Episodes
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Als Kind von den Taliban entführt und zur Zwangsarbeit gezwungen, gelingt dem Afghanen Eni Yousuf 2015 die Flucht in die Schweiz. Heute führt er ein Restaurant bei Bern – und erzählt in seinem Buch von Gewalt, Hoffnung und dem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben.
Eni Yousuf verbrachte als Kind und Teenager sieben Jahre in Zwangsarbeitslagern der Taliban und erlebte Gewalt, Ohnmacht und Verzweiflung. Dann gelang ihm die Flucht über Iran, Türkei und Balkanroute nach Europa. In der Schweiz kämpfte er sich mit harter Arbeit zurück ins Leben, lernte Deutsch und absolvierte eine Ausbildung in der Gastronomie.
Seit 2024 betreibt er mit seiner Partnerin das Restaurant Zamarod in Wabern. In seinem Buch schildert er seine traumatische Vergangenheit, aber auch seinen unbeirrbaren Willen, neu anzufangen – und zeigt, wie weit ein Mensch trotz widrigster Umstände kommen kann.
Buchhinweis:
Eni Yousuf: Nach oben und von dort über die Dächer. Meine Flucht. Cosmos, 2025. -
Er arbeitete 30 Jahre lang als Volkskundler in einem Amsterdamer Institut. Nach seiner Pensionierung schrieb er sich sein Arbeitsleben in über 5'000 Seiten von der Seele. Mit der siebenteiligen Romanreihe «Das Büro» landete J. J. Voskuil (1926-2008) in den Niederlanden einen gigantischen Erfolg.
Aus Voskuils Nachlass erschien 2023 ein weiteres Buch auf Deutsch. «Die Nachbarn» seziert das Zusammenleben und erzeugt mit seinen 300 Seiten einen ähnlichen Sog wie der Mammutroman «Das Büro». Was Voskuils ungeheuer normale Welt so packend macht, erläutern die Literaturredakteurin Katharina Borchardt, der Übersetzer Gerd Busse, die Verlegerin Nelleke Geel und die Literatursoziologin Carolin Amlinger.
Erstsendung: 15.3.2024
Buchtipps:
J. J. Voskuil. Das Büro 1-7. Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. Verbrecher Verlag.
J. J. Voskuil. Die Nachbarn. Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. Wagenbach Verlag. -
Missing episodes?
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Sie gilt als «Erbsünde Amerikas» und wird noch immer weitgehend verschwiegen und verdrängt: das jahrhundertelange Verschleppen, Verkaufen und Versklaven von Millionen von Menschen aus Afrika. Wo steht Amerika mit dieser Schuld heute, 250 Jahre nach seiner Gründung?
Amerikas wirtschaftlicher Aufstieg wäre ohne die jahrhundertelange Ausbeutung von Millionen aus Afrika verschleppten und versklavten Menschen nicht möglich gewesen. Doch bis heute hat sich der Staat weder gegenüber den Opfern noch gegenüber deren Nachkommen je zu diesem beispiellosen Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekannt, geschweige denn dafür entschuldigt. Zum 250. Bestehen der USA eine Reportage, in der es nicht nur um Reparation geht, sondern auch um die fehlende gesellschaftliche Aufarbeitung des schlimmsten Kapitels amerikanischer Geschichte, das bis heute nachwirkt. -
Mit etwa 2'500 Vertonungen wurde Else Lasker-Schüler so oft in Töne gekleidet wie keine andere deutschsprachige Dichterin. Welche Faszination geht von dieser Lyrik für Musikerinnen und Musiker aus? Eine Spurensuche in Wuppertal, Dresden und der Schweiz.
