Episoder

  • Heute hat ein Bruder von mir Namenstag, vier Tage später Geburtstag, meine Nichte im August, meine Schwägerin im Oktober, meine Ex-Schwägerin im September, mein Neffe im Dezember und so weiter und so fort. In der Herkunftsfamilie an Geburts- und Namenstage denken und die anderen erinnern war früher immer der Job meiner Mutter. Wir haben es immer ein bisschen belächelt und uns am Ende doch gefreut, wenn von allen Seiten und von allen weiter verstreut lebenden Familienmitgliedern Glückwünsche eingetrudelt sind.Jetzt bin ich die Älteste in der Sippe und ich habe es gerne übernommen zu erinnern und zu gratulieren. Klar, es gibt eine Familien-WhatsApp-Gruppe und da kann man schnell etwas reinsetzen, ein paar passende Emojis dazu, absenden und fertig. Aber man kann auch, ein bisschen Old Fashion, einen Brief schreiben oder anrufen irgendwann am Abend. Ich persönlich finde zugeschriebene Worte auf Postkarten oder Briefen wirklich schön und ich kann sie auf den Schreibtisch stellen, immer mal wieder lesen und mich freuen.So ähnlich sagt es in der heutigen Lesung der Prophet Jeremia: "Kamen Worte von Dir, Gott, so verschlang ich sie; Dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere." – Manchmal ist es so, dass mir ein Wort aus den vielen biblischen Worten, die wir jeden Tag lesen oder hören, tatsächlich hängenbleibt und ich es in mir bewegen und immer wieder von den verschiedenen Seiten anschauen kann. Und dann wird es handfest und ich kann es im Tag nutzen oder es fordert mich heraus oder es erfreut mir einfach einen nicht so tollen Tag.Aber dafür muss ich mich wirklich mühen und jeden Tag dranbleiben. Es ist nicht das Dessert oder die Erdbeersauce über den Tag ausgeschüttet, sondern schon energische Arbeit für Verstand, Geist und Seele. Aber dann ist es auch nahrhaftes Schwarzbrot, das man kauen muss und dass dann auch sättigt. Schreiben wir also weiterhin Gratulationen, die den Empfänger erfreuen und lesen wir in der Heiligen Schrift die Worte, die uns zum Leben helfen wollen.

  • Am Mittwoch, dem Fest des heiligen Apostels Thomas, haben wir etwas Ungewöhnliches erlebt. Wir wussten, dass der Apostel Thomas der Begründer und Patron der indischen Christen ist. Aber seine Bedeutung ist uns an dem Tag erst aufgefallen. Ein Konvent von fünf Schwestern einer indischen Gemeinschaft konnte endlich ihr neues Domizil in einem renovierten Pfarrhaus im Nachbarstädtchen beziehen. Also haben sie mit vielen Gästen und vielen ihrer Schwestern aus ganz Deutschland einen wunderschönen Gottesdienst in der Pfarrkirche gefeiert. Ein Weihbischof und deutsche und indische Priester haben ihn zelebriert und alle indischen Teilnehmer*innen haben mehrere Lieder in ihrer Sprache Malayalam gesungen. Schon das Liedblatt, dass die indischen Mitfeiernden hatten, sah aus wie ein Kunstwerk und die Melodien sind so wunderbar und herrlich anders, dass es mir immer eine Freude ist, mich in die Melodien einzuschwingen.Die Begrüßung durch eine indische Schwester in gutem Deutsch hatte feine deutsche Sprachbilder. Sie hat von Menschen gesprochen, die wie ein Fels in der Brandung für sie waren, von Helfern, die wie deutsche Eichen fest hinter ihnen stehen, von Menschen aus der Gemeinde, die wie fleißige Bienen unentwegt gearbeitet haben und von anderen, die als Engel zu ihnen geschickt worden sind. Es war eine Freude ihr zuzuhören und ich habe wieder gemerkt, dass wir nüchternen Deutschen es ein bisschen verlernt haben, in solch schönen Bildern zu reden. In einer kleinen Prozession ist dann das Allerheiligste in ihr Haus in die Kapelle geleitet worden und dann wurde alles mit Weihrauch und Weihwasser gesegnet. Und dann natürlich kein Fest ohne Festessen, das im Pfarrheim im Nachbardorf bereitet war und herzliche und fröhliche Atmosphäre mit viel Lachen und Plaudern und Loben und Danken.Für mich und meine Mitschwester, die wir in den letzten Jahren in unserer Gemeinschaft viel öfter die Schließung von Konventen erlebt haben, war es ein Fest für Herz, Leib und Seele und eine schöne Gewissheit, sie in unserer Nähe zu haben. Die nicht mehr so selbstverständlich geäußerte Fürbitte um Ordensberufungen in unsere Kirche konnte ich wieder aus ganzem Herzen mitbeten. 

