probleme mit der Terminservicestelle, ĂŒber die teilweise sogar Erwachsene auf Termine von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen vermittelt werden. Gleichzeitig erleben HausĂ€rzt:innen und Psychotherapeut:innen tĂ€glich Menschen mit dringendem Behandlungsbedarf, fĂŒr die es oft keine zeitnahe Lösung gibt.
Auch das VerhĂ€ltnis zwischen den verschiedenen Fachgruppen wird thematisiert. Laura kritisiert, dass der zunehmende Verteilungskampf um begrenzte Ressourcen die Zusammenarbeit erschwert. Statt gegeneinander um Budgets zu konkurrieren, mĂŒssten ambulante Leistungserbringer gemeinsam fĂŒr bessere Rahmenbedingungen eintreten.
Beim Thema PrimĂ€rarztsystem vertreten die beiden differenzierte Positionen. WĂ€hrend Laura die Vorteile einer besseren Steuerung von Patient:innen betont, weist Katja darauf hin, dass psychische Erkrankungen besondere diagnostische und therapeutische ZugĂ€nge erfordern. Die psychotherapeutische Sprechstunde erfĂŒlle bereits heute eine wichtige Lotsenfunktion und ermögliche eine gezielte EinschĂ€tzung des individuellen Hilfebedarfs.
Zum Abschluss richtet sich der Blick auf die politische Ebene. Katja berichtet von ihrem Engagement als âFrau in Orangeâ und ihrem Ziel, psychischen Erkrankungen mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Gemeinsam appellieren beide an die Politik, die ambulante Versorgung nicht weiter zu schwĂ€chen. Eine funktionierende Psychotherapie sei kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung fĂŒr gesellschaftliche Teilhabe, Bildungschancen und langfristige Gesundheit.
Zur Bundestagspetition: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2026/_03/_22/Petition_196912.html
Zur Website von Katja: www.diefrauinorange.de
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Triggerwarnung: Suizid
Seitdem das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschĂ€ftsmĂ€Ăigen Sterbehilfe aufgehoben hat, besteht in Deutschland ein juristisches Vakuum. Genau darĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus mit dem Fachanwalt fĂŒr Medizinrecht Hendrik Hörnlein.
Ausgangspunkt war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ein neues Grundrecht abgeleitet hat: das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Jeder Mensch soll selbst entscheiden können, wie und wann er sterben möchte â unabhĂ€ngig von Ă€uĂeren Vorgaben oder Lebenssituationen. Gleichzeitig hat das Gericht dem Gesetzgeber Hinweise gegeben, wie sich dieses Recht mit dem Schutz des Lebens vereinbaren lieĂe. Deshalb wird heute hĂ€ufiger von assistiertem Suizid gesprochen als von Sterbehilfe.
Das Urteil stammt aus dem Jahr 2020. Kurz danach dominierte jedoch die Covid-Pandemie die politische Agenda, sodass eine neue gesetzliche Regelung bislang ausblieb.
In den vergangenen Jahren sorgten mehrere FĂ€lle fĂŒr Aufmerksamkeit, bei denen Ărzt:innen Menschen beim Suizid unterstĂŒtzt haben. Besonders kontrovers diskutiert wurde der Fall einer 40-jĂ€hrigen Frau mit Depressionen. Hier stellt sich die Frage der Freiverantwortlichkeit besonders deutlich. GrundsĂ€tzlich gilt: Suizid ist in Deutschland nicht strafbar â und damit auch die Beihilfe nicht. Juristisch entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Selbsttötung und Fremdtötung.
Laura berichtet aus ihrer Erfahrung in der Palliativmedizin. Dort gehe es darum, Menschen am Lebensende zu begleiten und Leiden zu lindern. FĂŒr sie gibt es Situationen, in denen ein selbstbestimmtes Sterben nachvollziehbar erscheint â etwa bei schweren, unheilbaren Erkrankungen mit absehbarem tödlichem Verlauf. Eine Depression zĂ€hlt fĂŒr sie jedoch nicht dazu.
In der gesellschaftlichen Debatte taucht hĂ€ufig das sogenannte Dammbruch-Argument auf: Die Sorge, Ă€ltere Menschen könnten sich unter gesellschaftlichem Druck eher fĂŒr einen assistierten Suizid entscheiden. Gleichzeitig erleben Ărzt:innen immer wieder, dass Entscheidungen am Lebensende spĂ€ter juristisch hinterfragt werden. Das fĂŒhrt zu groĂer Unsicherheit im Umgang mit Patient:innen. Hendrik erlĂ€utert deshalb die Unterschiede zwischen direkter und indirekter Sterbehilfe anhand konkreter Beispiele.
Laura beschreibt auĂerdem die RealitĂ€t der Notfallmedizin. Dort werde oft eine Maximaltherapie fortgefĂŒhrt, weil die Behandlung bereits begonnen wurde und anschlieĂend jede Komplikation weiter therapiert wird. Angehörige seien mit solchen Situationen hĂ€ufig ĂŒberfordert. In diesem Zusammenhang sprechen die beiden ĂŒber PatientenverfĂŒgung und Vorsorgevollmacht. Hendrik erklĂ€rt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieser Instrumente. Neben professionellen Betreuern können auch Angehörige bevollmĂ€chtigt werden. FĂŒr Laura ist entscheidend, dass es eine Person gibt, die den eigenen Willen zuverlĂ€ssig vertreten kann. Konflikte innerhalb von Familien entstehen dabei nicht selten â insbesondere, wenn finanzielle oder erbrechtliche Fragen eine Rolle spielen.
AuĂerdem diskutieren die beiden die Strafnorm zur Tötung auf Verlangen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen körperlich nicht mehr in der Lage sind, die letzte Handlung selbst vorzunehmen und dadurch auf UnterstĂŒtzung angewiesen wĂ€ren. Laura erzĂ€hlt in diesem Zusammenhang von einer 103-jĂ€hrigen Patientin, der sie aus moralischen und juristischen GrĂŒnden kein weiteres Leiden ersparen konnte.
AbschlieĂend geht es auch um Sterbehilfeorganisationen. Diese schaffen bestimmte prozedurale Voraussetzungen, organisieren psychiatrische Begutachtungen und können Menschen beim assistierten Suizid begleiten.
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Das GKV-Stabilisierungsgesetz wurde inzwischen im Kabinett verabschiedet â der Unmut darĂŒber ist allerdings enorm. Dr. Laura Dalhaus ordnet deshalb ein, was in den vergangenen Wochen gesundheitspolitisch passiert ist.
Die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem wĂ€chst weiter: Mittlerweile ist jede dritte Person unzufrieden. Selbst Gesundheitsministerin Nina Warken hĂ€tte sich offenbar eine andere Lösung gewĂŒnscht. Gleichzeitig zieht sich der Bund zunehmend aus der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zurĂŒck. Der Bundeszuschuss soll von 14,5 auf 12,5 Milliarden Euro gekĂŒrzt werden.
FĂŒr Laura wirkt vieles ĂŒberhastet. Hauptsache, es werden schnell Ergebnisse prĂ€sentiert â auch wenn dabei der Eindruck entsteht, dass die Form wichtiger ist als der Inhalt. ZusĂ€tzliche Zweifel kommen durch Berechnungen des Handelsblatts auf, die Warkenâs SparplĂ€ne kritisch hinterfragen.
Ein zentrales Thema bleibt die Finanzierung der KrankenversicherungsbeitrĂ€ge fĂŒr BĂŒrgergeldempfĂ€nger. Derzeit tragen ausschlieĂlich die gesetzlich Versicherten diese Kosten, wĂ€hrend Privatversicherte und Beamte auĂen vor bleiben. Gleichzeitig wird auch die Pharma-Industrie kaum an den SparmaĂnahmen beteiligt. Laura erklĂ€rt die Preisproblematik am Beispiel von Jardiance, einem SGLT2-Hemmer, der mittlerweile auch bei NierenschwĂ€che eingesetzt wird â und plötzlich ein Vielfaches kostet.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. In diesem Bereich wird immer stĂ€rker gekĂŒrzt, etwa durch die SchlieĂung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik fĂŒr suchtkranke Jugendliche. Laura warnt: Wenn der ambulante Sektor weiter geschwĂ€cht wird, wird auch die Ambulantisierung scheitern â obwohl mehr als die HĂ€lfte der derzeit stationĂ€ren Behandlungen ambulant möglich wĂ€ren.
