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Wenn am Wochenende Hunderttausende Menschen das Donauinselfest besuchen, denken viele Allergiker vor allem an Gräserpollen. Tatsächlich gilt die Donauinsel während der Pollensaison als Hotspot. Doch Experten der MedUni Wien weisen auf einen weiteren Auslöser hin: den Götterbaum. Der invasive Neophyt breitet sich in Wien aus und produziert allergene Pollen, die bislang oft übersehen werden.
Anders als klassische Allergieauslöser wie Birke oder Gräser wird der Götterbaum vor allem von Insekten bestäubt. Seine Pollen können nach dem Austrocknen jedoch auch vom Wind verbreitet werden. Deshalb bleibt die Pflanze als Ursache allergischer Beschwerden häufig unerkannt.
Besonders problematisch ist die Blütezeit Ende Juni und Anfang Juli. Sie überschneidet sich mit der Gräserpollensaison. Viele Betroffene schreiben ihre Symptome daher ausschließlich den Gräsern zu. Studien zeigen jedoch, dass ein erheblicher Teil der Gräserpollen-Allergiker zusätzlich auf den Götterbaum sensibilisiert ist.
Der Klimawandel dürfte diese Entwicklung verstärken. Der Götterbaum liebt Hitze, Trockenheit und urbane Standorte. Gleichzeitig können hohe Temperaturen und Luftverschmutzung die Allergenität seiner Pollen erhöhen.
Für Besucher des Donauinselfests, vom 3. bis 5. Juli 2024, bedeutet das: Wer trotz nachlassender Gräserpollensaison unter tränenden Augen, Niesreiz oder Atembeschwerden leidet, sollte auch den Götterbaum als möglichen Auslöser in Betracht ziehen. Fachleute empfehlen, das noch wenig bekannte Allergen künftig stärker in der Diagnostik zu berücksichtigen.
Der Pollenservice Wien der MedUni Wien ist offizieller Kooperationspartner des Donauinselfestes. Dementsprechend gibt es auf Social Media ebenso eine Zusammenarbeit. -
Ein paar Tropfen Blut aus der Ferse eines Neugeborenen können heute den entscheidenden Unterschied machen. Das österreichische Neugeborenen-Screening erkennt schwere angeborene Erkrankungen, bevor erste Symptome auftreten. 1966 begann die MedUni Wien mit der Untersuchung auf eine einzige Stoffwechselerkrankung. Heute zählt das Programm zu den fortschrittlichsten Screening-Programmen Europas.
Jährlich untersucht Österreich rund 90.000 Neugeborene. Bei mehr als 100 Kindern entdecken Ärzte dabei Erkrankungen, die ohne Früherkennung erst viel später auffallen würden – mit gravierenden Folgen. „Frühdiagnose führt zu Frühbehandlung – und eine frühe Behandlung ist üblicherweise die beste Behandlung“, erklären Dr. Vasiliki Konstantopoulou und Privatdozent Dr. Maximilian Zeyda aus dem Neugeborenen-Screening-Zentrum der MedUni Wien.
Das Ziel ist Prävention: Krankheiten sollen erkannt und behandelt werden, bevor sie Schaden anrichten. Besonders deutlich zeigt sich das bei der spinalen Muskelatrophie (SMA). Diese Erkrankung galt früher als schwerwiegend und oft lebensverkürzend. Durch frühe Diagnose und moderne Therapien, darunter Gentherapien, haben betroffene Kinder heute deutlich bessere Chancen auf eine nahezu normale Entwicklung.
Medizinische und technologische Meilensteine prägten den Weg dorthin. Die Einführung der Tandem-Massenspektrometrie Anfang der 2000er-Jahre ermöglichte es, mit einer einzigen Blutprobe zahlreiche Stoffwechselerkrankungen gleichzeitig zu erkennen. Heute umfasst das Screening in Österreich rund 30 Erkrankungen, darunter auch SMA und primäre Immundefekte.
