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  • Er war vier Monate alt, als seine Familie aus Sri Lanka über Moskau in die BRD fliehen musste. Die ersten Lebensjahre verbrachte Senthuran Varatharajah in Asylzentren, heute ist er ein Shootingstar der Literatur. Yves Bossart spricht mit ihm über sein Leben und über die Sehnsucht nach Erlösung.

    «Die Sprache der Liebe ist eine kannibalistische Sprache», meint der Schriftsteller Senthuran Varatharajah. Tatsächlich redet man davon, dass man eine geliebte Person «zum Fressen gern» hat. Doch woher kommt die Sehnsucht, mit einer anderen Person zu verschmelzen? Woher der mystische Wunsch nach Einssein mit dem grossen Ganzen? Um diese Fragen kreist der neue Roman von Senthuran Varatharajah mit dem Titel «Rot (Hunger)». Der Autor hat Philosophie, evangelische Theologie und Kulturwissenschaften studiert und lebt heute als Schriftsteller in Berlin. Yves Bossart spricht mit dem 38-Jährigen Hoffnungsträger der Literaturszene über seine traumatische Kindheit, über die Suche nach Gott und die Sehnsucht nach Verschmelzung.

  • Versprochen wird eine digitale Revolution, ein Erfahrungsraum totaler Wunscherfüllung: Aufwachen in der Dschungel-Lodge, mittags Tennis mit Federer, abends Konzert in Paris? Im Metaverse alles nur einen Klick entfernt. Doch wem nutzt das alles wirklich? Und gibt es ein richtiges Leben im Virtuellen?

    Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will wieder einmal die Welt neu erschaffen. Nur virtuell zwar – doch die digitale Parallelwelt soll keine Wünsche offenlassen. Arbeitskolleginnen und -kollegen in Shanghai, Genf und Buenos Aires treffen sich dank VR-Brillen im virtuellen Besprechungsraum, den sie natürlich nach eigenem Gusto gestalten: Dschungel-Atmosphäre, stylishes Büro oder doch eher Lagerfeuer? Alles geht. Wenn da die Kreativität nicht ins Schwingen kommt!

    Je grösser der Anteil unseres Lebens, den wir ins Digitale verlagern, umso lauter klingen auch die Kassen der Unternehmen, die die digitalen Räume bereitstellen und die wir mit unseren Daten bezahlen. Schon jetzt werden mit rein virtuellen Produkten hunderte Milliarden Dollar umgesetzt. Doch nach welchen Gesetzen? Reguliert von globalen Konzernen anstatt demokratischer Regierungen? Und haben wir nicht bereits mit unserer Realität mehr als genug zu tun? Ist das Metaverse am Ende nichts als ein gigantisches Ablenkungsmanöver von den Problemen unserer Zeit?

    Barbara Bleisch und Wolfram Eilenberger gehen am Philosophischen Stammtisch der virtuellen Parallelwelt auf den Grund und fragen die Philosophin Anna-Verena Nosthoff und den Philosophen Dominik Erhard: Metaverse – Alptraum oder Utopie?

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  • Astrologie-Apps und Horoskope im Netz erleben gerade einen Boom. Wie ist das zu erklären? Kann die Sterndeutung tatsächlich helfen, uns selbst besser zu verstehen? In einer Begegnung der «Sternstunde Philosophie» und der «Sternstunde Religion» blicken Olivia Röllin und Yves Bossart in die Sterne.

    Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die astrologische Behauptungen bestätigen würden. Trotzdem hält sich diese Kulturtechnik seit Jahrtausenden und erlebt seit einiger Zeit sogar einen Boom: Millionen Menschen und auch Prominente wie Adele, Emma Stone oder Pharrell Williams holen sich Rat von Astrologie-Apps wie «Co-Star» und seit dem Lockdown werden wieder mehr Bücher zum Thema verkauft. Wie kommt es, dass sich heute so viele, vor allem junge Menschen, für Astrologie interessieren, und was besagt ein Horoskop überhaupt? Ist der Blick in die Sterne nur eine unterhaltsame Spielerei oder kann er uns hilfreiche Denkmuster geben, um besser zu leben?