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  • In einigen Spielen der EM haben die Schiedsrichter nicht damit gegeizt, gelbe Karten zu zeigen. Das bedeutet, wenn ein Spieler ein schlimmes Foul begeht, sich unsportlich verhält oder sonst eklatant gegen die allgemeinen Regeln des Fußballs verstößt, bekommt er diese Verwarnung. Und das hat Folgen. Meist sind die Spieler dann etwas vorsichtiger und versuchen, jetzt regelkonform zu agieren. Und wenn es dann trotzdem schiefgeht, bekommt er noch eine gelbe Karte und aus doppelgelb wird rot und der Spieler muss den Platz verlassen. Also eine sehr viel höhere Strafe, die auch meist eine Sperre für ein oder zwei Spiele nach sich zieht.Natürlich ist in meiner Kartensammlung für selige Fußballfans auch eine gelbe Karte. Und da steht ein Bibeltext aus dem Lukasevangelium. Im 12. Kapitel in Vers 48 steht: "Wer dagegen falsch handelt, ohne es zu wissen, wird mit einer leichteren Strafe davonkommen."In diesem Kapitel geht es um die Wachsamkeit. Wie sollen wir wachsam in der Erwartung des kommenden Christus leben, ist hier die Frage, die den Jüngern in Gleichnissen gestellt und erläutert wird. Und am Beispiel eines Herrn, der seine Diener mit Aufträgen versieht und auf Reisen geht, kommt die Erklärung: Da niemand weiß, wann der Hausherr zurückkommt, sind die verschiedenen Typen zu erkennen. Die einen machen ihren Dienst, wie er ihnen aufgetragen ist. Die anderen denken, oh, mein Herr kommt noch lange nicht, machen alles zu ihren Gunsten und kümmern sich nicht um die ihnen Anvertrauten.Für uns heute ist es eine gute Erklärung für unseren Tag heute. Tun wir das, was heute dran ist, was unser Arbeitsauftrag im Betrieb, in der Familie, im Ehrenamt in der Gemeinde ist und bleiben wir in der Erwartung des Herrn, von dem wir nicht wissen, wann er kommt.Und im Fußball, in einem Turnier, gibt es die wunderbare Regel, dass nach dem Viertelfinale alle gelben Karten gelöscht werden. Das heißt, alle Sünden und Verfehlungen sind gelöscht und man kann in den letzten Spielen wieder unbeschwert loslegen. Eine gute Erklärung für die Barmherzigkeit Gottes, der uns immer wieder eine neue Chance gibt, auch nach mehreren gelben Karten.

  • Thomas ist die ganze Zeit mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen mit Jesus unterwegs gewesen, hat ihn mitreißend predigen gehört, gesehen wie er gelebt, gebetet, gelitten, geglaubt hat, hat mit ihm gegessen und getrunken und Feste gefeiert. Er hat die Wunder erlebt, die in den drei Jahren geschehen sind und alle verblüfft haben. Er ist aber, wie fast alle seiner Kollegen in Panik geflüchtet, als dieser Jesus, an den er geglaubt hat, gepeinigt und gekreuzigt wird. Und dann soll er wieder auferstanden sein? Echt jetzt? Die anderen Apostel haben ihn gesehen und erzählen es ihm. Aber das geht Thomas jetzt wirklich zu weit. Er entgegnet ihnen ärgerlich und schroff: Wenn ich nicht die Wunden von den Nägeln an seinen Händen sehe und wenn ich das mit meinen Fingern nicht fühlen kann und meine Hand nicht in seine Seite legen darf, glaube ich nicht. Basta. Dieses Basta, dieses "dann glaube ich nicht", ist die große Frage des Thomas nach dem, was er denn noch glauben kann und will. Wir sagen schnell, der ungläubige Thomas. Aber eigentlich ist es eher anders: weil er glauben möchte, hat er Zweifel. Nur wer wirklich glaubt, hat auch Zweifel. Und acht Tage später ist er doch wieder mit den anderen zusammen. Und Jesus kommt dazu und spricht ihn an: Leg Deine Hände in meine Wunden und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Weil Jesus die Zweifel des Thomas ernst nimmt und kennt, kann er ihm genau die Zeichen geben, die er braucht, um glauben zu können. Er darf es quasi be-greifen – anfassen – antippen – erfühlen und damit verstehen. Und dann kommt das eigentlich Große dieses angeblichen Zweiflers. Er kann ganz beeindruckt bekennen und trotzdem ganz einfach sagen: Mein Herr und mein Gott. Er sagt nicht: Du bist der Herr und Gott. Er bekennt: Mein Herr und mein Gott. Für mich ist das Beispiel des Thomas gerade im Moment der Krise der Kirchen eine Antwort: Kann ich sagen und bekennen: Mein Herr und mein Gott? Da ist nicht der perfekte, strahlende, zweifelsfreie Glaube gemeint, der über allem schwebt und durch keine Katastrophe angefragt werden kann, sondern der oft haltlose, der zweifelnde, der verzweifelte aber immer suchende Glaube, auf der Suche nach meinem Herrn und meinem Gott.

  • Ein vierzehnjähriges Mädchen, das in der Glaubensgewissheit erzogen worden ist, dass eine aus ihrem Volk die Mutter des Messias werden wird, hat diese Begegnung mit dem Engel Gabriel, der genau ihr diese unglaubliche Botschaft bringt. Und der Engel gibt ihr, quasi als Ermutigung, Tipp und Trost die Nachricht, dass ihre Verwandte Elisabeth, die ja schon älter und kinderlos ist, jetzt einen Sohn erwartet. Sie sei schon im sechsten Monat, weil bei Gott nichts unmöglich ist. Einige Wochen gehen ins Land und dann macht sich Maria auf den Weg ins Gebirge, zu ihrer Verwandten. Was will sie dort? Ihre eigenen Eltern ahnen wahrscheinlich noch nichts von dem Unbeschreiblichen, was sich da anbahnt, ihr Verlobter Josef auch nicht. Braucht sie vielleicht doch noch den Beweis, dass sie das alles nicht geträumt hat, dass stimmt, was der Engel gesagt hat, dass dieses Unglaubliche, das ihr da angekündigt worden ist, wirklich Gottes Wille ist? Oder will sie den Abstand von zuhause, um sich selbst wieder sicher zu werden? Oder will sie einfach ihre Verwandte besuchen und mit ihr eine Frau, die sich mit ihrem Mann ebenso auf ein göttliches Abenteuer eingelassen hat? Vielleicht braucht sie eine mütterliche Schulter, an der sie sich anlehnen und ausweinen kann, wegen all dem Ungeheuerlichen, was ihr da zugetraut wird? Fragen über Fragen, die wir uns stellen würden.  Denn im Augenblick, da sich diese beiden Frauen, die ganz junge, und die schon ältere begegnen, geschieht eine Explosion und eine Revolution: eine Explosion in Freude, Glück und Überraschung, die beide Frauen und ihre Ungeborenen erfasst und jubeln lässt. Und eine Revolution. Denn aus Maria, diesem gesegneten jungen Mädchen, bricht ein Gebet hervor, das bis heute nachhallt. Sie verkündet, dass Gott auf die Niedrigen schaut, die Hochmütigen verjagt, die Mächtigen von ihren Thronen stürzt und kleine Leute erhöht und sich immer seines Volkes erbarmt, weil er es Abraham, Sarah und allen ihren Nachkommen verheißen hat. Und sie sagt nicht, dass dieser Gott es in Zukunft tun wird, sondern jetzt, heute, immer. Aus dieser Begegnung von Maria und Elisabeth, an die wir uns heute erinnern, geht eine Kraft und Freude aus, weil es allen klarmacht: dieser Gott ist mit uns, heute, immer und in alle Ewigkeiten.