Hinter jedem auffälligen Befund stehen Familien, die schnell Unterstützung brauchen. Bei einem Verdacht übernehmen spezialisierte Teams die Betreuung: Kinderärzte, Stoffwechselmediziner, Neuropädiater, Psychologen und weitere Experten arbeiten zusammen, um rasch Klarheit zu schaffen und – wenn nötig – sofort mit einer Therapie zu beginnen.
Österreich gilt international als Vorreiter. Ein entscheidender Faktor ist laut den Experten die enge Verbindung von Forschung, Klinik und Labor an der MedUni Wien. Rund 99,5 Prozent der Familien nehmen das Angebot wahr. Damit erreicht das Screening nahezu jedes in Österreich geborene Kind.
Die Entwicklung geht weiter. Neue Therapien, insbesondere Gentherapien, eröffnen Möglichkeiten für Erkrankungen, die bislang schwer oder erst spät erkannt wurden. Als mögliche nächste Erweiterung stehen unter anderem lysosomale Speicherkrankheiten im Fokus. Gleichzeitig bleibt der Umgang mit neuen genetischen Möglichkeiten eine ethische Herausforderung: Ein umfassendes Genom-Screening bei allen Neugeborenen ist derzeit noch Zukunftsmusik.
Die Vision für die kommenden Jahre ist klar: Das Screening soll dort erweitert werden, wo medizinischer Nutzen, technische Möglichkeiten und ethische Fragen eindeutig geklärt sind. Entscheidend bleiben dabei Ressourcen und die Orientierung an einem Grundsatz: Jedes Kind zählt.
Die Botschaft der Experten an Eltern ist eindeutig: Das Neugeborenen-Screening ist sicher, unkompliziert und kann entscheidend dazu beitragen, Kindern einen gesünderen Start ins Leben zu ermöglichen. Was vor 60 Jahren mit einem einfachen Bluttest begann, ist heute ein Beispiel dafür, wie moderne Medizin durch Prävention Leben verändern kann. -
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Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich über Jahre unbemerkt. Besonders Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und Rauchen belasten das Herz langfristig. Kardiologe Prof. Dr. Andreas Zirlik von der MedUni Graz betont, dass Prävention der beste Schutz ist: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung können das Risiko deutlich senken. Bereits 30 Minuten körperliche Aktivität an vier bis sechs Tagen pro Woche wirken positiv auf die Herzgesundheit. Wichtig ist zudem, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, da sie oft lange keine Beschwerden verursachen. Herzgesundheit beginnt nicht in der Klinik, sondern im Alltag.
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Die meisten Menschen denken erst dann an ihre Halsschlagader, wenn etwas passiert ist. Dabei kann gerade dieses Gefäß früh zeigen, wie gesund das gesamte Gefäßsystem noch ist. Fachleute sprechen deshalb von einem „Fenster zum Gehirn“: Mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung lassen sich Veränderungen erkennen, lange bevor Beschwerden auftreten.
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Junge Frauen suchen heute auf TikTok, Instagram und Google nach Antworten zu Körper, Verhütung und Sexualität. Fehlinformationen und schlechte Erfahrungen bei Arztbesuchen verunsichern sie jedoch häufig. Die niederösterreichische Gynäkologin Kehinde Wewe klärt deshalb über einen Podcast und Social Media evidenzbasiert auf. Sie vermittelt die Informationen verständlich, modern und lebensnah.
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Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt für die Spieler lange vor dem Anpfiff. Reisen, Zeitverschiebung und Klima bringen den Körper aus dem Takt. Herzfrequenz und Stresshormone steigen, der Schlaf leidet. Der sogenannte „Turnierkörper“ beschreibt diesen Zustand: Selbst Top-Athleten bleiben zunächst unter ihrem Niveau. Erst nach zehn bis vierzehn Tagen stellt sich Gleichgewicht ein – wer das unterschätzt, verliert Leistung.
