Episodit

  • Iwan Bunin (1870-1953) gilt als einer der grössten russischen Autoren. Zum 150. Geburtstag, der sich am 22. Oktober jährt, begibt sich «Kontext» auf die Spuren des Dichters, dessen Leben von Revolution und Exil geprägt war. Sein Werk, das erstaunlich modern geblieben ist, erscheint neu auf Deutsch.

    Bunin entstammte einer verarmten russischen Adelsfamilie und wuchs auf dem Land auf. Nach den Revolutionen von 1917 floh er nach Frankreich ins Exil. In seinen Werken blieb er stets dem alten, vorrevolutionären Russland verpflichtet. Die Bolschewiki hasste er.

    Bunin verstand es meisterhaft, Grundfragen des Mensch-Seins zu thematisieren: Liebe, Tod, Einsamkeit, Verfall. In seinen Texten pflegte er einen ebenso lyrischen wie präzisen Stil, der menschliche Abgründe oft nicht ausspricht und nur erahnen lässt. 1933 erhielt er den Literatur-Nobelpreis.

    Buchhinweis:
    Der Dörlemann-Verlag publiziert Neuübersetzungen Bunins Werk. Zuletzt: Iwan Bunin. Leichter Atem. Verhängnisvolle Affären. Erzählungen 1916-1919. Deutsch von Dorothea Trottenberg. Dörlemann 2020.

    Erstsendung Kontext: 06.02.2018 Weitere Themen:
    - Ein zerrissenes Leben
    - «Ein Herr aus San Francisco»
    - Russland im Exil

  • Er war KZ Wachmann in Stutthof. Mit 93 Jahren wurde Bruno D. nun verurteilt. Es war vielleicht das letzte NS-Verfahren. Eine historische Schwelle. Was geschieht mit der Erinnerung an den Holocaust, wenn die Tätergeneration gestorben ist? Fragen an Aleida Assmann.

    Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann gilt als Koryphäe. Sie hat die deutsche Erinnerungskultur, die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, mit ihren Arbeiten über das kulturelle Gedächtnis entscheidend mitgeprägt. Eine hart erkämpfte Errungenschaft, die heute vielen als beispielhaft gilt. Aber auch eine Errungenschaft, die manche wieder in Frage stellen.

    Und die Errinnerungskultur befindet sich an einer historischen Schwelle: wir leben in einer Zeit, in der der Zweite Weltkrieg und der Holocaust aus der persönlichen Erfahrung der Menschen verschwindet.

    Was bedeuten diese Entwicklungen für die Erinnerung an den Holocaust? Ein Gespräch über letzte Prozesse, Gefahren und neue Chancen.

    Erstsendung Kontext: 13. Januar 2020

  • Puuttuva jakso?

    Paina tästä ja päivitä feedi.

  • Sie sind jung, politisch und sprudeln vor Ideen. Amélie Galladé (15) und David Mumenthaler (19) engagieren sich auf vielfältige Weise und treffen bei «Kontext» auf SP-Nationarätin Samira Marti und CVP-Nationalrat Simon Stadler.

    Amélie Galladé ist durch und durch politisch. Das Stimmrecht hat sie aber noch nicht und so sucht sie nach anderen Wegen um sich politisch Gehör zu verschaffen. Z.B. bei der Nationalen Kampagne «Verändere die Schweiz».

    Dort engagiert sich auch David Mumenthaler. Er ist Vorstandsmiglied der Jungfreisinnigen Basel-Stadt und Mitglied des europäischen Jugendparlaments. «Politik heisst Verantwortung zu übernehmen», so Mumenthaler.

    Bei «Kontext» sprechen die beiden mit Nationalrätin Samira Marti und Nationalrat Simon Stadler darüber, was es bedeutet, als junger Mensch in der Schweiz Politik zu machen. Ein Gespräch über Engagement, Hoffnungen und Enttäuschung.

  • Uncle Bens Reis, Fried Chicken, «Soul Food» sind Wahrzeichen der US-amerikanischen Küche. Sie erzählen aber auch von einem strukturellen Rassismus, der sich tief in den Alltag eingefressen hat.