    Die «Sternstunde Religion» und die «Sternstunde Philosophie» gehen in einer gemeinsamen Sendung diesen Fragen nach. «Sternstunde Philosophie»-Moderator Yves Bossart besucht die Astrologie-Kolumnistin Alexandra Kruse und lässt sich von ihr sein Geburtshoroskop deuten. Und er fragt den Astrophysiker Timm Riesen, warum die Astrologie aus naturwissenschaftlicher Sicht keinen Sinn ergibt. Im Studio diskutiert «Sternstunde Religion»-Moderatorin Olivia Röllin mit dem Religionswissenschaftler Kocku von Stuckrad und der Psychotherapeutin Felizitas Ambauen darüber, was der Mensch in den Sternen sucht und was es mit uns macht, wenn die Sterndeutung unser Handeln und Entscheiden beeinflusst.

    Hinweis: Auch in der Radiosendung «Perspektiven» vom 8. Mai 2022 auf Radio SRF 2 Kultur (ab dem 1. Mai 2022 auch als Podcast auf srf.ch/audio verfügbar) geht es um Astrologie. Zu Wort kommen Menschen, die Astrologie in ihren Alltag einbauen, Entscheidungen danach ausrichten oder mit den Sternen nach Antworten auf die grossen Fragen des Lebens suchen.

  • Katja Kullmann und Daniel Schreiber sind erfolgreiche Intellektuelle und leben beide allein. Und beide haben über ihre Erfahrung im Einzelhaushalt Bestseller geschrieben. Barbara Bleisch trifft die beiden zum Gespräch über das Singlesein, über Autarkie und über Einsamkeit.

    Ein Drittel aller Schweizerinnen leben allein, Tendenz steigend. Eine ziemlich grosse Minderheit, die mit Vorurteilen zu kämpfen hat; vor allem die Single-Frauen. Trotz aller Fortschritte gilt für viele noch immer das Ideal der klassischen Paarbeziehung. Sie wird als Norm definiert und setzt damit alle, die dieser nicht entsprechen, unter Druck. Auch jene, die sich als Single wohlfühlen und sich nichts anderes wünschen. Es ist sogar die Rede von «Singlismus» und «Single-Shaming», der Stereotypisierung und Diskriminierung von Menschen ohne Partner.

    Katja Kullmann und Daniel Schreiber verteidigen ihre Lebensform – bei allem Schmerz, den das Alleinsein mit sich bringen kann. Gerade Philosophinnen und Philosophen haben immer wieder bewusst allein gelebt und fernab von Ablenkung und sozialen Zwängen zu ihren Gedanken gefunden. Andererseits kann Alleinsein auch in Einsamkeit abgleiten, gerade im Alter oder bei Krankheit. Einsamkeit wird auch als Epidemie bezeichnet. Barbara Bleisch geht mit ihren Gästen dieser Lebensform auf den Grund.

  • In Europa ist Krieg, der Klimawandel schreitet voran, Millionen von Menschen hungern. Doch für den Historiker Rutger Bregman ist klar: Obwohl der Mensch Grausamkeiten begeht und Leiden zulässt, ist er im Grunde wohlwollend und gut. Barbara Bleisch hakt nach.

    Rutger Bregman hat eine frohe Botschaft für die Menschheit: In seinem millionenfach verkauften Beststeller «Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit» skizziert er den Menschen als von Natur aus hilfsbereit und kooperativ. Nicht «the survival of the fittest» habe zu Erfolg geführt, sondern «the survival of the friendliest». Und er ist überzeugt: Gerade der Glaube an das Gute im Menschen macht sie erst recht zu guten Menschen.

    In seinem neuesten Buch «Wenn das Wasser kommt» hat der eloquente Starintellektuelle hingegen schlechte Nachrichten, denn er attestiert Geschichtsblindheit. Wenn man nicht aktiver gegen die Erderwärmung vorgeht, müssen die Niederländerinnen und Niederländer in hundert Jahren vermutlich in anderen Ländern um Asyl bitten, weil ganze Städte vom steigenden Meer verschluckt werden. Ist der Mensch also gut, aber träge? Wie gehen die Kriegsgräuel in der Ukraine zusammen mit seiner Überzeugung? Und kann dieser Glaube an das Gute wirklich andere mitreissen und die Menschen verändern? Mit Rutger Bregman spricht Barbara Bleisch.