Hitze wirkt dabei komplex. Nicht nur Temperatur, auch Luftfeuchtigkeit und Sonne belasten den Kreislauf. Der Körper kühlt, verliert Flüssigkeit – die Folgen sind schwere Beine, langsame Sprints, ungenaue Pässe. Erst mit gelungener Akklimatisierung kommt Tempo ins Spiel.
Am Spielfeldrand zählt Präzision. Teamärzte erkennen Verletzungen oft aus der Distanz, handeln schnell und gezielt. Minuten entscheiden, ob ein Spieler weitermachen kann.
Auch Ernährung ist Strategie. Alles ist geplant: Kohlenhydrate für Energie, Proteine für Muskeln, Fette gegen Entzündungen. Problematisch ist oft der Darm, der auf Reise und Stress sensibel reagiert. Deshalb setzen Teams auf vertraute Lebensmittel – „Food first“, Supplements nur ergänzend.
Einfach, aber entscheidend ist die Hydration. Die Urinfarbe zeigt den Zustand: hell gut, dunkel kritisch. Trinkpausen sind daher Schutz, nicht Luxus.
Neben dem Körper spielt der Kopf eine große Rolle. Druck, Erwartungen und Schlafprobleme beeinflussen die Leistung. Vertrauen im Team hilft – mentale Stärke entscheidet oft mit. Favoriten kämpfen mit Druck, Außenseiter mit Unsicherheit.
Langfristig zeigt sich: Fußball kann das Leben verlängern, birgt aber Risiken wie Gelenkschäden oder Demenz durch Kopfbelastung.
Für den Alltag bleibt: Bewegung, Krafttraining, Schlaf, gute Ernährung, wenig Alkohol und stabile soziale Kontakte verlängern vor allem die gesunden Jahre.
Fazit: Die WM wird im Körper entschieden. Anpassung zählt oft mehr als Talent. -
Das Interview mit dem Grazer Infektiologen Robert Krause beleuchtet die oft unterschätzte Gefahr von Hantavirus-Infektionen. Diese Infektionen werden vor allem durch aufgewirbelten Staub mit kontaminiertem Nagetierkot übertragen. Ein Fallbeispiel eines Landwirts zeigt, wie schnell eine alltägliche Tätigkeit zum Gesundheitsrisiko werden kann. Besonders im Frühling steigt die Gefahr, da trockene Bedingungen die Verbreitung virushaltiger Partikel begünstigen.
Krause erklärt, dass die in Österreich vorkommende Virusvariante meist nicht tödlich ist, aber dennoch schwere Krankheitsverläufe verursachen kann. „Der Staub war kontaminiert mit dem Kot einer Mausart“, betont er und verweist auf die Rötelmaus als Hauptüberträger. Typische Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu Nierenproblemen.
Wichtig sei daher Prävention. Schutzmaßnahmen wie das Befeuchten staubiger Flächen und das Tragen von Masken können das Infektionsrisiko deutlich reduzieren. -
Schwangerschaftsdiabetes betrifft in Österreich etwa jede zehnte werdende Mutter. Die Diagnose trifft oft unerwartet – und doch fällt sie in eine kritische Phase. Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wird die Grundlage für die Gesundheit des Kindes gelegt, nicht nur für die Geburt, sondern oft für viele Jahre danach.
„Ein erhöhter Blutzucker der Mutter gelangt direkt zum Kind“, erläutert Prof. Christian Göbl von der MedUni Wien. Das ungeborene Kind reagiert darauf mit einer verstärkten Insulinproduktion, wächst schneller als gewöhnlich und hat dadurch ein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen wie Schulterdystokie oder Unterzuckerung nach der Geburt.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind ein höheres mütterliches Alter, genetische Veranlagung und vor allem Übergewicht zu Beginn der Schwangerschaft. Doch Gestationsdiabetes ist in vielen Fällen gut behandelbar. Etwa zwei Drittel der Betroffenen können ihre Blutzuckerwerte allein durch gezielte Ernährungsanpassungen und Bewegung stabilisieren. Medikamente sind oft nicht erforderlich.
