Episodes

  • LiteraturPur #72: Im Roman «Die Holländerinnen» von Dorothee Elmiger geht es um das Unheimliche. Das Unheimlich ist das dominierende Gefühl. Es wird einerseits erzeugt durch den Ort der Handlung, den Urwald; dann über Geschichten, die erzählt werden und durch die Sprache. Dorothee Elmiger schreibt grösstenteils im Konjunktiv. Damit hält sie alles in der Schwebe. Bei Lesen streift man mit der Erzählerin durch den grünen Dschungel und gerät mit ihr in eine Art Orientierungslosigkeit hinein, Gewissheiten lösen sich auf. Auch das Verhältnis zwischen Realität und Fiktion verschwimmt. Das hat mich fasziniert und gepackt. Über das Unheimliche, den Konjunktiv, Grenzerfahrungen, den Urwald und warum «Die Holländerinnen» keine »true crime» Geschichte ist, über all das unterhalte ich mich mit Dorothee Elmiger im Podcast LiteraturPur.

    Dorothee Elmiger «Die Holländerinnen» Hanser Verlag

  • LiteraturPur #71: Angst haben, wenn man das Haus verlässt, einsam sein, kein Bankkonto, keine Krankenkasse haben - das ist der Alltag von Sans Papiers. Das sind Menschen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten und schwarz arbeiten. Meist zu Dumpingpreisen. Die Westschweizer Autorin Isabelle Flükiger hat darüber einen eindrücklichen Roman geschrieben mit dem Titel «Gloria.Mohammed. Eine Erzählung von der dunklen Seite des Glücks.» Ein Buch, das betroffen macht. Denn es ist eine Reise durch ein Schattenreich bei uns in der Schweiz, in dem Menschen ausgenutzt werden. Arbeit zu finden ist einfach, aber die Arbeitsbedingungen sind meist miserabel. Und dies, obwohl auch Sans Papiers in einigen Bereichen Rechte hätten. Nur wissen sie nichts davon und die Institutionen und Arbeitgeber halten sich oft nicht an das Gesetz. Ich habe Isabelle Flükiger in Bern in einer Hotelbar getroffen und sie hat mir von ihren aufwändigen Recherchen und ihren Begegnungen mit Sans Papiers erzählt.

    Der Roman von Isabelle Flükiger «Gloria.Mohammed. Eine Erzählung von der dunklen Seite des Glücks.» ist im Rotpunkt Verlag erschienen in der Übersetzung von Ruth Gantert.

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  • LiteraturPur #70: An die Öffentlichkeit treten und sagen: «Ich wurde vergewaltigt», das braucht Mut. Laura Leupi hat es getan mit ihrem Buch «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt»". Sie hat schreibend versucht mit etwas umgehen, das einen aus der Bahn wirft. Das Buch hat mich betroffen gemacht, mich aber auch überrascht, sowohl durch die Form wie Laura vom Erlebten erzählt wie auch durch ihren Humor. «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt» ist kein Roman aber auch kein Sachbuch, es ist etwas Einmaliges, ein richtig wilder Ritt. Laura Leupi hat dafür einen der Literaturpreise vom Bundesamt für Kultur bekommen. Das Buch ist schon einige Zeit in der Öffentlichkeit. Laura hat an Lesungen und Podien darüber gesprochen. Was das mit ihr gemacht hat und wie sie heute auf das Erlebte und ihren Schreibprozess zurückschaut und welche Literatur sie dabei gelesen hat, davon erzählt sie mir im Podcast LiteraturPur.

    Laura Leupi, «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt» März Verlag

  • LiteraturPur #69: Wie verhält sich Kunst zur Macht? Darüber habe ich mit dem Schriftsteller Alain Claude Sulzer und dem Pianisten Oliver Schnyder im Salon LiteraturPur diskutiert. Anlass war das 50ste Todesjahr des russischen Komponisten Dimitri Schostakovitsch, das mit Konzerten und Festivals begangen wurde. Dimitri Schostakowitsch lebte ein Leben im Schatten der Macht, in Angst und Schrecken, in Anpassung und Widerstand. Er war gefangen zwischen künstlerischer Integrität und den Zwängen des stalinistischen Regimes. Was das mit ihm machte und wie es seine Musik beeinflusst hat, das beschreibt der britische Autor Julian Barnes im Roman „Der Lärm der Zeit“. Ein Roman über einen Musiker unter Stress. So beschreibt Julian Barnes, wie Schostakovitsch 1937 nächtelang mit gepacktem Koffer vor dem Lift auf seine Verhaftung wartete. Künstler unter Stress, ein Thema das auch heute immer noch oder wieder aktuell ist. Wie Alain Claude Sulzer und Oliver Schnyder diesen biografischen Roman über Schostakovitsch gelsen haben und wo sie Stress, Widerstand, Angst aber auch Ironie in seiner Musik hören, das war Thema im Salon LiteraturPur. Eine gekürzte Version des Salongesprächs kannst du in dieser Podcastfolge von LiteraturPur nachhören.