  • Johannes Krause schreibt die Geschichte der Menschheit neu. Als Archäogenetiker untersucht er das Erbgut der Vorfahren und hat sogar einen neuen Menschentyp entdeckt. Woher der Mensch wirklich kommt und wieviel Urmensch noch heute in den Menschen steckt, darüber spricht er mit Yves Bossart.

    2010 hat Johannes Krause anhand eines winzigen Fingerkochens aus Sibirien einen neuen Menschentyp entdeckt, den so genannten «Denisovaner» – einen Verwandten des Neandertalers. Durchgesetzt aber hat sich bekanntlich allein der homo sapiens. Aber warum? Und wie wurde der Mensch zu dem, was er heute ist? Diesen Fragen geht Johannes Krause nach. Er ist Professor für Archäogenetik in Jena, leitet das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und gilt als wissenschaftlicher Shootingstar, wenn es um die Geschichte der Menschheit geht.

    Krause kann nicht nur erklären, warum der Mensch auf zwei Beinen geht, sondern auch, warum er von russischen Einwanderern abstammt, warum Europäerinnen weisse Haut haben, es für eine Rasseneinteilung keine biologische Grundlage gibt und der Mensch noch immer Gene der Neandertaler in sich trägt.

    Yves Bossart spricht mit dem Bestsellerautor über die Reise der Menschheit, von ihren Anfängen bis in die Gegenwart, und fragt auch: Wird uns der urmenschliche Expansionsdrang bald zum Verhängnis?

  • Jedes Wort wurde überwacht. Nicht einmal ihre Eltern sagten die Wahrheit. Die albanische Philosophin Lea Ypi glaubte, im freisten Staat der Erde aufzuwachsen. Tatsächlich war es das letzte stalinistische Land Europas. Gespräch über wahre Freiheit – und wie sie, gerade heute, verteidigt werden kann.

    Sie verlebte ihre gesamte Jugend im letzten stalinistischen Land Europas. Heute lehrt die albanische Philosophin Lea Ypi politische Theorie an der renommierten London School of Economics. Was heisst es, frei zu sein – frei zu leben? Welche mentalen, moralischen und politischen Bedingungen müssen dafür gegeben sein?

    In ihrem beeindruckenden literarischen Memoire «Frei – Erwachsen werden am Ende des Kalten Krieges» beschreibt Lea Ypi den Alltag im Albanien des Diktators Enver Hodscha, den schockartigen Sturz des Systems im Jahre 1990 sowie die Auflösung jeder politischen Ordnung im Zeichen einer neuen, mutmasslich totalen Freiheit.

    Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger legt die Kant-Spezialistin Ypi ihr Verständnis einer wirklich mündigen, erwachsenen Freiheit dar – und damit eine politische Vision, die in Ost- wie Westeuropa bisher auf Verwirklichung wartet.

    Podcasthinweis: «Literaturclub: Zwei mit Buch»

    Der neue SRF-Literaturpodcast über Bücher und die Welten, die sie uns eröffnen. Alle zwei Wochen tauchen wir im Duo in eine Neuerscheinung ein: https://www.srf.ch/audio/literaturclub-zwei-mit-buch

  • Wiederaufrüstung ist das Wort der Stunde. Mit Putins Invasion der Ukraine scheint Pazifismus endgültig passé: Aggressoren kann man nur militärisch besiegen oder abschrecken, Gewalt nur mit Gegengewalt beenden. Notwendige Einsicht oder fataler Fehlschluss?

    Russlands Invasion der Ukraine wird als Zeitenwende beschrieben. Vorbei der Glaube an einen Kontinent des Friedens durch Völkerrecht und Handel. Geschlossen wird die Notwendigkeit zur Wiederaufrüstung und zu harten Wirtschaftssanktionen betont. Selbst die Schweiz trägt die EU-Sanktionen mit; das neutrale Schweden beschliesst Waffenlieferungen. Fast scheint es, als sei Pazifismus im Angesicht des Grauens endgültig passé, das Pochen auf gewaltfreien Widerstand nichts als der naive Traum verweichlichter Gemüter, die Friedensbewegung ein Relikt vergangener Tage.

    Doch lässt sich Gewalt nur mit Gegengewalt wirksam begegnen? Das eigene Land und dessen Werte letztlich nur kriegerisch schützen? Oder zeigt nicht gerade der Krieg in der Ukraine, dass militärische Gewalt selbst im Verteidigungsfall die schlechteste aller Lösungen ist, weil sie das Leiden der Bevölkerungen verlängert und intensiviert?