    Die Black Lives Matter-Proteste haben in den letzten Monaten einmal mehr deutlich gemacht, wie tief der Rassismus in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelt ist. Kaum verwunderlich, dass sich diese Strukturen auch im Umgang mit Essen zeigen: Von stereotypen Lebensmittelwerbungen wie dem immer gut gelaunten Uncle Ben auf den Reispackungen über rassistische Karikaturen, die Schwarze als gierig und unkultiviert darstellen, bis hin zu traditionellen afroamerikanischen Rezepten, die Weisse für sich reklamieren.

    Die Spur führt zurück in die Plantagen der Südstaaten, wo Sklaven für die weissen Herrschaften das Getreide und Gemüse nicht nur anbauten und ernteten, sondern auch kochten und servierten. Für sich selber bereiteten sie das Essen zu, das sie an ihre westafrikanische Heimat erinnerte – und schon bald auch die Plantagenbesitzer verführte. Sie verlangten nach dem aromatischen «Soul Food», das heute ein richtiger Gourmet-Trend ist.

    Klar ist: Die US-amerikanische Küche und Kultur sind untrennbar mit der Arbeit verbunden, die Generationen von Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern geleistet haben. Weitere Themen:
    - Rassistischer Kulturkampf
    - Auf den Plantagen der Südstaaten
    - Die kulturelle Aneignung von «Soul Food»
    - Die Starköchin: Eine köstliche Geschichtslektion

  • Kunst und Diskurs: Die Solo-Performance «Age on Stage» von Ariane Andereggen – Cassavetes «Ehemänner» auf Berner Bühne – Krimi oder Entwicklungsroman? Steinfests «Chauffeur».

    Schauspielerinnen über 50 haben es schwer. Es gibt keine interessanten Rollen für sie, ihre Lebensrealität wird auf den Bühnen selten thematisiert. Die Solo-Performance «Age on Stage» von Ariane Andereggen ist eine künstlerische Anklage und Befreiung.

    Das «Trio Infernale» der drei gestandenen Theaterschaffenden Thomas U. Hostettler, Herwig Ursin und Nils Torpus feiert ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum in Form einer Hommage an das Theater. Der Autor und Regisseur Johannes Dullin verdichtet den Kosmos der Weg- und Schicksalsgenossen zu einer fiktionalen Geschichte über Freundschaft und Älterwerden.

    Ist «Der Chauffeur» ein Krimi, ein Science-Fiction-Roman, eine Beziehungsgeschichte, ein Entwicklungsroman, eine Gesellschaftssatire oder alles zusammen? Das sind Fragen, die man sich stellt, wenn man den neusten Roman des österreichischen Schriftstellers Heinrich Steinfest liest. Michael Luisier hat ihn getroffen. Weitere Themen:
    - Wo sind die Frauen jenseits der 50 auf der Bühne?
    - Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs
    - Heinrich Steinfest – «Der Chauffeur»

  • Die Leidensgeschichte der Indianer ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte Kanadas, das dieses Jahr als Gastland an der Frankfurter Buchmesse gefeiert wird. Die indigene Bevölkerung wurde jahrhundertelang kolonialisiert. Wie geht sie damit um? Und wie präsentiert sich die heutige Situation?

    Zwei Mitglieder der «First Nations» – der vom Staat anerkannten Stammesgemeinschaften – erzählen von ihren Erfahrungen. Ein siebzigjähriger Mann und eine vierzigjährige Frau. Sie sind beide traumatisiert von den sogenannten «Residential Schools», den Internaten, in denen indianische Kinder aufs Grausamste «umerzogen» und auf westliche Werte gedrillt wurden.

    Solche Erfahrungen prägen nicht nur den individuellen Menschen, sondern die kollektive Identität. Verdrängung und Perspektivenlosigkeit sind nur zwei der möglichen Folgen. Aber die Indianer kämpfen auch. Für ihre Rechte und ein stärkeres Selbstbewusstsein. Weitere Themen:
    - Unter dem Nordlicht – Indianer aus Kanada erzählen von ihrem Land
    - «Sie sagten, wir seien keine Menschen»
    - Traumatisierung und Verarbeitung: Die heutige Situation
    - «Das weite Herz des Landes»: Indigene Literatur aus Kanada

  • Korrumpiert Macht wirklich, und wenn ja, warum? Petra Morsbach geht einer anthropologischen Konstante auf den Grund. Warum haben Arbeitslose ein schlechtes Ansehen? Anna Mayr plädiert für eine Umwertung. Was ist die Schweiz? Mit der Beschreibung ihres Reliefs verschafft Herbert Bühl neue Einsichten.

