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Sie sprechen u. a. mit der zur beliebtesten Jurorin gewählten Brigitte Schwens-Harrant und ziehen ein Fazit der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.
Es ist die letzte Folge des Bachmannpreis-Podcasts 2026 – danach wird dieser Podcast wieder zum Podcast des literaturcafe.de. Wolfgang Tischer und Bozena Badura sitzen bei sommerheißen 36 Grad im Garten des ORF, dem Ingeborg-Bachmann-Park, und blicken zurück auf den Wettbewerb im Zeichen des Doppeljubiläums: 50 Jahre Bachmannpreis und der 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann am 25. Juni.
Die Preisträger 2026
Bachmannpreis (30.000 €): Lena Schätte (DE) – »Was wir tragen«
Kelag-Preis (15.000 €): Kinga Tóth (HU) – »OstblockMädl«
Deutschlandfunk-Preis (12.500 €): Ozan Zakariya Keskinkılıç (DE) – »Vater ohne Sohn«
3sat-Preis (7.500 €): Magdalena Schrefel (AT) – »Kirschen, Herz mit Verband«
BKS-Publikumspreis (7.000 €): Lena Schätte (DE) – »Was wir tragen«
Alle Details zu den Gewinnerinnen und Gewinnern finden Sie hier
Themen der Folge
Unmittelbar nach der Preisverleihung analysieren Wolfgang Tischer und Bozena Badura, warum Lena Schättes Text »Was wir tragen« – die schnörkellose Geschichte zweier übergewichtiger Mädchen, die in der Schule zusammenhalten – Jury und Publikum gleichermaßen überzeugte. Juror Thomas Strässle, der sie eingeladen hatte, sprach in seiner Laudatio von »existenzieller Wucht«. Mit dem Doppelsieg aus Bachmann- und Publikumspreis – samt dem an den Publikumspreis gekoppelten Festivalschreiber-Stipendium des Carinthischen Sommers – kommt Schätte immerhin auf ein Preisgeld von rund 40.000 Euro und wiederholt damit das Kunststück eines Doppelsieges der Vorjahressiegerin Natascha Gangl.
Wolfgang Tischer und Bozena Badura ordnen außerdem ein, dass die Dotierungen im Jubiläumsjahr deutlich angehoben wurden, sodass sich die Reihenfolge der Preise leicht geändert hat: Der Bachmannpreis stieg von 25.000 auf 30.000 Euro, der Kelag-Preis von 10.000 auf 15.000 Euro – und überholt damit den Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) als nunmehr zweithöchste Auszeichnung. Auffällig auch: Drei der vier ausgezeichneten Texte – die von Lena Schätte, Ozan Zakariya Keskinkılıç und Magdalena Schrefel – wurden alle am zweiten Lesetag gelesen.
Gespräch mit Brigitte Schwens-Harrant über die Jury-Arbeit
Brigitte Schwens-Harrant mit Brigitte Schwens-Harrant-Ultra (unbedingt klicken, um zu vergrößern!)
Zu hören ist in dieser Folge auch ein Interview mit Brigitte Schwens-Harrant, Feuilletonchefin der Wochenzeitung »Die Furche« und seit 2020 in der Jury. In der Online-Abstimmung im literaturcafe.de wurde sie zur beliebtesten Bachmannpreis-Jurorin 2026 gewählt – nach 2022 und 2024 bereits zum dritten Mal. Auf den Plätzen folgten Laura de Weck und Vorjahressieger Thomas Strässle. Wie beliebt sie auch beim Publikum ist, zeigte sich sogar auf einem Fan-T-Shirt mit der Aufschrift »Brigitte Schwens-Harrant Ultra«. Die von ihr eingeladene Autorin Kinga Tóth gewann mit »OstblockMädl« den Kelag-Preis; in ihrer Laudatio nannte Schwens-Harrant den Text »frech, sehnsüchtig, poetisch«.
Interview mit Ozan Zakariya Keskinkılıç
Außerdem zu hören ist ein Gespräch mit Ozan Zakariya Keskinkılıç, der für »Vater ohne Sohn« den Deutschlandfunk-Preis erhielt. Im Interview geht es um den Text – und um seine markante Vortragsstimme, die schon bei der Lesung aufgefallen war.
Hinter den Kulissen: Gespräch mit Regisseur Klaus Wachschütz
Zum Abschluss spricht Wolfgang Tischer mit Klaus Wachschütz, dem langjährigen Regisseur und technischen Leiter des Wettbewerbs. Wachschütz erzählt von der Erleichterung, wenn die lange Live-Strecke ohne Pannen über die Bühne geht, von den »doppelten Böden«, die man einplanen muss, und von der technischen Spielwiese – etwa den vielen kleinen Kameras, die aus der Corona-Zeit geblieben sind und heute deutlich mehr Perspektiven zeigen. -
Außerdem ist Favoritin Lena Schätte zu hören und Klaus Kastberger blickt zurück auf 13 Jahre in der Jury.
Ein letztes Mal live vor Publikum am Lendhafen: Bozena Badura und Wolfgang Tischer besprechen mit ihrem Gast, dem Literaturkritiker Knut Cordsen, den dritten Lesetag der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur. Am Samstag standen noch vier Texte auf dem Programm.
Knut Cordsen ist Literaturkritiker beim Bayerischen Rundfunk und einer der Köpfe hinter ARD Literally, dem TikTok-Kanal der ARD für Literatur. Über diesen Kanal – und wie man auf TikTok ein junges, literaturinteressiertes Publikum erreicht – sprechen die drei zu Beginn der Folge.
Besprochen werden die Lesungen vom 27. Juni 2026:
Derya Uzun, D
Christoph Szalay, A
Wolfgang Popp, A
Gesche Heumann, D
Alle Texte stehen auf der Website des ORF zum Download und Nachlesen bereit.