    Give peace a chance – aber wie? Barbara Bleisch und Wolfram Eilenberger diskutieren am Philosophischen Stammtisch mit dem Philosophen Winfried Hinsch und der Publizistin Elke Schmitter.

  • Elif Shafak gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen der Gegenwart. Auch ihre politischen Kommentare zur Türkei, zu Migration und zu Frauenrechten werden weltweit gehört. Barbara Bleisch spricht mit ihr über kollektive Amnesie, die Kraft der Natur und die Gefahr der Gleichgültigkeit.

    Elif Shafak ist das, was man mit Fug und Recht eine öffentliche Intellektuelle nennt: Sie ist die meistgelesene Schriftstellerin der Türkei, ihre Bücher werden in über 50 Sprachen übersetzt und international mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ebenso gilt sie als kluge politische Stimme, der auf Twitter über eineinhalb Millionen Menschen folgen und die für internationale Zeitungen beispielsweise die Ereignisse in der Türkei kommentiert. Vom türkischen Regime wird sie wegen ihrer Kritik allerdings geächtet, 2006 wurde sogar wegen «Beleidigung des Türkentums» ein Prozess gegen sie angestrebt. Dennoch glaubt Elif Shafak an den Pluralismus und die Kraft der Vielstimmigkeit. Auch in ihrem neuesten Roman «Das Flüstern der Feigenbäume» erzählt sie vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs auf Zypern im Jahr 1974 aus mehreren Perspektiven eine Liebesgeschichte, die um die Themen Identität, Herkunft und Entwurzelung kreist. Barbara Bleisch spricht mit Elif Shafak über die Natur, die eine eigene Stimme verdient, über Traumata, die sich über Generationen vererben, und über die Kraft der Poesie.

  • Putins Krieg gegen die Ukraine ist ein krasser Bruch mit Recht, Moral und Zivilisation. Auch der Westen rüstet auf. Herrschen nun wieder Gewalt und Gegengewalt? Erleben wir eine Zeitenwende der Weltpolitik? Ein Gespräch über Macht und Moral – und über den Krieg als Anfang einer neuen Weltordnung.

    Der 24. Februar 2022 wird in die Geschichtsbücher eingehen. Nach der Annexion der Halbinsel Krim und Jahren des Bürgerkriegs im Osten der Ukraine, begann in jener Nacht die russische Invasion in das flächenmässig grösste Land Europas. Millionen Menschen flüchten vor dem Krieg, auch nach Polen und in andere EU-Länder. Der Westen hält sich militärisch raus, spricht aber harte Sanktionen aus. Putin droht mit dem Einsatz von Atomwaffen. Angesichts der realen Gefahr werden alte Muster aktiviert: Abschreckung statt Diplomatie, Waffen statt Verträge, Macht statt Moral. Ist das ein neuer Anfang der ewig gleichen Geschichte? Zerstört Putin mit dem schrecklichen Krieg nicht nur die Ukraine, sondern auch die gesellschaftspolitischen Ideale des Westens? Oder stärkt er gar den europäischen Zusammenhalt?

    Yves Bossart im Gespräch mit der Politologin Gerlinde Groitl, der Philosophin Véronique Zanetti und dem Historiker Jeronim Perovi?.

  • Geld regiert die Welt. Doch was, wenn das Wesen des Geldes sich fundamental verändert? Wie revolutionär sind Kryptowährungen wie Bitcoin wirklich? Ein Gespräch mit dem ETH-Informatiker Roger Wattenhofer und dem Philosophen Ijoma Mangold über die Utopien und Gefahren des digitalen Goldes.

    Eine Welt ohne nationale Währungen, ohne Zentralbanken, ohne Wechselkurse, ohne Inflation – ja ohne Geldinstitute im bekannten Sinne? Glaubt man den immer zahlreicheren Anhängerinnen von Kryptowährungen wie Bitcoin, ist solch eine Welt nicht nur theoretisch möglich, sondern konkret im Entstehen. Ihre Anhänger verbinden mit dieser neuen, auf der sogenannten Blockchain-Technologie basierenden Währung nicht weniger als eine Revolution der politischen und ökonomischen Verhältnisse auf diesem Planeten. Kritikerinnen hingegen sehen in Bitcoin ein anti-staatliches, zu Illegalität neigendes und ökologisch verheerendes Spekulationsobjekt digitaler Eliten. Wolfram Eilenberger spricht über das «digitale Gold» mit dem Informatiker und ETH-Professor Roger Wattenhofer sowie dem Kultur-Philosophen Ijoma Mangold («Die Zeit»).