  • Also am Wochenende war ja dann weiterhin Fußball und nach 2 Tagen Pause vorher ohne Fußball war das schon schön. Bei den ganzen Begriffsklärungen über Positionen in den Mannschaften und in den taktischen Aufstellungen gibt es Dinge, die kaum noch eine Rolle spielen aber früher so wichtig waren. Kaum noch jemand kennt den Libero, der früher von Franz Beckenbauer so perfekt gespielt wurde. Früher gab es dann zum Beispiel auch noch die Kreisläufer und die Läufer auf den Außenbahnen. Heute, im modernen Fußball, werden diese Positionen immer noch gespielt aber ganz anders wahrgenommen und bezeichnet. Und dann gibt es, auf meinem Kärtchen für heute, den Begriff der Manndeckung. Früher wurde das konsequent gespielt und die Deutschen und noch mehr die Italiener haben noch lange an diesem Stil festgehalten, während heute mehr die Raumdeckung und dabei das Spiel in den Dreier – und Viererketten vorgezogen wird. Die Bibelstelle auf meinem Kärtchen ist aus dem Matthäusevangelium der 20. Vers aus dem 28. Kapitel. Dort heißt es von Jesus persönlich: Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist. Im ganzen Matthäusevangelium wird von Jesu Leben und Wirken, von Leiden, Tod und Auferstehung berichtet. Und jetzt, in den allerletzten Versen geht es Jesus darum, seinen Freunden und Begleiterinnen nochmal deutlich seine wichtigsten Aufträge zu geben: alle Völker zu seinen Jüngern machen, und zu taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und alles zu lehren und zu befolgen, was er ihnen zu befolgen geboten hat. Und dann ist der allerletzte Satz diese Zusage, immer bei uns zu sein. Wenn wir das konsequent denken könnten, was ja schwer genug ist, aber vielleicht doch konsequent glauben würden, gäbe es eine Zuversicht, die fast nicht mehr zu toppen ist: in all deinen Höhen und Tiefen bist du nicht allein, ich bin bei Dir und lasse Dich nicht im Stich. Ein Stürmer beim Fußball hätte nicht so gern, wenn ihn der Verteidiger, wie es heute eher heißt, niemals im Stich lassen würde. Aber für mich und für Sie ist dieses letzte Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium wohl das Beste, was uns passieren kann. 

  • Es scheint, als würde diese Europameisterschaft das Turnier der Eigentore. Es gibt schon sieben und der Rekord ist 11 Eigentore in einem Turnier. Manchmal sind es ganz dusselige Fehler und Missverständnisse zwischen Verteidiger und Torwart, wie bei der türkischen Mannschaft. Und der Ball kullert ins Tor. Oder wie im ersten Spiel, als Antonio Rüdiger als Verteidiger den Ball aus der Gefahrenzone köpfen wollte und leider ins eigene Tor getroffen hat. Wenn dann noch mehrere Tore fallen und nicht das Eigentor das spielentscheidende ist, geht es gerade noch. Sie ahnen es schon. Auf meinem heutigen Kärtchen mit Begriffen für selige Fußballfans steht das Wort EIGENTOR. Wir kennen das auch aus dem täglichen Umgang und sagen schon mal, wenn jemand etwas besonders ungeschickt vorgebracht hat, er habe da aber ein Eigentor geschossen. Oder wenn jemand sich zu einem Thema immer mehr in Rage redet und immer mehr vom Thema abkommt, sich in Widersprüche verwickelt, das Ganze völlig danebengeht und als Eigentor bezeichnet wird. Als Bibelwort steht auf meinem Kärtchen Vers 19 aus dem Psalm 34. Da heißt es: "Der Herr ist denen nahe die verzweifelt sind, und rettet auch jeden, der alle Hoffnung verloren hat.“ Auch jede und jeder von Ihnen kennt Situationen im Leben, die so zum Verzweifeln sind, dass man sich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen und nie mehr auftauchen möchte. Von familiären Ungeschicklichkeiten bis hin zu großen Katastrophen, die man selbst ausgelöst hat und verantworten muss. Und da steht dieser Psalm unter der Überschrift "Unter Gottes Schutz und Leitung“. In solchen Lebenssituationen kann sich zeigen, ob mein Glaube Sonntagsgottesdienstglaube ist oder ob er mich durch die Höhen und Tiefen meines Lebens begleitet. Dann ist die Situation trotzdem oft bedrohlich und zum Verzweifeln. Und doch kann irgendwann der Gedanke mein Herz und meine Seele trösten, dass in all dem Chaos Gott an meiner Seite ist und ich da nicht allein durchmuss. Eigentore bleiben übel, aber es gibt die Hoffnung auf ein neues, besseres Spiel meines Lebens. 