Gleichzeitig erwartet sie eine zunehmende Abwanderung von Gutverdienenden in die private Krankenversicherung, da diese Gruppe kĂŒnftig noch stĂ€rker belastet werden soll.
Die Finanzkommission Gesundheit hat inzwischen einen Notfallplan vorgeschlagen, zu dem auch eine Zuckersteuer gehört. Diese findet sich tatsĂ€chlich im neuen Gesetzesentwurf wieder â allerdings erst ab 2028.
Die RealitĂ€t der Versorgung bleibt dennoch alarmierend. ĂrzteverbĂ€nden wird zwar vorgeworfen, zu dramatisch zu kommunizieren, gleichzeitig fordern die Krankenkassen verpflichtende Terminpools fĂŒr FachĂ€rzt:innen. Parallel sollen groĂe Teile der Einsatzzentralen in NRW geschlossen werden, was Hendrik WĂŒst bereits als Erpressungsversuch bezeichnet hat.
FĂŒr besonders widersprĂŒchlich hĂ€lt Laura die Diskussion um die VorstandsgehĂ€lter der Krankenkassen. Eine Deckelung wird als Eingriff in die Selbstverwaltung abgelehnt â wĂ€hrend selbststĂ€ndige Ărzt:innen gleichzeitig immer stĂ€rkeren Begrenzungen unterliegen.
Auch die Struktur der Krankenkassen hinterfragt sie kritisch. Deutschland habe aus ihrer Sicht zu viele Krankenkassen, wÀhrend Digitalisierung und KI deutlich stÀrker genutzt werden könnten.
Laura verweist auĂerdem auf die Bedeutung der HZV-Versorgung: In Deutschland gibt es rund 11 Millionen HZV-Versicherte in einem freiwilligen PrimĂ€rarztsystem. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass breit aufgestellte Praxen nach diesem Modell die Versorgung verbessern. Dass Krankenkassen dieses System teilweise blockieren, hĂ€lt sie fĂŒr scheinheilig.
Ein weiteres groĂes Thema ist die Notfallreform. Ărzt:innen sollen kĂŒnftig rund um die Uhr Notdienstangebote bereitstellen und gleichzeitig ihre regulĂ€ren Praxen betreiben. FĂŒr Laura ist völlig unklar, wie das personell funktionieren soll. Statt Entlastung könnten die Notaufnahmen dadurch sogar noch stĂ€rker belastet werden.
Die Folgen zeigen sich bereits: Fast jede zweite Praxis in Berlin denkt ĂŒber eine vorzeitige Praxisabgabe nach, jede zehnte Praxis plant diesen Schritt konkret. Gerade in GroĂstĂ€dten verschĂ€rft der Personalmangel die Situation zusĂ€tzlich â auch weil Krankenkassen um MFA konkurrieren und bessere Arbeitsbedingungen bieten können.
FĂŒr Laura steht fest: Wer Gesundheitspolitik macht, ohne die Aus- und Weiterbildung von Healthcare Professionals mitzudenken, gefĂ€hrdet langfristig die Versorgung.
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Mit Moritz Völker gab es bereits eine Folge, in der Dr. Laura Dalhaus mit ihm ĂŒber seine TĂ€tigkeit als Notarzt gesprochen hat. In dieser Episode diskutieren die beiden nun ĂŒber Medizin am Lebensende.
Laura hat kĂŒrzlich die Fortbildung zur Palliativmedizin absolviert, gemeinsam mit vielen NotĂ€rzt:innen. Denn auf Intensivstationen gehört der Umgang mit Sterben und Tod zum Alltag. In nahezu jeder Schicht gibt es Patient:innen, bei denen das Lebensende absehbar ist. Auch Moritz beschĂ€ftigt sich deshalb intensiv mit diesem Thema.
In ihrer hausĂ€rztlichen TĂ€tigkeit erlebt Laura ebenfalls regelmĂ€Ăig, wie wenig sich viele Menschen mit dem Sterben auseinandersetzen, selbst im hohen Alter. GesprĂ€che darĂŒber finden in Familien oft kaum statt.
Dabei geht es auch um die Frage, was Ăberleben nach einer schweren Erkrankung eigentlich bedeutet. Viele Menschen bereiten sich darauf nicht vor, gesellschaftlich wird das Thema selten offen diskutiert. Obwohl die meisten zuhause sterben möchten, versterben 50 bis 70 Prozent der Menschen im Krankenhaus â hĂ€ufig intubiert und fern eines natĂŒrlichen Sterbeprozesses.
Laura hĂ€lt realistische Erwartungshaltungen deshalb fĂŒr essenziell. In der Gesellschaft fehle oft die Akzeptanz dafĂŒr, dass Gesundheit im Alter Grenzen hat. Gleichzeitig ermöglicht die High-End-Medizin heute vieles, was frĂŒher unmöglich gewesen wĂ€re. FĂŒr sich selbst sagt Laura jedoch klar, dass sie eher auf Lebensjahre verzichten wĂŒrde, als dauerhaft schwer krank zu sein.
Ein weiterer Punkt, ĂŒber den wir dringend sprechen mĂŒssen: Ressourcen sind begrenzt. Die letzten Lebensjahre verursachen die höchsten Kosten im Gesundheitssystem. Daraus ergibt sich eine groĂe ethische Frage: Wie viel wollen und können wir als Gesellschaft finanzieren â insbesondere, wenn viele Menschen eigentlich zuhause sterben möchten?
Laura wĂŒnscht sich deshalb auch im stationĂ€ren Bereich eine ĂŒbergreifende Steuerung, Ă€hnlich einem PrimĂ€rarztsystem. Sie beschreibt das wie einen Bauleiter, der den GesamtĂŒberblick behĂ€lt und medizinische, soziale sowie ethische Aspekte zusammenfĂŒhrt. FĂŒr Moritz ist genau das eine Ă€rztliche Aufgabe, die Erfahrung voraussetzt.
Kritisch sieht Moritz auĂerdem die durch amerikanische Medien geprĂ€gte Angst vor Klagen. Ărzt:innen brĂ€uchten mehr Rechtssicherheit, um ethisch sauber entscheiden zu können, statt sich ausschlieĂlich an Absicherungslogik und Checklisten zu orientieren.
Auch das Thema Sterbehilfe sprechen die beiden offen an. Das Bundesverfassungsgericht hat der Politik bereits 2020 den Auftrag gegeben, sich damit auseinanderzusetzen â passiert ist bislang wenig. Laura betont, dass sie selbst entscheiden möchte, wann ihr Leben endet. Auch Moritz hĂ€lt Selbstbestimmung bis zuletzt fĂŒr wichtig. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen selbst nicht mehr entscheidungsfĂ€hig sind. In diesem Zusammenhang Ă€uĂert er deutliche Kritik an Berufsbetreuern.
Sterben gehört zum Leben dazu. Palliativmedizin kann viel leisten, aber nicht alles auffangen. Eigentlich ist sie darauf ausgelegt, Menschen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zu begleiten â mit Symptomkontrolle, UnterstĂŒtzung und möglichst viel LebensqualitĂ€t, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Laura weist jedoch darauf hin, dass auch hier Abrechnungsstrukturen eine wichtige Rolle spielen.
Ausgangspunkt der Diskussion war auĂerdem eine Aussage von Hendrik Streeck ĂŒber die hohen Medikamentenkosten seines Vaters am Lebensende. FĂŒr Moritz zeigt sich darin die grundlegende Debatte zwischen Ethik und Ăkonomie. WĂ€hrend wir solidarisch sein wollen, geraten gleichzeitig andere Gruppen â insbesondere Kinder und Jugendliche â ins Hintertreffen. Eine Rationalisierung findet bereits statt. Vielleicht auch deshalb, weil Kinder keine relevante WĂ€hlergruppe darstellen.
FĂŒr beide ist klar: Nur weil diese Diskussion schwierig ist, dĂŒrfen wir ihr nicht ausweichen.
Deshalb appellieren sie am Ende eindringlich: Eine Vorsorgevollmacht und eine PatientenverfĂŒgung sollten Teil der GesprĂ€che zuhause sein.
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Wie steht es aktuell um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen? Genau darĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser neuen Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ mit Michael Scheel, Kinderarzt in einem groĂen MVZ fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin sowie -psychiatrie in Cuxhaven. FĂŒr Laura ist klar: Sie möchte sich kĂŒnftig noch stĂ€rker fĂŒr diese Patientengruppe einsetzen.