  • Sie spricht sieben Sprachen fliessend, zahlt in drei Ländern Steuern und forschte an Universitäten rund um die Welt. Shalini Randeria ist geradezu dafür prädestiniert, die Mechanik der Globalisierung zu erklären. Die polyglotte Inderin ist zu Gast bei Barbara Bleisch.

    Die Sozialanthropologin Shalini Randeria ist seit November 2021 Rektorin der Central European University in Wien. Ursprünglich war die renommierte Universität in Budapest angesiedelt, wurde von der Regierung Orban aber so massiv unter Druck gesetzt, dass sie 2019 Ungarn verlassen musste. Shalini Randeria sagt, dass Ungarns Politik nicht nur antiliberal, sondern auch gegen die Globalisierung gerichtet ist, denn Orban beschwört einen Nationalstaat, der von einer Leitkultur und robusten Grenzen lebt. Ganz ähnlich heisst es in anderen Ländern von konservativer Seite, Europa sei zu verteidigen. Randeria kann dem nichts abgewinnen: Europa als homogenes Gebilde habe es nie gegeben, und der Reichtum des Westens wurzle auch in Europas kolonialer Vergangenheit. Barbara Bleisch trifft die renommierte Wissenschaftlerin und fragt nach, wie tief verwurzelt koloniales Denken immer noch ist und warum Staaten ihre Grenzen nicht nur gegen ein Virus abriegeln, sondern auch gegen unliebsame Migranten oder Ideen – und ob das Denken Grenzen sprengen kann.

  • Was bedeutet es für Menschen, sich nicht mit dem ihnen zugeschriebenen Geschlecht zu identifizieren? Was bedeutet es für die Gesellschaft, Transidentität als Phänomen ernst zu nehmen und voll anzuerkennen? Ein Gespräch mit der 21-jährigen spanischen Philosophin und Transfrau Elizabeth Duval.

    Seit dem 1. Januar 2022 ist es auch in der Schweiz umstandslos möglich, das eigene Geschlecht mit einer Unterschrift auf dem Zivilstandsamt ändern zu lassen. Die neue Regelung richtet sich an Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Was bedeutet es, trans zu sein, sich als trans zu erfahren? Welche sozialen, rechtlichen, körperlichen Erfahrungen gehen damit einher? Wolfram Eilenberger geht diesen emotional und politisch stark aufgeladenen Fragen im Gespräch mit der 21-jährigen spanischen Schriftstellerin und Philosophin Elizabeth Duval nach, selbst Transfrau und Autorin des vielbeachteten Essays «Despues de lo trans» (Was nach trans kommt).

  • Früher hat er für vier Euro die Stunde gejobbt. Heute füllt Felix Lobrecht die grössten Hallen mit seiner Comedy, gehört zu den erfolgreichsten Podcastern Deutschlands und schrieb einen Bestseller. Lobrecht provoziert – und bleibt stets glaubwürdig. Denn er kennt auch die Schattenseiten des Lebens.

    Im Dezember wurde Felix Lobrechts Podcast «Gemischtes Hack», den er gemeinsam mit dem Moderator Tommi Schmitt produziert, wieder zum beliebtesten Spotify-Podcast in Deutschland und in der Schweiz gewählt. Es ist der einzige nicht-englische Podcast, der es auch in die weltweiten Top Ten des Streamingdienstes geschafft hat. Die New York Times adelte Felix Lobrecht mit einer Lobeshymne, und er gewann den deutschen Comedy-Preis bereits zweimal. Sein Roman «Sonne und Beton» ist soeben als Graphic Novel erschienen und wird verfilmt. Dabei begann Felix Lobrechts Laufbahn gar nicht rosig: Er flog vom Gymnasium, brach eine Ausbildung ab, jobbte da und dort, bis er als Poetry Slammer Bühnenluft schnupperte und blieb. Barbara Bleisch trifft den Wortakrobaten, der von sich selbst sagt, dass er nie dazugehörte – und vielleicht gerade deshalb der Star der Stunde ist.

