Episodes

  • Im eisig-kalten Februar 1871 kamen 87'000 französische Soldaten in die Schweiz – nicht als Aggressoren, sondern als Geschlagene im deutsch-französischen Krieg. Die Soldaten der Bourbaki-Armee wurden von Deutschland im französischen Jura regelrecht in die Enge getrieben.

    Ihnen blieb kein anderer Ausweg, als in der Schweiz Zuflucht zu suchen, sich internieren zu lassen. Die Soldaten schleppten sich innerhalb weniger Tage im Neuenburger und Waadtländer Jura über die Grenze: ausgehungert, krank, verletzt, mit Erfrierungen.

    In der Schweiz wurden sie generalstabsmässig auf über 200 Gemeinden in fast allen Kantonen verteilt. Dort blieben sie während sechs Wochen. Die Schweizer Behörden waren ebenso gefordert, wie die Bevölkerung. Von allen Seiten war die Hilfsbereitschaft gross.

    «Für die Schweiz war die Internierung der Bourbaki-Armee ein Präzedenzfall für die bewaffnete Neutralität», sagt in der «Zeitblende» der Historiker Patrick Deicher. Er hat die Bourbaki-Internierung erforscht und bringt sie uns vor dem monumentalen Bourbaki-Panorama-Gemälde in Luzern näher.

  • Napoleon Bonaparte stirbt am 5. Mai 1821 einen qualvollen Tod – im Exil auf der Vulkaninsel St. Helena. Der Kaiser der Franzosen polarisiert: genialer Staatsmann und General für die einen, grössenwahnsinniger Tyrann für die anderen. Welche Rolle spielt sein Ende im Nirgendwo? 

    Die Zeitblende zum merkwürdigen und faszinierenden Ende Napoleons: Dazu, wie seine Feinde ihn so weit wie möglich weg schickten, wie er auf St. Helena lebte und starb – und weshalb seine Zeit dort wichtig war für den späteren Napoleon-Mythos. 

    Zu Wort kommt der Historiker und Napoleonbiograf Andrew Roberts. Und: Michel Dancoisne-Martineau, der französische Honorarkonsul auf St. Helena.

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  • Die spanische Krankenschwester Isabel Zendal brachte 1803 die Pockenimpfung über den Atlantik bis auf den amerikanischen Kontinent – zusammen mit einem Ärzte-Team, als einzige Frau. Isabel gilt als erste Krankenschwester auf internationaler Mission. Dennoch geriet sie lange in Vergessenheit.

    Erschreckend, aber wahr: Für den Transport des Pocken-Impfstoffs zur See verwendeten die Spanier Anfang des 19. Jahrhunderts 22 Waisenkinder. Im Zuge der Corona-Pandemie wird die lange vergessene Geschichte von Isabel Zendal, den Waisenkindern und dem Kampf gegen die Pocken in Spanien nun neu entdeckt.

    In der «Zeitblende» verrät die spanische Autorin María Solar warum Isabel die gefährliche Reise über den Atlantik auf sich nahm. Die österreichische Medizinhistorikerin Daniela Angetter ordnet die medizinischen Versuche an Waisenkindern ein und sagt, weshalb die Geschichte der spanischen Krankenschwester dennoch Mut macht - bis heute.

  • Mit Adolf Eichmann steht im April 1961 erstmals eine Schlüsselfigur des Holocausts vor einem israelischen Gericht. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer war als Deportationsspezialist verantwortlich für den Transport von Millionen von Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager der Nazis.

    Am Prozess leugnet Eichmann die Verbrechen nicht. Und doch bestreitet er, verantwortlich zu sein. Beflissen, fast unterwürfig stellt er sich als kleines Rädchen im NS-Getriebe dar, als Werkzeug, das zu gehorchen hatte.

    Wer ist dieser unscheinbare Mann im kugelsicheren Glaskasten vor dem Jerusalemer Bezirksgericht? Darüber wird am Prozess und auch danach viel diskutiert. Ein gefühlloser, zahlenbesessener Bürokrat in einem verbrecherischen Staat? Ein Schreibtischtäter ohne Gewissen, die Banalität des Bösen, wie die jüdische Philosophin Hannah Arendt ihn beschrieben hat?
    Oder doch - wie die Anklage beweisen will - jemand, der aus tiefer Überzeugung gehandelt hat, und damit mitverantwortlich ist an einem Massenmord?