    Julian Barns, Der Lärm der Zeit, im Verlag Kiepenheuer&Witsch
    Oliver Schnyder hat diesen Herbst ein grossaritges Schostakowitsch Album veröffentlicht:
    Shostakovich, Piano Trios & Piano Quintet, Prospero / 2025

  • LiteraturPur #68: Wann beginnt Gewalt in einer Beziehung. Und wie befreit man sich aus einer toxischen, gewalttätigen Partnerschaft? Diese Frage beschäftigt Jessica Jurassica in ihrem neuen Roman «Gaslicht». Sie erzählt darin von einer Frau, die «Gaslighting» erlebt. Das ist eine Form von psychischer Gewalt, von Manipulation durch Lügen und Verunsicherung. Im Gespräch erzählt Jessica Jurassica, bekannt als Kunstfigur, die immer mit Gasmaske auftritt, wie sie sich mit dieser fiktionalen Autobiografie sozusagen freigeschrieben hat. Wie sie durch eine lange Reise, durch Distanz und eben über das Schreiben ihre traumatische Erfahrung mit sexualisierter Gewalt verarbeiten konnte. Und wir reden über ihre Vorfahrinnen, denen sie dabei begegnet ist. Ihren Ururgrossmüttern, die der Armut entfliehen wollten und ausgewandert sind.

    Jessica Jurassica «Gaslicht» ist erschienen bei lectorbooks

  • LiteraturPur #67: Gerade im Krieg sei die Literatur wichtig, sagt der irakisch-schweizerische Autor Usama Al Shahmani. Sie kann andere Geschichten erzählen als die von Gewalt und Tod. Sie kann Brücken schlagen. Ich habe Usama Al Shahmani für den Podcast LiteraturPur zum Gespräch getroffen. Wir haben über seinen neuen Roman «In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied»gesprochen. Darin nimmt er uns mit in seine Heimat, den Irak. Er beschreibt, wie Bagdad einst eine blühende Stadt war, in der Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen friedlich zusammenlebten. Es gab auch eine grosse jüdische Gemeinde. Doch in den 1930er Jahren kam der Faschismus nach Bagdad. Nazis verbrüderten sich mit den Nationalisten im Irak. Es kam zu ersten Progromen. Nach der Gründung Israels, im Jahr 1948, wurde die jüdische Bevölkerung dann endgültig aus dem Irak vertrieben. Umsama Al Shahmani taucht über eine Vater-Sohn-Geschichte tief in dieses dunkle Kapitel der Geschichte Bagdads ein.


    Usama Al Shahmani «In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied» Limmat Verlag

  • LiteraturPur #66: Kinder flitzen über einen gefrorenen Weiher und entdecken einen toten Mann, eingefroren im Eis. So beginnt der neue Roman von Martina Clavadetscher mit dem Titel «Die Schrecken der anderen». Es ist ein Roman, der daherkommt wie ein Krimi. Aber das täuscht. Es ist ein gesellschaftskritischer Roman über den Umgang mit Vergangenheit. Der Roman führt nämlich schon bald in grauslige Untiefen der Schweizer Geschichte in den 1930er Jahren, aber mit einem Suspense wie in einem Hitchcock Film. Und Alfred Hitchcock, so erzählt mir Martina Clavadetscher bei unserem Treffen in einer Luzerner Bar, sei ein grosses Vorbild für sie. Wie er mit subtilen Details Spannung erzeuge, fasziniere sie. Weiter sagt sie im Gespräch, sei es an der Zeit, dass Kulturschaffende das Storytelling wieder an sich reissen. Sie müssten Geschichten erzählen, nicht die Medien, nicht die Politik, nicht die Wirtschaft sondern die Kunst.