  • Gestern habe ich mit Ihnen schon mal auf das Lied "Das Jahr steht auf der Höhe" geschaut und die ersten beiden Strophen zum Nachdenken vorgelegt. Heute schaue ich mit Ihnen gern auf die dritte und vierte Strophe. Die dritte lautet:Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,die Tage loszulassen und was vergänglich ist,das Ziel ins Auge fassen, dass du, Herr, selber bist. Diese Zeilen sollen für uns nicht trostloses auf das Jahresende zugehen bedeuten, sondern als Wachmacher fungieren. Das was vergänglich und gestrig ist, können wir hinter uns lassen damit wir offenen Auges und Herzens auf das schauen können, was vor uns liegt. Und da liegt vor uns das Ziel, dass für uns Christen der Herr Jesus Christus selber ist. In der vierten Strophe wird noch deutlicher, worum es geht: nicht unsere abnehmende Zeit und Kraft und das Vergehen des äußeren Menschen ist das Ziel, sondern die Bitte an Gott, dass jede und jeder vorher zu ihm finden möge und durch den Tod hindurch zum Leben bei ihm findet.Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab.Dein Tun hat Morgenschimmer, dass unsere sinkt ins Grab.Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht,dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.Unsere alten Schwestern haben von früher noch die abendliche Übung gekannt, sich vorzustellen, dass sie in dieser Nacht sterben würden. Um dann in vollem und liebendem Bewusstsein vor dem Schlafengehen ihr Leben in Gottes Hände zu geben, der ja das Ziel unseres Weges ist. Das ist eine, für uns Heutige, fremde Übung aber es schult die Gewissheit, in allem in Gottes Hand geborgen zu sein.

  • Es ist Sommer. Es ist kaum zu glauben. Schon drei Tage sonnig und keine Gewitterwarnung und kein Sturzregen und herrlich warm und ein lauer Abend im Garten. Es gibt so Gewissheiten, die einfach erinnern, dass es wettermäßig im Sommer so sein sollte. Aber im Lauf des Jahres sind wir schon wieder auf dem absteigenden Ast. Der 20. Juni war die Mitte, der Mittsommer, der längste Tag und die kürzeste Nacht. Im Gotteslob haben wir dazu ein wunderschönes Lied, dessen Melodie sehr eingängig und dessen Text sehr deutlich zeigt, wie der Zeiten – und der Lebenslauf geht. Da heißt es in der ersten Strophe:Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn.Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. Im normalen Trubel des Alltags und in den großen Städten merken wir das gar nicht, dass die Blütezeit der Bäume, Früchte und Felder vorüber ist und wir schon ernten können, die Beeren und Früchte und das frühe Gemüse. Aber da genau ist der Punkt in unserem Leben: mittendrin und doch schon auf dem Weg des Reifens zum Ende hin. "Lass uns Dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin" ist die Ermutigung und auch Ermahnung unseres Lebens: mit seinem Wort auf Gott hin zu leben und zu reifen. Die Erkenntnis der zweiten Strophe macht den Gedanken noch deutlicher:Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht.Begegne unsern Ängsten mit deiner Liebe Macht.Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichseinnimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein. Das Blühen und Reifen und die langen Sommertage sind die eine Seite des Lebens. Die Dunkelheiten und Ängste die andere Seite. Und in diesem Lied gibt es die schöne Zusage, dass all das in der Macht von Gottes Liebe geborgen ist.

  • Wir sind im Moment beim Morgenlob in unserer Kapelle hier in San Damiano in Olpe ein buntes Völkchen. Wir sind im Moment zwei Olper Franziskanerinnen, eine indische Karmeliterin, die im benachbarten Krankenhaus eine Ausbildung macht und mitbetet, wenn sie nicht gerade Frühdienst oder Schule hat. Dann ein älterer Herr, der Organist und Kantor in der Evangelischen Nachbarkirche ist und ein etwas jüngerer Mann, der seit vielen Jahren treu von Montag bis Freitag mit seinem Fahrrad angedüst kommt und sich schon super gut auskennt in den Stundenbüchern. Und im Moment haben wir noch eine junge Frau, die ein Sozialpraktikum macht und gebeten hat, bei uns zu leben damit sie Ordensleben kennenlernen kann. Wenn alle da sind, also zu sechst, fühlen wir uns als großer Chor, denn manchmal sind wir auch zu zweit und dann ist es schonmal anstrengend, gut konzentriert zu bleiben beim Lob Gottes. Auf meinem heutigen Kärtchen der Fußballbegriffe steht FANKURVE und jeder weiß, was gemeint ist. In großen Stadien sind die Fanblöcke der Heimmannschaft und der gegnerischen Mannschaft in verschiedenen Kurven gut getrennt und in spannenden Spielen jubelt und singt mal die eine und dann die andere Seite und feuert die jeweilige Mannschaft an. Mit besonderem Vergnügen haben wir Fußballfans die Spiele der schottischen Nationalmannschaft verfolgt, die mit ihren sangesfreudigen Fans die Spiele zu einem Fest gemacht haben. Als Bibeltext ist aus dem Psalm 21 der 14. Vers angegeben wo es heißt: "Herr, zeig ihnen deine Macht! Wir wollen deine großen Siege besingen und dich preisen." Die Siege Gottes zu besingen und ihn zu preisen ist unsere Aufgabe als Christen und Ordenschristen und dabei tun wir das oft auch im Auftrag aller, die es nicht mehr können oder wollen und aus dem eigenen inneren Antrieb, damit wir Gott schon am Beginn des Tages die Ehre erweisen und alles, was dieser Tag bringen wird, unter Gottes Schutz und Segen stellen. Und wenn ich jetzt bedenke, wie viele Menschen jetzt mit mir und ihnen mitsingen und beten, sind wir die absolut größte Fankurve Gottes in dieser Zeit der Fußball-EM. 