Autorin Lena Schätte gilt als eine der Favoritinnen für den Preis
Zu Wort kommt außerdem die Favoritin des Wettbewerbs: Lena Schätte erzählt, wie sie die Tage nach ihrer Lesung erlebt – und was aus ihrem Text noch werden wird.
Zweiter Vorwurf einer Vorabveröffentlichung
Wie schon am Vortag gab es erneut einen Vorwurf, ein Wettbewerbstext sei vorab veröffentlicht worden. Bestätigen ließ sich auch das nicht, der Text bleibt im Wettbewerb. Eine Analyse zu beiden Vorwürfen gibt es im literaturcafe.de.
Am Ende dieser Folge blicken die Drei auf die Gesamtleistung der Jury in diesem Jahr und sie geben ihre Prognose ab, wer die Jury-Preise und den Publikumspreis gewinnen wird.
Klaus Kastberger über 13 Jahre Bachmann-Jury
Wolfgang Tischer (links) im Gespräch mit Bachmann-Juror Klaus Kastberger
Im Anschluss an die Live-Aufnahme ist zudem ein Interview mit Klaus Kastberger zu hören, der nach dreizehn Jahren – drei davon zuletzt als Juryvorsitzender – aus der Bachmann-Jury ausscheidet. Im Gespräch blickt er auf die Entwicklung der Jury zurück, auf den Trend zu autobiografischen »Ich-Texten« und auf seine Beweggründe für den Abschied.
Vielen Dank an das großartige Publikum am Lendhafen und den Verein Lendhauer, der auch in diesem Jahr die Live-Aufnahme auf der Bühne ermöglicht hat. -
Missing episodes?
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Wieder live vor Publikum am Lendhafen: Bozena Badura und Wolfgang Tischer besprechen mit der Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin Daniela Strigl, den zweiten Lesetag der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur. Fünf weitere Texte wurden gelesen und von der Jury diskutiert. Am Samstag werden dann die letzten vier folgen.
Daniela Strigl lehrt an der Universität Wien und war von 2003 bis 2008 sowie von 2011 bis 2014 selbst Mitglied der Bachmann-Jury. 2014 wurde sie zudem zur ersten Preisträgerin der Abstimmung zur beliebtesten Bachmann-Jurorin gewählt.
Vor und zwischen der Besprechung des Lesetages gibt sie Einblicke in die Arbeit der Jury: Wie hat sich die Diskussionen über die Jahre verändert? Wie kommt die Jury-Mitglieder zu den Texten und Lesenden, die sie einladen? Und welche generellen Trends sind in der aktuellen Literatur auszumachen?
Besprochen werden die Lesungen vom 26. Juni 2026:
Lena Schätte, D
Ozan Zakariya Keskinkılıç, D
Seraina Kobler, CH
Magdalena Schrefel, A
Caroline Rosales, D
Alle Texte stehen auf der Website des ORF zum Download und Nachlesen bereit.
Text von Slata Roschal bleibt im Wettbewerb
Zu Beginn des zweiten Lesetages trat aber zunächst der Justitiar Magister Andreas Sourij auf die Bühne. Eine Stimmung, als ob der Schulleiter das Klassenzimmer betritt. Offenbar gab es das Gerücht, dass Teile des Textes von Autorin Slata Roschal, die gestern gelesen hat, bereits auf der Website ihres Verlages zu lesen waren. Ein Text darf, so regeln es die Statuten, vorab nicht veröffentlicht sein. Laut Sourij wurden dafür jedoch keine Belege gefunden, sodass der Text (»in dubio pro reo«) im Wettbewerb verbleibt.
Außerdem rumorte es etwas in der Jury und einige Mitglieder griffen sich persönlich an. Teil der Show? Auch darüber wird im Podcast gesprochen.
Vielen Dank an das großartige Publikum am Lendhafen und den Verein Lendhauer, der auch in diesem Jahr die Live-Aufnahme auf der Bühne ermöglicht hat. -
Live vor Publikum am Lendhafen: Bozena Badura und Wolfgang Tischer besprechen mit ihrem Gast, der Literaturagentin Astrid Poppenhusen, den ersten Lesetag der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur. Fünf Texte wurden gelesen, fünf Texte wurden von der Jury diskutiert – und ein kleiner Eklat sorgte für Gesprächsstoff.
Vor der Besprechung des ersten Lesetages gibt Astrid Poppenhusen Einblicke in den Beruf der Literaturagentin: Wie kommt ein Text zum Verlag, warum lohnt sich eine Agentur und worauf sollten Autorinnen und Autoren bei Verträgen achten? Außerdem berichtet sie vom neu gestarteten Klagenfurter Literaturkurs 2.0.
Besprochen werden die Lesungen vom 25. Juni 2026:
Fiona Sironic, D/A
Kurt Prödel, D
Jovana Reisinger, D
Kinga Tóth, H
Slata Roschal, D
Alle Texte stehen auf der Website des ORF zum Download und Nachlesen bereit.
Warum verließ Slata Roschal nach ihrer Lesung das Studio – und wie reagierte die Jury? Welcher Text nimmt nach Einschätzung der Runde aller Voraussicht nach einen Preis mit nach Hause? Zu hören sind in der Folge außerdem zwei Original-Töne: Kinga Tóth direkt nach ihrer Lesung und Jurymitglied Mithu Sanyal, die den Studio-Eklat überraschend gut findet. All das und noch viel mehr wird im Podcast besprochen.
Am Ende der Folge gibt es exklusiv im Podcast ein Gespräch mit Helga Schubert, die am Vortag die Klagenfurter Rede zur Literatur gehalten hat. Sie war von 1987 bis 1990 selbst Jurorin und gewann 2020 mit 80 Jahren den Bachmannpreis. Im Gespräch erzählt sie, wie sich die Jury-Arbeit seither verändert hat und wie aus persönlicher Erfahrung Literatur wird.
