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Sie hat ein Leben geführt, das wie ein russischer Roman klingt: Behütet
aufgewachsen in einer adligen Offiziersfamilie der Zarenzeit, hat die
junge Marianne von Werefkin selbst im Sommerhaus der Familie ein eigenes
Ateliergebäude. Sie ist so begabt, dass sie der berühmteste Maler der
Zeit, Ilja Repin, unter seine Fittiche nimmt. Sie wird schnell so gut
und berühmt, dass man vom »russischen Rembrandt« spricht. Aber dann
lernt sie im Atelier ihres Lehrers den jungen Maler Alexej von Jawlensky
kennen – und ihr ganzes Leben verändert sich.
Sie liebt ihn – und fördert ihn dermaßen, dass sie selbst für ein
Jahrzehnt ihr eigenes Malen einstellt. Schließlich zieht es die beiden
um 1900 nach München, gemeinsam mit Mariannes Dienstmädchen Helene.
Wenig später bekommt Helene ein Kind von Jawlensky – aber sie leben bis
zum Ersten Weltkrieg in dieser unglücklichen Dreiecksbeziehung zusammen.
Vor allem aber werden sie Teil des Blauen Reiters. Genau wie bei einem
anderen berühmten Paar, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, steht
auch hier die Frau sehr lange im Schatten des Mannes. Heute aber werden
ihre traumverlorenen Landschaften der Einsamkeit, ihre kühnen
Farbsetzungen und ihre malerischen Formulierungen von auswegloser
Sehnsucht immer mehr gefeiert – ab Oktober zum Beispiel in einer
großartigen Ausstellung, die im Museum Wiesbaden erstmals die Werke
aller »Blauen Reiterinnen« zeigen wird.
Von all dem erzählen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in der
neuesten Folge des Podcasts Augen zu.
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Er begann seine Karriere mit einer unerhörten Aktion: Er reiste zu allen
Schlachtfeldern Europas aus dem Zweiten Weltkrieg, wo das deutsche Wesen
Vernichtung hinterlassen hatte, und posierte genau dort für Fotografien
mit dem Hitlergruß. Er wollte, wie er später sagte, noch einmal die
Verführbarkeit der Vorgängergeneration durch den eigenen Körper
hindurchgehen lassen. Seit diesen ersten »Besetzungen«, wie er das Werk
von 1969 nannte, hat Anselm Kiefer dieses Thema nicht mehr losgelassen.
Kein Wunder bei jemandem, der in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945
geboren wurde – und zwar genau an der deutsch-französischen Grenze. Der
Epochenbruch dieses Zweiten Weltkrieges durchzieht von Anfang das Œuvre
Kiefers, das nicht nur durch seine schiere Anzahl, sondern auch durch
seine Dimensionen monumental ist.
Mit Gerhard Richter und dem gerade verstorbenen Georg Baselitz ist
Kiefer der berühmteste deutsche Künstler der Gegenwart – aber zugleich
sind es meist die großen Museen im Ausland, die ihm die wichtigsten
Ausstellungen einrichten. Warum ist das so? Das fragen Florian Illies
und Giovanni di Lorenzo in der neuesten Folge des Podcasts »Augen zu«.
Er überzieht seine Werke mit alten alchemistischen Materialien wie Blei
und reichert sie an mit Stroh und Worten aus den Untiefen der
Geschichte. Aber selbst die größten Hinweise auf deutsche Schuld auf
seinen Bildern geschehen in der unschuldigen Kinderschrift, die
charakteristisch für Kiefers Werk geworden ist. »Augen zu« erzählt die
Lebensgeschichte Kiefers und die seines Werkes und fragt, warum er
glaubt, mit der Monumentalität seiner Kunst auf die Monumentalität der
deutschen Geschichte antworten zu müssen.
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Erstmals sprechen Giovanni di Lorenzo und Florian Illies in »Augen zu«,
dem Kunstpodcast der ZEIT, über einen Architekten und Bildhauer: Der
große Barockkünstler Gian Lorenzo Bernini hat den Petersdom
durchgestaltet, die Skulptur neu belebt – und zugleich den vielleicht
schönsten Brunnen Roms geschaffen. Die markantesten Punkte der
italienischen Hauptstadt tragen die Handschrift dieses wilden Genies.
Er lebte von 1598 bis 1680 und arbeitete in dieser Zeit gleich für acht
verschiedene Päpste. Vor allem die Aufträge von Papst Urban VIII.
machten ihn weltberühmt. Doch seine Kunst war so bezwingend, seine
Fähigkeit, Marmor lebendig zu erscheinen und Kirchenräume neu zu
gestalten, dass auch dessen Nachfolger nicht um Berninis Werke
herumkamen.
Als Person war er offenbar furchtbar: hochnäsig, gefallsüchtig,
cholerisch. Als ihn seine Geliebte mit seinem Bruder betrog, ließ er ihr
das Gesicht zerschneiden. Daraufhin ging seine eigene Mutter zum Papst
und bat ihn, ihren Sohn in seinem genialischen Wahn zu mäßigen. Ihr
Sohn, so klagte sie, halte sich wohl für Gott. Aber selbst das
beeindruckte Gottes Stellvertreter auf Erden nicht – und er beauftragte
Bernini gleich mit dem nächsten Umbau des Petersdoms.
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