  • Es gibt in der gesamten Liturgie der Kirche nur drei Menschen, von denen wir den Geburtstag feiern: Jesus – den Sohn Gottes, die Gottesmutter Maria, und seinen Vorläufer Johannes dessen Geburtstag heute ist. Dessen Ankündigungsgeschichte ist echt bemerkenswert. Im Lukasevangelium heißt es:"Da erschien ihm der Engel des Herrn, der stand an der rechten Seite des Räucheraltars. Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht überfiel ihn. Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist."Beim Tempeldienst wird seinem Vater angekündigt, dass er diesen Sohn bekommen wird, und weil er das wegen seines Alters und des fortgeschrittenen Alters seiner Frau wirklich nicht glauben kann, wird er stumm. Als dann der Sohn geboren ist und er aufschreibt, dass dieses Kind Johannes heißen soll, wird seine Zunge wieder gelöst und er kann wieder sprechen und "er redete und pries Gott".Dass es einem von dem, was auf mich zu kommt, schon mal die Sprache verschlägt, kommt Ihnen vielleicht auch bekannt vor. Man ist sprach- und ratlos und weiß nicht weiter. Und dann hilft es schon mal, wenn man einfach tut, was dran ist, den normalen Alltag bewältigt und trotzdem versucht, Herz und Hirn zusammenzubringen und auf das zu hören, was mir da aufgetragen ist oder von dem ich spüre, dass jetzt etwas geschehen muss.Und manchmal ist es auch erst die nächste Generation, hier also der Sohn Johannes, der die richtigen Worte findet, und einen liebenden und erbarmenden Messias ankündigt.

  • Was würden Sie von jemandem halten, der mit sehr jungem aber ernstem Gesicht und Lilien in den Händen dargestellt wird? Wahrscheinlich, dass da jemand ziemlich fromm und lebensuntüchtig beschrieben werden soll. Bei Aloisius von Gonzaga, an den die Kirche heute denkt, war das aber völlig falsch. Aus reichem Haus stammend wird er Mitte des 16. Jahrhunderts Page am Hof König Philipps II. in Madrid. Mit 17 Jahren erlaubt ihm sein Vater nach echt hartem Ringen, dass er bei den Jesuiten eintreten darf. Bei einer Pestepidemie in Rom steckt er sich an, da er ohne Schonung und ohne Vorsicht die Pestkranken pflegt. Drei Monate später im Jahr 1591 stirbt er an der Pest.Irgendwie passt das reale Leben dieses Jesuiten also überhaupt nicht zu dem, wie er später dargestellt wird und wohl auch rüberkommen soll, wie man heute sagen würde, weil er zum Patron der Studierenden ernannt wird und wohl als liebenswürdiges, frommes und in sich gekehrtes Vorbild taugen soll. "Alles zur größeren Ehre Gottes" ist eines der Leitworte der Jesuiten und das hat Aloisius wohl sehr handfest und energisch und mit Herz und Hand ausgeführt und nicht auf sich selbst und sein Ego geachtet, sondern auf die Menschen, die seine Hilfe brauchten.Ich fand dieser Tage die Zeilen von Mutter Teresa, die ziemlich genau auf das Leben des heiligen Aloisius passen. Sie schreibt:"Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. – Liebe diese Menschen trotzdem.Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. – Tue trotzdem Gutes.Das Gute, dass du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. – Tue trotzdem Gutes.Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern. – Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern.Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. – Gib der Welt trotzdem das Beste.Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott."

  • Seit gestern bin ich mit noch mehr als 25 Novizen und Noviziatsleitern zu einem Kurs in einem evangelischen Kloster in der Nähe von Hildesheim. Ich genieße diese Kurse aus vielerlei Gründen sehr. Da sind Männer und Frauen aus den verschiedenen Orden und klösterlichen Gemeinschaften aus dem deutschsprachigen Raum aus der katholischen und evangelischen Tradition. Und es ist wunderbar, aus der eigenen klösterlichen Blase herauszugehen und mit so verschiedenen Gemeinschaften, Denkweisen und Gebetsformen zusammen zu sein.Sehr gut gefällt es mir immer, andere Formen des gemeinsamen Gebetes zu erleben und zu vollziehen und eine ganz schön gelebte musikalische Kultur. Ich mag unsere franziskanische Gebetskultur und das Stundengebet, das wir auch in ganz kleinen Konventen miteinander beten. Aber ich genieße die ganz andere Art unserer evangelischen Geschwister zu beten und zu feiern und manches habe ich schon für uns adaptiert.Andere junge Schwestern und Brüder können da ganz schlecht mit umgehen, dass da alles so anders ist und nicht in ihren gewohnten Bahnen läuft. Das ist ein Problem vieler Zeitgenossen. Aber wenn wir uns nur in unseren wohlbekannten Kreisen bewegen, die wir kennen und in denen wir uns sicher fühlen, wie können wir dann Neues lernen, Altes hinter uns lassen und unserem eigenen Dasein neue Akzente geben?Eine Referentin leitet die Tagung und gibt immer neue Impulse, mit denen wir einzeln, in Kleingruppen oder im Plenum weiterarbeiten. Manche mögen das nicht so gern, weil sie dann darin gefragt sind, ihre eigene Denkweise, ihre eigene Meinung kund zu tun und sich zu positionieren. Aber nur dann kommen wir in unserem Leben und Glauben voran. Nur in Austausch und Debatte können sich gemeinsame Wege und Ziele entwickeln und verdeutlichen. Wer sich der Debatte verschließt, zeigt nur, dass es ihm und ihr nur um die Bewahrung der eigenen Meinung geht und nicht um das gemeinsame miteinander Gehen und Glauben und Kirche sein, egal in welcher Form ich das lebe.