    Besprochene Bücher:

    Petra Morsbach: Der Elefant im Zimmer - Über Machtmissbrauch und Widerstand (Penguin Verlag München)

    Anna Mayr: Die Elenden - Warum unsere Gesellschaft Arbeitslose verachtet und sie dennoch braucht (Hanser Verlag)

    Herbert Bühl: Das Relief der Schweiz - Bildatlas der Oberflächenformen (Haupt Verlag) Weitere Themen:
    - Machtmissbrauch und Widerstand
    - Arbeitslosigkeit neu gedeutet
    - Die Schweiz als Relief

  • Wer garantiert online oder am Zoll dass ich ich bin? Vom Reisepass mit biometrischen Daten auf Chip bis zur eigentlichen E-ID gibt es viele technische Varianten und Möglichkeiten zu evaluieren. Und mindestens ebenso viele juristische und datenschützerische Hürden zu nehmen.

    Sich ausweisen zu können, seine eigene Identität verbrieft zu haben, das ist ziemlich zentral in unserem Alltag. Wir haben Bank- und Identitätskarten, Zugangsbadges, Halbtaxabonnemente und Impfausweise. Mal elektronisch, mal auf Papier oder Karton und immer häufiger direkt im Mobiltelefon gespeichert.

    Wer unsere Identitätsmerkmale wo und warum speichert, wer offiziell garantiert, dass Ich ich bin – darum gehts im heutigen Kontext: Um die E-ID, die elektronische Identität.

    Kontext liefert eine Übersicht zu ein paar globalen Initiativen wie ID2020, welche möglichst viele mit einer eindeutigen und unverwechselbaren Identität ausrüsten möchte, oder der Known Traveler Digital Identity KTDI, die einfache und sichere Flugreisen ohne Kontrollen und Warteschlangen ermöglichen soll.

    Was sollen solche Systeme ermöglichen? Wo liegen ihre Gefahren? Und was ist mit den unzähligen online-Logins und ihrem Passwort-Salat mit denen wir täglich hantieren? Wenn eine eindeutige Digitale Identität nützlich wäre, wer soll sie ausstellen und kontrollieren? Der Staat? Oder der Markt, bzw. die Wirtschaft?

    Das schweizerische Parlament hat letztes Jahr mit guten Gründen die Einführung einer offiziellen E-ID beschlossen. Warum wurde dagegen das Referendum ergriffen? Weitere Themen:
    - Globale E-ID Initiativen – ihre Möglichkeiten und Grenzen
    - Die Schweizer E-ID ist beschlossen. Und umstritten.

  • Die US-amerikanische Lyrikerin Louise Glück hat überraschend den diesjährigen Literaturnobelpreis zugesprochen bekommen.

    Viele Namen standen auf der Favoriten-Liste – aber gewonnen hat den Literaturnobelpreis 2020 dann eine Lyrikerin, mit der niemand gerechnet hatte: Die US-Amerikanerin Louise Glück. Selbst in europäischen Literaturkreisen scheint die Dichterin wenig bekannt.
    In Kontext stellen wir die Preisträgerin und ihre Gedichte vor, analysieren die Texte und diskutieren den Jury-Entscheid.

  • Je repressiver der Staat, desto radikaler die Kunst – das gilt auch für Russland. Wir eröffnen Einblicke. Und wir lauschen den Liedtexten von Kultautor Thomas Pynchons – diese hat Christian Hänggi vertont. Dann hören wir rein in das neue Ensemblestück «Auf Distanz» von Barblina Meierhans.

