WDR ZeitZeichen

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Ob Staatsgründung oder Machtverfall, Lebensdaten großer Frauen und Männer, Wendepunkte der Menschheitsgeschichte, Friedensverträge und Katastrophen, Erfindungen und Entdeckungen - im ZeitZeichen wird Geschichte lebendig.

Episodes

Ralph Waldo Emerson, Philosoph (Todestag 27.04.1882)  

Sein Tagebuch betrachtete er als "Sparbank für geistige Reserven und emotionale Rücklagen". Wer heute die Essays des Ralph Waldo Emerson liest, könnte meinen, dass er es mit einem zeitgenössischen Autor zu tun hat. "Wer ein Mensch sein will, der muss Nonkonformist sein!", schrieb der amerikanische Philosoph allerdings schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Und hielt sich auch daran. Autor: Ralf Gödde

Zerstörung von Guernica (am 26.04.1937)  

Lässt sich ein Krieg nur aus der Luft gewinnen? Ohne den Einsatz von Bodentruppen? Erstmals wurden derartige Fragen in den 1930er Jahren diskutiert, von Hitlers Militärstrategen in Vorbereitung des Großen Kriegs. Mit dem spanischen Bürgerkrieg, nach Francos angeblichem Hilferuf an die Deutschen, bekam man so etwas wie ein Experimentierfeld, einen gigantischen Truppenübungsplatz. Autorin: Almut Finck

Papst Benedikt XII. (Todestag 25.04.1342)  

Noch heute ist der Papstpalast in Avignon ein imposantes Bauwerk und ein Touristenmagnet. Im Innenhof finden in jedem Sommer renommierte Festspiele statt. Seine Geschichte ist eng verbunden mit Papst Benedikt XII., einem Franzosen, der den Bau des sogenannten "Alten Palastes" während seiner Amtszeit fast vollenden konnte. Autor: Walter Liedtke

Barbra Streisand, Schauspielerin (Geburtstag 24.04.1942)  

Sie gilt als unverwechselbar, als Genie und Multitalent, als Chamäleon, Zicke, Charity-Schlampe, Schwulen-Ikone und Phänomen. Barbra Streisand ist mit vielen Titeln versehen worden, vor allem aber mit Emmys, Grammys, Globes und Preisen dieser Welt. Nicht jeder liebt, aber viele vergöttern sie. Autorin: Susanne Rabsahl

Richard Huelsenbeck, Schriftsteller (Geburtstag 23.04.1892)  

Das Jahr 1916 veränderte sein Leben. Da landete der Medizinstudent und angehende Schriftsteller Richard Huelsenbeck als Kriegsdienstverweigerer in Zürich. Zusammen mit einigen Freunden erfand er dort "Dada": eine kurzlebige künstlerische Bewegung, die in ihren Gedichten und Performances alle fest gefügten Kunstformen ad absurdum führen wollte. 1917 brachte er diese Mischung aus Nonsens, Happening und politischem Protest auch nach Berlin. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann

Édouard Lalo, frz. Komponist (Todestag 22.04.1892)  

Er wollte nichts anderes als eine Erneuerung der französischen Musik. Doch mit diesem Ziel kam Édouard Lalo nur schleppend voran, denn seine Werke wurden erst ab den 1870er Jahren zunehmend in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Sein wohl größter Hit ist bis heute das zweite Violinkonzert, die "Symphonie espagnole". Autor: Christoph Vratz

Väinö Linna, finnischer Schriftsteller (Todestag 21.04.1992)  

Jeder Finne kennt dieses Buch: "Der unbekannte Soldat", in Westdeutschland auch unter dem Titel "Kreuze in Karelien" erschienen. Ein umfangreicher Antikriegsroman über den finnisch-sowjetischen Krieg 1941-44, aufgeschrieben vom Veteranen Väinö Linna. Ein Bestseller gleich nach der Bibel, Schullektüre und Filmvorlage. Autorin: Hildburg Heider