    In der «Zeitblende» erklärt die deutsche Historikerin Irmtrud Wojak, wie Eichmanns Rechtfertigungsstrategien zu lesen sind und warum Arendts These nicht weit genug geht.
    Und was dieser Prozess für den jungen Staat Israel bedeutet, was er ausgelöst hat, davon erzählt der israelische Historiker Tom Segev. Etwa dass erstmals eine schmerzhafte Aufarbeitung des Holocausts angestossen wurde, die zu einem zentralen Element der israelischen Identität geworden ist - bis heute.

  • Er war das Gesicht von FIAT, der Besitzer von Juventus Turin, eine Stil-Ikone und ein Playboy. Giovanni – «Gianni» - Agnelli, der am 12. März dieses Jahres seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. 

    Als Patriarch der FIAT-Dynastie führte er das Unternehmen durch die italienischen Boom-Jahre der Nachkriegszeit, stellte ganz Italien auf 4 Räder.

    In der Zeitblende schauen wir zurück auf das Leben dieser schillernden Persönlichkeit. Zu Wort kommt der Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ in Italien, Tobias Piller. Er hat Agnelli persönlich getroffen, und sein Wirken, seine Erfolge und Misserfolge mitverfolgt. Wir hören ausserdem, was Agnellis Freunde, Bewunderer, Kritiker über ihn sagten.

  • Moutier stimmte 2017 für den Wechsel zum Kanton Jura. Das Resultate wurde wegen Unregelmässigkeiten für ungültig erklärt. Alte Wunden wurden aufgerissen: Der bittere Jurakonflikt war wieder da. Einst hat er die Schweiz gefährlich nah an einen bewaffneten Konflikt gebracht.

    Kurz bevor Moutier ein zweites Mal abstimmt, beleuchtet die «Zeitblende» den jahrzehntelangen Konflikt: Seine Anfänge, seine heisse Phase und wie die Politik versuchte, ihn zu lösen. Und wir stellen die Frage: Wird die nächste Moutierabstimmung die Jurafrage endgültig lösen können?

    Zu Wort kommen langjährige Separatisten und Berntreue - und ein profunder Kenner des Jurakonflikts. 

  • Vor 20 Jahren verschwand ein 19-Jähriger aus Unterseen. Für die Polizei und den damaligen Sprecher der Berner Kantonspolizei Jürg Mosimann war schnell klar: «Hier stimmt etwas nicht». Wochen später wurde der Vermisste im Thunersee gefunden. Aus einer alltäglichen Vermisstmeldung wurde ein Mordfall.

    Denn der Teenager gehörte einer rechtsextremen Gruppe an. Als er deren oberstes Gebot brach - Verschwiegenheit - wurde er im Januar 2001 brutal umgebracht. Unterseen stand unter Schock.

    Doch das idyllische Städtchen im Berner Oberland nahm den Mord nicht einfach so hin. Ein Glockenmarsch im Städtchen sollte symbolisieren, dass man mit den Rechtsextremen nicht sympathisiert: «Wir wollten mit den Glocken einen anderen Ton nach Unterseen bringen», sagt der damalige Unterseener Pfarrer Theo Ritz. 

    Im Jahr 2004 kamen die jungen Täter vor Gericht. Mit dabei: Christine Brand, damals Gerichtsreporterin beim «Bund»: «Das war ein Fall, der mir geblieben ist. Eindrücklich war er wegen der Täter. Alles junge Männer auf der Kippe zum Erwachsenwerden.»

    Was vor 20 Jahren passiert ist. Was im idyllischen Unterseen zu diesem unvorstellbar brutalen Mord führte. Wie die Polizei ermittelt hat. Und auch: Was der Fall mit Unterseen gemacht hat. Darum geht es in dieser Zeitblende.

  • Seit 50 Jahren dürfen Frauen in der Schweiz abstimmen und wählen. Bis die Männer den Frauen dieses Recht gewährten, brauchte es zwei Volksabstimmungen. 

    1959, bei der ersten Abstimmung scheiterte das Vorhaben kläglich – zwei Drittel der Männer waren dagegen. Erst beim zweiten Anlauf 1971 kam die Vorlage durch. Was hat sich in diesen zwölf Jahren in den Köpfen der Männer verändert? Wie haben die Frauen das geschafft?
    Alt Bundesrätin Ruth Dreifuss und Historikerin Brigitte Studer schauen in dieser Zeitblende zurück und ordnen ein.

  • Am 9. Februar 1961 brannte das Grand-Hotel «Rigi-Kaltbad» bis auf die Grundmauern nieder. Elf Menschen starben, rund 200 wurden gerettet. Es war Brandstiftung. Ein Hotelangestellter hatte im Alkoholrausch Feuer gelegt. Mit dem Brand verschwand das letzte der noblen Belle-Epoque-Hotels auf der Rigi.

