WDR ZeitZeichen

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Ob Staatsgründung oder Machtverfall, Lebensdaten großer Frauen und Männer, Wendepunkte der Menschheitsgeschichte, Friedensverträge und Katastrophen, Erfindungen und Entdeckungen - im ZeitZeichen wird Geschichte lebendig.

Episodes

Wolfgang Amadeus Mozart, Komponist (Todestag 05.12.1791)  

Zu Lebzeiten bewundern die Zeitgenossen Mozart als musikalisches Wunderkind und Virtuosen, als Komponisten achten ihn vor allem Kritiker und Kollegen. Das Publikum findet seine Kompositionen zu anspruchsvoll, zu respektlos gegenüber den gängigen Hörgewohnheiten. Das ändert sich erst nach seinem Tod. Heute ist Mozart ein Bestseller der klassischen Musik. Autor: Niklas Rudolph

"Flucht in die Öffentlichkeit" wird geprägt (am 04.12.1896)  

Adolf Marschall von Bieberstein hatte die Faxen dicke. Der Außenminister des deutschen Kaiserreichs stand ständig im Verdacht, Intrigen gegen die Regierung zu inszenieren - was nicht stimmte. Also setzte er sich mit ein paar Journalisten zusammen, in einem inoffiziellen Gespräch, und entdeckte schließlich die wahren Strippenzieher. Um denen das Handwerk zu legen, musste er einen Gerichtsprozess anstrengen, also die "Flucht in die Öffentlichkeit" antreten. Autorin: Irene Geuer

Boutros Boutros-Ghali wird UN-Generalsekretär (am 03.12.1991)  

Er war der erste Afrikaner an der Spitze der UN, und der erste, der nicht für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde - nach einem Veto der USA. Die dramatischen Krisen in Somalia, Ruanda und Jugoslawien fielen in seine fünfjährige Amtszeit. Das Scheitern der Blauhelme in den dortigen Missionen fiel auf Boutros-Ghali zurück. Autor: Tobias Mayer

Otto Dix, Maler und Grafiker (Geburtstag 02.12.1891)  

"Man muss den Menschen in diesem entfesselten Zustand gesehen haben, um etwas über den Menschen zu wissen." Das sagte der Maler, Zeichner und Grafiker Otto Dix, der im Ersten Weltkrieg als Soldat an der Westfront gekämpft hatte. An dieser hart umfochtenen Front hatte er dem Krieg in sein hässliches, gewalttätiges Gesicht geschaut. Fortan malte er dieses Grauen. Autorin: Andrea Klasen

Sir George Everest, brit. Landvermesser (Todestag 01.12.1866)  

Er war ein Besessener. Und ein unangenehmer Zeitgenosse. So zumindest beschreiben ihn die Chronisten. Sir George Everest war ein Pedant. Er liebte Zahlen und Präzision. Nichts konnte ihn von seinem Lebensziel abhalten. Keine Malaria, keine Tropenstürme, keine giftigen Schlangen oder wütende Tiger. Er wollte Indien vermessen und das Werk seines Vorgängers William Lambton vollenden. Autorin: Andrea Kath

Hamburger Feuerkasse gegründet (am 30.11.1676)  

Feuer und Flammen brachten Jahrhunderte lang Elend und Not über die Opfer. Wen es traf, der war ruiniert, er schrieb dann Bettelbriefe. Auf der Rangliste der Heimsuchungen und Ängste stand das Feuer ganz oben. Als im 17. Jahrhundert Teile Hamburgs in Schutt und Asche gelegt wurden, beschloss der Rat der Bürgerschaft Gegenmaßnahmen. So wurde am 30. November 1676 mit der Hamburger Feuerkasse die erste öffentlich-rechtliche Feuerversicherung gegründet. Autor: Jörg Beuthner

Giovanni Bellini, ital. Maler (Todestag 29.11.1516)  