Ein bedeutender Fortschritt liegt in der Individualisierung der Betreuung. Göbls Forschung zeigt: Schwangerschaftsdiabetes ist keine einheitliche Erkrankung. Anhand einfacher klinischer Daten lassen sich unterschiedliche Verlaufsformen erkennen – mit jeweils unterschiedlichen Risiken und Therapiebedarfen.
Zusätzlich revolutioniert die kontinuierliche Glukosemessung die Versorgung. Statt einzelner Stichmessungen sehen Frauen ihre Werte rund um die Uhr. Das schafft Verständnis, Sicherheit und die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern. Schwangerschaftsdiabetes ist damit kein unabwendbares Schicksal mehr, sondern eine gut steuerbare Herausforderung – vorausgesetzt, er wird früh erkannt und ernst genommen. -
Die Hörgang Episode 402 führt in die faszinierende Welt der Wiener Medizin um 1900 und beleuchtet Persönlichkeiten, deren Geschichten oft im Schatten ihrer wissenschaftlichen Leistungen stehen. Ausgangspunkt ist ein berühmtes Zitat von Johann Schnitzler: Ein Schnupfen dauert unbehandelt sieben Tage – behandelt eine Woche. Humorvoll und bis heute aktuell, zeigt es, wie zeitlos medizinische Beobachtungen sein können.
Im Gespräch mit Genealogen Georg Gaugusch werden fünf Ärzte näher betrachtet, darunter Josef Halban, Leopold Wittelshöfer und Robert Bárány. Dabei wird deutlich, wie eng Medizin, Gesellschaft und Politik miteinander verwoben waren. Viele dieser Mediziner stammten aus weit verzweigten Familiennetzwerken der Donaumonarchie, die Bildung und Aufstieg ermöglichten.
Gleichzeitig offenbaren sich gesellschaftliche Spannungen: Antisemitismus, bürokratische Hürden und Konkurrenzkämpfe prägten Karrieren. Trotz herausragender Leistungen wurden viele benachteiligt oder zur Emigration gezwungen. Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie Wien einst ein Zentrum medizinischer Innovation war – und wie politische Entwicklungen diesen Reichtum gefährdeten.
Ein hörenswerter Beitrag über Wissenschaft, Geschichte und die Menschen dahinter. -
In dieser Podcast-Episode erklärt die Evolutionsbiologin Dr. Barbara Fischer die spannende Herausforderung der menschlichen Geburt: das Verhältnis von Kopfgröße Neugeborener zum mütterlichen Becken. Obwohl die Evolution erstaunliche Anpassungen hervorgebracht hat, ist der menschliche Geburtsprozess ein Kompromiss – kein perfektes Design. Neugeborene kommen mit flexiblen Schädelplatten zur Welt, die sich bei der Passage durch den Geburtskanal leicht komprimieren lassen, während das mütterliche Becken durch Gelenke minimal erweiterbar ist.
Dr. Fischer erläutert, dass größere Köpfe evolutionär Vorteile für kognitive Fähigkeiten bringen, aber zu groß für den Geburtskanal werden können, was früher die Überlebenschancen reduzierte. Moderne Geburtshilfe, insbesondere Kaiserschnitte, ermöglicht es heute, diesen evolutionären Engpass zu überwinden. Gleichzeitig sind die Beckendimensionen ein Kompromiss zwischen Geburtsfähigkeit und Stabilität für den aufrechten Gang sowie für den Beckenboden, der für die Organfunktion entscheidend ist.