    Die russische Kunstszene zeichnet sich durch Privatinitiativen, künstlerisches Engagement, Kollektive und staatliche oder städtische Institutionen aus. Und es gilt: Je repressiver der Staat, desto radikaler die Kunst. Wie reagieren russische Künstler*innen auf die Spannungen der Gegenwart? Wir tauchen ein.

    Danach tauchen wir ein in das klingende Werk von Kultautor Thomas Pynchon. Der US-amerikanische Romanautor ist ebenso Kult wie Mysterium: Er lebt zurückgezogen, gibt nie Interviews, seine Werke erscheinen unregelmässig. In seinen sperrigen Werken sind immer wieder Songtexte eingebaut. Eine Auswahl dieser Texte hat der Schweizer Amerikanist Christian Hänggi mit der US-amerikanischen Band «Visit» vertont. Die CD «Now Everybody» ist eine unterhaltsame, aber auch tiefgründige alternative Reise durch Pynchons Werk, die sowohl literarisches wie musikalisches Vergnügen bereitet.

    Und zuletzt machen wir einen Abstecher an das «Lucerne Festival». Die Schweizer Komponistin Barblina komponierte für die diesjährige Ausgabe das Stück «Auf Distanz» - ein Ensemblestück mit performativen Elementen, das auch eine Referenz an Anton Webern ist. Weitere Themen:
    - Creating Democracy – Einblicke in die Kunstszene Russlands
    - Die Liedtexte des Kultautors Thomas Pynchons vertont
    - Zwischen neuem Musiktheater und Traditionsbewusstsein

  • Die Pflegekosten für alte Menschen steigen seit Jahren, sowohl im Heim als auch zu Hause.Zusätzliche Investitionen werden nötig, innovative Vorschläge sind gefragt.

    Die Kosten für die Pflege im Alter steigen seit Jahren. In den nächsten zwanzig Jahren ist mit einer Verdoppelung der Kosten von heute 15 auf 30 Milliarden Franken zu rechnen. Deswegen, weil die geburtenstarken Jahrgänge, die nach 1945 geboren wurden, nun alt werden. «Kontext» wirft drei Schlaglichter aufs Thema Pflegekosten:

    Mit der Generation der Baby-Bommer wird die gesellschaftliche Gruppe von pflegebedürftigen Menschen grösser. Ob der Pflegebedarf gedeckt werden kann, ist nicht sicher, da seit langem ein Mangel an Pflegefachkräften vorherrscht.

    Auch zeigt sich, dass pflegebedürftige Personen im Alter vermehrt zu Hause gepflegt werden wollen. Dies führt nicht nur zu einem Ausbau der Spitex, sondern auch zu einem verstärkten Einbezug der Angehörigen. Oft bezahlen sie dafür einen hohen Preis, indem sie ihre Erwerbsarbeit reduzieren und Lohn- und Renteneinbussen hinnehmen müssen.

    Nach wie vor kommt ein grosser Teil des Personals aus dem Ausland und ist auf Kosten des Herkunftslandes ausgebildet worden. Die Schweiz müsste bedeutend mehr investieren, wenn sie die qualifizierten Fachkräfte im Inland ausbildet.

    Erstsendung: 18.11.2019 Weitere Themen:
    - Verdoppelung der Kosten innerhalb einer Generation
    - Verdeckte Kosten der Care-Arbeit

  • Sie übernehmen Verantwortung, haben medizinisches und technisches Wissen und sind nah an den Patientinnen und Patienten dran: Diplomierte Pflegefachkräfte haben einen anspruchsvollen Beruf. Wie sieht ihre Arbeit heute aus? Und warum hängt fast die Hälfte des Pflegepersonals den Beruf an den Nagel?

    Ein paar Tage im Spital wegen eines Blinddarms oder dauerhaft in einem Heim wegen Demenz. Die demographische Entwicklung zeigt, dass wir mit einer höheren Lebenserwartung auch zunehmend Pflege beanspruchen. Zugleich steigt der Kostendruck im Gesundheitswesen. Spitäler und Heime haben Mühe, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden. Auch soll Pflege immer effizienter werden. Interessensverbände sprechen von einem «drohenden Pflegenotstand».