Für Albrecht Dürer war die Sache klar: Giovanni Bellini war der Größte für ihn, der "pest im gemell", der Beste in der Malerei. Der Deutsche kam 1505 nach Venedig, als dort auch Tizian und Giorgione wirkten. Zu diesem Zeitpunkt war Bellini schon ungefähr 70, hoch angesehen als offizieller Maler der Republik Venedig und Schöpfer zahlreicher Altarbilder in den wichtigsten Kirchen Venedigs. Autorin: Ulrike Gondorf

Römisches Reich, größte Ausdehnung (im Jahr 116)  

Kommt es auf die Größe an? Für die alten Römer war das gar keine Frage: Je größer das Reich, desto besser. Das war jedenfalls die offizielle Position des Senats. In Wirklichkeit war natürlich auch der römischen Oberschicht klar: Jede Expansion kostet Geld - viel Geld. Und das muss irgendwie wieder reinkommen. So lohnte sich für Rom vor allem die Eroberung von bodenschatzreichen, fruchtbaren Gebieten mit einer sesshaften, möglichst städtischen Bevölkerung. Autorin: Helene Pawlitzki

Sophie Volland, frz. Intellektuelle (Geburtstag 27.11.1716)  

Es gibt kein Porträt von Sophie Volland. Kein Brief von ihr ist überliefert. Die einzige Spur: ihr Testament, in dem sie Denis Diderot, dem berühmten Schriftsteller und Herausgeber der "Enzyklopädie", einen Ring und eine Montaigne-Ausgabe vermachte. Louise-Henriette Volland, genannt Sophie, ist dennoch in die französische Literaturgeschichte eingegangen. 187 Briefe, die ihr Geliebter Denis Diderot an sie sandte, sind erhalten. Autor: Christoph Vormweg

Schlacht an der Somme endet (im November 1916)  

Der Tag des Angriffs an der Somme wurde zum schwarzen Tag in der britischen Militärgeschichte. Eine Woche lang hatten die Entente-Mächte im Ersten Weltkrieg die deutschen Stellungen bombardiert und glaubten, dass dort niemand mehr leben würde. Doch der britisch-französische Angriff blieb im deutschen Maschinengewehr-Feuer stecken. Insgesamt gab es in den knapp fünf Monaten der Schlacht schätzungsweise über eine Million Tote, Verwundete und Vermisste. Autor: Heiner Wember

Gewandhaus Leipzig, erstes Konzert (am 25.11.1781)  

Es begann mit 16 Musikern, die einem Stammpublikum von Adligen und Bürgern "Große Konzerte" in verschiedenen Leipziger Etablissements boten. Dem kunstsinnigen und geschäftstüchtigen Bürgermeister Carl Wilhelm Müller gelang es, einen richtigen Konzertsaal zu etablieren, im ungenutzten Dachgeschoß des Gewandhauses, des Messehauses der Tuchmacher. Am 25. November 1781 fand dort das erste Konzert statt, ein buntes Programm zeitgenössischer Musik. Autorin: Hildburg Heider

Ludwig Bechstein, Märchensammler (Geburtstag 24.11.1801)  

Er hatte eine Schwäche für verzauberte Prinzessinnen, heimtückische Hexen oder sprechende Fische - und ein besonderes Talent, davon zu erzählen. Ludwig Bechsteins "Deutsches Märchenbuch" war ein Bestseller des 19. Jahrhunderts und zu dieser Zeit viel erfolgreicher als die Märchen der Brüder Grimm. Autorin: Christiane Kopka

Papst Pius XII. akzeptiert Urknall als Schöpfung (November 1951)  

Eine kuriose Situation: Da beschreibt der Heilige Vater in einer Rede vor der Päpstlichen Akademie begeistert die Fortschritte der Wissenschaft, vor allem die Kosmologie des Urknalls, für ihn sozusagen ein Beweis der Schöpfung. Mehr noch: wäre die Geburt der Welt aus einem Uranfang nicht ein Gottesbeweis? Der belgische Priester und Physiker Georges Lemaitre unter den Zuhörern von Pius XII. reagiert geradezu entgeistert. Autor: Wolfgang Burgmer

Werner Mölders, Jagdflieger (Todestag 22.11.1941)  