Die Expertin betont auch, dass äußere Schönheitsideale oder Körpergröße nur bedingt Rückschlüsse auf die inneren Beckendurchmesser zulassen. Evolutionäre Selektionsdrücke haben über Jahrtausende ein Gleichgewicht geschaffen, das teilweise durch medizinische Eingriffe ergänzt wird. Die Mobilität des Beckens und gezielte Übungen können den Geburtsprozess unterstützen, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit von sicheren medizinischen Eingriffen, wenn die Natur an ihre Grenzen stößt. -
Die Zukunft der klinischen Forschung in Österreich nimmt zunehmend konkrete Formen an. Moderne Forschungszentren, die derzeit an der MedUni Wien entstehen, sollen den Weg von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur praktischen Anwendung deutlich verkürzen. Ziel ist es, neue Therapien schneller, sicherer und individueller zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Das sagt Prof. Dr. Markus Zeitlinger, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, im Gespräch mit Springer-Podcast-Chef Martin Krenek-Burger.
Ein wesentlicher Fortschritt liegt demnach in der engeren Verzahnung von Forschung und Klinik. Früher fanden Studien oft isoliert statt. Neue Strukturen ermöglichen nun eine direkte Integration in den medizinischen Alltag. Patientinnen und Patienten können dadurch frühzeitig von innovativen Behandlungsmethoden profitieren, oft lange bevor diese zum allgemeinen Standard werden.
Besonders wichtig sind dabei die Phase-1- und Phase-2-Forschung. In diesen Phasen testen Forscher neue Medikamente erstmals am Menschen und überprüfen ihre Wirksamkeit. Dank moderner Technologien, wie bildgebender Verfahren und molekularer Analysen, lassen sich Therapien heute präziser an individuelle Bedürfnisse anpassen.
Vertrauen bleibt ein entscheidender Faktor. Klinische Studien unterliegen strengen ethischen und rechtlichen Vorgaben. Transparenz, Aufklärung und die aktive Einbindung der Patientinnen und Patienten sind unerlässlich, um Vorbehalte abzubauen.
Die Lehre aus der Vergangenheit ist klar: Fortschritt in der Medizin entsteht durch Forschung. Je effizienter diese organisiert ist, desto schneller profitieren alle davon. Die Medizin von morgen beginnt daher schon heute. -
Die Krebsmedizin steht vor einem Wendepunkt: Die Liquid Biopsy könnte Tumore früher erkennen als bisherige Methoden. Besonders bei aggressiven Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte dies entscheidend sein.
Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tückischsten Krebsarten. Der Tumor wächst oft unbemerkt, zeigt kaum Symptome und wird meist spät entdeckt. Dann ist Heilung oft nicht mehr möglich, was die Überlebensrate senkt.
Ein weiteres Problem ist die Biologie des Tumors. Er bildet früh Metastasen und schafft ein Umfeld, das das Immunsystem hemmt und Therapien erschwert.
Hier greift die Liquid Biopsy. Statt Gewebeproben analysiert man Blutproben, um Tumorspuren wie zirkulierende Tumor-DNA oder Krebszellen zu finden.
Der große Vorteil:
- Nicht-invasiv (keine Operation nötig)
- Wiederholbar (Verlaufskontrolle möglich)
- Ganzheitlicher Blick auf den Tumor
Diese Methode könnte nicht nur bei der Diagnose helfen, sondern auch Therapien individueller gestalten und deren Erfolg überwachen.
Trotz der vielversprechenden Technologie gibt es Hürden. Für den Einsatz als Screening-Test bei Gesunden muss sie extrem zuverlässig sein.
Ein zentrales Problem:
- Falsch-positive Ergebnisse könnten unnötige Angst und belastende Untersuchungen auslösen
- Kleinste Tumorsignale müssen sicher erkannt werden
Gerade bei seltenen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs ist das Verhältnis von Nutzen und Aufwand kritisch.
Derzeit arbeitet man intensiv an Multi-Cancer-Tests, die mehrere Krebsarten gleichzeitig erkennen sollen. Erste Studien zeigen, dass sogar frühe Tumorstadien detektierbar sind, doch es besteht noch Verbesserungsbedarf bei Genauigkeit und Sensitivität.
Ein vielversprechender Ansatz ist die Kombination von Liquid Biopsy mit künstlicher Intelligenz. Durch die Analyse komplexer Datenmuster könnten Tumorsignale präziser identifiziert werden.