    In «Kontext» schildern Pflegefachkräfte ihren Arbeitsalltag. Was sind die schönen Seiten dieses Berufs? Welchen Schwierigkeiten begegnen sie?
    Studiogast: Iren Bischofberger, Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin und Programmleiterin Careum Hochschule Gesundheit, Teil der Kalaidos Fachhochschule Schweiz

    Erstsendung Kontext: 15.11.2019 Weitere Themen:
    - «Ein wunderschöner Beruf. Und anstrengend.»
    - Wie sieht professionelle Pflege aus?
    - Überlastet und unterfordert: Eine Pflegefachfrau steigt aus
    - Pflege – in der Krise oder auf gutem Weg?

  • Beide haben sie Theologie studiert – Caroline Schröder Field in Bonn und Mouhanad Khorchide in Beirut: zwei kluge Köpfe, aufmüpfig und höchst interessiert an einem interreligiösen Dialog.

    Caroline Schröder Field ist die erste Frau auf der Kanzel des ehrwürdigen, protestantischen Basler Münsters, und das, obwohl sie Methodistin ist und aus Deutschland stammt.

    Mouhanad Khorchide ist Professor für islamische Religionspädagogik in Münster, sein neustes Buch handelt von den falschen Anwälten des Islams.

    Beide haben sie einen kritischen Blick auf die Auslegungen in ihren jeweiligen Religionen, beide plädieren für mehr Menschlichkeit und dazu haben sie eine Vielzahl an Fragen ans Gegenüber: wie umgehen mit der Herausforderung, wenn einem im Alltag mal die Liebe abhanden kommt, wenn doch von einem «Seelsorger» ein überdurchschnittliches Mass an Empathie erwartet wird? Und wie steht es mit dem freien Willen des Menschen, wenn er an einen Gott glauben muss?

  • Wie können die Vereinten Nationen und andere Organisationen in Krisengebieten eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden oder sonst irgendwie Schaden anzurichten? Eine zentrale Frage aus Nora Bossongs Roman «Schutzzone». Beantwortet auch von Laurent Goetschel, Direktor von «swisspeace».

    Macht sich schuldig, wer sich zur Linderung schrecklicher Zustände mit Diktatoren oder Warlords verständigen muss? Das ist die zentrale Frage in Nora Bossongs aktuellen Roman «Schutzzone», der die Geschichte einer UNO-Mitarbeiterin erzählt, deren Aufgabe es ist, Licht ins Dunkel hinter dem Genozid in Burundi von 1993 zu bringen.

    Ausgehend von diesem Roman, gehen wir mit dem Politikwissenschaftler Laurent Goetschel («swisspeace») der Frage nach, wie sinnvoll oder gefährlich der Anspruch ist, von «hier aus» Einfluss auf von Krisen betroffene Länder zu nehmen.

    Erstsendung Kontext am 02.10.2019 Weitere Themen:
    - «Schutzzone»
    - Erfolge machen kaum Schlagzeilen

  • Eine Kindheit zwischen Kreuz und Strauss im Bayern der 70er Jahre. Max Bruch, Ein-Hit-Wunder der Klassik. Ehemalige Lagerhallen auf dem Basler Dreispitz werden künstlerisch belebt. Das sind die Themen bei Künste im Gespräch.

    In 50 Jahren hat sich die Gesellschaft deutlich gewandelt. «Wie ich den Sex erfand», der Roman des Münchners Peter Probst, erzählt komisch und charmant von einer fernen, vertrauten Zeit.

    Einen Riesenhit zu haben ist für Musikerinnen und Musiker eine Hypothek: Hinter dem Gassenhauer verschwindet das übrige Werk. So erging es etwa dem Komponisten Max Bruch.

    Der Strukturwandel in der Wirtschaft eröffnet der Kunst neue Räume. Ein Beispiel ist das Basler Zollfreilager. «Freizone Dreispitz» heisst ein Audiowalk durch die allmählich umgenutzte Industrielandschaft. Weitere Themen:
    - Eine bayrische Kindheit
    - Max Bruch – ein klassisches One-Hit-Wonder?
    - Freier Blick auf die Freizone Dreispitz

  • Vor dem 1. Oktober 1920 waren Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf eigenständige Städte. Dann wurden sie eingemeindet. Buchstäblich über Nacht wurde Berlin zu einer Weltmetropole und zur drittgrössten Stadt der Welt nach London und New York.