Vielen Dank an das großartige Publikum am Lendhafen und den Verein Lendhauer, der auch in diesem Jahr die Live-Aufnahme auf der Bühne ermöglicht hat. -
Darunter ein Roman, der erst begeistert und dann ratlos zurücklässt. Als Besonderheit gibt es die Folge auch als Video bei YouTube.
Ab 24. Juni 2026: Bachmannpreis-Podcast direkt aus Klagenfurt – Live vor Publikum
Der Bachmannpreis-Podcast 2026 meldet sich an den kommenden Tagen wieder täglich direkt vom Wörthersee. Die erste Folge aus Klagenfurt erscheint voraussichtlich am 24. Juni 2026. Aufgenommen werden die Folgen vom Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 18 Uhr live vor Publikum am Lendhafen – mit Co-Host Bozena Badura und jeweils einem Überraschungsgast. Alle Infos zum Public Viewing am Lendhafen.
Zur Einstimmung stellt Wolfgang Tischer in dieser Podcast-Folge drei aktuelle Bücher vor von Autorinnen und Autoren, die in den letzten Jahren beim Bachmann-Preis gelesen haben. Erstmals gibt es die Folge auch als Video.
Die drei Bücher
Nefeli Kavouras: »Gelb, auch ein schöner Gedanke«
Ein Vater kommt zum Sterben nach Hause, erzählt aus der Sicht von Mutter und fünfzehnjähriger Tochter. Ein meisterhafter erster Teil – und eine Wendung, die den Rezensenten etwas ratlos zurücklässt. Ausführliche Besprechung hier im literaturcafe.de.
Nefeli Kavouras las 2025 beim Bachmannpreis und ging leider ohne Preis nach Hause. Alle Preisträgerinnen und Preisträger 2025
Martin Piekar: »Vom Fällen eines Stammbaums«
Autofiktional und beeindruckend: eine Kindheit mit der alkoholkranken Mutter, Polen, Herkunft und die Musik auf fast jeder Seite. Für Wolfgang Tischer der bislang ergreifendste Roman des Jahres. Ausführliche Besprechung hier im literaturcafe.de.
Martin Piekar las 2023 beim Bachmannpreis und gewann den KELAG-Preis und den BKS-Publikumspreis. Alle Preisträgerinnen und Preisträger 2023
Johanna Sebauer: »Das Gurkerl«
Eine bissige Satire darüber, wie aus einer Nichtigkeit eine Empörungswelle wird – der Bachmann-Text nahezu eins zu eins, illustriert von Nikolaus Heidelbach. 2024 mit dem 3sat- und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Alle Preisträgerinnen und Preisträger 2024 -
Und würde sie jetzt, wo es im Literarischen Quartett einen runden Tisch gibt, noch einmal dorthin zurückkehren wollen?
Lesen in der ehemaligen Waffenfabrik
Oberndorf, eine kleine Stadt im Neckartal nahe Rottweil und überregional eher dadurch bekannt, dass hier Rüstungsunternehmen wie Heckler & Koch und Mauser (jetzt Rheinmetall) ihren Sitz haben.
Mauser fertigte die Waffen früher im sogenannten Schwedenbau. Das Backsteingebäude beherbergt heute ein Waffen- und Heimatmuseum – und im obersten Stock die Oberndorfer Stadtbücherei. Die lange Reihe an Deckenfenstern wirkt einladend und hell. Früher sollten die Arbeiter bei möglichst gutem Tageslicht die Waffenteile zusammenschrauben können. Heutzutage wird hier bei gutem Licht gelesen.
Der große Veranstaltungsraum nebenan ist Ende April 2026 Schauplatz des zweiten Oberndorfer Literaturfests, ausgerichtet und finanziert von der Marion & Otto Biesenberger-Stiftung. Bisenberger war der Urenkel der Gründer des Schwarzwälder Boten. Die traditionsreiche Heimatzeitung hat ebenfalls noch ihren Sitz in Oberndorf, auch wenn sie schon längst zur Medienholding Süd gehört.
Christine Westermann beim zweiten Oberndorfer Literaturfest
Richard Rebmann, Verleger i. R. und Vorsitzender der Stiftung, begrüßt am Eröffnungsabend. Der Saal ist ausverkauft. Zumindest wäre er das wohl, wenn man Tickets hätte kaufen müssen. Doch die Stiftung ist gut aufgestellt, da sie nach Wunsch des Gründers nur Veranstaltungen in Oberndorf fördern darf. Der Eintritt ist frei, selbst bei einem Stargast wie heute.
Christine Westermann ist aus Köln angereist. Sie werde, so schreibt sie es selbst in ihrem Buch »Die Familien der anderen«, immer gerne als »bekannt aus Funk und Fernsehen« vorgestellt. Tatsächlich dürften sie wohl die meisten aus der Unterhaltungsshow »Zimmer frei« mit Götz Alsmann kennen, obwohl es diese Sendung schon seit 10 Jahren nicht mehr gibt. Demnächst, so Westermann, wird es zur Erinnerung und für die Fans ein Jubiläums-Special geben, das bereits abgedreht sei.
Buchmenschen kennen Christine Westermann aus dem Literarischen Quartett, dessen Neuauflage sie von 2015 bis 2019 angehörte. Außerdem ist sie – neben Elke Heidenreich – die Buchempfehlerin des WDR.
Bekannt auf Funk, Fernsehen und – Podcast
Doch Christine Westermann, mittlerweile 77 Jahre alt, ist neuerdings auch einem jüngeren buchbegeisterten Publikum bekannt, denn zusammen mit ihrer 32-jährigen WDR-Kollegin Mona Ameziane ist sie Gastgeberin im erfolgreichen Bücher-Podcast »Zwei Seiten«.
Ich habe mich mit Christine Westermann vor ihrem Auftritt verabredet und ausreichend Zeit eingeplant.