Zu Beginn werfen die beiden einen Blick auf die Ergebnisse der Finanzkommission Gesundheit. FĂŒr Michael liegt ein Problem darin, dass im System zu viele Player mitentscheiden. Dadurch wird hĂ€ufig der Weg des geringsten Widerstands gewĂ€hlt â und der trifft am Ende die Leistungserbringer. Besonders deutlich zeigt sich das bei der geplanten KĂŒrzung der Honorare der Psychotherapeut:innen, die er als absolut unangemessen bewertet. Laura vermutet, dass die fehlende Schlagkraft durch die Vielzahl an BerufsverbĂ€nden hier eine Rolle spielt. Dabei ist gerade die psychotherapeutische Versorgung ein Bereich mit extrem langen Wartezeiten, die sich durch die Pandemie weiter verschĂ€rft haben.
In diesem Zusammenhang spricht Michael auch ĂŒber die Entbudgetierung in der PĂ€diatrie. Laura ist ĂŒberzeugt, dass grundsĂ€tzlich ausreichend Geld im System vorhanden ist und ein PrimĂ€rarztsystem zu Einsparungen fĂŒhren könnte.
Ein weiterer Aspekt ist die Wirtschaftlichkeit: Laura hinterfragt, warum der Return on Investment (ROI) von Psychotherapie und Kinderheilkunde nicht stĂ€rker berĂŒcksichtigt wird â insbesondere im Vergleich zu kostenintensiven Eingriffen wie WirbelsĂ€ulen-OPs. Michael sieht einen Grund fĂŒr die aktuellen KĂŒrzungen darin, dass Kinder schlicht keine relevante WĂ€hlergruppe darstellen.
Er berichtet auĂerdem, wie er sein MVZ aufgebaut hat, um möglichst viele Kinder versorgen zu können, aber es fĂŒr diese auch angenehm zu machen, in die Praxis zu kommen. Diese Arbeit kommt ihm auch insofern zugute, dass sich potentielle Mitarbeitende proaktiv und gerne bei ihm bewerben. Dabei stöĂt er jedoch immer wieder auf strukturelle HĂŒrden, insbesondere bei Kassensitzen und der Bedarfsplanung. Diese basiert noch auf Daten aus den 1990er-Jahren und bildet die heutige RealitĂ€t nicht mehr ab. Selbst wenn eine KinderĂ€rztin ihre TĂ€tigkeit beendet, kann ihr Kassensitz nicht einfach ĂŒbertragen werden, sondern muss erst durch entsprechende Gremien genehmigt werden.
Das Unternehmertum in der Medizin wird dadurch zunehmend erschwert. Michael beschreibt, dass er sein MVZ mittlerweile eher wie ein Wirtschaftsunternehmen fĂŒhren muss als wie eine klassische Arztpraxis. Hinzu kommt, dass der Reinertrag von Praxen hĂ€ufig missverstĂ€ndlich kommuniziert wird und fĂ€lschlicherweise mit einem Bruttolohn gleichgesetzt wird.
Laura beschreibt ihren Arbeitsalltag als dauerhaftes âEngines onâ â ein Zustand, den sie langfristig nicht bis ins hohe Alter durchhalten kann. FĂŒr beide stellt sich daher die Frage, ob die Sicherstellung der Versorgung kĂŒnftig ĂŒberhaupt noch gewĂ€hrleistet ist. Michael hat in diesem Zusammenhang sogar bei der KV angefragt, ob er Privatsprechstunden fĂŒr GKV-Patient:innen anbieten könnte.
Ein weiteres Beispiel fĂŒr strukturelle Probleme sind die Jugendarbeitsschutzuntersuchungen. Diese verpflichtenden Untersuchungen fĂŒr unter 18-JĂ€hrige wurden bereits 1976 eingefĂŒhrt â die VergĂŒtung liegt jedoch bis heute auf dem damaligen Niveau, was einem erheblichen Wertverlust entspricht.
Viele Ărzt:innen geraten zudem immer wieder in eine ethische ZwickmĂŒhle: Der Wunsch zu helfen steht oft im Konflikt mit wirtschaftlichen und regulatorischen Vorgaben.
Beide kritisieren, dass die Politik hier stĂ€rker liefern muss. Es fehlt an WertschĂ€tzung gegenĂŒber der SelbststĂ€ndigkeit, dem unternehmerischen Risiko und den ArbeitsplĂ€tzen, die durch Praxen und MVZs geschaffen werden.
Ein weiteres wichtiges Thema sind Medikamente und deren Zulassung. Wie auch Laura ist Michael von Regressen betroffen â teilweise sogar rĂŒckwirkend. Gerade in der PĂ€diatrie ist das Risiko besonders hoch, da viele Medikamente keine explizite Zulassung fĂŒr Kinder haben. Das liegt unter anderem daran, dass es nur wenige Studien mit Kindern gibt. Ein Beispiel dafĂŒr sind Pflegelotionen bei Neurodermitis.
Zum Abschluss sprechen die beiden ĂŒber den Einsatz von KI in der Medizin. Diese bietet groĂes Potenzial zur UnterstĂŒtzung im Alltag â vorausgesetzt, sie wird nicht durch bestehende Strukturen und Verbote ausgebremst.
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Die Pflege gehört zu den Berufsgruppen, die hÀufig zu wenig Beachtung finden. Dabei ist die Belastung enorm hoch und abgesehen von symbolischer Anerkennung durch Klatschen wÀhrend der Pandemie hat sich strukturell kaum etwas verÀndert.
DarĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ mit Christian Fuchs, Fachkrankenpfleger fĂŒr AnĂ€sthesie mit 15 Jahren Berufserfahrung.
Schon zu Beginn seiner Laufbahn hörte er oft den Satz âfrĂŒher war alles besserâ â inzwischen teilt er diese EinschĂ€tzung selbst. Vor allem die fehlende WertschĂ€tzung macht sich bemerkbar. FĂŒr ihn ist klar: Unter den aktuellen Bedingungen ist der Beruf weder körperlich noch psychisch bis zur Rente durchzuhalten.
Ein zentrales Problem sind die Personaluntergrenzen. Christian berichtet von einer Silvesterschicht wĂ€hrend der Corona-Pandemie, in der drei PflegekrĂ€fte insgesamt 16 Patient:innen versorgen mussten. Trotz Ăberlastungsanzeigen blieb eine Reaktion aus. In solchen Situationen stehen PflegekrĂ€fte vor der Wahl: Sie tragen das Risiko weiter oder verlassen die Situation.
Hinzu kommt, dass die Personaluntergrenzen eigentlich als absolute Mindestbesetzung gedacht sind, in der Praxis aber oft als Regelbetrieb dienen. Zudem werden unterschiedliche Funktionen zusammengefasst â unabhĂ€ngig davon, ob jemand tatsĂ€chlich in der direkten Versorgung tĂ€tig ist. Auch die Berechnung ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume verzerrt die reale Belastung im Alltag.
Politische Lösungen bleiben bislang aus. Laura sieht das Hauptproblem weniger in der VergĂŒtung als in den Arbeitsbedingungen. Eine reine Gehaltserhöhung greift zu kurz. Entscheidend ist, mehr FachkrĂ€fte zu gewinnen und die AbhĂ€ngigkeit von starren Personaluntergrenzen zu reduzieren.
Mit dem von Jens Spahn eingefĂŒhrten Pflegebudget wurde die Pflege zwar vollstĂ€ndig refinanziert, gleichzeitig hat sich das Aufgabenspektrum erweitert. PflegekrĂ€fte ĂŒbernehmen zunehmend TĂ€tigkeiten, die ursprĂŒnglich nicht zu ihrem Kernbereich gehören, etwa organisatorische oder hauswirtschaftliche Aufgaben.
Auch die generalistische Ausbildung wird kritisch gesehen. Die ZusammenfĂŒhrung von Kinderkrankenpflege, Altenpflege und Krankenpflege fĂŒhrt laut Christian dazu, dass spezifische Anforderungen im Klinikalltag nicht ausreichend abgebildet werden.
Der Arbeitsalltag ist geprÀgt von wenigen Pausen und hoher Belastung. Viele bleiben trotzdem im Dienst, weil sie ihre Kolleg:innen nicht zusÀtzlich belasten möchten.