    Die Zusammenlegung der Städte und Gemeinden trug der Tatsache Rechnung, dass durch die Industrialisierung auch die umliegenden Gemeinden rasant gewachsen waren. 1800 hatte Berlin 200.000 Einwohner, 1910 schon 2 Millionen. Berlin und sein Umland waren zu einem riesigen Ballungsraum geworden, dessen administrative Zersplitterung ein verwaltungstechnischer Albtraum war.

    Gross-Berlin kam bis heute nicht zur Ruhe: Krieg, politische Teilung der Stadt und Wiedervereinigung prägen seine Geschichte. Angesichts ungebremsten Wachstums stellt sich heute einmal mehr die Frage: wie weiter? Weitere Themen:
    - 100 Jahre Gross-Berlin – Ein Gang durch Stadt und Geschichte
    - Berlin – fit für die nächsten 100 Jahre?

  • Was fasziniert an Berlin? Warum ist es besonders? Welche Geschichte hat es und welche Geschichten sind relevant? Ausgehend von einer neuen, umfassenden Stadtgeschichte und weiteren literarischen Auseinandersetzungen mit der Grossstadt, geht Kontext diesen Fragen nach.

    Das ganze Berlin soll es sein! Von der Stadtgründung bis zum heutigen Tag. Mit seinem monumentalen Werk «Berlin – Biographie einer grossen Stadt» legt der Feuilletonredaktor und Autor Jens Bisky eine Stadtgeschichte vor, wie sie es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Dabei versucht er die Geschichte und das Wesen der Stadt möglichst umfassend darzustellen. Vom Schritt Berlins zur Residenzstadt bis zur Hauptstadt des Kaiserreiches, von den goldenen Zwanzigerjahren bis zur Vernichtung durch die Nazis und den Krieg, von der Teilung der Stadt bis zu ihrem erneuten Zusammenwachsen nach 1989.

    Ähnliches versucht Irina Liebmann auf andere Weise. Auch sie trägt Schicht um Schicht Berliner Stadtgeschichte ab, auch sie interessiert sich für das Wesen und die Geschichten dieser Stadt. Nur hat sie nicht das Ganze im Blick, sondern ihren Bezirk: Mitte. Und dort eine ganz bestimmte Strasse, deren Geheimnis sie seit bald vierzig Jahren zu lüften versucht: Die Grosse Hamburger Strasse.

    Einmal in die Breite, einmal in die Tiefe und dann noch einen weiblichen Blick auf die goldenen Zwanzigerjahre. Das ist Kontext zu Berlin auf SRF2 Kultur.

    Buchhinweise:
    Jens Bisky: Berlin – Biographie einer grossen Stadt. Rowohlt Berlin
    Irina Liebmann: Die Grosse Hamburger Strasse. Schöffling & Co
    Unda Hörner: 1929 – Frauen im Jahr Babylon. Ebersbach & Simon Weitere Themen:
    - Berlin – Biographie einer grossen Stadt
    - Die Grosse Hamburger Strasse
    - 1929 – Frauen im Jahr Babylon

  • Die Skulptur hats schwer. Sie macht es ihren BetrachterInnen nicht gerade einfach und wird darum gerne zielstrebig umgangen. Wer trotzdem stehen bleibt, erfährt Wesentliches am eigenen Leib: den Raum, Körper und sich selbst. Wie und warum? Mehr dazu in Kontext.

    Hans Josephsohn galt als Monolith der Schweizer Kunstszene. Da machte einer sein Ding, auch wenn das lange kaum einen interessierte. Erst spät wurde der 1920 in Königsberg geborene und 2012 in Zürich gestorbene Bildhauer als Künstler gewürdigt.

    Sein Leben und Werk sind Thema für Kontext und zu Josephsohns 100. Geburtstag sind seine grossen und rauen Skulpturen in zwei neuen Ausstellungen zu sehen. Weitere Themen:
    - Menschliche Wesen
    - Gespräch mit einem Wortkargen

  • Die Schweizer Theaterlandschaft hat auch jenseits der urbanen Zentren viel zu bieten. Welchen Herausforderungen begegnen die Theaterschaffenden in Winterthur, Aarau oder Chur? Erwartet das Publikum in ländlichen Gebieten etwas anderes als in den Metropolen?