Ihre Poesie selbst ist schon Musik, Gedichttitel wie «Ouvertüre», «Fortissimo» und natürlich das berühmte «blaue Klavier» künden davon. Paul Hindemith, Friedrich Hollaender und der zeitgenössische Schweizer Komponist David Philipp Hefti fanden ganz unterschiedliche Ansätze für Vertonungen. Aber auch Jazzer wie Ulrich Klan, die Schlagersängerin Katja Ebstein und junge Songwriterinnen wie Christa Abels beschäftigen sich mit den Versen der expressionistischen Poetin. 80 Jahre nach ihrem Tod in Jerusalem ist Else Lasker-Schüler zeitlos – als Kämpferin für Frauen- und Autorenrechte, als Friedensbotschafterin und nicht zuletzt als eine frühe Performance-Künstlerin. -
Ingeborg Bachmann gehört zu den großen Stimmen der europäischen Nachkriegsmoderne – und zu den widersprüchlichsten. Aufgewachsen im Schatten von Krieg und Nationalsozialismus, findet die 1926 geborene Kärntnerin früh zur Literatur – und macht das Schreiben zu ihrem existenziellen Projekt.
Eine atemberaubende Karriere führt die Autorin von Wien über Paris nach Rom. Beziehungen zu Paul Celan und Max Frisch prägen Bachmanns Leben ebenso wie Brüche, Krisen und Rückzüge. In den 1960er-Jahren gerät das Leben der Schriftstellerin zunehmend aus dem Gleichgewicht. Zum 100. Geburtstag der Schriftstellerin wird das Werk Ingeborg Bachmanns aus verschiedenen Blickwinkeln neu beleuchtet. Sichtbar wird eine Autorin, die bei allem Streben nach Emanzipation in den Verstrickungen ihrer Zeit gefangen blieb – existenziell und künstlerisch. -
Kaum hat sich die grösste Insel der Welt etwas vom dänischen Kolonialismus befreien können, melden die USA unverhohlene Annexionsgelüste an. Für die Grönländerinnen und Grönländer geht es jetzt ums Ganze.
«Wir brauchen Grönland für unsere nationale Sicherheit», sagt US-Präsident Donald Trump. «Grönland ist Teil des Dänischen Königreiches», unterstreicht die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Derweil machen sich die Menschen auf der Arktis-Insel daran, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Sie bauen dabei auf eine indigene Erzähltradition und viele Stärken. Doch die Zeit wird knapp, denn die Weltpolitik hat Grönland entdeckt und die eigenen Mittel sind überschaubar. Die Zukunft des Inuitvolkes steht auf der Kippe. -
Die Deutsche Monika Rinck zählt mit ihren vielschichtigen und sinnlichen Gedichten zu den prägendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik. Die virtuose Schweizer Klangkünstlerin Anna Trauffer entwickelt im gemeinsamen Auftritt mit der Autorin zu deren Texten musikalische Klangwelten.
Gedicht und Musik begegnen sich in dieser an den Solothurner Literaturtagen aufgezeichneten «Passage» im offenen Experiment: Sprache wird Klang, Klang wird Kommentar – spontan und im Dialog.
Die Lyrik der 57-jährigen Monika Rinck gleicht überraschenden Denkbewegungen – musikalisch, ironisch gebrochen, wild assoziierend. Die Musikerin Anna Trauffer reagiert mit Kontrabass, Stimme und ausgefallenen klanglichen Texturen auf Rincks Texte. Dadurch entsteht ein einzigartiges Zusammenspiel von Vers und Klang, das Bedeutungen öffnet, ohne diese klar festzulegen: eine Einladung ans Publikum zu einer Reise in ungewohnte Hörräume.
Buchhinweis: Monika Rinck: Höllenfahrt & Entenstaat. Kookbooks 2024. -
Auf Pilzen ruhen grosse Hoffnungen. Sie sollen helfen, Probleme der Menschheit zu lösen: z.B. Baustoffe liefern, aber auch Verpackung und sogar Kleidung. Pilze bereichern unsere Esskultur und unterstützen unser Wohlbefinden. Und sie sind geheimnisvoll: Erst ein Bruchteil der Pilze ist beschrieben.
Pilze stehen auch bei Kunstschaffenden hoch im Kurs. Künstlerinnen und Künstler besingen sie, wandeln ihre elektrischen Signale in Klang um, arbeiten mit ihrer Leuchtkraft, ihrer Biolumineszenz. Forschende an der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt behandeln Holz mit Pilzen, um ihm neue Eigenschaften zu geben. So entstehen zum Beispiel pilzbehandelte Geigen, die es mit einer Stradivari aufnehmen können.