    Martina Clavadetscher, «Die Schrecken der anderen» C.H. Beck Verlag

  • LiteraturPur #65: Eine Seifenoper über Rassismus, geht das? Ja, und wie. Nora Osagiobare hat ein fulminantes Romandebut mit dem Titel «Daily Soap» geschrieben. Darin nimmt sie den Rassismus aufs Korn, dem schwarze Menschen und People of Color in der Schweiz tagtäglich ausgesetzt sind.
    Und sie tut es mit unglaublichem Schalk und ohne Tabus. Und die Form, die sie dafür wählt, ist grossartig. Eine Seifenoper, die es in sich hat. Sie spielt darin mit Klischees, Überzeichnungen, mit frechen Kommentaren und mit Unterbrecherwerbung in Form von schrägen Werbespots. Und alles hat einen wahren Kern. Nora Osagiobare ist als Person of Color selber mit Alltagsrassismus konfrontiert. Das reicht von dummen Bemerkungen bis hin zu massiven rassistischen Übergriffen. Sie weiss also sehr genau, wovon sie schreibt. Im Gespräch erzählt sie mir, warum sie Humor als starke Waffe gegen Rassismus sieht und weshalb sie auf keinen Fall in die Opferrolle gedrängt werden will.

    «Daily Soap» von Nora Osagiobare ist im Kein & Aber Verlag erschienen.

  • LiteraturPur #64: Der Schweizer Schriftsteller und Weltautor Max Frisch ist eine Instanz. Er fasziniert bis heute sowohl als Schriftsteller wie als politisch engagierter Intellektueller. Doch wer war Max Frsich und was macht ihn und sein Werk so einzigartig? Der Kulturjournalist Julian Schütt hat sich intensiv mit Max Frischs Leben und Werk auseinandergesetzt. Jetzt ist der zweite Teile seiner umfassenden und hervorragend geschriebenen Biographie mit dem Titel «Max Frisch Biographie eines Aufstiegs» erschienen. 14 Jahre hat Julian Schütt dafür recherchiert, hat mit Menschen aus Frischs Umfeld gesprochen und unveröffentlichtes Material gesichtet. Er entdeckte neben dem berühmten Autor auch den Max Frisch, der innerlich oft zerrrissen war zwischen den Ansprüchen, die die Öffentlichkeit an ihn hatte und seiner eigenen Unsicherheit und ein Stück weit auch seiner Bedürftigkeit in privaten Angelegenheiten. Etwa in seinen Liebesbeziehungen mit Frauen. Im Podcast LiteraturPur reden wir über diese unbekannten Seiten des Autors. Aber auch über sein ambivalentes Verhältnis zur Schweiz und über seine Beziehung zu mächtigen Politikern seiner Zeit. Und dann erzählt Julian Schütt, wie nahe er dem Menschen Max Frisch beim Schreiben der Biographie gekommen ist und was er von ihm für sein Leben gelernt hat.

    Julian Schütt «Max Frisch Biographie eines Aufstiegs», Suhrkamp Verlag

  • LiteraturPur #63: Es ist das Jahr 2082 und Zürich ist eine Hochburg für Künstliche Intelligenz. Hochentwickelte KI hat die Welt kurz vor dem Klimakollaps gerettet. Diese KI regiert nun grosse Teile der Welt, ist aber den Menschen grundsätzlich wohlgesinnt. Die Lebensbedingungen haben sich zwar massiv verschlechter, aber KI sorgt dafür, dass die Menschheit überlebt. Doch dann verselbständigt sich eine KI und läuft Amok.
    Das ist die Ausgangslage im Sci-Fi Roman «Asimovs Kindergarten» von Reda el Arbi. Es ist der zweite Teil einer aktiongeladenen Romanserie mit KI, Cyborgs und Menschen.
    Ich habe den Schweizer Sci-Fi Autor zum Gespräch getroffen und er hat mir im Podcast LiteraturPur erzählt, was ihn an Science Fiction fasziniert und warum er so grossen Spass daran hat, dicke Wälzer über Zukunftsszenarien zu schreiben. Und er hat mir auch verraten, weshalb er keine Angst vor Robotern und Künstlicher Intelligenz hat, ja sich sogar auf eine Zukunft mit immer fähigerer KI freut.