Deutsche Kriegshelden sind schwer aus der Mode gekommen - das ist erfreulich. Denn kann jemand als Vorbild dienen, dessen Lebensaufgabe darin bestand, anderen Menschen im Dienste Nazi-Deutschlands den Tod zu bringen? Vor 75 Jahren noch kannte Werner Mölders jedes Kind. Er war der deutsche Held im Luftkrieg. Kleine Jungs spielten mit Modellfliegern seine Schlachten nach. Ungezählte Verehrerinnen schickten ihm eindeutige Angebote. Autor: Marko Rösseler

Der Untergang der "Brittanic" (am 21.11.1916)  

Jeder kennt die Geschichte der "Titanic". Aber nur wenige die ihres Schwesterschiffs, der "Britannic". Im ersten Weltkrieg diente die "Britannic" als Verwundetentransporter. Von Southhampton war sie auf dem Weg nach Limnos, wo es während der Kämpfe um die Dardanellen ein großes Lazarett gab. Am Morgen des 21. November 1916 fuhr die Britannic vor der Kykladeninsel Kea in ein deutsches Minenfeld. Autor: Wolfgang Landmesser

Helga Hahnemann, Entertainerin (Todestag 20.11.1991)  

Schlagfertig, laut, ätzend, derb - und niemals zu freundlich. Die Berliner Schnauze wird nicht überall geliebt. Immerhin hat sie einen Ruf. An dessen Verbreitung im Osten hat Helga Hahnemann einen großen Anteil. Doch sie fügte der Berliner Schnauze noch etwas Gefühlvolles hinzu. Sie konnte krachend komisch und melancholisch sein. Helga Hahnemann war die bekannteste, beliebteste und vielseitigste Entertainerin der DDR. Autor: Thomas Klug

Erster Welttoilettentag wird ausgerufen (am 19.11.2001)  

Jeder braucht sie, vor manchen ekelt man sich - aber daheim kann man auf ihr sitzend schon mal die ganze Zeitung lesen: Kaum ein Sitzmöbel wird so verkannt wie die Toilette. Da ist es gut, dass sich die Vereinten Nationen einen Tag ausgeguckt haben, der ganz ihr gehört: Der internationale Welttoilettentag. Autorin: Kerstin Hilt

George H. Gallup, am. Meinungsforscher (Geburtstag 18.11.1901)  

Bis zum 18. November des Jahres 1901 hatte die Menschheit ausschließlich die Möglichkeit, auf Propheten zurückzugreifen. Die wiederum beobachteten Tiere, lasen Teeblätter oder den Kaffeesatz, schauten in Erdlöcher oder nahmen Drogen, um herauszufinden, was in naher oder ferner Zukunft geschehen würde. Dann wurde George H. Gallup geboren, und er brachte das in die Welt, was man heute Meinungsforschung nennt. Autor: Wolfgang Meyer

Kaiser Wilhelm I. kündigt Sozialgesetzgebung an (am 17.11.1881)  

Die epochale Bedeutung seiner "Kaiserlichen Botschaft" hat der 84-Jährige Wilhelm I. womöglich gar nicht mehr erfasst. Ohnehin stammt der Text weitgehend vom Reichskanzler. Am 17. November 1881 verkündet Otto von Bismarck im Schloss, dass der Staat eine soziale Absicherung der Arbeiter in Angriff nehmen wird. Dahinter steckt politisches Kalkül. Autorin: Edda Dammmüller

"Frankfurter Zeitung" erscheint erstmals (am 16.11.1866)  

"Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" - selten dürfte ein Werbespruch mehr Wirkung erzielt haben. Trotz Zeitungskrise und Auflagenrückgangs: Die FAZ lebt bis heute vom Ruf des konservativ-intellektuellen Aushängeschilds der deutschen Presselandschaft. Auch der Vorläufer der FAZ - die "Frankfurter Zeitung" - galt im Kaiserreich und der Weimarer Republik als eines der renommiertesten Blätter des Landes. Autor: Thomas Pfaff

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