Doch dann kommt an diesem Abend einiges anders. Christine Westermanns Auto zeigt eine kritische Fehlermeldung. Sie muss umdrehen, das Fahrzeug wechseln. Sie wird erst ein paar Minuten nach dem geplanten Lesungsbeginn im Schwedenbau eintreffen. Ganz der Medienprofi sagt sie mir, dass wir das Interview selbstverständlich nach ihrer Lesung führen werden.
Westermann liest aus »Die Familien der anderen«. Das Buch ist so etwas wie ihre Autobiografie in Büchern.
Der Abend verläuft gut, das Publikum ist begeistert. Ich bin etwas unglücklich, denn ich habe »Die Familien der anderen« natürlich gelesen. Einige meiner Fragen beantwortet sie und beantworten sich schon während der Lesung. Auch denn die Podcast-Hörer des literaturcafe.de dort nicht dabei waren, ist es etwas unelegant, wenn ich die Fragen Christine Westermann erneut stellen würde. Auch da würde sie sicherlich Medienprofi genug sein und die Fragen nochmals beantworten, als hätte sie sie noch nie gehört. Dennoch mag ich das nicht. Also muss ich die Situation offensiv nutzen.
Start mit der Fußballerfrage
Nachdem Christine Westermann signiert hat, kehren wir in den großen, leeren und fast dunklen Veranstaltungssaal zurück. Westermann gönnt sich nach der Lesung ein lokales Bier. Keine Indiskretion meinerseits, dieses Ritual erwähnt sie selbst in ihrem Buch. -
Ein Gespräch über Familie, Frankfurt, das wahre Leben und das Leben als »Internetpersönlichkeit«.
Wer Parshad Esmaeili nicht kennt und ihren Namen googelt, dem weißt sie die Suchmaschine als »Internetpersönlichkeit« aus. Früher wahrscheinlich ein Synonym für »meine Eltern verstehen nicht, wie ich in diesem Internet mein Geld verdiene«. Dabei ist Parshad Esmaeili einiges mehr: Stand-up-Comedienne, Moderatorin, und sie hat seit kurzem eine eigene Quizshow auf ZDFneo. Und sie macht Videos auf YouTube und anderen Social-Media-Kanälen.
Über das Leben als »Alleinerzogene« hat sie im Knaur Verlag das Buch »Papa weg. Mama müde. Ich laut.« geschrieben. Ein Projekt, für das sie viel mit ihrer Mutter gesprochen hat.
»Das Buch hat mich auch dazu gezwungen, mich mit mir zu beschäftigen und zu reflektieren. Das hätte ich so intensiv niemals mit einem anderen Projekt, mit einer Visualisierung hinbekommen«, sagt Parshad im Podcast. Das Buch ist melancholisch, wenn es um die eigene Familie in Deutschland und im Iran geht und es enthält auch witzige Passagen. »Es ist ja kein Wunder, dass sich Komödie auf Tragödie reimt«, sagt Parshad.
Dass sie auch auf Bühnen und in Videos laut wurde, sei das Endergebnis der beiden anderen Teile in ihrem Leben: Papa weg. Mama müde.
Hören Sie das vollständige Gespräch mit Parshad Esmaeili im Podcast des literaturcafe.de. Geführt wurde es am 21. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse. -
2008 verlor Barbara Pachl-Eberhart bei einem Verkehrsunfall an einem unbeschrankten Bahnübergang ihren Mann und ihre beiden Kinder. 2010 erschien ihr Buch »Vier minus drei«, in dem sie schilderte, wie sie dieses schreckliche Unglück verarbeitete und wieder zurück ins Leben fand. Sie habe, so sagt sie im Gespräch mit Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de, damals das Buch geschrieben, das sie vergeblich gesucht hat. Ein Buch, das Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen soll. Sie wollte kein Buch lesen oder schreiben, das mit der Haltung des Haderns oder Aufbegehrens geschrieben ist. Sie wollte sich nicht ihr »Schicksal von der Seele schreiben«, sondern von dem Momente berichten, als sie wieder Licht gesehen und die Dinge verstanden habe.
Heute arbeitet Barbara Pachl-Eberhart unter anderem als Trauerbegleiterin und Schreibtrainerin für autobiografisches Schreiben. Trauer, Tod, Krankheiten oder die verlorene Liebe sind oft ein Anlass, das erlebte für sich oder andere niederzuschreiben. Aber wie geht man das an? Und wie entsteht daraus vielleicht ein Text, der mehr ist als eine therapeutische Maßnahme und als Buch erscheint?
»Die größte Kunst oder das Schwierigste beim biografischen Erzählen ist, dass man eigentlich sich traut, noch mal jünger und auch unreifer zu werden beim Schreiben. Ich kann nicht ein Buch beginnen mit etwas, was vor zwei Jahren passiert ist, als die Gescheite oder Gereifte, die ich heute bin. Sondern ich muss mich trauen, mich noch mal so zu zeigen, wie ich damals war«, sagt Barbara Pachl-Eberhart.
Unter der Regie von Adrian Goiginger und mit Valerie Pachner und Robert Stadlober in den Hauptrollen, wurde das Buch »Vier minus drei« verfilmt und läuft ab 16. April 2026 in den Kinos an.
Wie ist es für Barbara Pachl-Eberhart, 18 Jahre später das Ganze als Film anzusehen? Auch darüber berichtet sie im Podcast.
Und wer angesichts der Schwere des Themas den Film lieber nicht ansehen möchte, dem macht die Autorin am Schluss des Gesprächs Mut: Natürlich sei es ein trauriger Film, aber auch eine Liebesgeschichte und ein Film über den Mut, der in uns allen steckt. -
Walburga, genannt Walli, ist Mitte 40, Mutter, berufstätig – und denkt an alles. Irgendwann sogar daran, wie man geht. Das Buch kreist um Mental Load, Neurodivergenz und eine ADHS-Diagnose, die Wallis Tochter bekommt und die die Mutter mehr beschäftigt, als ihr lieb ist.