    Reda el Arbi «Asimovs Kindergarten» und «empfindungsfähig» sind bei lectorboks erschienen

  • LiteraturPur #62: «Nackt steht Osmann vor seiner Hütte, die Arme in die Hüften gestemmt, bärtig, kräftig, ja ein schöner Mann.» Das ist der Held im Roman «Òsman» von Joachmi B. Schmidt. Ein Fährmann, der den Stürmen und der Kälte trotz und Menschen sicher über den Fluss transportiert. Ein gottesfürchtiger Trinker, Menschenfreund und Poet. Es ist ein hartes Leben Ende des 19. Jahrhund. Die Menschen im Norden Islands leiden an Hunger, Krankheiten und Unterdrückung. Viele verunglücken in den Fluten oder im Eis.
    Der Schweizer Autor Joachim B. Schmidt lebt seit über 20 Jahren in Island und greift gern Geschichten aus Sagen und Mythen des Landes auf und verwebt sie in seine Romane. Geister, Robbenfrauen und Elfen gehören ganz selbstverstädnlich dazu. In diesem Buch zeichnet er das Leben des Fährmannes und Robbenjägers Òsman» nach, den es tatsächlich gegeben hat und er spinnt aus dessen Tagebuchaufzeichnungen und Gedichten sowie Erzählungen von Nachfahren eine unglaubliche Geschichte.

    Die Angaben zum Buch: Joachim B. Schmidt, «Òsman», Diogenes Verlag

  • LiteraturPur #61: Eine engagierte Justizministerin und ein junger Mann, der sich an sie heranmacht und zum Stalker wird. Agrippina, die Mutter des römischen Kaiser Nero, die zu mächtig wird und deshalb sterben muss. Gewalt an Frauen heute und damals. Gewalt ist ein zentrales Thema im Roman «Sehr geehrte Frau Ministerin». Geschrieben hat ihn Ursula Krechel, eine der wichtigsten Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In einer Zeit, da die Welt instabil geworden ist durch Kriege und Konflikte zeigt sie in den Geschichten von vier Frauen, was heutzutage den Rechtsstaat bedroht und Demokratien schwächt. Ursula Krechel war kürzlich für eine Lesung im Literaturhaus Basel. Da habe ich mit ihr ein Gespräch geführt und es für den Podcast LiteraturPur in gekürzter Form aufgezeichnet.

    Der Roman «Sehr geehrte Frau Ministerin» von Ursula Krechel ist im Klett Cotta Verlag erschienen

  • LiteraturPur #60: "Alles was mit Sexualität zu tun hatte, wollte man uns austreiben. Das war Sünde. Vor allem im Umgang mit weiblicher Lust. Was sich die katholische Kirche, damals in meiner Kindheit im Wallis angerichtet hat, das macht mich heute noch wütend", sagt Elisabeth Joris. Sie ist Gast im Podcast LiteraturPur. Elisabeth Joris ist eine der bekanntesten Historikerinnen der Schweiz. Und auch ein Vorbild für viele Frauen durch ihr Engagement als Feministin, Politaktivistin und Lehrerin. Jetzt ist ein sehr persönliches Buch über sie erschienen mit dem Titel «Ein Leben in Geschichte(n)». Darin erzählt sie aus ihrem Leben. Wie sie im stockkatholischen Oberwallis aufgewachsen ist, später nach Zürich kam und auf Umwegen Geschichte studiert. Wie sie sich politisch in der Frauenbewegung und in der Gruppe kritisches Oberwallis engagierte. Wie sie die historische Forschung mit der Geschichte von unten revolutionierte, mit speziellem Blick auf Frauengeschichte. Zugehört hat ihr die Autorin und Verlegerin Denise Schmid. Aus den Gesprächen ist ein reichhaltiges, stellenweise auch sehr intimes Buch entstanden. Ein Buch, das auch die Atmosphäre und Stimmung in der Schweiz der 70/80er Jahre einfängt.

    Elisabeth Joris - Ein Leben in Geschichte(n), Verlag Hier+Jetzt, von Denise Schmid

  • LiteraturPur #59. «Ich war ein Cyborg, mehr Cyborg war kaum möglich.» Wie es sich anfühlt, wenn das eigene Leben komplett von einer Maschine abhängig ist, unter anderem davon erzählt der Schriftsteller Jonas Lüscher in seinem neuen Roman «Verzauberte Vorbestimmung». Dabei steht die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine im Zentrum. Im sehr persönlichen Teil des Romans schildert Jonas Lüscher seine Erfahrungen mit einer schweren Corona-Erkrankung. Hauptsächlich aber begibt er sich auf eine Reise durch Raum und Zeit, immer auf den Spuren des Künstlers Peter Weiss, dem er sich verbunden fühlt. Es ist ein raffiniert gebauter und vielschichtiger Roman, der mich berührt, gepackt und herausgefordert hat. Wie und weshalb, darüber rede ich mit Jonas Lüscher. Im Gespräch erfahre ich, weshalb er der Technologie einerseits skeptisch gegenüber steht, andererseits aber auch von ihr begeistert ist. Vor allem bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz schwankt er zwischen Faszination und Sorge. Er ist überzeugt, dass menschliche Emotionen wie Liebe, Nächstenliebe und Lachen in den kommenden Zeiten, in denen KI immer immer stärker unser Leben bestimmt, entscheidend sein werden.