    Zeugin des Brandes war Ruth Reinecke-Dahinden. Die 91jährige waschechte «Rigianerin» sagt: «Es war furchtbar, einfach dazustehen und zu wissen, dass da Menschen drin sind und die verbrennen nun einfach», Und die Historikerin Erika Flückiger Strebel skizziert die Tourismus-Entwicklung von den Anfängen im 17. Jahrhundert, als die Rigi eine beliebte Wallfahrts- und Badedestination war, über den aufkommenden Natur- und Aussichts-Tourismus vor gut 200 Jahren bis hin zur Blütezeit ab der Belle-Epoque, in der die Zentralschweiz Magnet wurde für Adel, Geschäftsleute und Prominenz aus ganz Europa.

  • Es sind junge Rapper, die in Tunesien den Soundtrack zum arabischen Frühling 2011 liefern. Sie übersetzen die Wut einer ganzen Generation und riskieren damit viel. Zehn Jahre später sind die tunesischen Protestmusikerinnen und -musiker sehr viel freier, aber die Ernüchterung ist trotzdem gross.

    "Herr Präsident, dein Volk stirbt, viele Leute essen aus Mülltonnen. Da siehst du, was sich im Land tut. Elend überall und die Leute wissen nicht, wo sie schlafen sollen.» So rappt El General im November 2010. Zwei Monate später fegen die Strassenproteste Präsident Ben Ali aus dem Amt und El General wird als «Stimme der Revolution» gefeiert. Heute heisst es, der Rapper sei Islamist, seine Musik Mainstream. Die «Zeitblende» will wissen: Wie sehr haben Protestmusiker wie El General die Revolution in Tunesien geprägt? Und was ist mit ihnen nach den Umbrüchen passiert? Eine Spurensuche mit der französisch-tunesischen Filmemacherin Hind Meddeb, die mehrere Filme über die Rapszene in Tunesien gedreht hat, und der Journalistin Sarah Mersch in Tunis.

    Musikliste:
    - El General: Rais Lebled
    - El General: Tounes Bledna
    - Férid El Extranjero: La3bed fi terkina
    - Bendirman: Hbiba Ciao
    - Zorah Lajnef: Tounis Hurra
    - Weld El 15: Boulicia Kleb
    - Emel Mathlouthi: Kelmti Horra

  • In den 60er und 70er Jahren erlebte das Puschlav eine Blütezeit des Schmuggels. Täglich wurden tonnenweise Kaffee und Zigaretten nach Italien gebracht - zu Fuss. Beidseits der Grenze wurde man reich. Eine «Zeitblende» auf der Fährte der «Contrabbandieri» und ihrer gefährlichen Schleichwege.

    Zwischen 20 und 30 Tonnen Kaffee und etwa eine Tonne Zigaretten wurden zu den besten Zeiten über die grüne Grenze ins Veltlin gebracht - und zwar pro Tag. Beidseits der Grenze hat man davon kräftig profitiert und ist reich geworden. 

    Die Blütezeit dieses Schmuggels erlebte das Puschlav in den 60er und bis Mitte der 70er Jahre. Die Schweizer Behörden tolerierten den Schwarzhandel. Denn: Jahr für Jahr flossen Millionen von Franken in die Bundeskasse. Alleine 1969 waren es rund 100 Millionen Franken. Damit wurde einem von 20 Pensionierten in der Schweiz die Rente bezahlt - Schmuggel sei dank. 

  • Entertainerin, Diva, der erste schwarze Superstar. Aber auch Widerstandskämpferin im 2. Weltkrieg. Bürgerrechtsaktivistin. Josephine Baker engagierte sich gegen Ungleichheit und Ungerechtigkeit, um jeden Preis.

    Geboren in den Slums von St. Louis und geprägt von der Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA, bezauberte die junge Josephine Baker in den 1920er Jahren als Nackttänzerin das Pariser Publikum. Mit ihrer Beweglichkeit, ihrem Aussehen und ihrem komödiantischen Talent.

    Dadurch wurde sie zu einer der erfolgreichsten und wohlhabendsten schwarzen Künstlerinnen ihrer Zeit. Und sie nützte ihren Ruhm, um den weltweiten Kampf gegen Rassismus voranzubringen. Ohne Rücksicht auf persönliche Verluste.

    Gast in der Zeitblende ist die Publizistin Mona Horncastle. Sie hat die erste deutschsprachige Biographie über Josephine Baker veröffentlicht.