Warum ADHS bei Frauen oft unentdeckt bleibt, was die ungewöhnliche Typografie des Romans leistet, wie Cornelia Travnicek ein Buch dreimal von Grund auf umbaut und was es mit dem »Schwingungstiger« auf sich hat, den Walli in ihrem Mann sieht – das erzählt Cornelia Travnicek im Podcast des literaturcafe.de.
Cornelia Travnicek war schon früher zu Gast im Podcast des literaturcafe.de: 2020 sprach sie im Podcast des literaturcafe.de über »Feenstaub«, der auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises stand, und 2015 gab es auf der Frankfurter Buchmesse ein Gespräch über ihren Roman »Junge Hunde«.
Hören Sie das vollständige Gespräch mit Cornelia Travnicek im Podcast des literaturcafe.de. Geführt wurde es am 20. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse. -
Wolfgang Tischer hat sich im Podcast des literaturcafe.de ausführlich mit Annika Strauss über »REM« unterhalten.
Sebastian Fitzek feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Autoren-Jubiläum. Doch bei seinem aktuellen Horror-Thriller »REM« steht sein Name nur an zweiter Stelle. Geschrieben hat er den Roman gemeinsam mit Annika Strauss. Und sofort nach Erscheinen landete der Horror-Thriller auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerlist.
Annika Strauss' Debüt-Roman war der Thriller »Nachtfahrt«. Wie kam es dazu, dass sie ihr zweites Werk gleich zusammen mit dem deutschen Thriller-Meister geschrieben hat? Die Antwort gibt ein klein wenig die Widmung in diesem Buch – und die Autorin im Podcast des literaturcafe.de.
Die Idee zu REM (Albträume werden Wirklichkeit!) trug Sebastian Fitzek schon seit 13 Jahren mit sich herum. Doch weil die Idee zwingend in eine Horrorgeschichte führte, suchte der Thriller-Star eine Koautorin – und fand sie in Annika Strauss.
Dass ausgerechnet sie die Richtige war, ist keine Überraschung, wenn man ihren Werdegang kennt: Annika Strauss hat über 30 Low-Budget-Horrorfilme als Schauspielerin gedreht, irgendwann angefangen, die Drehbücher selbst zu optimieren, und schließlich ihren Weg zur Romanautorin gefunden.
Im Gespräch auf der Leipziger Buchmesse erzählt sie, wie diese ungewöhnliche Biografie zwischen Geisterbahn, Schauspielschule und Schreibtisch sie zur idealen Partnerin für dieses Projekt machte – und warum Horror als Genre für sie einer Achterbahnfahrt gleicht.
Strauss gibt Einblicke in die konkrete Zusammenarbeit des Autorenduos – echtes gemeinsames Schreiben bis auf Satzebene, nicht bloße Arbeitsteilung – und wir sprechen auch über die parallel erschienene und aufwendig produzierte Audible-Hörspielfassung mit Luna Wedler in der Hauptrolle.
Hören Sie das vollständige Gespräch mit Annika Strauss über den gemeinsam mit Sebastian Fitzek geschriebenen Horror-Thriller »REM« im Podcast des literaturcafe.de. Geführt wurde es am 20. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse -
Wolfgang Tischer hat sich für den Podcast des literaturcafe.de mit Norbert Gstrein über die Entstehung des Werkes und die ambivalente Hauptfigur Adrian Reiter unterhalten.
»Im ersten Licht«, erschienen im Hanser Verlag, gehörte zu den fünf nominierten Romanen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 und das Gespräch entstand kurz vor der Preisverleihung. Im Interview auf der Messe erzählt Norbert Gstrein, wie ihn die britische Perspektive auf den Ersten Weltkrieg seit den 1990er Jahren nicht mehr losgelassen hat – eine Obsession, die sich in jahrzehntelanger Lektüre niederschlug und schließlich zur Keimzelle des Romans wurde. Warum musste der Blick auf den Krieg zwingend der eines Mannes sein, der selbst nicht gekämpft hat? Und was haben die britischen Kriegslyriker Wilfred Owen, Siegfried Sassoon und Robert Graves mit den Albträumen seiner Hauptfigur zu tun?
Roman »Im ersten Licht« von Norbert Gstrein, erschienen im Hanser Verlag
Roman »Im ersten Licht« von Norbert Gstrein, erschienen im Hanser Verlag
Gstrein spricht über seine bewusste Entscheidung gegen eine sympathische Identifikationsfigur: Adrian Reiter ist kein Held, kein Widerstandskämpfer, sondern ein Mitläufer – einer, der sich chamäleonartig durch das 20. Jahrhundert laviert. Gerade darin liegt für Gstrein die eigentliche Herausforderung an die Lesenden: Wie schnell und wie billig beantworten wir die Frage, was wir »damals« wohl getan hätten? Positive Romanfiguren machen es uns leicht, moralisch korrekt zu antworten. Aber so leicht will es Gstrein den Lesenden nicht machen.
Im Mittelpunkt des Romans stehen drei junge Männer, die in den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts gekämpft haben und denen Adrian auf unterschiedliche Weise begegnen wird und die sein Leben für immer verändern werden.
Außerdem geht es im Gespräch um Norbert Gstreins Arbeitsmethode – das lineare Schreiben, das Vertrauen in frühe Setzungen, die sich später erfüllen, die Suche nach dem richtigen Erzählton. Und warum wird im Roman bei jeder Jahreszahl erwähnt, dass die Hauptfigur nur ein Jahr jünger als das Jahrhundert ist?
Hören Sie das vollständige Gespräch mit Norbert Gstrein über seinen Roman »Im ersten Licht« im Podcast des literaturcafe.de. Geführt wurde es am 19. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse
Norbert Gstrein: Im ersten Licht. Gebundene Ausgabe. 2026. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783446282971. 27,00 € -
Für den Podcast des literaturcafe.de sprach Wolfgang Tischer mit Hannah Häffner über die Entstehung des Romans.