  • Mit meinen Kärtchen zum Thema Bibel und Fußball habe ich schon einige vergnügliche Runden gedreht. Mit heiligem Rasen und Mannschaft waren zwei Begriffe aus dem Fußball-Start in unsere morgendliche Betrachtung. Heute ist es der Begriff Kapitän. Eigentlich wird dieser Begriff eher mit der Schifffahrt in Verbindung gebracht. Seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich der Begriffe Mannschaftskapitän oder Kapitän eingebürgert. Ein Kapitän, ist in vielen Mannschaftssportarten ein Spieler, der eine herausragende Stellung im Spiel einnimmt. Dies betrifft formell in erster Linie die Möglichkeit, während des Spiels mit dem Schiedsrichter zu sprechen. In der Regel wird der Kapitän von den Mannschaftsmitgliedern gewählt oder vom Trainer bestimmt. Er vertritt die Interessen der Spieler seiner Mannschaft gegenüber dem Verein, dem Trainer und dem Schiedsrichter, gilt häufig aber auch als verlängerter Arm des Trainers auf dem Spielfeld. Und in der Bibel? Hier wird als Textstelle der Vers 5 aus dem Psalm 45 angegeben. Er lautet in fußballähnlicher Übersetzung: Sei stark und kämpfe für die Wahrheit; regiere dein Volk umsichtig und gerecht. Deine kühnen Taten sollen Dir zum Sieg verhelfen. Manchmal sind Kapitäne umstritten, weil sie ihre Leute nicht so führen, wie es sich andere vorstellen. Und manchmal sind es genau die, die diese Zeit braucht. In einer Gemeinschaft sind es oft genau diese einzelnen Menschen, die durch ihr Tun und Sein genau das verkörpern, was es für diese Aufgaben braucht. So zum Beispiel hier bei uns eine Mutter, die eine Sechsergruppe Kommunionkinder leitet, die genau spürt, was Kinder brauchen, weil sie selbst 5 Kinder hat, die sie im Glauben erzieht und sanft ins Christsein einführt. Oder ein Handwerksmeister, der seine Leute nicht sonntags oder feiertags arbeiten lässt, obwohl das viele mittlerweile tun, weil ihm selbst der Sonntag heilig ist. Oder der Parteipolitiker der sich weigert, Hass und Hetze in den Medien gut zu heißen und selbst solche Parolen und Kampagnen nicht nutzt. Seien wir in unseren Familien, Nachbarschaften, Arbeitsstellen Kapitäne unseres Christseins und warten wir nicht, bis "die da oben" wie man so schön sagt, Anweisungen geben.

  • Ich hatte Ihnen am Freitag kurz erzählt, dass ich ein Kartenset besitze, wo Begriffe aus dem Fußball und aus der Bibel ein wenig augenzwinkernd zusammengebracht werden. Nach dem Heiligen Rasen am Freitag ist nun der Begriff MANNSCHAFT auf meinem Kärtchen. Und als Bibelvers ist der Zweite Vers aus dem 2. Kapitel des Briefes an die Philipper angegeben. Da heißt es: "Vollkommen aber wird meine Freude, wenn ihr euch ganz einig seid, in der Liebe verbunden bleibt und fest zusammenhaltet." Das ist ja wohl die wunderbarste Definition einer guten Fußballmannschaft; sich mit dem Trainer einig sein in Spielweise und Taktik, in der Zuordnung der Aufgaben aber dann auch in der Liebe zum Fußball verbunden bleiben und fest zusammenhalten. Erinnern Sie sich noch an die Weltmeisterschaft 2014? Da hieß es sehr klug in einem Videospot über die deutsche Fußballnationalmannschaft: die einen haben Ronaldo, die anderen Messi und wieder andere Neymar - aber wir haben ein Team. Und genau das hat damals der Erfolg gebracht. Ein Team das zusammengehalten hat und auch in schwierigen Situationen verbunden geblieben ist. Und jede und jeder von Ihnen weiß auch, dass das für jede Art Mannschaft gilt. Auch für die Mannschaft Gottes auf Erden, die Gemeinden und Kirchen und Vereinigungen und Verbände. Wenn die Mitglieder dieser Verbindungen, so wie Paulus es erbittet, zu Einigkeit in Weg und Ziel gekommen ist, dann auch auf dem Weg verbunden bleibt und die Liebe zu Gott und den Menschen nicht aufgibt, dann können sie viel erreichen. Das heißt nicht, dass immer Friede, Freude, Eierkuchen herrschen wird. Aber es bedeutet schon, dass man sich grundsätzlich geeinigt hat über den Grund, der alles was getan werden soll legt: den Glauben an Jesus Christus und seine frohe Botschaft von einem mitgehenden, mitleidenden Gott, der selbst die Grenze des Todes überwunden hat. Wenn das in den einzelnen Mannschaften der Kirche klarer zum Ausdruck kommen wird, dann wird vieles leichter und die Freude, die Paulus da beschreibt, wird auch unsere Freude sein.  