  • Die Forderung nach einer Impfpflicht gegen Covid-19 wird immer lauter. Aber darf man Menschen dazu verpflichten, sich gegen den Willen impfen zu lassen? Darüber spricht Yves Bossart mit Andrea Büchler, Rechtsprofessorin und Präsidentin der NEK, und mit Peter Schaber, Professor für Angewandte Ethik.

    In Österreich soll ab Februar eine Impfflicht für alle gelten. Andere Nachbarländer der Schweiz haben bereits eine Impfflicht für bestimmte Berufsgruppen eingeführt. Wird die Schweiz nachziehen? Und wie ist eine allgemeine Impfflicht unter ethischen Gesichtspunkten zu beurteilen? Darf der Staat Menschen dazu verpflichten, sich eine Spritze setzen zu lassen – und wenn ja, unter welchen Bedingungen und mit welchen Mitteln? Yves Bossart im Gespräch mit Andrea Büchler, Rechtsprofessorin an der Universität Zürich und Präsidentin der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK), und mit Peter Schaber, Professor für Angewandte Ethik an der Universität Zürich.

  • Ist diese Welt in Wahrheit eine Computersimulation? Und die Mitmenschen nur Roboter? Einst reine Gedankenexperimente, erscheinen diese Szenarien heute als reale Möglichkeiten. Zwei preisgekrönte Science-Fiction-Autorinnen diskutieren über die Grenzen und Möglichkeiten künstlicher Intelligenz.

    Worin besteht der Unterschied zwischen einem menschlichen Bewusstsein und künstlicher Intelligenz? Wird es Maschinen jemals gelingen, Emotionen zu fühlen, autonom zu entscheiden, gar eigenständig zu philosophieren? Oder ging es bei der Entwicklung von KI am Ende gar nicht um Erkenntnis, sondern den Willen zur Macht: die Macht der Wenigen über Viele, die Macht der Wissenschaftler über die Masse? Gar die Macht von Männern über Frauen?

    Diese Fragen stehen im Zentrum zweier preisgekrönter Romane. Martina Clavadetscher erhielt für Ihre KI-Parabel «Die Erfindung des Ungehorsams» 2021 den Schweizer Buchpreis. Raphaela Edelbauer für ihre Science-Fiction-Dystopie «Dave» den österreichischen Buchpreis.

    Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger denken die beiden Philosophinnen und Poetinnen über die alles entscheidende Grenze nach, die den Menschen noch von der Maschine trennt. Und auch darüber, was es für den Alltag bedeuten mag, sollte sie in naher Zukunft endgültig verwischt werden.

  • Der senegalesische Ökonom, Schriftsteller und Musiker Felwine Sarr ist einer der wichtigsten Denker Afrikas. Im Buch «Afrotopia» entwirft er eine Utopie für den Kontinenten. Yves Bossart spricht mit ihm über die Zukunft Afrikas, über die Arroganz des Westens und das schwere Erbe des Kolonialismus.

    Afrika solle aufhören, den Westen nachzuahmen, seine Werte und sein Wirtschaftssystem. Der Kontinent brauche endlich eine eigene Zukunftsvision, ein eigenes, positives Selbstbild. Das fordert der senegalesische Ökonom, Schriftsteller und Musiker Felwine Sarr in seinem Buch «Afrotopia». Sarr glaubt, dass Afrika die Abhängigkeiten und Minderwertigkeitskomplexe überwinden muss, die sich durch den Sklavenhandel und den Kolonialismus etabliert haben und bis heute wirken. Er fordert ein neues afrikanisches Selbstbewusstsein. Dazu gehört für ihn und seine Mitstreiterin, die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, auch eine umfassende Rückgabe afrikanischen Kulturguts an die ehemaligen Kolonien und ein neues Verständnis von Beziehungen mit wirtschaftlichen Grossmächten wie China.

    Sarr prophezeit auch, Afrika werde in Zukunft das «spirituelle Zentrum der Welt» sein. Aber was heisst das? Wie sehen die alternativen Werte und Wirtschaftsformen aus, von denen Sarr meint, sie würden besser zu den Kulturen Afrikas passen? Und welche politischen Forderungen folgen daraus?