Obwohl gelegentlich zu lesen, ist »Die Riesinnen« kein Debüt-Roman. Begonnen hat Hannah Häffner mit Krimis, die an der Nord- und Ostsee spielten. Doch irgendwann, so Hannah Häffner im Podcast-Gespräch, habe sie gemerkt, dass sie viele Geschichten im Kopf habe, die im Krimi-Genre einfach nicht erzählen werden konnten. Und irgendwie war klar, dass die Geschichte dreier Frauen im Schwarzwald spielen sollte. Hannah Häffner, in Heidelberg geboren, lebte einige Jahre in Hamburg, bevor sie wieder zurück nach Baden-Württemberg zog.
Buch: Hannah Häffner: Die Riesinnen (Penguin Verlag)
»Bei den drei Riesinnen hatte ich das Gefühl, da steckt so viel drin, dass ich damit wirklich die Seiten füllen kann und die Jahre da verbringen kann«, sagt Häffner.
Wie kam Hannah Häffner zum Schreiben? Wie hat sie die stimmige Sprache für ihre Geschichte entwickelt? Auch über die Recherche im Schwarzwald berichtet Hannah Häffner im Podcast: Warum eine Testleserin die Tomaten vom Frühstückstisch verbannte und wie die Autorin in die Geschichte der Region eintauchte und selbst neues erfahren hat. So habe sie vom Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk Wyhl erst bei der Recherche erfahren und sofort beschlossen, dass eine ihrer Protagonistinnen dort vor Ort sein sollte.
Was hat Hannah Häffner ansonsten noch bei ihren Recherchen überrascht? Und wie vermeidet man bei Schwarzwald-Setting den Kitsch?
Hören Sie das vollständige Gespräch mit der Autorin Hannah Häffner über ihren Roman »Die Riesinnen« im Podcast des literaturcafe.de. -
Die Diskussion zeigte, dass auch Verlage längst KI einsetzten. Dabei geht es jedoch nicht um die Inhalte der Bücher. Vielmehr wird KI dort eingesetzt, wo repetitive und wenig fordernde Arbeiten zu erledigen sind, wie beispielsweise bei der Erfassung von Metadaten und bei internen Prozessen. Wie läuft in den Verlagen der Prozess der Implementierung? Und wo liegen die Grenzen für den KI-Einsatz? Die Runde diskutierte auch über mögliche Kennzeichnungen, urheberrechtliche Grauzonen und die Frage, ob der Staat die KI-Firmen stärker regulieren müsse. Sind billige, mit der KI-erstellte Kinderbücher oder Sachbücher, die Amazon fluten, eine Bedrohung für die Verlage? Wie sieht es bei der KI-Unterstützung für Covermotive und Übersetzungen aus? Die zunehmende Herausforderung für Bibliotheken ist zudem die Erkennung von eingereichten Titeln mit KI-Inhalten z. B. für die Onleihe.
Spannend wurde es beim Thema Kreativität und Beziehung zu den Leserinnen und Lesern. Bei Büchern, so betonte es Tom Kraushaar, gehe es paradoxerweise nicht nur um den reinen Inhalt. Die Verbindung zu einer Autorin oder einem Autor, zu einer echten Person und ihrem Text, spiele eine zentrale Rolle. Nicht nur auf Lesungen und Veranstaltungen, sondern auch auf den digitalen Plattformen wie BookTok zeige sich: Menschen suchen auch beim Lesen die Beziehung zu Menschen, nicht zu Algorithmen.
Ein Gespräch über den aktuellen Stand beim Umgang der Verlage und Bibliotheken mit KI und letztendlich darüber, was das Buch im Kern ausmacht.
Hören Sie den vollständigen Mitschnitt der der Diskussion vom 26.11.2025 auf den 75. Stuttgarter Buchwochen im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten nach dem Beitrag. Leider funktionierte die Mikrotechnik auf der Bühne nicht ganz zuverlässig. Wir bitten die leichten Störgeräusche zu entschuldigen. -
Mareike Winter von der Buchhandlung Taube in Waiblingen, Kristoffer Mauch von der Buchhandlung Back in Weinsberg, Fleur Hummel von der Stadtbibliothek Reutlingen und Michael Steffel von der Stadtbibliothek Aalen tauschten sich über die von ihnen ausgesuchten Bücher aus. Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de moderierte den Abend und zog sich diesmal bewusst aus der Diskussion zurück, um - wie in der ersten Ausgabe 2016 - den vier Gästen das Feld zu überlassen.
Die vier besprochenen Bücher
Die vier besprochenen Bücher 2025
Die vier diskutierten Titel spiegeln die große Bandbreite der aktuellen Bücher wider.
»Nur für Mitglieder« von Thorsten Nagelschmidt (März Verlag) ist eine autobiografische Reisebeschreibung des Punk-Musikers Thorsten Nagelschmidt (Muff Potter), der vor der weihnachtlichen Depression nach Gran Canaria flüchtet und dort die TV-Serie »The Sopranos« durchbingt. Das Buch verbindet Gesellschaftsbeobachtung im All-inclusive-Resort mit persönlichen Reflexionen über Depression und kulturgeschichtlichen Exkursen über Weihnachten.
»Monstergott« von Caroline Schmitt (Park/Ullstein) erzählt von den Geschwistern Ben und Esther, die in einer evangelikalen Freikirche aufwachsen. Das Buch untersucht die Auswirkungen repressiver Religiosität auf junge Menschen und ihren Weg zur Emanzipation. Je älter die beiden werden, desto mehr Zweifel kommen auf: Esther möchte mehr Verantwortung übernehmen, wird aber als Frau abgewiesen. Ben hadert mit seiner Homosexualität.