    «Verzauberte Vorbestimmung» von Jonas Lüscher ist im Hanser Verlag erschienen.

  • LteraturPur #58: Romane brauchen Chaos, sagt Benjamin von Wyl. Und natürlich auch Fantstik. Letztere kommt in allen seinen Romanen in irgendeiner Form vor. Weshalb das so ist, erzählt er mir bei unserem Treffen in Baden. Da reden wir über seinen neusten Roman «Grosswerden und Einknicken». Darin geht es unter anderem um Klimaängste, Weltuntergang und die Natur.Und dies aus der Perspektive eines Kindes. Durch seine Augen blicken wir auf die Welt, die einerseits bedrohlich, andererseits auch faszinierend ist. Wenn das Kind vor Feindseligkeiten der Schulkollegen, den Ansprüchen der Familie oder auch vor Klimaängsten fliehen will, reist es in seiner Phantasie in den Untergrund, ins Erdinnere. Da gibt es noch vieles zu entdecken. Und alle Gefahren sind weit weg.

    Benjamin von Wyl, «Grosswerden und Einknicken» Verlag Die Brotsuppe

  • LiteraturPur #57: Eine Diskussion zu KI und Fiktion
    Künstliche Intelligenz greift immer mehr in das Leben der Menschen ein. Mensch und Maschine, wie geht das zusammen? Ist es eine Gefahr oder eine Chance? Das popkulturelle Genre der Science Fiction verhandelt diese Fragen seit geraumer Zeit. Woher kommt die Faszination dafür, welche Phantasien haben die Künste dazu, wie düster sind die Geschichten in Literatur und Film? Welche Ängste werden dabei angesprochen? Um diese Fragen geht es in der neusten Folge von LiteraturPur. Es ist eine Co-Produktion mit dem Podcast Kulturstammtisch von Eric Facon. Live aus dem Kulturhaus Royal haben Eric und ich mit folgenden Gästen diskutiert: Sita Mazumder, Wissenschaftlerin und Co-Autorin des Buches "KI sagt, Menschen meinen"; Reda el Arbi, Autor des Sci-Fi Romans "empfindungsfähig"; Enno Reins, Filmkritiker bei SRF und Sci-Fi Spezialist.

    Ein paar Filme und Buchtipps dazu:
    1818 beschrieb Mary Shelley in «Frankenstein» einen künstlichen Menschen, der sich gegen seinen Schöpfer wendet. 1865 erträumte Jules Verne einen Flug zum Mond, der fast ein Jahrhundert später von Tim & Struppi gemacht wurde. Die Science Fiction, ein Genre, das Visionen über die Zukunft generiert. In Filmen wie «Star Trek» oder «2001 Space Odissey», in der Literatur. Bis heute: in einem seiner neueren Romane denkt der Brite Ian McEwan über ein Liebesdreieck zwischen einem Paar und einem Roboter nach («Machines Like Me»).

    Zwei Podcasts in einem: LiteraturPur und Kulturstammtisch. Eine Premiere.


  • LiteraturPur #56: Schönheit, wie damit umzugehen ist, was schön sein für eine Frau bedeutet, wie sich Schönheit im Alter wandelt; unter anderem darüber schreibt Katharina Lanfranconi in ihren Gedichten. Und sie sagt: "Ich war eine Sklavin meiner Schönheit. Sie war für mich neben allem positiven auch ein Drama." Mit viel Humor und Ironie dichtet Katharina Lanfranconi über das Leben als schöne Frau, über die Sinnlichkeit von Samt und Lippenstift, aber auch über die Natur, den Tod und die Liebe. Ich habe die Lyrikerin in Luzern zum Gespräch getoffen, hoch über der Stadt im Hotel Gütsch. Da haben wir uns am Kaminfeuer über ihren neusten Lyrikband «Wie hungrig» und über ihre neue Aufgabe als Verlegerin unterhalten.