Carl Thiersch, Chirurg (Geburtstag 20.04.1822)  

Kann man den großen Arzt Rudolf Virchow widerlegen? Carl Thiersch kann. 1865 weist er nach, dass Hautkrebs nicht, wie Virchow behauptet, im Bindegewebe entsteht, sondern in den Epithelien, dem Deck- und Drüsengewebe. Da ist der gebürtige Münchner noch Chirurgie-Professor in Erlangen und sorgt mit bahnbrechenden Operationen an Genitalbereich und Auge für Aufsehen. Autorin: Edda Dammmüller

Konrad Adenauer, Politiker (Todestag 19.04.1967)  

Als Adenauer starb, verlor die Bundesrepublik Deutschland ihre prägende Gestalt. Er war der Kanzler, der dem Land seinen Stempel aufdrückte. Bereits im Ersten Weltkrieg wurde Konrad Adenauer Oberbürgermeister von Köln. In der Weimarer Republik gehörte er zu den wichtigsten politischen Akteuren, in der NS-Zeit wurde er als Kölner Oberbürgermeister entlassen und musste sich zeitweise verstecken. Mit 73 wurde Adenauer Bundeskanzler und blieb es 14 Jahre lang. Autor: Heiner Wember

Wilhelm von Grumbach, Ritter (Todestag 18.04.1567)  

Ein Schlitzohr, ja das war er. Da sind sich alle einig. Und kaltblütig war er auch. Ohne Rücksicht auf bestehende Regeln hatte er versucht, im Durcheinander seiner Zeit das Beste für sich heraus zu holen - und ist am Ende gescheitert. Dabei täuschte er die hohen Herren mit Hilfe eines falschen Sehers und erging sich in mörderischer Selbstjustiz - das Unglück anderer scherte ihn dabei nicht. Autor: Marko Rösseler

Vertrag von Santa Fe wird geschlossen (am 17.04.1492)  

Kolumbus' Entdeckung des vermeintlichen Seewegs nach Indien ist der Beginn einer mörderischen Kolonialisierung der "Neuen Welt", der Millionen Indianer das Leben kostete und die Schatzkammern der spanischen Könige Ferdinand und Isabella mit Perlen, Gold und Silber füllte. Ein Zehntel des Gewinns soll nach Abzug der Kosten Kolumbus selbst gehören. So bestimmte es der Vertrag von Santa Fe, den Kolumbus den spanischen Königen vor seiner Abreise abgetrotzt hatte. Autorin: Marfa Heimbach

Charlotte Salomon, Malerin (Geburtstag 16.04.1917)  

"Ich muss tiefer in die Einsamkeit eindringen". Jeden Tag hat sie gemalt im Exil in Frankreich, 18 Monate lang. In über 1300 Gouachen dokumentierte die in Berlin geborene Charlotte Salomon ihr Leben. Malend deutet sie es neu und schafft das Werk "Leben? Oder Theater?". Ein gemaltes Theaterstück auf Grundlage der eigenen Biografie, mit Texten und Verweisen auf Musik. 1943 wird Charlotte Salomon denunziert, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann

Robert Musil, österr. Schriftsteller (Todestag 15.04.1942)  

Militärwesen, Maschinenbau, Naturwissenschaften, Psychologie, Theater, Literatur - Robert Musil interessierte sich für viele Themen. Je mehr er aber wusste, desto schwerer tat er sich beim Schreiben. Sein erster Roman "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß", der 1906 erschien, war zwar ein großer Erfolg, aber als er 1918 mit 38 Jahren beschloss, sich nur noch dem Schreiben zu widmen, verurteilte er sich und seine Frau zu einem Leben voller Geldsorgen. Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann

Otto II. heiratet Prinzessin Theophanu (am 14.04.972)  