Laura beschreibt die Intensivstation als besonders kritischen Bereich. Hier treffen die Anforderungen aller Fachabteilungen zusammen, was hĂ€ufig zu EngpĂ€ssen fĂŒhrt. In der Folge werden Patient:innen teilweise frĂŒher verlegt, als medizinisch sinnvoll wĂ€re â mit dem Risiko wiederholter Aufnahmen.
Durch DRGs, FachkrĂ€ftemangel und steigende Kosten stehen KrankenhĂ€user unter wachsendem wirtschaftlichem Druck. Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Daseinsvorsorge mĂŒssen sie wirtschaftlich arbeiten, was Fehlanreize begĂŒnstigt und das System anfĂ€lliger fĂŒr Missbrauch macht.
Laura erinnert sich zudem an eine Zeit ohne verpflichtende Arbeitszeiterfassung, in der flexible Lösungen noch möglich waren. Heute wĂŒnschen sich beide Modelle wie ein Lebensarbeitszeitkonto, um die Belastung langfristig besser auszugleichen und die Arbeit im Gesundheitswesen nachhaltiger zu gestalten.
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Ăber Lauraâs VorschlĂ€ge zur Rettung des Gesundheitssystems wurde viel diskutiert. Der DAK-Chef hat zu VorschlĂ€gen aufgerufen â Laura hat gleich 22 StĂŒck rausgebracht.
Um sie besser zu erlÀutern, gibt es nun diese Folge:
1. Ăber- und Fehlversorgung in der KieferorthopĂ€die beenden
In diesem Bereich kommt es offenbar hĂ€ufig zu Behandlungen, die nicht primĂ€r medizinisch begrĂŒndet sind. Ziel ist es, unnötige MaĂnahmen zu vermeiden und die Versorgung stĂ€rker an tatsĂ€chlichem Bedarf auszurichten.
2. Erstattung von CannabisblĂŒten streichen
Auch wenn Cannabis in bestimmten Therapien eingesetzt wird, sieht Laura keine zwingende Notwendigkeit fĂŒr eine Finanzierung durch die GKV. Cannabis ist legal.
3. Honorare fĂŒr Katarakt-OPs senken
Die derzeitige VergĂŒtung steht aus ihrer Sicht in keinem ausgewogenen VerhĂ€ltnis zu anderen Fachbereichen. Eine Anpassung könnte dazu beitragen, die Verteilung der Mittel gerechter zu gestalten.
4. Hautkrebs-Screening abschaffen
Das Screening wurde eingefĂŒhrt, um die MortalitĂ€t zu senken â ein Effekt konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Ohne belegbaren Nutzen stellt sich die Frage nach der weiteren Finanzierung.
5. Arzneimittelkosten stÀrker regulieren
Durch konsequente Nutzung von RabattvertrÀgen und Kosten-Nutzen-Bewertungen sollen ineffiziente Ausgaben reduziert werden. Der Fokus liegt auf wirtschaftlicher und wirksamer Therapie.
6. BĂŒrgergeldempfĂ€nger aus Steuermitteln finanzieren
Die Finanzierung dieser Leistungen sollte nicht ausschlieĂlich ĂŒber die GKV erfolgen. Stattdessen wird eine gesamtgesellschaftliche Lösung ĂŒber Steuermittel gefordert.
7. Zucker-, Alkohol- und Tabaksteuer erhöhen
Durch höhere Besteuerung gesundheitsschĂ€dlicher Produkte sollen Anreize zur VerhaltensĂ€nderung geschaffen werden. Gleichzeitig könnten gesĂŒndere Alternativen entlastet werden.
8. DMPs (Disease Management Programme) abschaffen
Da der Nutzen vieler Programme nicht eindeutig belegt ist, stellt Laura deren Effizienz infrage. Sie plĂ€diert fĂŒr eine individuellere Versorgung statt standardisierter Programme.
9. Ambulantisierung im ambulanten System
Leistungen sollten dort erbracht werden, wo sie am effizientesten sind â im ambulanten Bereich. Eine Verlagerung in den stationĂ€ren Sektor verursacht unnötige Mehrkosten.
10. Abrechnungsbetrug im Krankenhaus beenden
Fehlanreize in der Abrechnung fĂŒhren dazu, dass Leistungen unnötig verteuert werden. Hier fordert Laura mehr Transparenz und klare Regeln.
11. Sektorengrenzen ĂŒberwinden
Unterschiedliche VergĂŒtungssysteme fĂŒr gleiche Leistungen erschweren das System. Einheitliche Rahmenbedingungen könnten fĂŒr mehr Fairness sorgen.
12. Level 1 i-KrankenhÀuser - Kleine Versorgungszentren im ambulanten Bereich schaffen
FĂŒr bestimmte Behandlungen braucht es keine vollstationĂ€re Versorgung. Solche Strukturen könnten eine effizientere und patientenfreundlichere Alternative sein.
13. Satzungsleistungen der GKV streichen
Leistungen ohne evidenzbasierte Grundlage sollten nicht Teil der solidarischen Finanzierung sein. Der Fokus sollte auf wirksamer Medizin liegen.
14. Verursacherprinzip einfĂŒhren
Ein stĂ€rkerer Bezug zwischen Verhalten und Kosten könnte Anreize fĂŒr gesundheitsbewusstes Handeln schaffen. Diskutiert wird dies analog zu RisikozuschlĂ€gen.
15. Positivliste fĂŒr GKV-Leistungen
Eine klare Definition des Leistungskatalogs wĂŒrde mehr Transparenz schaffen. Nur evidenzbasierte und sinnvolle Therapien sollten ĂŒbernommen werden.
16. Quartalsschein wieder einfĂŒhren & Arztbesuche begrenzen
Durch bessere Steuerung der Patient:innenströme könnten unnötige Mehrfachkontakte reduziert werden. Das wĂŒrde Ressourcen im System schonen.
17. Digitalisierung und Deckelung der Verwaltungskosten
Effizientere digitale Prozesse könnten Verwaltungskosten senken. Gleichzeitig soll die Ausgabenstruktur transparenter und begrenzt werden.
18. Zusatzleistungen fĂŒr Kassenmitarbeiter begrenzen
Auch im Verwaltungssystem gibt es Einsparpotenzial. Zusatzleistungen sollten ĂŒberprĂŒft und gegebenenfalls reduziert werden.
19. WerbemaĂnahmen der Krankenkassen abschaffen
Da die Leistungen der Krankenkassen weitgehend vergleichbar sind, erscheint Werbung verzichtbar. Die eingesparten Mittel könnten sinnvoller genutzt werden.
20. BĂŒro- und GebĂ€udekosten reduzieren
Durch flexiblere Arbeitsmodelle könnten Kosten fĂŒr Infrastruktur gesenkt werden. Das betrifft insbesondere teure Standorte und BĂŒroflĂ€chen.
21. PrĂŒf- und Rechtsverfahren reduzieren (Blue-Ocean-Strategie)
Viele Verfahren verursachen mehr Kosten als Nutzen. Eine stÀrkere Priorisierung könnte Ressourcen sparen.
22. BĂŒrokratie insgesamt abbauen
ĂbermĂ€Ăige BĂŒrokratie belastet das System erheblich. Eine Vereinfachung der Prozesse wĂŒrde sowohl Zeit als auch Geld sparen.
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Kaum jemand wĂŒrde aktuell den Job von Nina Warken ĂŒbernehmen wollen â nicht einmal TK-Chef Baas. Dr. Laura Dalhaus sieht das allerdings differenzierter: Wer selbststĂ€ndig arbeitet, trĂ€gt Verantwortung und muss auch mit dem Risiko des Scheiterns umgehen können. Genau dieses VerstĂ€ndnis fehlt aus ihrer Sicht hĂ€ufig bei den Krankenkassen.
Die Finanzkommission Gesundheit hat kĂŒrzlich SparmaĂnahmen vorgestellt. Wichtig dabei: Der Auftrag war kein umfassender Systemumbau, sondern ein kurzfristiger Notfallplan fĂŒr 2027. Nun geht es darum, diese VorschlĂ€ge einzuordnen und die Reaktionen der verschiedenen Akteure zu betrachten.
Im Fokus steht zunĂ€chst die Begrenzung unnötiger Ausgaben. Zwar gehören Praxen nicht zu den gröĂten Kostentreibern, sollen sich aber dennoch an Einsparungen beteiligen. Grundlage bleibt die Orientierung an evidenzbasierter Medizin.