»Jenseits der See« von Paul Lynch (Klett-Cotta, übersetzt von Eike Schönfeld) ist der 2023 mit dem Booker Prize ausgezeichnete Roman über zwei Männer, Bolivar und Hector, die 14 Monate auf einem sieben Meter langen Boot über den Atlantik treiben. Der irische Autor zeigt, wie Menschen mit existenzieller Bedrohung, Einsamkeit und dem täglichen Kampf ums Überleben umgehen.
»Alchemised« von SenLinYu (Forever/Ullstein, übersetzt von Christiane Sipeer, Karen Gerwig, Lisa Kögeböhn und Sybille Uplegger) ist ein überarbeiteter und quasi »anonymisierter« Text einer ursprünglich auf der Fanfiction-Plattform Archive of Our Own veröffentlichten Harry-Potter-Fanfiction mit über 40 Millionen Aufrufen. Die Geschichte wurde für die Buchausgabe komplett überarbeitet und erzählt von der Hauptperson Helena Marino in einer düsteren Fantasy-Welt voller Nekromantie, Krieg und einer komplizierten Liebesgeschichte.
Die Diskussion war teilweise von großer Einigkeit geprägt, besonders bei den ersten beiden Titeln. Kontroverser wurde es bei »Jenseits der See« und vor allem bei »Alchemised«. -
Zwei Tage später erhielt die Autorin bei der Community-Abstimmung den TikTok Book Award als »BookTok Autorin des Jahres 2025« – herzlichen Glückwunsch! Hören Sie das ganze Gespräch mit Lilly Lucas im Podcast und erfahren Sie mehr über ihre Erfolgsgeschichte.
Lilly Lucas über das Schreiben, Hawaii und ihre Bücher
Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de traf Lilly Lucas am Messe-Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse 2025 zum Interview. Ein besonderes Jubiläum für das literaturcafe.de, denn genau vor 20 Jahren startete hier der erste Buchmesse-Podcast überhaupt. 2005 erklärte Wolfgang Tischer sogar auf der morgendlichen Pressekonferenz, was Podcasting ist.
Im aktuellen Gespräch geht es um Lilly Lucas' aktuelle Hawaii-Love-Trilogie, deren dritter Band »This could be forever« gerade erschienen ist. Die Autorin erzählt von ihrer Arbeitsweise, der Recherche auf Hawaii, dem Planen mehrbändiger Werke und der besonderen Verbindung zu ihrer Community. Lilly Lucas gibt Einblicke in die Entstehung ihrer Buchreihen – von der Green-Valley-Serie über die Cherry-Hill-Reihe bis zur aktuellen Hawaii-Trilogie. Die Autorin erklärt, warum manche Reihen für sie abgeschlossen sind, während andere möglicherweise noch eine Fortsetzung bekommen könnten.
Zur Person
Lilly Lucas ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die Bücher im Genre New Adult bzw. Cosy Romance schreibt. Die studierte Germanistin hat bereits zwölf Spiegel-Bestseller geschrieben.
Der BookTok Award
Zwei Tag nach dem Gespräch, am Samstag, dem 19. Oktober 2025, wurde Lilly Lucas mit dem TikTok Book Award als »BookTok Autorin des Jahres« ausgezeichnet, übe die Gewinnerin stimmt die Community ab. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 2.500 Euro dotiert.
Hören Sie das ganze Gespräch im Podcast des literaturcafe.de
Das vollständige Gespräch mit vielen weiteren Details zu Lilly Lucas' Schreibprozess, ihrer Beziehung zu den Fans und ihren Zukunftsplänen gibt es im Podcast des literaturcafe.de. Der Podcast kann über alle gängigen Podcast-Plattformen abonniert werden. -
Ein Gespräch am märchenhaften Ort
Im September 2025 traf Wolfgang Tischer den österreichischen Autor Michael Köhlmeier im Schwarzwald anlässlich der 10. Literaturtage Nordschwarzwald. Diese hochkarätige Veranstaltung findet alle zwei Jahre in Baiersbronn, Dornstetten und Freudenstadt statt und lockt mit einem besonderen Ambiente - Lesungen in Hütten am Waldrand und Museen. Kuratiert von Walle Seier und veranstaltet von der VHS Freudenstadt, bildeten in diesem Jahr Autorinnen und Autoren wie Monika Helfer, Arnold Stadler, Angelika Overath und Judith Herrmann das hochkarätige Programm.
Buch: Die Verdorbenen von Michael Köhlmeier
Köhlmeiers aktueller Roman »Die Verdorbenen« steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2025 und erzählt die Geschichte des Studenten Johann im Marburg der frühen 1970er Jahre. Ein scheinbar harmloses Ereignis - ein 20-minütiger Spaziergang um einen See mit einer Kommilitonin - führt zu ungeahnten Folgen.
Was Figuren mit ihren Autoren machen
Besonders faszinierend ist Köhlmeiers Schilderung seines Schreibprozesses: »Wenn es mir dann nicht gelingt als Schriftsteller, spätestens nach einer Seite, dass diese Figur irgendwie mich führt und nicht ich die Figur, dann funktioniert es nicht. Die Figur erzählt mir die Geschichte.«
Diese Wendungen können auch für den Autor selbst verstörend sein. Wenn sein Protagonist als Kind auf die Frage des Vaters, was er einmal tun möchte, antwortet: »Ich möchte einmal einen Mann töten«, dann wusste Köhlmeier beim Schreiben selbst »keine zwei Zeilen vorher«, dass diese Worte kommen würden. »Natürlich bleibt mir immer die Möglichkeit, das zu ignorieren«, sagt Köhlmeier, »aber dann bin ich ein Verräter gegenüber meiner literarischen Figur.«
Biografische Referenzen, weil es einfacher war
Köhlmeier nutzt für »Die Verdorbenen« biografische Elemente - er studierte wie sein Protagonist in Marburg -, betont aber die Distanz zur eigenen Person: »Ich habe hier meine Biografie ausgebeutet, ohne dass aber ich eine Identität hätte mit der Person, die hier erzählt.« Es sei schlichtweg einfacher gewesen, das Marburg der 1970er Jahre zu beschreiben, weil er es kenne.