    Wovon reden wir eigentlich, wenn wir von «Peripherie» und «Provinz» sprechen? Und weshalb haftet diesen Begriffen oft ein etwas abschätziger Ton an? Ein Vorurteil, das sich zumindest mit Blick auf die Theater schnell als falsch herausstellt. Das Schweizer Theater der Peripherie steht vielmehr für Vielfalt und kulturelle Teilhabe.

    Da ist zum Beispiel das «Theater Kanton Zürich»: es bespielt als Wandertheater seit 50 Jahren die Gemeinden des Kantons mit professionellen Schauspielproduktionen. Oder die neu gegründete «Bühne Aarau»: ein Mehrspartenhaus, das vom zeitgenössischen Zirkus über klassischem Theater bis zu lokalen Koproduktionen eine breite Programmpalette anbietet.

    Der Bündner Roman Weishaupt startet derweil seine erste Spielzeit am «Theater Chur» mit der Eigenproduktion «La Müdada», die dem Wandel in einem Engadiner Dorf nachgeht. Wie spiegelt sich das Globale im Lokalen? Weitere Themen:
    - Heute hier, morgen dort: Theater für die Region
    - «Im Vergleich zu den Metropolen arbeiten wir in die Breite»
    - Das Lokale mit dem Universellen verbinden

  • Kompromisslos und eiskalt. So schreibt Szczepan Twardoch, der Star der polnischen Literatur, über die Nazizeit in Warschau, die deutsche Besatzung, das Ghetto und den Aufstand. «Das schwarze Königreich» heisst der neue Roman. Er erzählt darin von Liebe, Verrat und polnischem Antisemitismus.

    Winter 1944 in Warschau. Das Ghetto ist zerstört. Die jüdischen Bewohner sind in die Konzentrationslager abtransportiert worden. Nur da und dort huschen Überlebende – Schatten gleich – durch die Ruinen. Sie trauen sich nur nachts aus ihrem Versteck, auf der Suche nach Nahrung. Eine davon ist Ryfka, die Geliebte des jüdischen Gangsters Saphiro. In der apokalyptischen Trümmerwelt versucht sie sich und ihren Geliebten durchzubringen und scheut auch vor Gewalt nicht zurück. In Rückblenden und am Beispiel einer Familie schildert Twardoch, was sich in Polen während der Nazi-Besatzung abspielt. Im Zentrum steht die Figur aus seinem Bestsellerroman «Der Boxer». Eine Geschichte von Hunger, Kälte, Gewalt und Verrat. Aber auch von Liebe und dem Kampf ums Überleben.

    Weitere Titel in der Sendung: «Es wird wieder Tag» von Minka Pradelski. Auch dieser Roman spielt in der Nazizeit in Polen. Pradelski erzählt die Geschichte einer jungen Jüdin, die den Holocaust knapp überlebt. Sie ist traumatisiert und kann das Erlebte nur verarbeiten, indem sie das Böse zu Papier bringt.

    Von der geheimnisvollen Vergangenheit einer Mutter handelt der dritte Roman, «Das Leben ist ein wilder Garten» des Westschweizer Autors Roland Buti. Auch er führt zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, in ein Grandhotel in den Schweizer Bergen. Es diskutieren Sieglinde Geisel, Julian Schütt und Esther Schneider.

    Gäste: Julian Schütt, Sieglinde Geisel


    Buchhinweise:
    - Szczepan Twardoch. Das schwarze Königreich. Rowohlt Berlin, 2020
    - Minka Pradelski. Es wird wieder Tag. Frankfurter Verlagsanstalt, 2020
    - Roland Buti. Das Leben ist ein wilder Garten. Zsolnay, 2020 Weitere Themen:
    - Das schwarze Königreich von Szczepan Twardoch
    - Es wird wieder Tag von Minka Pradelski
    - Das Leben ist ein wilder Garten von Roland Buti