Episoder
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In der berühmten Erzählung »Michael Kohlhaas« von Heinrich von Kleist
wird der brave Pferdehändler aus Brandenburg zu einem gefürchteten
Terroristen, der verzweifelt um sein Recht kämpft. Aber wer ist Michaela
Kohlhaas? Sie ist die Heldin im aktuellen Roman der Leipziger
Schriftstellerin Heike Geißler. Michaela Kohlhaas verlässt ihre
bürgerliche Existenz, zieht mit einem Planwagen durch Deutschland und
kämpft für mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Wir diskutieren in unserem
ZEIT-Bücherpodcast: Ist das eine gelungene Aktualisierung von Kleist?
Oder etwas völlig anderes? Und was hat es mit dieser modernen
Systemsprengerin auf sich?
Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann hundert Jahre alt geworden. Wir
fragen uns: Warum lieben wir sie noch immer so sehr? Was hat sie uns zu
sagen? Und wir sprechen über eine ihrer autobiografischen Erzählungen:
»Drei Wege zum See«. Die Erzählung erschien ein Jahr vor ihrem Tod und
enthält all ihre großen Lebensthemen. Wie lebt eine Frau in der
Männergesellschaft? Wie schwer lastet die Vergangenheit auf uns? Warum
fühlte Bachmann sich überall wie eine Fremde?
Die italienische Schriftstellerin Fleur Jaeggy, heute 85 Jahre alt, war
eine enge Freundin von Ingeborg Bachmann. In einem ergreifenden kleinen
Erinnerungsbuch erzählt sie von den letzten Tagen ihrer Freundin. Und
sie erhebt schwere Vorwürfe gegen Bachmanns österreichische Familie und
die deutschen Freundinnen. Wir diskutieren über Jaeggys These: Hätte
Ingeborg Bachmann nach dem schweren Brandunfall 1973 in ihrer Wohnung in
Rom noch gerettet werden können? Die Wucht dieses kleinen Buches zeigt –
Bachmann lässt noch immer niemanden kalt.
Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter [email protected].
Literaturhinweise:
- Heike Geißler. »Michaela Kohlhaas«. Suhrkamp Verlag. 253 Seiten,
24,– Euro
- Fleur Jaeggy. »Die letzten Tage von Ingeborg Bachmann«. Suhrkamp
Verlag. 44 Seiten. 16,– Euro
- Ingeborg Bachmann. »Drei Wege zum See«. In: »Simultan«. Piper
Verlag. 224 Seiten. 11,– Euro
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Es ist ein Ereignis: Der Schauspieler Matthias Brandt setzt sich in
seinem Bestseller erstmals intensiv und öffentlich mit seinen berühmten
Eltern Rut und Willy Brandt auseinander. Was hat ihr widerständiges
Leben uns gerade heute wieder zu sagen? Darüber diskutieren Maja Beckers
und Alexander Cammann in der aktuellen Sachbuchfolge von »Was liest Du
gerade?«. Die Brandts kämpften als Antifaschisten gegen den
Nationalsozialismus – und wurden später von den Deutschen geliebt,
verehrt und gehasst. Lange wollte ihr prominentes Kind aber seinen
eigenen Weg gehen, nicht als ewiger Sohn des Kanzlers. Angesichts der
Bedrohung für unsere Demokratie durch die AfD entdeckt Matthias Brandt
in diesem schmalen Band jedoch die Aktualität seiner Eltern, die unter
Lebensgefahr im Exil Mut bewiesen.
Narzisstisch sind meistens ja immer nur die anderen. Seit ein paar
Jahren ist die Diagnose populär, oft soll sie auch die Krise unserer
Gesellschaft erklären – und vor Narzissmus-Warnungen kann man sich kaum
retten. Aber Thomas Arnold und Thomas Fuchs sortieren jetzt in ihrem
Buch »Das unersättliche Selbst« die verschiedenen Phänomene, analysieren
Selfie-Kult und Social-Media-Sucht und zeigen, was Narzissmus mit
mangelndem Selbstwertgefühl und Fluchtimpulsen zu tun hat. Entgeht man
so dieser speziellen Ego-Falle?