Hören Sie die komplette Podcast-Folge, um mehr über Köhlmeiers Verhältnis zu seinen Figuren, die Entstehung kraftvoller Sätze und seine Gedanken zu Wilhelm Hauffs »Das kalte Herz« zu erfahren - aufgenommen an einem märchenhaften Ort im Schwarzwald, der schon Hauff zu seinem wohl bekanntesten Text inspirierte. -
Vorwürfe pünktlich zum Filmstart
»Der Salzpfad« von Raynor Winn ist ein millionenfach verkaufter Bestseller und längst zum Phänomen geworden. Die Geschichte des Ehepaars, das nach dem Verlust ihres Hauses und einer schweren Krankheitsdiagnose den 1014 Kilometer langen Southwest Coast Path wandert, bewegte Leser weltweit. Mit Gillian Anderson und Jason Isaacs kommt die Verfilmung nun in die Kinos.
Doch just zum Filmstart veröffentlichte der Observer eine brisante Recherche: Stimmt die »wahre Geschichte« überhaupt? Die Journalistin Chloe Hadjimatheou will herausgefunden haben, dass wesentliche Teile der dramatischen Grundlage nicht der Realität entsprechen – von falschen Namen über fragwürdige Umstände des Hausverlusts bis hin zu medizinischen Zweifeln.
Raynor Winn wehrte sich mit einer ausführlichen Stellungnahme und medizinischen Dokumenten. Doch was ist hier eigentlich passiert? Und wie skandalös ist ein »Skandal« wirklich, wenn es um ein belletristisches Werk geht? Wobei: Wie genau ist »Der Salzpfad« hier einzustufen?
Analyse: Wie war ist die Wahrheit? Was ist dran an den Vorwürfen?
Wolfgang Tischer beleuchtet in dieser Podcast-Folge nicht nur die Vorwürfe und Gegendarstellungen im Detail, sondern stellt die grundsätzliche Frage: Wie viel Wahrheit schulden uns Bücher, die als »wahre Geschichten« vermarktet werden? Von Karl Ove Knausgård bis Annie Ernaux – das Genre der Memoirs boomt, aber wo liegt die Grenze zwischen erlebter Wahrheit und literarischer Gestaltung?
Eine spannende Analyse über Glaubwürdigkeit, Authentizität und die Macht des Erzählens – und warum manche Leser empört sind, während andere nur mit den Schultern zucken.
Erwähnte Links
Vorwürfe gegen Bestseller »Der Salzpfad«: Sind wesentliche Teile gelogen?
»Salzpfad«-Autorin Raynor Winn wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe
»Wandern von Pommes zu Pasteten«: Birgit-Cathrin Duvals Analyse der Bestseller von Raynor Winn
Video-Podcast des Observers zu den Vorwürfen auf YouTube
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Die Preisträger:innen 2025
Bachmannpreis: Natascha Gangl (AT) - »DA STA«
Deutschlandfunkpreis: Boris Schumatsky (DE) - »Kindheitsbenzin«
Kelag-Preis: Nora Osagiobare (CH) - »Daughter Issues«
3sat-Preis: Almut Tina Schmidt (DE) - »FAST EINE GESCHICHTE«
BKS-Publikumspreis: Natascha Gangl (AT) - »DA STA«
Carinthischer Sommer: Tara Meister (AT) - »Wagashu oder«
Alle Details zu den Gewinnern finden Sie hier
Themen der Folge
Es ist die letzte Folge des Bachmannpreis-Podcast und demnächst wird dieser Podcast wieder zum Podcast des literaturcafe.de.
Wolfgang Tischer und Bozena Badura sitzen im Garten des ORF und analysieren unmittelbar nach der Preisverleihung am Sonntag (29.06.2025), warum Natascha Gangls innovativer Text "DA STA" den Sieg verient davontrug - und es ganz gut war, dass der Ebenfalls großartige Text »Kindheitsbenzin« den Deutschlandfunkpreis erhalten hat. Die beiden freuen sich über Gangls Doppelsieg mit Bachmannpreis und Publikumspreis und diskutieren das bemerkenswerte Phänomen, dass vier der sechs Preisträger am letzten Lesetag gelesen haben.
Ein weiteres Highlight der Folge ist das Interview mit Thomas Strässle, der in einer Online-Umfrage im literaturcafe.de zum beliebtesten Juror 2025 gewählt wurde. Der Literaturwissenschaftler spricht über seine präzise, textorientierte Juryarbeit und erklärt, warum Respekt vor den sich exponierenden Autoren für ihn zentral ist. Die von ihm eingeladene Autorin Nora Osagiobare gewann den 3sat-Preis.
Wolfgang und Bozena loben die verbesserte Dramaturgie des ORF bei der Preisverleihung und heben besonders Moderator Peter Fässlacher hervor, der die Jurydiskussionen treffend zusammenfasst und den Wettbewerb souverän moderiert hat.
Zum Abschluss blicken die beiden auf das kommende Doppeljubiläum 2026: 50 Jahre Bachmannpreis treffen auf Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag - ein Jahr, das ganz im Zeichen der Literatur stehen wird. Es lässt hoffen, dass zumindest 2026 noch alles bleibt, wie es war.
Gast
Thomas Strässle - Literaturwissenschaftler, Bachmann-Juror und beliebtester Juror 2025
Erwähnte Links
Bachmannpreis 2025 geht an Natascha Gangl - Alle Gewinner
Thomas Strässle ist der beliebteste Bachmannpreis-Juror 2025
Alle Texte und Videos der Lesungen auf der Website des ORF
Aufnahme
Datum: Sonntag, 29. Juni 2025, 13:00 Uhr
Ort: Ingeborg-Bachmann-Park (Garten des ORF), Klagenfurt
Anlass: Unmittelbar nach der Preisverleihung der 49. Tage der deutschsprachigen Literatur - Show more