Die Liquid Biopsy könnte die Krebsdiagnostik revolutionieren. Vor allem bei schwer erkennbaren Tumoren wie Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte sie Leben retten.
Bis zur breiten Anwendung im Gesundheitssystem wird es jedoch noch Jahre dauern. Entscheidend wird sein, dass die Tests nicht nur technisch funktionieren, sondern auch die Überlebenschancen nachweislich verbessern.
Die Vision bleibt klar: Ein einfacher Bluttest als Teil der Vorsorgeuntersuchung – und Krebs wird erkannt, bevor er zur Gefahr wird. -
Gustav Klimt, bekannt als Maler des Goldes und der Sinnlichkeit, zeigt sich in einer neuen Sonder-Ausstellung im Wiener Josephinum von einer anderen Seite: als präziser Beobachter der Medizin. Die Schau verdeutlicht die enge Verbindung von Kunst und Wissenschaft um 1900.
Klimt studierte Anatomie, schaute durch Mikroskope und ließ sich von Zellen, Gewebe und Körperformen inspirieren. Was er sah, verwandelte er in Kunst. Seine Werke erzählen nicht nur von Schönheit, sondern auch von Vergänglichkeit. Geburt, Krankheit und Tod stehen gleichberechtigt nebeneinander.
Gerade das machte ihn zum Skandal. Sein Fakultätsbild „Medizin“ widersprach den Erwartungen. Statt Fortschritt zeigte er die Zerbrechlichkeit des Menschen. Auftraggeber waren irritiert, das Werk wurde abgelehnt. Heute wirkt dieser Blick modern.
Die Ausstellung ordnet Klimt in seine Zeit ein: Wien als „Labor der Moderne“, in dem Ärzte, Künstler und Denker im Austausch standen. Anatomie war nicht nur Wissenschaft, sondern auch Quelle der Ästhetik. Das Josephinum, selbst ein Ort medizinischer Geschichte, wird so zum idealen Schauplatz.
Die Botschaft ist klar: Klimt war mehr als ein Maler schöner Oberflächen. Er zeigte das ganze Leben – in seiner Härte und seiner Wahrheit.
Die Ausstellung ordnet Klimt in seine Zeit ein: Wien als „Labor der Moderne“, in dem Ärzte, Künstler und Denker im Austausch standen. Anatomie war nicht nur Wissenschaft, sondern auch Quelle der Ästhetik. Das Josephinum, selbst ein Ort medizinischer Geschichte, wird so zum idealen Schauplatz.
Das Interview mit der Direktorin der Sammlungen der MedUni Wien, Dr. Christiane Druml, führt Martin Krenek-Burger.
Die Botschaft ist klar: Klimt war mehr als ein Maler schöner Oberflächen. Er zeigte das ganze Leben – in seiner Härte und seiner Wahrheit. -
Chronische Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Österreich. Rund ein Viertel der Bevölkerung leidet darunter. In vielen Fällen ließe sich die Chronifizierung vermeiden. Der „Tag des Rückenschmerzes“ am 15. März soll darauf aufmerksam machen. Frühe Information, Bewegung und eine rasche Rückkehr in den Alltag sind entscheidend.
Trotz bestehender Leitlinien und Qualitätsstandards setzen viele dieses Wissen nicht um. Viele Patientinnen und Patienten schonen sich unnötig, obwohl gerade Aktivität langfristig Schmerzen reduziert. Ein zentrales Ziel ist es, Betroffene frühzeitig richtig zu informieren und zu begleiten.