Kritik Ă€uĂert Laura unter anderem am Vorsitzenden des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt. Als Ăkonom verfolgt er das Ziel, Einnahmen zu begrenzen, erwartet gleichzeitig jedoch von selbststĂ€ndigen Leistungserbringern ein nahezu unbegrenztes Leistungsangebot. Auch AOK-Chefin Reimann sorgt fĂŒr Diskussionen: Sie fordert, dass Honorare nur im gleichen MaĂ steigen wie die durchschnittlichen Einkommen angestellter BeschĂ€ftigter â ein Ansatz, der laut Laura die RealitĂ€t der SelbststĂ€ndigkeit verkennt. Und ganz praktisch: Mit der AOK kommuniziert sie immer noch per Fax.
Auch aus der Ărzteschaft kommt Widerstand. Der Hartmann-Bund warnt, dass einige MaĂnahmen die ambulante Versorgung gefĂ€hrden und die Ă€rztliche Selbstverwaltung schwĂ€chen könnten. Gleichzeitig gehen PraxisĂŒberschĂŒsse zurĂŒck. ĂrztekammerprĂ€sident Klaus Reinhardt fordert daher, die bestehende Misstrauenskultur gegenĂŒber Leistungserbringern zu ĂŒberwinden.
Kritische Stimmen gibt es ebenso aus der Pharmaindustrie, deren VerbÀnde die VorschlÀge der Finanzkommission ebenfalls hinterfragen.
Ein weiteres Thema ist die Notfallreform. Laura stellt infrage, wie diese praktisch umgesetzt werden soll â schlieĂlich sollen Ărzt:innen gleichzeitig Notfalldienste leisten und ihre regulĂ€re PraxistĂ€tigkeit aufrechterhalten. Positiv bewertet sie jedoch den Ansatz, im Notfall eine direkte Medikamentenabgabe zu ermöglichen.
Laura war zudem selbst bei einer Demonstration von Psychotherapeut:innen, deren Honorare gekĂŒrzt werden sollen â und das trotz steigenden Bedarfs. Besonders Kinder und Jugendliche liegen ihr am Herzen, da sie politisch oft wenig Gehör finden. Dabei zeigt sich: Psychotherapie hat einen klar messbaren Nutzen. Der Return on Invest liegt bei rund 167 Prozent. Jeder investierte Euro bringt also mehr als das Doppelte zurĂŒck.
Ein strukturelles Thema bleibt die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen. Aktuell gibt es 93 â Laura stellt die Frage, ob eine deutlich geringere Zahl nicht ausreichen wĂŒrde und analysiert die einzelnen Kostenpunkte genauer.
AbschlieĂend entwickelt sie eigene VorschlĂ€ge zur Stabilisierung des Gesundheitssystems, teilweise angelehnt an die Ideen der Finanzkommission Gesundheit.
Weitere Ideen:
Abschaffung aller DMPs
Konsequente Ambulantisierung innerhalb des ambulanten Systems
Abrechnungsbetrug im Krankenhaus abschaffen
Sektorengrenzen ĂŒberwinden â gleiche VergĂŒtung fĂŒr alle Sektoren
Realisierung Level 1I â ambulanter Sektor mit Belegbetten
Streichung aller Satzungsleistungen in der GKV
EinfĂŒhrung eines Verursacherprinzips
Erstellung einer Positivliste des GKV-Leistungsumfangs
WiedereinfĂŒhrung des Quartalsscheints fĂŒr Patient:innen
Digitalisierung aller VerwaltungsvorgÀnge auf Kassenseite und Deckelung der GehÀlter
Begrenzung der Mitarbeiterleistung
VollstĂ€ndiger Verzicht aller WerbemaĂnahmen der Kassen
Abbau von BĂŒro- und GebĂ€udeflĂ€chen
Blue-Ocean-Strategie in allen PrĂŒfungs- und Rechtfragen
Abbau doppelter BĂŒrokratie
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Die Regelungen zur Auszahlung von EntschĂ€digungen aus dem Fonds fĂŒr Opfer sexuellen Missbrauchs werden aktuell verĂ€ndert â ein Thema, das Dr. Laura Dalhaus in ihrer neuen Folge aufgreift.
Zu Gast ist âSvenâ, der aus GrĂŒnden des Opferschutzes anonym bleibt. Er arbeitet als RettungssanitĂ€ter und bezieht Leistungen aus dem Fonds. Nun hat er jedoch ein Schreiben vom Bundesamt fĂŒr Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erhalten: Die Auszahlungen sollen zum 31.12.2027 beendet werden.
Bisher war die Struktur des Fonds klar geregelt: FĂŒr jede betroffene Person standen bis zu 10.000 Euro fĂŒr therapeutische MaĂnahmen zur VerfĂŒgung. Diese Summe konnte flexibel genutzt werden, etwa ĂŒber mehrere Jahre hinweg. Ein festes Ablaufdatum gab es nicht â genau das Ă€ndert sich nun mit der neuen Regelung.
FĂŒr Laura zeigt diese Entscheidung ein grundlegendes MissverstĂ€ndnis seitens der Verantwortlichen. Eine posttraumatische Belastungsstörung endet nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt. Traumata verlaufen nicht linear, sondern in Wellen. Deshalb ist es ihr ein Anliegen, auf diese Problematik aufmerksam zu machen.
Sven betont, dass UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene auch eine gesellschaftliche Verantwortung ist. Vielen fĂ€llt es schwer, aktiv Hilfe einzufordern. Gleichzeitig macht er deutlich: Ein lebenswertes Leben ist möglich â vorausgesetzt, das Umfeld trĂ€gt mit.
Zum Abschluss ordnet Laura die Konsequenzen ein: Durch den geplanten Auszahlungsstopp werden Betroffene kĂŒnftig stĂ€rker auf Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen angewiesen sein. Auf ein System, das ohnehin schwer zugĂ€nglich ist. Parallel dazu werden psychotherapeutische Honorare durch den GKV-Spitzenverband reduziert. FĂŒr Laura ist klar: Diese Entwicklung ist nicht akzeptabel.
Zur Petition: https://innn.it/fonds-sexueller-missbrauch-2
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Krankenkassen stehen bei Dr. Laura Dalhaus hĂ€ufig in der Kritik â umso interessanter, dass sie in dieser Episode Andrea Galle, Vorstandsvorsitzende der MKK (Meine KrankenKasse), zu Gast hat.
Gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler und Ratgeberautor Ingo Froböse hat sich Andrea intensiv mit PrĂ€vention beschĂ€ftigt. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Gesundheitssystem aktuell stark kritisiert wird, wĂ€re es sinnvoller, den Dialog zu suchen â miteinander statt ĂŒbereinander zu sprechen.
Das System selbst agiert derzeit eher wie ein Reparaturbetrieb, grundlegende Reformen sind nicht in Sicht. Andrea ist ĂŒberzeugt, dass es eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren braucht.
Parallel lĂ€uft ein Verfahren des GKV-Spitzenverbands gegen den Bund zur Finanzierung der BĂŒrgergeldempfĂ€nger. Als mögliche LösungsansĂ€tze werden unter anderem höhere Steuern auf Alkohol und Tabak sowie die EinfĂŒhrung einer Zuckersteuer diskutiert.
FĂŒr Laura steht fest: Die StabilitĂ€t einer Gesellschaft hĂ€ngt auch von einem funktionierenden Gesundheitssystem ab. Gerade in Krisenzeiten ist es ein zentraler Anker. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Bevölkerung krĂ€nker wird â mit absehbaren Folgen fĂŒr die Belastung des Systems.
Ein kritischer Punkt ist auch der Einfluss wirtschaftlicher Interessen. So hat sich etwa Fresenius gegen die automatische Organspende positioniert â ein Bereich, in dem Dialyse wirtschaftlich lukrativer ist als Transplantationen. FĂŒr Laura zeigt das, dass das System nicht darauf ausgelegt sein sollte, Deutschland als Pharmastandort attraktiv zu machen.
Hinzu kommt, dass Ărzt:innen zunehmend Medikamente verordnen, ohne deren Preise genau zu kennen â ein weiterer Missstand im System.