  • Rund 12'000 polnische Soldaten waren im Zweiten Weltkrieg in der Schweiz interniert. Sie arbeiteten hart. Die Behörden verboten Ihnen aber, Schweizer Frauen zu treffen. In der Zeitblende zeigen wir, wie es zu diesem Verbot kam. Welche Folgen es hatte. Und warum die Forschung bis heute Lücken hat.

    Wir reden mit Nachkommen von polnischen Internierten. Und wir ordnen ein mit der Historikerin May Broda - sie hat sich intensiv mit der Thematik befasst.

    Weiterführende Literatur:

    Bill, Marie-Isabelle. Interniert: Polnisch-schweizerische Familiengeschichten. Herausgegeben von der Interessengemeinschaft der Nachkommen internierter Polen in der Schweiz. Zürich: Chronos, 2020.

    Broda, May B. Verbotene Beziehungen : Polnische Militärinternierte und die Schweizer Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkrieges, am Beispiel auch des Internierten-Hochschullagers Herisau/St. Gallen. Separatdruck aus: Appenzellische Jahrbücher, 119. 1991.

    Broda, May. «Verbotene Beziehungen: Polen in der Schweiz.» Schweizer Fernsehen, Spuren der Zeit, 1990.

    Broda, May B. «Polenhuren»? Militär, Geschlecht und Rassismus in der Schweiz 1939–1945. In: Dejung, Christof. Armee, Staat und Geschlecht: Die Schweiz im internationalen Vergleich, 1918-1945. Zürich: Chronos, 2003. S. 133 – 152.

    Redolfi, Silke Margherita. Die Verlorenen Töchter : Der Verlust Des Schweizer Bürgerrechts Bei Der Heirat Eines Ausländers : Rechtliche Situation Und Lebensalltag Ausgebürgerter Schweizerinnen Bis 1952. Zürich: Chronos, 2019.

    Regli Beat und Stadelmann Jürg: «Concentrationslager» Büren a.d.Aare 1940–46, Schweizer Fernsehen, Spuren der Zeit, 1990 (33 Minuten).

    Stadelmann, Jürg und Krause, Selina. «Concentrationslager» Büren an der Aare 1940-1946 : Das Grösste Flüchtlingslager der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Baden: Hier Jetzt, 1999. Print.

  • Wie ist es für Kinder und Jugendliche in einer Diktatur aufzuwachsen - die dann plötzlich in sich zusammenbricht? Und wie prägt all das einen? 

    30 Jahre nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland schauen bei uns 3 Frauen auf ihr Aufwachsen in der DDR zurück, erzählen wie sie das Leben hinter Mauern erlebt haben, wie den Mauerfall und die Umbrüche danach.

  • Vor 400 Jahren, im Herbst 1620, segeln puritanische Siedlerinnen und Siedler an Bord der Mayflower von England bis Amerika. Das Schiff von damals ist heute Teil des US-amerikanischen Gründungymythos und steht für Werte wie Freiheit und Toleranz. Doch genau diese Werte galten lange nicht für alle.

    Kann die Mayflower die Amerikanerinnen und Amerikaner im Jahr 2020 noch einen? Kann sie Gemeinsamkeit stiften, in einem Land, das so gespalten scheint, wie lange nicht mehr? Und können sich auch Afroamerikanerinnen und -amerikaner mit dem Mayflower-Mythos identifizieren?

    Die Zeitblende macht sich auf Spurensuche mit Britta Waldschmidt-Nelson, Amerika-Expertin und Historikerin an der Universität Augsburg.

  • 45 US-Präsidenten gab es bis heute. Allesamt Männer. Und seit 40 Jahren bestimmt Männlichkeit in all ihren Formen den US-Präsidentschaftswahlkampf stärker denn je. Donald Trump sei das nur die Spitze des Eisbergs, sagt US-Soziologe Jackson Katz. 

    Seit der Wahl von Ronald Reagan im Jahr 1980 verkaufen sich republikanische Präsidentschaftskandidaten mit Erfolg als «echte Männer», sagt Soziologe Katz. Er hat die Maskulinität im US-Wahlkampf untersucht.

    Bei weissen Wählern zieht das: Sie wählen konsequent den Cowboy, den Haudegen, den starken Beschützer. Sie haben sich seit Jimmy Carters Abwahl von den Demokraten verabschiedet.

    In der Zeitblende zeigt Jackson Katz auf, wie Reagan und seine republikanischen Nachfolger Maskulinität erfolgreich zu ihrem Markenzeichen gemacht haben. 