Ein dreistufiges Versorgungskonzept soll künftig sicherstellen, dass akute, ungefährliche Rückenschmerzen rasch erkannt und effektiv behandelt werden. So könnten bis zu 80 % der Fälle vor einer Chronifizierung bewahrt werden. Dies wäre ein Gewinn für die Lebensqualität der Betroffenen und für das Gesundheitssystem insgesamt. -
Die Niere arbeitet leise – wir beachten sie oft zu spät. Laut MedUni Graz zählen chronische Nierenerkrankungen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Erwachsenenalter. Über zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Prof. Kathrin Eller und Prof. Alexander Kirsch betonen, dass Früherkennung entscheidend ist. Besonders bei Diabetes oder Bluthochdruck ist die Albumin-Kreatinin-Ratio im Harn wichtig – ein Urintest, der Eiweißverluste misst. Neue Medikamente können den Krankheitsverlauf bremsen und eine Dialyse hinauszögern. Der Aktionstag World Kidney Day erinnert daran, Nierenwerte regelmäßig zu prüfen. Aufklären, gezielt testen, früh behandeln – das rettet Lebenszeit und entlastet das Gesundheitssystem. Der Podcast von Springer Medizin bietet dazu verständliche Einblicke.
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Die USA ziehen sich aus der humanitären Hilfe zurück – und die Folgen sind dramatisch. Der Ausstieg aus der WHO und massive Kürzungen der US-Entwicklungshilfe reißen weltweit gefährliche Lücken. Impfprogramme stoppen. Medikamente fehlen. Geburtshilfe wird unbezahlbar. Besonders betroffen sind Kinder, Schwangere und Menschen in Krisenregionen.
Im Hörgang spricht Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen, über ein globales Hilfssystem am Limit. Warum private Organisationen staatliche Ausfälle nicht kompensieren können. Weshalb Konflikte, Flucht und Krankheiten zunehmen. Und was passiert, wenn Hilfe plötzlich Geld kostet – wie aktuell in der Demokratischen Republik Kongo.
Ein Gespräch über politische Entscheidungen mit tödlichen Nebenwirkungen. Und über die Frage, wie viel Solidarität die Welt noch aufbringt. -
Seltene Erkrankungen gelten als Randthema. Das ist ein Irrtum. Zusammengenommen betreffen sie hunderttausende Menschen. Sie bleiben unsichtbar, weil sie schwer zu erkennen sind, weil sie einzeln auftreten und weil sie nicht ins gewohnte Raster passen.
Für Betroffene ist der Weg oft lang. Symptome sind diffus. Therapien greifen nicht. Erst eine klare Diagnose bringt Orientierung. Sie gibt der Krankheit einen Namen – und den Familien eine Perspektive. Noch wichtiger ist die frühe Diagnose. Beim Neugeborenen-Screening zeigt sich, was Medizin leisten kann: Erkrankungen werden entdeckt, bevor sie Schaden anrichten. Rechtzeitig behandelt, entwickeln sich Kinder oft völlig normal.
In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. Neue Medikamente greifen gezielt ein: in Stoffwechselprozesse, in Zellstrukturen, sogar in genetische Abläufe. Doch noch immer gibt es nur für einen kleinen Teil der bekannten seltenen Erkrankungen wirksame Therapien. Fortschritt braucht Geduld, Forschung und Daten.
Entscheidend sind spezialisierte Zentren. Niemand kann 8.000 Krankheitsbilder überblicken. Aber wer Auffälliges erkennt, muss wissen, wohin er überweist. Vernetzung ersetzt Zufall. Register ersetzen Einzelfälle.
Aktionstage schaffen Aufmerksamkeit. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht. Sie muss Folgen haben: klare Zuständigkeiten, gesicherte Finanzierung, strukturierte Übergänge vom Kindes- ins Erwachsenenalter. Ziel ist kein Schonraum, sondern Selbstständigkeit.
Seltene Erkrankungen stellen Medizin und Gesellschaft auf die Probe. Sie zeigen aber auch, was möglich ist, wenn Wissen geteilt wird und Strukturen tragen. Man muss nur genau hinschauen. -
Milliarden Mikroorganismen leben in uns – vor allem im Darm. Dieses Mikrobiom steuert nicht nur die Verdauung, sondern greift tief in unsere Gesundheit ein. Immer deutlicher zeigt sich: Es beeinflusst auch die Psyche.