    Die Angaben zum Buch: Katharina Lanfranconi, Wie hungrig, edition ars pro toto.

  • LiteraturPur #55: Im neusten Roman mit dem Titel «Tabak und Schokolade» geht Martin Dean auf Spurensuche nach seinen Vorfahren, sowohl in Trinidad als auch im aargauischen "Stumpenland". Bei seinen Recherchen entdeckt er, dass er eine zutiefst koloniale Biografie hat. Im Gespärch erzählt er mir, was das mit seiner Vorliebe für Schokolade und britische Marschmusik zu tun hat. Und wie es für ihn war, als er bei seinen Besuchen in Trinidad auf einen Schlag dreissig neue Verwandte bekam, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Er entdeckte dabei auch, dass seine Vorfahren in Trinidad wie im aargauischen Freiamt ausgebeutet wurden, sei es auf den Zuckerrohrfeldern oder in den Tabakfabriken. Ich erfahre auch, dass Martin Dean dieses Buch erst nach dem Tod seiner Mutter schreiben konnte und dass ein Fotoalbum der Auslöser dazu war. Auf dieser Suche nach den familiären Wurzeln wirft er einen sehr reflektierten postkolonialen Blick auf seine Familie und auf unser Land. Und ihm wird klar, dass sowohl Tabak wie Schokolade, zwei Genussmittel, die ihm lieb sind, seine beiden Familienstränge stark geprägt haben.
    Martin Dean ist Schriftsteller und Essayist. In seinen Romanen und Texten hat er sich immer wieder mit seiner Herkunft auseinandergesetzt. Ihn interessieren dabei unser exotisierende Blick auf Menschen anderer Hautfarbe und der Alltagsrassismus.

    Martin R. Dean «Tabak und Schokolade» Atlantis Literatur Verlag
    Der Roman stand auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises 2024

  • LiteraturPur #54: Zwei Menschen verlieben sich unsterblich ineinander. Sie wollen zusammenbleiben, aber eine Mauer trennt sie. Sie lebt in der DDR, er in der Schweiz. Gemeinsam planen sie die Flucht. Sie ist gefährlich, aber sie gelingt. Was für ein wunderbarer Stoff für eine Geschichte. Sie spielt Mitte der 60er Jahre, also während des Kalten Krieges. Thomas Strässle erzählt von der Macht der Liebe gegen die Übermacht des Systems. Es ist die Geschichte seiner Eltern. Entstanden ist daraus das Buch mit dem Titel «Fluchtnovelle». Doch es ist nicht nur die Erzählung einer waghalsigen Flucht aus der DDR; es ist auch eine zauberhafte Liebesgeschichte. Und sie ist filmreif. Im Gespräch mit Thomas Strässle erfahre ich, was er bei der Recherche in den Archiven alles gefunden hat und warum er schon mit 17 Jahren wusste, dass er diese Geschichte irgendwann aufschreiben würde.
    Das Gespräch wurde bei einer Lesung in der Buchhandlung Librium Baden aufgezeichnet.

    Thomas Strässle «Fluchtnovelle» Suhrkamp Verlag

  • LiteraturPur #53: Gion Mathias Cavelty liegt am liebsten in seinem Bett. Es ist der einzige Ort, an dem er sich in der Welt aufgehoben fühlt. Es ist sozusagen sein Paradies. Und da, im Bett liegend, hört er an seinem 50sten Geburtstag eine Stimme. Und diese Stimme befiehlt: «Schreib!» Und so schreibt Gion Mathias Cavelty das Buch der Bücher neu, die Bibel. Es ist eine Offenbarungsschrift, in 24 Stunden wie im Wahn niedergeschrieben. Das Werk ist umwerfend komisch und es ist gespickt mit theologischen und mythologischen Anspielungen. Im Gespräch, anlässlich des Podcastfestivals in Zürich, erzählt mir Gion Mathias Cavelty wie er in seinem Bett in Schwammendingen zum Sprachrohr Gottes wurde. Ich erfahre wie Gott tönt und was er von ihm will. Und wir begeben uns auf eine Reise durch seine Bibel. Dabei spazieren wird durch das gar nicht so friedliche Paradies, besuchen Babylon und begegnen dabei biblischen und allerlei sonstigen Figuren. Natürlich auch Gott.

    Angaben zum Buch: Gion Mathias Cavelty «Die Bibel» lectorbooks