  • Der Zürcher Musiker und Komponist Nik Bärtsch erinnert an einen Mönch. Seine rhythmische Musik hat eine Verbindung zum Zen-Buddhismus ebenso wie zur Kampfkunst Aikido. Rituale und Verzicht sind ihm heilig. Mit Yves Bossart spricht er über die Kunst des Weglassens und den Groove des Lebens.

    Jeden Montag spielt Nik Bärtsch mit seiner international erfolgreichen Band «Ronin» im Zürcher Club «Exil». Seine «Ritual Groove Music» ist eine originäre Mischung aus Jazz, Funk und minimalistischer Musik. Bärtsch spricht auch von «Zen-Funk». Tatsächlich ist seine Musik, ebenso wie seine Lebensphilosophie, stark von der japanischen Kultur geprägt, vom Zen-Buddhismus, aber auch von der Kampfkunst Aikido. Im Gespräch mit Yves Bossart spricht der disziplinierte und reflektierte Künstler über seine Musik und darüber, wie er die Welt sieht und hört. Über den Verzicht, die Stille, das Üben und die Improvisation.

  • Rund 95 Milliarden Schweizerfranken wurden 2020 hierzulande vererbt. Mehr denn je zuvor. Viele finden das ungerecht, weil unverdient. Ausserdem fürchten sie die wachsende Ungleichheit. Doch wem soll gehören, was jemand hinterlässt? Was sagt die Philosophie zum Thema? Ein Streitgespräch.

    Die österreichische Studentin Marlene Engelhorn würde dereinst einen zweistelligen Millionenbetrag erben. Sie will dieses Vermögen aber nicht behalten, denn sie habe dafür nichts geleistet. Die junge Frau engagiert sich für die Initiative «Tax me now», die höhere Vermögens- und Erbschaftssteuern fordert und einen konsequenteren Kampf gegen Steuervermeidung und Steuerhinterziehung.

    Der Autor und Philosoph Ernst-Wilhelm Händler ist ebenfalls vermögend. Er hat sein Erbe klug investiert und immer wieder unternehmerisch riskiert. Er ist der Ansicht, dass Erbschaften keinesfalls vom Staat konfisziert werden dürfen, weil sie Eigentum des Erblassers seien, der selbst bestimmen darf, was nach seinem Tod mit dem Vermögen geschehen soll.

    Philosophieprofessor Stefan Gosepath hingegen fordert eine radikale Umverteilung von Erbschaften, damit unsere Gesellschaft gerechter wird. Die gegenwärtige Ungleichheit ist für ihn ein politisches Pulverfass. Er argumentiert, dass Erben die Chancengleichheit und das Leistungsprinzip verletzt.

    Barbara Bleisch im Streitgespräch um das Recht ums eigene Vermächtnis.

  • Leïla Slimani ist ein wahrer Superstar der Literatur. Die französisch-marokkanische Schriftstellerin und Essayistin bricht mit ihren Büchern gerne Tabus. Yves Bossart spricht mit ihr über menschliche Abgründe, über das Verlangen nach Freiheit und über unser Sexleben als Spiegel der Gesellschaft.

    2017 wollte der französische Präsident Emanuel Macron die Schriftstellerin Leïla Slimani zur Kulturministerin Frankreichs ernennen. Sie hat dankend abgelehnt. Sie wolle lieber schreiben. Denn nur im einsamen Prozess des Schreibens fühlt sich die preisgekrönte Schriftstellerin und zweifache Mutter wirklich frei. Die Sehnsucht nach Freiheit war es auch, die sie mit 17 Jahren von Marokko nach Paris geführt hat. Ihr grosses Vorbild damals war die Existentialistin Simone de Beauvoir, die ihr feministisches Denken bis heute prägt. Slimani bricht gerne Tabus und Stereotypen, etwa wenn sie über weibliche Sexsucht schreibt oder über den Mord einer Nanny an ihren Pflegekindern. Ihr neuestes Buch trägt den Titel «Das Land der Anderen» und beschreibt das Leben ihrer elsässischen Grossmutter im Marokko der 1950-er Jahre, vor dem Hintergrund der politischen Unabhängigkeitskämpfe. Über das Fremde in uns, über wahre Freiheit und die Wurzel des Bösen spricht sie mit Yves Bossart.