  • Am 19. Oktober 1957 stirbt Peter Stadelmann. Mit einem Wagenheber wird er erschlagen, dann in die Reuss geworfen, wo er ertrinkt. Die Täter: Ein Aargauer Gipser und seine norwegische Geliebte. Sie wollen nach Amerika und brauchen Geld. Doch ihr Traum wird zum Albtraum.

    Ihre Tat schreckt das ganze Land auf. Und sie verrät viel über die Schweiz der 1950er-Jahre.

    Es ist eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, als die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch wach war – und bereits der nächste Krieg, der «Kalte Krieg» drohte. Es werden Häuser und Autobahnen gebaut, die Schweizer kaufen sich ausländische Autos und Fernsehgeräte. Doch die 50er-Jahre sind auch eine Zeit der sozialen Ungleichheit, der rigiden Moralvorstellungen, der verklemmten Sexualität.

    Vor dieser Kulisse spielt sich dieser Kriminalfall ab: Der Gipser Max Märki, ein verheirateter Familienvater, und die norwegische Hilfsköchin Ragnhild Flater verlieben sich ineinander, wollen ausbrechen aus ihrem Millieu und aus der Armut – und wollen nach Amerika. Sie brauchen Geld. Doch der Versuch, den unschuldigen Peter Stadelmann auszurauben, geht schief. Sie bringen ihn um.

    Der Autor und Journalist Peter Hossli hat den Fall intensiv recherchiert und ein Buch geschrieben. Mit ihm zeichnet die «Zeitblende» diese Geschichte nach. Sie ist auch ein Sittengemälde der damaligen Gesellschaft, wie Monika Dommann, Geschichtsprofessorin an der Universität Zürich, ausführt.

  • Der Peruaner Geo Chavez überfliegt am 23. September 1910 die Alpen von Ried-Brig nach Italien. Dieser erste motorisierte Alpenflug ist eine Sensation, sorgt weltweit für Furore und versetzt eine ganze Region in grosse Aufregung. Der Erstflug ist ein Meilenstein für die noch junge Aviatik. 

    In der Zeitblende reden wir mit dem ehemaligen Vizedirektor des Verkehrshaus Luzern Henry Wydler und mit dem Journalisten Georges Tscherrig. 

  • Der Krieg war erst wenige Monate zu Ende, als 1945 das «Echo der Zeit» zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Der Premiere war ein Machtkampf vorausgegangen. Die damalige «Schweizerische Rundspruchgesellschaft» SRG wollte kritischeren Journalismus bieten, die Presse und der Bundesrat waren dagegen.

    Die SRG setzte sich durch, und am 17. September 1945 wurde das «Echo der Zeit» zum ersten Mal ausgestrahlt. Die Sendung gewann bald eine grosse Hörerschaft. Diese war fasziniert von den Berichten der Korrespondenten aus der ganzen Welt. Und das Radio als Medium, von den Kriegsparteien als Propagandamittel missbraucht, erkämpfte sich im Friedensjahr seinen Platz zurück.

    In der «Zeitblende» blicken wir zurück auf die Geburtsstunde des «Echo der Zeit». Im Gespräch mit dem Schweizer Medienhistoriker Edzard Schade hören wir von den Machtkämpfen zwischen Presse, Bundesrat und SRG. Und erfahren, warum das Radio den Grundstein legte für den Erfolg von «Netflix» und anderen Plattformen.

  • Er war einer der wenigen schwulen Männer, welche offen über seine Zeit im Konzentrationslager der Nationalsozialisten redete: der Elsässer Pierre Seel. Schon im Alter von 18 Jahren wurde er verhaftet und im Lager Schirmeck-Vorbruck gefoltert, vergewaltigt, erniedrigt.

    Aber er überlebte. Auch während den Jahren als Deportierter an der Kriegsfront in Russland und anderen Ländern entging er mehrmals nur knapp dem Tod.

    Nach dem Krieg lebte er fast vier Jahrzehnte lang getarnt als verheirateter Familienvater. Erst in den 1980er-Jahren wagte er den Schritt an die Öffentlichkeit und schrieb später auch ein Buch über seine Leiden und seinen Kampf für die Anerkennung von Homosexuellen als Nazi-Opfer.

    In der Zeitblende hören wir Ausschnitte aus einem Interview mit dem mittlerweile verstorbenen Pierre Seel. Und wir reden mit Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau. Er hat die Geschichte der Homosexuellen unter dem Hakenkreuz erforscht.