Der Psychiater Martin Aigner erklärt, dass Darm und Gehirn eng verbunden sind. Über Nerven, Hormone und Botenstoffe stehen sie im ständigen Austausch. Besonders wichtig ist dabei Serotonin – ein Großteil dieses „Glückshormons“ entsteht im Darm. Gerät das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, kann sich das auch auf Stimmung und Stressreaktionen auswirken.
Studien zeigen: Ein vielfältiges Mikrobiom geht oft mit besserer psychischer Gesundheit einher. Umgekehrt finden sich bei Depressionen oder Angststörungen häufig Veränderungen. Klare Ursachen sind schwer zu benennen – die Forschung spricht eher von Zusammenhängen als von eindeutigen Wirkungen.
Ein zentraler Hebel ist die Ernährung. Ballaststoffe, Vielfalt und regelmäßige Mahlzeiten fördern „gute“ Bakterien. Einseitige, stark verarbeitete Nahrung kann das Gleichgewicht stören. Neue Ansätze setzen daher auf Prä- und Probiotika – als Ergänzung zur klassischen Therapie.
Noch steht vieles am Anfang. Doch eines wird klar: Wer den Darm versteht, versteht auch die Psyche besser. -
Antibiotika verlieren an Kraft. Resistenzen breiten sich aus, Therapien scheitern. Allein in Österreich sterben jedes Jahr tausende Menschen im Zusammenhang mit multiresistenten Bakterien. Die Medizin sucht Auswege – und findet einen alten Ansatz neu: die Phagentherapie.
Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien gezielt befallen und zerstören. Entdeckt vor über hundert Jahren, gerieten sie im Westen in Vergessenheit. Heute erleben sie eine Renaissance, vor allem bei chronischen Infektionen, bei denen Antibiotika an ihre Grenzen stoßen. Phagen wirken anders: Sie dringen in die Bakterienzelle ein, vermehren sich dort und bringen sie zum Platzen. Das macht sie besonders interessant bei Keimen, die Biofilme bilden und sich so dem Zugriff klassischer Medikamente entziehen.
An der MedUni Wien wurde die Phagentherapie erstmals außerhalb einer Studie erfolgreich eingesetzt. Ein junger, lungentransplantierter Patient litt an einer chronischen Infektion mit Pseudomonas aeruginosa, resistent gegen nahezu alle verfügbaren Antibiotika. Die Kombination aus inhalativem Antibiotikum und individuell ausgewählten Phagen brachte eine deutliche Besserung – und dem Patienten ein neues Lebensgefühl.
Doch Phagen sind kein Wundermittel. Die Therapie ist aufwendig, hochgradig personalisiert und derzeit nur als individueller Heilversuch möglich. Für jeden Patienten müssen passende Phagen gefunden, getestet und mit geeigneten Antibiotika kombiniert werden. Zudem fehlen in Österreich noch eigene Phagenbanken und eine reguläre Zulassung.
Trotzdem wächst die Hoffnung. Phagen könnten Antibiotika nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Sie zeigen, dass medizinischer Fortschritt nicht immer neu erfunden werden muss. Manchmal reicht es, Bewährtes wieder ernst zu nehmen – und weiterzudenken. -
In dieser Episode tauchen wir ein in die farbenfrohe Welt der CliniClowns Österreich und begleiten sie durch ihren bewegten Alltag in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. CliniClown Edouard Raix öffnet uns die Tür zu einer Welt voller Lachen und Tränen, indem er von seinen berührenden Begegnungen mit Patientinnen und Patienten erzählt. Er schildert den Ablauf einer Clown-Visite, die stets von Improvisation und Spontaneität geprägt ist, und beleuchtet die besonderen Anforderungen dieses außergewöhnlichen Berufs. Ein Beruf, der nicht nur ein hohes Maß an Verantwortung und Feingefühl erfordert, sondern auch die Fähigkeit, in den dunkelsten Momenten ein Licht der Hoffnung zu entzünden.
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