Diese Sendung wurde von der Stiftung für Radio und Kultur unterstützt. -
Miles Davis ist mehr als eine Jazz-Ikone: Über Jahrzehnte hinweg hat er als Innovator und Visionär auch seine Mitmusiker zu kreativen Höhenflügen herausgefordert und so wieder und wieder Neues kreiert. Wie hat er das gemacht?
Über Miles’ Führungsstil, Fehlerkultur und den Mut zum Risiko reflektieren eine Kreativitätsforscherin und zwei Musiker: der Grammy-prämierte Jazzbassist Christian McBride, eine Schlüsselfigur der afroamerikanischen Jazzszene, der österreichische Trompeter Thomas Gansch mit engem Bezug zu Miles Davis, sowie die Psychologin, Neurowissenschaftlerin und Musikerin Teresa Wenhart. Mit ihnen taucht Jazzspezialistin Annina Salis ins Leben und Werk des Jahrhundertmusikers ein. Was können wir in Zeiten von KI und gesellschaftlichem Wandel von Miles Davis’ einzigartigem kreativen Mindset lernen? -
Salzig, sauer, süss knackt sie zwischen den Zähnen. Ist mal fest, mal samtig weich. Die Olive erfreut sich grosser Beliebtheit – schon seit Jahrtausenden. Neu gedeiht sie auch in der Schweiz. Ein Audiofeature über eine grosszügige Spenderin von Licht, Kost und Trost.
Die Kulturgeschichte der Olive ist so polyvalent wie die eigensinnige Frucht selbst: Der Gründungsmythos der Stadt Athen, Wiege der Demokratie, ist eng mit dem Olivenbaum verbunden. Das zentrale Element der christlichen Salbungstradition ist Olivenöl. Auch in unseren Breitengraden gewinnt der Olivenbaum an Bedeutung – begleitet allerdings vom bitteren Nachgeschmack des Klimawandels.
Erstsendung: 17.10.2025 -
Flachs und Hanf haben in der Schweiz als Textilrohstoffe eine lange Tradition. Die St. Galler Leinwand war Jahrhunderte lang ein Exportschlager. Seit dem 2. Weltkrieg produziert die Schweiz kaum noch Textilrohstoffe. Innovative Projekte wollen das jetzt ändern.
Wir wünschen uns nachhaltig und naturschonend produzierte Textilrohstoffe und Kleider, die nicht um die ganze Welt reisen, bis sie in unseren Läden landen. Dieses Anliegen teilen innovative Schweizer Denker und Bauern. Wolle, Leinen und Seide aus der Schweiz sind auf dem Markt. Drei langlebige, kostbare Textilrohstoffe aus der Natur.
Wie stehen die Chancen für Textilien Swiss made? Kann ein Hochlohnland wie die Schweiz Textilien herstellen? Und findet sich genügend Kundschaft?
Erstsendung: 11.11.2022 -
Immer mehr Menschen in der Schweiz werden 100 Jahre alt. Wie aber leben Hundertjährige hierzulande und wie wird man so alt?
Wer im 21. Jahrhundert geboren wurde und noch wird, hat gute Chancen, ein sehr hohes Lebensalter zu erreichen. Das ist ein Befund des Forschungsprojekts «Swiss100», das seine Erkenntnisse derzeit in einer Wanderausstellung «Welcome to your future. Hundertjährige in der Schweiz» präsentiert und Menschen in diesem hohen Lebensalter porträtiert. Elfie Bachmann in Allschwil, Walter Müller in Zürich und Elsa Tscharland in Nunningen teilen diese Erfahrung: Sie sind über 100 Jahre alt. Sie mussten in ihrem Leben Armut und Schicksalsschläge meistern, bleiben aber trotz gesundheitlichen Beschwerden zuversichtlich. In der «Passage» blicken sie auf ihr Jahrhundert zurück und schildern, wie sie heute leben. -
Mit dem Bau des Staudamms Mattmark wurden im Saastal in den 1960er-Jahren viele Arbeitsplätze für Männer, aber auch neue Erwerbsmöglichkeiten für Frauen geschaffen. Zugleich riss der Gletscherabbruch 1965, bei dem viele Menschen starben, Familien entzwei, was die Biografien bis heute prägt.