  • Wettermäßig ist es im Moment irgendwie schwierig etwas zu planen. Mehrere Freiluftgottesdienste, für das Wochenende geplant, hingen immer irgendwie am seidenen Faden. Wenn jede Wetter-App etwas anderes sagt, und selbst die eigene Beobachtung nicht genau sagen kann, geht oder geht nicht, wird es schwierig: Tisch, Tücher, Kerzen, Bücher, Kelch und Patene, alles ist bereit nach draußen getragen zu werden. Aber wir warten noch. Dann ist es sehr praktisch, wenn man eine Montagehalle oder eine Kirche direkt in der Nähe hat, die einer Feiergemeinde ein Dach über dem Kopf bietet, falls es dann doch regnet. Unter einem offenen Himmel zu feiern ist tatsächlich eine ganz andere Erfahrung. "Die Erde ist so voll des Himmels", habe ich dieser Tage gehört und es hat mir sehr gefallen. Man schaut automatisch nach oben und verfolgt den Zug der Wolken, das Flirren der Luft, wenn es heiß ist, und man hört die Vögel, die unentwegt zwitschern. Die Sehnsucht nach dem Himmel offenhalten, ist eine sehr treffende Umschreibung der christlichen Verkündigung. Und da geht es nicht um Vertröstung auf die Zeit nach dem Tod, sondern um die Zusage Gottes auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, die schon die Propheten des Alten Bundes angekündigt und geschaut haben und die im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung sehr deutlich gesagt wird: "Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein." Denn Gott kündigt an, alles neu zu machen für seine Menschen und unter ihnen Wohnung zu nehmen und sie in dieser neuen Welt Leben und Glück zu geben. In manchen Situationen mitten im Alltag höre ich schon mal, dass jemand sagt, dass es aber jetzt echt himmlisch ist und wir gern verweilen möchten.  Halten wir also unsere Sehnsucht nach dem neuen Himmel und der neuen Erde wach und genießen wir bis dahin, dass die Erde schon jetzt des Himmels so voll ist.   

  • Heute beginnt sie endlich, die Fußballeuropameisterschaft bei uns in Deutschland. Ich gebe gerne zu, dass ich ein unrettbarer Fußballfan bin und mich auch von Skandalen, Niederlagen, frühem Ausscheiden und schrecklichem Millionenwucher nicht davon abbringen lasse. Bis jetzt noch nicht. Fußball wird auf der ganzen Welt gespielt, in riesigen Stadien und am Strand, in ärmsten Favelas und im Busch, mit modernen Hightechbällen und mit Lumpenbündeln, in Spezialschuhen und barfuß, mit überteuerten Trikots und mit nacktem Oberkörper und die Begeisterung ist überall gleich. Jubel und Tränen, überschäumende Freude und tiefe Trauer sind in jedem Spiel zu finden.Vor fast 25 Jahren habe ich ein kleines Kartenset geschenkt bekommt mit dem schönen Titel "Heiliger Rasen" und es sind 25 Karten für selige Fußballfans. Und im Kleingedruckten heißt es so schön: "Wer meint, die Bibel hätte in Sachen Fußball nichts zu melden, täuscht sich gewaltig. Lassen sie sich überraschen, was das Buch der Bücher zur schönsten Nebensache der Welt zu sagen hat." So werde ich in den nächsten 4 Wochen immer mal zu den Kärtchen greifen und mit Ihnen einen vergnüglichen Blick in die Bibel wagen und Ihnen dabei versprechen, dass auch absolute Nichtfußballfans etwas davon haben. Hoffe ich.Schon zum Deckblatt mit dem Wort "Heiliger Rasen" gibt es einen leicht umgewandelten Vers aus dem Lukasevangelium. Im 12. Kapitel Vers 28 heißt es: "Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen lässt, das heute im Stadion grünt, morgen aber schon zertreten wird, wie könnte er euch dann vergessen? Vertraut ihr Gott so wenig?" Soweit dieser Vers.Viele Menschen sind verzweifelt und haben Minderwertigkeitsgefühle aus vielerlei Gründen. Sie fühlen sich unnütz, nicht wertgeschätzt in dem, was sie tun und wie sie sind. Genau ihnen gehört dieses Wort vom Gras, das Gott so schön wachsen lässt, obwohl es irgendwann niedergetreten oder sogar von den Tieren gefressen wird. Wenn Gott dieses, in den Augen der meisten so unbedeutende Gras so schön wachsen lässt, so habt doch Vertrauen, dass Gott euch beisteht und eure schwierigen Lebenswege mitgeht.

  • In unserer Mutterhauskirche haben wir ganz hinten zwei Heiligenfiguren, den heiligen Josef mit dem Jesuskind und den heiligen Antonius von Padua, ebenfalls mit dem Jesuskind im Arm. Wenn man danach fragt, warum der heilige Antonius so abgebildet wird, weiß das kaum noch jemand.In den Heiligenlegenden aus der Zeit des Franziskus und seiner Mitbrüder wissen wir, dass Antonius zunächst Augustiner-Chorherr war, in Lissabon und Coimbra studiert hatte und sehr klug und redegewandt war. Er ist dann, weil er die Ankunft einiger Franziskanermärtyrer erlebt hatte, zu den Franziskanern übergetreten und hat Franziskus kennengelernt. Und da geschieht etwas Außergewöhnliches. Franziskus will eigentlich nicht, dass die Brüder studieren um damit dann predigen und forschen zu dürfen. Aber bei Antonius spürt er etwas Besonderes. Der ist ein so begnadeter Prediger, dass er schafft, den Menschen wieder klar zu machen, dass sie an einen Gott glauben können, der als Säugling herunter gekommen ist in die Welt. Und somit die Verbindung wiederherzustellen zwischen Gott und den Menschen, die sich soweit von ihm entfernt hatten. Und viele Leute in Padua und Umgebung, die seine Predigten gehört hatten beschreiben dabei das Bild, dass sie gesehen haben, wie er das Jesuskind auf dem Arm trägt. So hat Franziskus ihn beauftragt, die Mitbrüder zu unterrichten und zu lehren.In einem an Antonius gerichteten Schriftstück, dessen Text überliefert ist und das wahrscheinlich um die Jahreswende 1223/1224 entstand, nannte Franziskus ihn anerkennend "meinen Bischof" und erlaubte ihm, den Brüdern theologische Vorlesungen zu halten, "wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschest". Und aus dieser Geschichte heraus versteht man dann zum einen, dass Antonius mit dem Jesuskind dargestellt wird, dass in den Herzen der Menschen verloren gegangen war, und durch ihn wiedergefunden wurde. Und zum anderen, dass ihn von daher viele Menschen anrufen, wenn ihnen etwas, mehr oder weniger wertvolles verloren gegangen ist.Wenn dann also die liebenswert scherzhafte Bitte: "Sankt Antoni sei gepriesen, Schutzpatron der Schlamperliesen" zu Ihrem Wortschatz gehört, dann wünsche ich Ihnen sehr, nicht nur das verlorengegangene Schmuckstück, sondern auch Gott in ihrem Herzen wiederzufinden.