Andrea hat eine Petition gestartet, um Gesundheit als Grundrecht im Grundgesetz zu verankern. Aktuell ist dort lediglich das Recht auf körperliche Unversehrtheit festgeschrieben â historisch bedingt. Ihr Ziel ist es, Gesundheit stĂ€rker als staatliche Aufgabe zu definieren, insbesondere durch PrĂ€vention, AufklĂ€rung und Krankheitsvermeidung.
Laut Umfragen sehen rund 70 Prozent der Bevölkerung Bildungspolitik als wichtigen Hebel fĂŒr mehr Gesundheitskompetenz. Andere LĂ€nder setzen bereits stĂ€rker auf WerbebeschrĂ€nkungen zum Schutz von Kindern. In Deutschland hingegen gibt es Produkte, die speziell fĂŒr Kinder vermarktet werden und gleichzeitig mehr Zucker enthalten. Zudem zĂ€hlt Deutschland zu den wenigen LĂ€ndern, in denen begleitetes Trinken bereits ab 14 Jahren erlaubt ist.
Andrea spricht sich dafĂŒr aus, Gesundheit nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern im Alltag erlebbar zu machen â etwa durch ein Schulfach Gesundheit und kostenfreies, gesundes Schulessen. Denn reine Wissensvermittlung greift zu kurz, wenn sie nicht praktisch umgesetzt wird.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Diskussion ĂŒber eine mögliche Umsatzsteuer auf Vereinsmitgliedschaften widersprĂŒchlich â gerade dort, wo Kinder Bewegung und soziale Strukturen erfahren.
Eine prĂ€gende Begegnung hatte Andrea mit dem âGlĂŒcksministerâ von Bhutan. Dessen Aufgabe ist es zu bewerten, ob politische MaĂnahmen das Wohlbefinden der Bevölkerung steigern. Ein Ă€hnliches Prinzip wĂŒnscht sie sich auch fĂŒr die Gesundheitspolitik: Entscheidungen sollten daran gemessen werden, ob sie Menschen gesĂŒnder machen.
Erreicht ihre Petition 30.000 Unterschriften, kann sie ihr Anliegen im Bundestag vorstellen und das Thema stÀrker in die politische Diskussion einbringen.
Gleichzeitig nimmt der psychische Druck in der Gesellschaft zu, was sich auch in steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen zeigt. Umso unverstĂ€ndlicher erscheint es, dass ausgerechnet hier HonorarkĂŒrzungen in der Psychotherapie diskutiert werden â ein Punkt, den Laura und Andrea kritisch beleuchten.
Auch DIGAs (digitale Gesundheitsanwendungen) werden thematisiert. Laura steht ihnen skeptisch gegenĂŒber, vor allem wegen möglicher Regressrisiken und mangelnder Transparenz hinsichtlich Anwendung und Behandlungsverlauf. Gleichzeitig erkennen beide an, dass DIGAs in bestimmten Bereichen durchaus sinnvoll eingesetzt werden können.
Zur Petition: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2026/_02/_26/Petition_195664.$$$.a.u.html
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Die Finanzkommission Gesundheit hat ihre Ergebnisse veröffentlicht â und natĂŒrlich reagiert Dr. Laura Dalhaus darauf in ihrer neuen Folge. Denn es geht lĂ€ngst nicht nur um Gesundheit: Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind direkt mit unseren Lohnnebenkosten verknĂŒpft. Wenn wir diese Entwicklung nicht kontrollieren, wird Arbeit in Deutschland zunehmend unbezahlbar.
Das Gesundheitssystem ist dabei extrem komplex organisiert. Gesundheitspolitik ist sowohl Bundes- als auch LĂ€ndersache, und es sind zahlreiche Akteure beteiligt: 17 Ministerien, Lobbyisten, Ărzt:innen, KrankenhĂ€user, Pharmaunternehmen und Apotheken.
ZunÀchst zum aktuellen Stand:
Die Krankenhausreform ist beschlossen, stöĂt jedoch auf viel Kritik. Finanzielle Auswirkungen werden allerdings erst ab 2030 spĂŒrbar. Gleichzeitig wurden bestimmte Leistungsgruppen gestrichen, darunter auch Teile der spezialisierten Kindermedizin â mit direkten Konsequenzen fĂŒr Familien.
Neu eingefĂŒhrt wurde eine Chronikerpauschale, die jedoch Ă€uĂerst kompliziert gestaltet ist. Laura stellt infrage, ob grundlegende Reformen innerhalb des bestehenden EBM-Systems ĂŒberhaupt noch sinnvoll umsetzbar sind. Parallel fordert die Politik eine Termingarantie, ohne eine entsprechende VergĂŒtungsgarantie bleibt das in einem budgetierten System jedoch unrealistisch.
Ein Blick in die VersorgungsrealitĂ€t zeigt die Diskrepanz: Laura berichtet von einer WirtschaftlichkeitsprĂŒfung mit sieben Seiten Regress â fĂŒr einen Betrag von 65,85 Euro. Der bĂŒrokratische Aufwand steht hier in keinem VerhĂ€ltnis zum Nutzen.
Auch bei Krankenhauseinweisungen gibt es VerĂ€nderungen. Je nach Diagnostik und Aufwand kann es fĂŒr Kliniken wirtschaftlich sinnvoller sein, vorstationĂ€r abzurechnen. Gleichzeitig soll Laura im Pflegeheim pflegerische MaĂnahmen schriftlich anordnen, weil der Medizinische Dienst dies verlangt.
Ein weiteres Beispiel fĂŒr KomplexitĂ€t: Das Hilfsmittelverzeichnis umfasst 47.825 Produkte in 42 Kategorien â ein Bereich, der dringend digitalisiert und vereinfacht werden mĂŒsste.
Diese zunehmende BĂŒrokratie schreckt viele Ărzt:innen von der Niederlassung ab. Einige denken sogar ĂŒber einen Wechsel ins Ausland nach. Gleichzeitig werben Krankenkassen wie die Barmer mit klar geregelten Gehaltsentwicklungen nach Tarif. Bei Physiotherapeut:innen wurden hingegen LeistungskĂŒrzungen von 4,5 Prozent beschlossen. Der GKV-Spitzenverband begrĂŒndet dies mit zuvor ĂŒberproportionalen Steigerungen â die jedoch auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren sind, dass psychotherapeutische Leistungen lange unterbewertet waren.
Ein besonders drastisches Beispiel ist die SchlieĂung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn, die auf suchtkranke Kinder spezialisiert war. Von insgesamt 85 PlĂ€tzen bundesweit stellte diese Einrichtung allein 65 â und muss nun mangels Finanzierung schlieĂen.
Auch Urolog:innen sind von Regressen betroffen, etwa im Zusammenhang mit Medikamenten zur Behandlung von Prostatakrebs. Teilweise beziehen sich diese Forderungen rĂŒckwirkend auf mehrere Jahre, da FestbetrĂ€ge erst nachtrĂ€glich angepasst wurden.
Viele PflegebedĂŒrftige geraten zunehmend in finanzielle Not und hĂ€tten Anspruch auf Sozialhilfe, doch nur etwa ein FĂŒnftel erhĂ€lt diese tatsĂ€chlich. HĂ€ufig scheitert es an komplexen Antragsverfahren oder fehlender ZugĂ€nglichkeit, insbesondere im Kontext von Digitalisierung.
Der Bericht der Finanzkommission Gesundheit umfasst insgesamt 483 Seiten. Laura hat sich zunĂ€chst die Zusammenfassung angesehen: 66 MaĂnahmen sollen helfen, die FinanzierungslĂŒcke von 40,4 Milliarden Euro bis 2030 zu schlieĂen. Ziel ist es, die BeitragssĂ€tze der GKV bereits ab dem kommenden Jahr zu stabilisieren.
Dabei betont die Kommission, dass sich der Zugang zur medizinischen Versorgung nicht verschlechtern, sondern idealerweise verbessern soll. Die finanzielle Belastung soll auf viele Schultern verteilt werden.
Laura geht die vorgeschlagenen MaĂnahmen im Detail durch und ordnet sie aus ihrer Perspektive ein.
Zur Petition: https://www.change.org/p/rettet-die-gr%C3%B6%C3%9Fte-suchtklinik-f%C3%BCr-kinder-und-jugendliche-die-versorgung-bricht-zusammen
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Wir haben den Anspruch, dass Digitalisierung und Technik unser Leben leichter machen. Den Ărzt:innen hingegen wird oft vorgeworfen, sie seien digitalisierungs- und technikfeindlich.
DarĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ mit Hendrik Steenfadt von der Firma Heidi Health.