Kurz vor der Fertigstellung des Staudamms Mattmark lösten sich Ende August 1965 Eismassen des Allalingletschers und verschütteten Strassen und Baracken der Baustelle mit schweren Folgen: 88 Menschen wurden getötet, darunter 56 italienische Arbeitskräfte. Viele konnten erst Monate später geborgen werden. Die Historikerin Elisabeth Joris erzählt die Geschichte des Staudamm-Baus sechzig Jahre nach dem Unglück im Buch «Mattmark 1965» neu. Gestützt auf Gespräche mit Zeitzeuginnen im Wallis und Italien lotet sie aus, wie das «Werk» Mattmark das Leben von Frauen geprägt hat.
Literaturhinweis: Joris, Elisabeth (Hg.): Mattmark 1965. Erinnerungen, Gerichtsurteile, italienisch-schweizerische Verflechtungen. Zürich 2025. (Rotpunktverlag).
Erstsendung: 5.9.2025 -
Warum führen Menschen Kriege? Lässt sich das unermessliche Leid, das militärische Auseinandersetzungen mit sich bringen, durch politische oder wirtschaftliche Ziele rechtfertigen? Und wie könnte man bewaffnete Konflikte in Zukunft vermeiden?
Wir leben in brisanten Zeiten: Der Nahe Osten versinkt in Krieg und Gewalt. In der Ukraine tobt ein Konflikt mit hunderttausenden Toten. Und auch im Rest Europas könnten kiegerische Auseinandersetzungen – achtzig Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs – wieder zur realpolitischen Option werden. Mit unabsehbaren Folgen für den Kontinent. Umso mehr stellt sich die Frage: Warum greifen Menschen immer wieder von neuem auf diese archaische Form der Konfliktbewältigung zurück? -
30 Millionen Besucher im Jahr: Venedig versinkt in den Touristenfluten. Doch die lokale Politik treibt den Ausverkauf der Stadt weiter voran. Wer profitiert davon?
48’283 Einwohner leben heute in Venedig. Vor hundert Jahren waren es rund 160’000. Jedes Jahr verliert Venedig rund tausend Einwohner. In der vom Overtourism erstickten Stadt ist das tägliche Leben nicht mehr vorgesehen. Während die letzten Bewohner darum kämpfen, dass der Stadt der Sonderstatus als «Insel» zuerkannt und sie auf die Liste des gefährdeten Weltkulturerbes gesetzt wird, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Bürgermeister Luigi Brugnaro wegen Bestechung und illegalen Bieterabsprachen. Wie kann es den Venezianern gelingen, ihre Stadt zu retten? -
Schön, unerschrocken und eine wunderbare Erzählerin – das war die Westschweizer Autorin Aline Valangin (1889-1986). Sie stammte aus bestem Haus, aber Ideale waren ihr wichtiger als Konventionen. Ihr Grossvater, der Schweizer Friedensnobelpreisträger Élie Ducommun, hatte sie diesbezüglich geprägt.
Friedensaktivistin, Pianistin, Bohemienne, Schriftstellerin, Psychoanalytikerin, grosse Liebende – was immer Aline Valangin tat, sie tat es beherzt. Sie unterhielt in den 1930er Jahren in Zürich einen Salon für die internationale Kulturelite. Gleichzeitig unternahm sie mit ihrem Mann, dem russisch-jüdischen Anwalt Wladimir Rosenbaum, riskante Manöver, um Flüchtlinge zu retten. Später wurde ihr Ferienschlösschen im Onsernone-Tal zum sicheren Hafen für verfolgte Künstlerinnen und Künstler. Eine Spurensuche mit dem Historiker Peter Kamber und der Literaturvermittlerin Liliane Studer. -
Die Fakten sind klar: Jasm war ein Slang-Wort im 19.Jh. und bedeutete «Energie», «Pep». 1915 wurde es – inzwischen verkürzt zu «Jazz» – von weissen Konzertpromotern in Chicago verwendet, um die neuartige Musik aus New Orleans anzupreisen.