  • Als es vor Wochen immer näherkam, dass unsere philippinischen Mitschwestern uns besuchen werden, fiel mir wieder ein, dass ich mein Englisch etwas aufpeppen muss. Das Schulenglisch ist viele Jahrzehnte her und nicht mehr richtig auf der Höhe der Zeit. Außerdem nervt es mich immer, wenn ich für Gespräche und Austausch, mit den Mitschwestern auch immer einen Dolmetscher brauche. Also habe ich mir auf meinem Smartphone die altbekannte App runtergeladen und habe bei der Frage, wie viele Minuten ich jeden Tag üben will: 10 Minuten eingetragen. Also übe ich jeden Tag mit witzigen Übungen das Hören, das Lesen, das Schreiben und das Sprechen auf Englisch. Ziemlich motivierend finde ich, wenn nach 10 richtigen Aktionen ein Lob über den Bildschirm flattert und ein nettes "Gut gemacht“ meinen Eifer anfeuert. Und eigentlich sind ja 10 Minuten nicht so viel, könnte man denken. Und doch erinnert mich der kleine grüne Vogel der App manchmal spätabends, dass ich heute noch nicht geübt habe und dann mache ich das noch schnell. Könnte vielleicht einmal jemand so eine App für den Kontakt zu Gott erfinden? In der ich meine Zeit eintragen kann, zu der ich mich täglich verpflichten möchte, die mich erinnert, wenn mal wieder der Tag so turbulent war und ich wenig Zeit hatte, die mich ermuntert und motiviert, weil Gott auch spätabends noch online ist, die mir ein grünes freundliches "Pling" sendet, wenn ich es geschafft habe, mein Zeitziel zu erreichen? Oder, die mir jeden Tag zusagt: “Mach Dich nicht verrückt, Gott ist doch bei Dir, alle Tage, bis zum Ende der Welt“? Oder noch konkreter, wie es heute in der Lesung steht: "Was kann mich denn scheiden von der Liebe Christi: Bedrängnis oder Zeitnot, Verfolgung durch Termine oder unerledigte Aufgaben? Das alles kannst Du überwinden durch den, der uns liebt". Gott nämlich selbst als unser Vater, unsere Mutter, unser Bruder und unsere Schwester.

  • Die vielen Geschichten die wir über den Apostel Barnabas so lesen können, klingen echt spannend und er war viel unterwegs im Auftrag seiner Mitapostel. Der Gemeinde im Jerusalem kommt zu Ohren, dass es in Antiochien viele Bekehrungen und Taufen gibt und so schicken sie ihn dorthin um zu schauen, was da abgeht, wie man heute sagt. Und dann kommt ein wunderbarer Satz in der Apostelgeschichte, wo es heißt: Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben, wie sie es sich im Herzen vorgenommen hatten. Ist das nicht ein wunderbarer Satz: Als er die Gnade Gottes sah, freute er sich. Wie geht es Ihnen damit? Sehen wir noch die Gnade Gottes in unserem Christsein im Alltag? Und was erfüllt uns dabei mit Freude und stärkt und ermutigt uns? In diesen Wochen sind hier im Südsauerland viele Firmfeiern und Hunderte von Jugendlichen empfangen das Sakrament der Firmung. Und eine der verantwortlichen Gemeindereferentinnen hat auf der Fahrt zur nächsten Feier eine Nachricht bekommen. Eine Glückwunschkarte war zu sehen und darauf war ein Dank für den schönen Firmgottesdienst. Und dann war handgeschrieben dazu: "Firmung ist wie WLAN für den Glauben - man sieht es nicht, aber es verbindet". Die Jugendlichen hatten in vielen verschiedenen Vorbereitungsformen viel erlebt, was sie untereinander sehr verbunden hat: bei fiesem Wetter eine Holzhütte für die Gemeinde bauen, verbindet; bei einem Jugendwochenende miteinander nach Glaubenswegen suchen, verbindet; unter 60 Vorschlägen nach dem eigenen Gottesnamen suchen und sich dann mit der Gruppe auf fünf Namen einigen, verbindet und noch vieles mehr. In der Apostelgeschichte geht es dann so weiter, dass Barnabas nach Tarsus reist, Paulus sucht und findet, ihn nach Antiochia mitnimmt und sie dort ein Jahr lang viele Menschen das Evangelium lehren. Und dort in Antiochia, wird diese Gruppe der Neugetauften und zu Christus bekehrten zum ersten Mal Christen genannt. Verbinden wir uns immer neu mit der frohen Botschaft dieses Jesus Christus und miteinander mit all denen, die als Christen mit ihm und mit uns verbunden sein wollen.