Nicht nur im Märchen bekommt der Königssohn manchmal eine falsche Prinzessin untergejubelt. Auch Frankenkönig Otto II. musste 972 erkennen, dass man ihn hereingelegt hatte: Denn der byzantinische Kaiserhof hatte ihm nicht - wie versprochen - eine "Purpurgeborene" geschickt, eine echte Kaisertochter, sondern nur eine kaiserliche Nichte, Theophanu. Autorin: Maren Gottschalk

Hochstaplerin Mary Baker ist "Princess Caraboo" (im April 1817)  

Es ist eine exotische Erscheinung, die im April 1817 das englische Städtchen Almondsbury aufmischt: eine junge Frau in fremdländischer Kleidung, die eine ebenso unbekannte Sprache spricht. "Caraboo!" sagt sie immer wieder - offensichtlich ihr Name. Mehr lässt sich über die Fremde zunächst nicht herausfinden. Autorin: Jana Fischer

Putsch gegen Hugo Chavez, venezolan. Präsident (am 12.04.2002)  

Venezuela vor dem Bürgerkrieg. Die bürgerliche Opposition gegen Hugo Chavez marschiert zum Präsidentenpalast. Dort demonstrieren seine Anhänger, die Landarbeiter und Bewohner der Armenviertel. Unversöhnlich stehen sich die beiden Gruppen gegenüber, es fallen Schüsse, Tote in den Straßen, die Armee greift ein. Chavez, Präsident seit 1998, wird abgesetzt, aber der Putsch kollabiert einen Tag später. Autor: Jörg Beuthner

Die "Toten Hosen", Debütkonzert (Ostern 1982)  

1982: Helmut Kohl wird Bundeskanzler, Prinz William wird geboren, ABBA löst sich auf und in Düsseldorf gründen Frontmann Andreas Frege, genannt Campino, und fünf Freunde eine Punk-Rock-Band: die "Toten Hosen". Ihr Debütkonzert geben sie zu Ostern in Bremen, im Keller des Kulturzentrums Schlachthof. Ein Druckfehler in den Flugblättern kündigt sie als "Tote Hasen" an, den knapp 200 Fans ist das egal. Autorin: Ariane Hoffmann

Joseph Pulitzer, Zeitungsverleger (Geburtstag 10.04.1847)  

Joseph Pulitzer hat die Presse Amerikas in ein Massenmedium von gewaltigem Einfluss verwandelt. Er hat die "Yellow Press", die Klatsch- und Sensationspresse, erfunden - aber auch den seriösen investigativen Journalismus. Kurz vor seinem Tod 1911 stiftete der Medienzar den nach ihm benannten Pulitzer-Preis, der seit 1917 verliehen wird und heute als die renommierteste Auszeichnung für Journalisten und Schriftsteller in den USA gilt. Autorin: Almut Finck

Rolf Kauka, Comicverleger (Geburtstag 09.04.1917)  

Er gilt als der "deutsche Disney" und war eine der schillerndsten Figuren in der Comic-Szene der jungen Bundesrepublik. Zu Beginn der 50er Jahre gründete Rolf Kauka in München einen Verlag, um "deutsche Comics für deutsche Kinder" herauszugeben. Zunächst beschäftigte er sich mit Sagenfiguren wie Till Eulenspiegel oder Reineke Fuchs. Daraus wurde "Fix und Foxi" und die beiden waren zu ihren besten Zeiten in Deutschland fast so erfolgreich wie Micky Maus. Autorin: Christiane Kopka

Vermögenssteuer wird eingeführt (am 08.04.1922)  

Der Erste Weltkrieg hat nicht nur Menschenleben sondern ganze Volkswirtschaften aufgefressen. Das Geld ist buchstäblich in Rauch aufgegangen. Die europäischen Staaten sind pleite - der Verlierer soll zahlen. Die junge Weimarer Republik sieht sich schon bald unerfüllbaren Reparationsforderungen gegenüber. Doch woher nehmen? Von den Vermögenden, von den Reichen! Autor: Marko Rösseler

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