Das gesamte Thema der Digitalisierung hat zu einer gewissen Resignation gefĂŒhrt â denn oft funktioniert sie nicht. Das frustriert, denn eigentlich will man die vorhandene Zeit lieber in Patient:innen und Behandlung stecken als in Technik- und BĂŒrokratiefrust.
Heidi will das besser machen.
Laura ist jemand, der wenig dokumentiert (sie gibt auch selbst zu, dass sie nicht besonders gut darin ist), allerdings fĂ€llt ihr das auch öfter mal auf die FĂŒĂe. Sie hat das so in der Klinik damals gelernt. Am schlimmsten findet sie selbst die Reha-Briefe.
Laura hat das Problem gelöst mit Heidi, denn Heidi dokumentiert fĂŒr die Ărzt:innen. Das Tool hört mit und macht daraus eine medizinische Dokumentation.
Gerade sind wir in einer Transformationsphase, viele HausĂ€rzt:innen sind angewiesen auf die bestehenden Tools, wollen es aber einfacher haben. Das muss Schritt fĂŒr Schritt passieren.
FĂŒr den privaten Gebrauch kennen wir alle ChatGPT und Co, fĂŒr die Medizin muss das Tool aber korrekter und natĂŒrlich auch sicherer sein.
FĂŒr Laura gibt es zwei Möglichkeiten, mit den Patient:innen umzugehen: Entweder sie ist voll im GesprĂ€ch mit den Patient:innen und dokumentiert danach, oder sie ist am PC und schreibt die Dokumentation wĂ€hrend des GesprĂ€chs, was fĂŒr die Patient:innen natĂŒrlich weniger schön ist.
Jetzt kann sie voll zuhören und Heidi protokolliert und nutzt auch noch die richtigen Fachtermini. Das verbessert ganz stark die Patientenkommunikation.
Das Tool wurde von Menschen entwickelt, die genau diese Dokumentation auch genervt hat und die einen Impact schaffen wollten. Ihr Fokus ist die Adoption, es geht darum, dass Mediziner:innen das Tool wirklich nutzen und nicht nur ein neues, chices Tool haben.
Wichtig natĂŒrlich: Das Ganze ist DSGVO-konform. Hendrik macht den Witz, dass jedes Handy wahrscheinlich ein gröĂerer Risikofaktor wĂ€re. Das Tool funktioniert auch bei Hausbesuchen und auch ohne gutes Netz. Laura nutzt Heidi gerne auch im Altenheim, weil sie dort weder mit Laptop noch mit Zettel und Stift stehen möchte.
Ein weiterer Punkt, den Laura total super findet: Heidi fungiert zusĂ€tzlich als Ăbersetzer. Da sie oft Patient:innen hat, die keine deutschen Muttersprachler sind, hilft ihr das sehr in der Kommunikation.
Die Verdopplungszeit des medizinischen Wissens lag frĂŒher bei 30/35 Jahren. Mittlerweile liegt sie bei anderthalb Monaten â es ist kaum möglich, das aufzuholen. Heidi kann die medizinischen Datenpunkte anders verarbeiten und komprimieren, als wir das als Menschen schaffen.
Informationsfluss und Informationsmanagement ist eine der gröĂten Herausforderungen in einer Zeit, in der wir immer Ă€lter werden und gleichzeitig die Medizin immer mehr kann. Die Patientenzahl bei Laura hat sich beispielsweise seit 2019 mehr als verdoppelt.
Heidi hat Schnittstellen zu den PVS-Anbietern, was Laura befĂŒrwortet. FĂŒr sie ist es wichtiger, ein Tool an der Seite zu haben, das seinen Fokus auf das KerngeschĂ€ft legt, statt das Thema ânebenherâ zu entwickeln. Ist ja auch nicht trivial.
Die Folge wurde produziert mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Heidi Health.
Code von Laura: Laura10
Hier könnt ihr Heidi testen: https://scribe.heidihealth.com/
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Wie steht es gerade politisch um die Gesundheitsversorgung? Warum wollen so viele Ărzt:innen nicht mehr selbststĂ€ndig arbeiten? Und wie steht ein Kinderarzt zu Zuckersteuer und einem Social Media-Verbot?
DarĂŒber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von â5 Minus â Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenzielâ mit Johannes Wagner. Er macht gerade seinen Facharzt fĂŒr PĂ€diatrie und ist auĂerdem Bundestagsabgeordneter bei den GrĂŒnen.
Die beiden sind sich einig: Kinder haben keine Lobby. Zurzeit wird ein Social Media-Verbot fĂŒr unter-14-jĂ€hrige diskutiert. Johannes selbst spricht lieber von einem Mindestalter statt einem Verbot. Lange war er ein Gegner, doch er hat seine Meinung geĂ€ndert und ist fĂŒr eine deutlich schĂ€rfere Regulierung. Die Plattformen machen sĂŒchtig und treiben Kinder in ungesunde Verhaltensweisen.
Das hat Einfluss auf die mentale Gesundheit, welche immer noch ein Randthema ist. Hersteller haben allerdings ein Interesse daran, Kinder möglichst lange vor den Bildschirmen zu halten. Dahinter steckt ein Milliardenmarkt. Es geht also nicht nur um die Plattformen selbst, sondern das gesamte System dahinter.
Auch die Zuckersteuer hat eine riesige Debatte ausgelöst, vor allem, weil viele Produkte im Supermarkt gezielt auf Kinder ausgerichtet sind. Den Eltern wird es schwer gemacht. Eigenverantwortung schön und gut â Johannes ist trotzdem der Meinung, dass die starken Konzerne mehr gesetzliche Rahmenbedingungen benötigen. FĂŒr Eltern ist es anstrengend und zeitraubend, AufklĂ€rungsarbeit gegen Kampagnen der Lebensmittelindustrie zu fĂŒhren.
Auch die Gesellschaft steht dahinter: Ăber 60% plĂ€dieren fĂŒr eine Zuckersteuer.
Die Debatte auf dem CDU-Parteitag dazu fand Laura zum FremdschÀmen.
Viele Jugendliche erlebt Johannes als nicht politisch. ErstwĂ€hler:innen entscheiden sich oft fĂŒr die AfD, weil diese eine starke emotionale Stimmung erzeugen.
Die beiden diskutieren auĂerdem ĂŒber die Versorgung in Deutschland und die Situation von niedergelassenen Ărzt:innen und HausĂ€rzt:innen. Ăber 80% der Niedergelassenen arbeiten in der spezialisierten Medizin. Ein Grund, warum sich Johannes ein PrimĂ€rversorgungs-System wĂŒnscht. Es kann auĂerdem nicht sein, dass Versorgung einen so unterschiedlichen Wert hat: Auf der einen Seite kĂ€mpfen Ărzt:innen mit Energiepreisen, auf der anderen Seite entstehen EinkommensmillionĂ€re.
Versorgung auf dem Land ist ein weiteres groĂes Problem. Laura erzĂ€hlt vom Ărztenetzwerk BOHRIS, das z.B. Ărzte nach Bocholt akquiriert.
Laura sieht als eine Möglichkeit, Regresse abzuschaffen. Sie kennt in ihrem Umfeld keinen Kollegen, der bisher noch keinen Regress hatte.
Die Niederlassung muss attraktiver gestaltet werden. Angestellte Ărzt:innen erwirtschaften in der Regel nicht das, was sie als Gehalt erhalten.
Die Versorgung könnte auf jeden Fall verbessert werden durch den Einsatz von Physician Assistants und Primary Care Manager.
Bei den Wahlen ist Gesundheit und Gesundheitspolitik oft kein groĂer Faktor, obwohl es uns allen so wichtig ist, gesund zu sein.
Johannes möchte perspektivisch wieder in den Arztberuf zurĂŒckgehen, auch wenn die Politik motivierte Menschen wie ihn benötigt.
Laura betont:
Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist ein gesellschaftlich stabilisierender Faktor.
Deswegen ist es so wichtig, Berufspolitik zu machen.
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Die letzte Solofolge, bevor die Finanzkommission Gesundheit ihre langersehnten Ergebnisse prĂ€sentiert. Dr. Laura Dalhaus erhofft sich ein Reformfeuerwerk. Vorher will sie aber ĂŒber den Status Quo sprechen.