Neben den Fakten geistern viele Herkunftsgeschichten herum. Die meisten sind falsch: «Jazz» sei eine Abkürzung für «Jasmine», wird zum Beispiel behauptet, vom Parfum, das anfangs des 20.Jh von den Prostituierten in New Orleans getragen worden sei. Auch die Behauptung, «Jazz» sei von Beginn weg abwertend gemeint gewesen, ist sprachwissenschaftlich nicht haltbar. Trotzdem fühlen und fühlten sich viele Musiker:innen unwohl mit dem Begriff. Warum polarisiert «Jazz» bis heute? Was überhaupt ist alles «Jazz»? Jazzredaktor Jodok Hess macht sich in der Passage auf die Suche nach Antworten. -
Leonard Cohens und Nick Caves Lieder haben eine starke Wirkung. Diese hat massgeblich damit zu tun, dass beide spirituell Suchende sind. Dabei ist es vor allem der als abwesend erlebte Gott, dem das gebrochene «Halleluja» gilt.
Nick Cave und Leonard Cohen haben einiges gemeinsam: Das Dunkle und Düstere hat einen zentralen Platz in ihrer Musik, ihrer Kunst. Doch die Bewegung in ihren Liedern ist immer wieder «In Richtung Licht», wie Nick Cave sagt. Und Leonard Cohen singt: «There’s a crack in everything – That’s how the light gets in». Die «Passage» spürt der Kraft nach, die im Werk von Leonard Cohen und Nick Cave spürbar ist. Cave bezieht sich explizit auf Cohen. Was hat diese Energie mit der Auseinandersetzung mit Dunkelheit, Zerbruch und Leid zu tun? Wie zeigen sich spirituelle Suche und religiöse Traditionen?
Erstsendung: 20.12.2024 -
Im Kollektiv «inoperabilities» kommen blinde und sehende, hörende und gehörlose Künstlerinnen und Künstler zusammen. Sie machen Musiktheater für alle Sinne – und für Menschen mit verschiedensten Wahrnehmungsmöglichkeiten. Barrierefreiheit ist dabei von Beginn an Teil des künstlerischen Prozesses.
Wenn Opern- und Theaterhäuser barrierefreie Vorstellung anbieten, bedeutet das meistens: Audiodeskription per Kopfhörer für blindes Publikum, eine Übersetzung in Gebärdensprache für Gehörlose. «Inoperabilities» sieht Barrierefreiheit nicht als Extra-Service, sondern als künstlerisches Mittel. Ihr Stück «Die Insel» ist eine Collage aus Lautsprache und Gebärdensprache, aus Audiodeskription, Gesang und Übertiteln. Es spricht alle Sinne an. Wenn es auf der Bühne auf hohe See geht, fächern die Darstellenden dem Publikum Wind zu. Und wenn das Cello spielt, vibriert die Publikumstribüne.
Erstsendung: 11.7.2025 -
Er machte den Klezmer weltweit bekannt. Doch mit seiner Musik verbindet Giora Feidman auch den Wunsch, Menschen wieder zu vereinen. Giora Feidman steht wie kaum ein anderer für die Idee vom «Frieden durch Musik». Doch wie tragfähig ist diese Vision in einer polarisierten Welt?
Die Klarinette ist Giora Feidmans (*1936) «Mikrofon der Seele»: Sie lacht, klagt und erzählt Geschichten. Er wächst in Buenos Aires in der Klezmer-Tradition seiner Familie auf. Später spielt er im Israel Philharmonic Orchestra, bevor er in den 1970er-Jahren den Klezmer in die Konzertsäle der Welt bringt. Musik ist für Feidman auch ein Auftrag: Brücken bauen, Versöhnung ermöglichen. Noch mit 90 Jahren steht er auf der Bühne und spricht über seine Vision. Anlässlich seines Geburtstages ordnen Weggefährtinnen und Forschende sein Wirken ein – zwischen Inspiration, Ideal und kritischer Reflexion. - Show more