Von der Krankenhausreform bis zur Pflegeversicherung â ĂŒberall brennt die HĂŒtte. Jeder dritte Heimbewohner bezieht Sozialhilfe. Die DAK Gesundheit warnt vor dem Zusammenbruch der Altenpflege.
Herr Gassen von der KBV will die freiwilligen Leistungen der GKV einstampfen. Bei den Krankenkassen flieĂt Geld irgendwo hin â sie wollen aus wettbewerbsrechtlichen GrĂŒnden nicht sagen, wohin genau. Dabei verkaufen die Kassen doch alle das Gleiche.
20% der Einnahmen in der Hausarztpraxis gehen auf Privatversicherte zurĂŒck. Dabei sind nur 11% der Patient:innen privat versichert!
Laumann und sein Ministerium haben ein Papier vorgelegt mit 15 Eckpunkten fĂŒr das Gelingen eines PrimĂ€rversorgungssystems. Der Deutsche HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzteverband war zur Vorstellung nicht eingeladen. Laura findet in dem Papier ganz viel von der HZV abgeguckt.
Die 116117 soll weiter ausgebaut werden. Das sollen HausÀrzt:innen bezahlen. Das ist nicht fair. Denn die haben gerne die faktische Insolvenz der KVL aufgefangen.
BĂŒrokratieabbau wird gefordert. Fordern die Politiker seit 25 Jahren.
Praxisstrukturen sollen gestĂ€rkt werden, gibt es im HĂPPI-Konzept auch schon.
Frau Reimann will das Aus fĂŒr verpflichtende HZV-VertrĂ€ge. Dabei gibt es wissenschaftliche Belege dafĂŒr, wie gut das ist.
Laura zahlt mehr fĂŒr Streaming-Dienste als fĂŒr die hausĂ€rztliche Versorgung in der GKV.
Die TK findet die HZV wohl auch nicht gut. Die haben gerade einer Patientin gedroht, weil sie nicht beim Arzt war.
SÀmtliche Innovationen, die es in der HZV-Forschung gibt, werden jetzt im PrimÀrarzt-System gefordert.
Die Teamarbeit kann HausĂ€rzt:innen spĂŒrbar entlasten. Die HausĂ€rzteschaft ist demgegenĂŒber offen und sieht Entlastungspotential. In einer Bertelsmann-Studie wurden Patient:innen befragt zu Physician Assistants und Primary Care Manager. Da schnitten die Delegationsberufe besser ab als die Ărzt:innen. 65% der Ă€rztlichen Zeit an delegierbarer Leistung wĂ€re möglich.
Die AOK wirbt mit attraktiver VergĂŒtung und Work Life Balance fĂŒr ihre Stellenausschreibungen. Teilweise sogar mit 50 Urlaubstagen. Die Health Care Professionals kĂ€mpfen gerade dagegen, dass sie so viele Ăberstunden machen mĂŒssen.
Eigentlich sollte Laura das gar nicht öffentlich machen, damit die Health Care Professionals jetzt nicht fliehen und in den Krankenversicherungen arbeiten.
Content-Manager sucht die TK auch. Eine Krankenkasse braucht in Lauraâs Augen keine Social Media-KanĂ€le. Ihr sollt Versorgung bezahlen.
Die WirtschaftlichkeitsprĂŒfung kostet mehr als dass sie einbringt. Den Frust können wir gar nicht in Geld bestimmen. Sie ist ein Minus-GeschĂ€ft.
Der Masterplan 2020, die Reform des Medizinstudiengangs, wurde 2017 verabschiedet und immer noch nicht umgesetzt worden.
Psychotherapie soll jetzt qualitĂ€tsgesichert werden. DafĂŒr gibt es eine QualitĂ€tssicherung auf Probe in NRW. Der Aufwand stehe in keinem VerhĂ€ltnis zum Nutzen, sagen die Therapeuten.
Sie mĂŒssen nĂ€mlich trotzdem noch umfangreiche Gutachten schreiben. Die Erprobung hat mittlerweile 18.000 Stunden psychotherapeutischer Zeit gekostet. In der Zeit hĂ€tten die Therapeuten 750 Kurzzeitbehandlungen Ă 24 Sitzungen machen können.
Laura wird die Ergebnisse der Kommission Gesundheit kommentieren. Bleibt gespannt.
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Pflege ist in den letzten Folgen etwas zu kurz gekommen. Deswegen beginnt Dr. Laura Dalhaus ihre neue Solofolge mit genau diesem Thema.
Denn es betrifft uns alle irgendwann und ist unfassbar relevant in pucto Lohnnebenkosten und Sozialversicherung.
Ohne FachkrĂ€fteeinwanderung funktioniert da ĂŒbrigens gar nix mehr. Denn ohne die Menschen, die in der FlĂŒchtlingskrise 2015 kamen, wĂ€re das alles nicht mehr zu bewĂ€ltigen.
Die Pflegereform könnte fĂŒr die JĂŒngeren noch teurer werden als das Rentenpaket. Alles, was aus der Pflegekommission kam, war enttĂ€uschend. Es drohen zusĂ€tzliche Ausgaben von 300 Milliarden Euro bis 2040.
Wer dabei total vergessen wird, sind auch die pflegenden Angehörigen. Laura kennt das aus ihrem Alltag. Man fragt immer nach den Zu-Pflegenden und nicht nach denjenigen, die pflegen. Sie rĂ€t allen davon ab, sich um Grundpflege zu kĂŒmmern, denn das ist keine Quality Time.
Ăber die HonorarkĂŒrzung bei Psychotherapie wird auch noch in den Medien diskutiert. Die Folge könnte sein, dass Privatpatient:innen noch mehr bevorzugt werden. Dabei wĂ€chst der Bedarf, gerade auch bei Kindern und Jugendlichen.
Die Krankenhausreform scheint sich auf der Zielgeraden zu befinden. Wer das gar nicht gut findet, ist die Schmerzmedizin. Da hat es sogar einen Brandbrief an die Bundestagsabgeordneten von verschiedenen Fachgesellschaften gegeben. Denn die Schmerzmedizin soll keine eigene Leistungsgruppe erhalten.
Der Druck ist bei der Notfallreform ĂŒbrigens auch so groĂ. Nina Warken ist die dritte Gesundheitsministerin, die sich an dieser Reform versucht. Beispielsweise sollen die Leistungen der medizinischen Notfallrettung gesetzgeberisch neu sortiert werden. Dabei will man auch an das SGB V ran, ob das wohl klappt?
Kommunen und Landkreisen geht dieser Eingriff zu weit.
NatĂŒrlich hat Laura auch noch etwas aus den VersorgungsrealitĂ€t mitgebracht. Es gibt nun die ersten Regresse fĂŒr verordnete DIGAs. Die KV Baden-WĂŒrttemberg ĂŒberprĂŒft die Wirtschaftlichkeit der ausgestellten DIGA-Verordnungen.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Rheumatologie und klinische Immunologie spricht auĂerdem von einem unzumutbaren Konflikt zwischen Patientenwohl und persönlichem Haftungsrisiko. Im Bereich Rheuma wird viel Off-Label genutzt, leider gibt es dazu auch viele Regresse.
Auch bei Kindern und Jugendlichen werden viele Off-Label-PrĂ€parate genutzt, etwa 25 bis 35%. Bei Antidepressiva liegt der Anteil bei ĂŒber 80%.
Wir befinden uns in einer VersorgungslĂŒcke. Vor Corona hatten wir behandlungsbedĂŒrftige Kinder und Jugendliche von 18%, nun sind es 31%. Jeder nicht investierte Euro kann 4 bis 18⏠Folgekosten nach sich ziehen.
Laura möchte auch noch ĂŒber den CDU Parteitag reden. Die Zuckersteuer wurde abgelehnt, das war beschĂ€mend und hat mit Wissenschaftlichkeit nichts zu tun.
Alkohol, Rauchen und GlĂŒcksspiel verursachen Kosten in Höhe von 136 Milliarden Euro pro Jahr.
Dazu soll die elektronische Krankschreibung abgeschafft werden. Allerdings melden sich die Bundesbehörden am meisten krank. Im Bundesrat gab es 25,2 Krankheitstage, im Bundestag 22,3 Tage. Sollte man nicht mal im eigenen Laden aufrÀumen, Friedrich Merz?
Es gibt nun eine Petition, die das Recht auf Gesundheit ins Grundgesetz bringt. DarĂŒber wird Laura in einer der nĂ€chsten Folge noch sprechen.
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