Viel zu wenig bekannt ist die 2003 verstorbene französische Autorin
Monique Wittig, eine feministische Klassikerin, die seit 1976 in den USA
lebte. Warum sie heute wieder lesenswert ist, erkennt man an ihrem
originellen Essayband »Das straighte Denken«, der ihre wichtigsten Texte
vorstellt: Sie will die Geschlechterkategorien Frau und Mann gleich ganz
abschaffen und plädiert für ein lesbisches Leben, weil schon in der
Heterosexualität die Unterdrückung lauert.
Am Schluss wie immer die Geheimtipps unserer Hosts: Kia Vahlands Buch
»Tizian und Venedig«, ein schönes Porträt des berühmten
Renaissancemalers in seiner Lagunenstadt, und den von Julien Gupta
herausgegebenen Band »Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen« mit
klugen Essays prominenter Autoren zu einem Gefühl, das wir heute
dringend brauchen.
Das Team von Was liest Du gerade erreichen Sie unter [email protected]
Literaturhinweise:
- Thomas Arnold/Thomas Fuchs: Das unersättliche Selbst. Phänomenologie
des Narzissmus, Suhrkamp, 200 Seiten, 28 Euro
- Matthias Brandt: Nein sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern
und persönliche Verantwortung heute, Kiepenheuer & Witsch, 16 Euro,
128 Seiten
- Monique Wittig: Das straighte Denken, Merve, 144 Seiten, 15 Euro
- Kia Vahland: Tizian und Venedig, Insel, 117 Seiten, 16 Euro
- Julien Gupta (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen,
Oekom, 208 Seiten, 19 Euro
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Manglende episoder?
-
Im neuen Roman des Bestsellerautors Robert Seethaler wird das Leben
einer gewöhnlichen Straße eingefangen. Welche Wünsche und Träume, welche
Abgründe und welches Glück lauern hinter den Fassaden? Und wie wehren
sich die Bewohner, als ein Immobilieninvestor sie zu verdrängen
versucht? Seethaler vermag es auch in seinem Roman »Die Straße«
meisterhaft, im Gewöhnlichen und Alltäglichen das Zauberhafte zu finden.
Außerdem sprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski in der neuen Folge
des Literaturpodcasts »Was liest du gerade?« über ein grandioses
Romandebüt: Die Schriftstellerin Son Lewandowski zeigt in »Die Routinen«
das brutale Leben von jungen Leistungsturnerinnen, die brutalem
Missbrauch, seelischen und körperlichen Qualen ausgesetzt sind.
Unser Klassiker ist diesmal Leo Tolstois weltberühmte Erzählung »Der Tod
des Iwan Iljitsch«. Hier geht es ans Eingemachte, nämlich um den Sinn
des Lebens.
Literaturangaben:
- Robert Seethaler: »Die Straße«. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2026.
232 S., 25,– €.
- Son Lewandowski. »Die Routinen«. Roman. Klett-Cotta Verlag,
Stuttgart 2026. 272 Seiten, 25,– €.
- Lew Tolstoi: »Der Tod des Iwan Iljitsch«. Erzählung. Reclam Verlag,
Stuttgart 2022. 104 Seiten, 10,– €.
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Momentan ist es der Nummer-1-Sachbuch-Bestseller: Alt genug von Ildikó
von Kürthy, heftig kritisiert von Fernsehkritiker Denis Scheck – ebenso
wie Sophie Passmanns Bestseller Wie kann sie nur? Grund genug für Maja
Beckers und Alexander Cammann, in dieser Sachbuchfolge von Was liest du
gerade? über beide Bücher zu sprechen, über die gerade alle diskutieren:
Wie gut oder schlecht sind sie denn nun wirklich? Es geht um
Selbstbespiegelung und Selbstzweifel, um Social-Media-Scrollen im Bett,
um Geständnisbücher, Menopause vs. Midlife-Crisis, Erfolgsstrategien für
Bestseller und die Frage, ob Männer sich endlich stärker selbst
reflektieren sollten.
Der Klassiker ist dieses Mal eines der erfolgreichsten Sachbücher in
Deutschland aller Zeiten: Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg wird nach
20 Jahren neu aufgelegt, mit einem aktuellen Vorwort des Autors.
Alexander Cammann und Maja Beckers sprechen darüber, wie dieses Buch das
Land verändert hat.
Am Schluss eine neue Rubrik bei Was liest Du gerade?: Unser Geheimtipp –
Maja Beckers und Alexander Cammann bringen künftig jeweils einen
besonderen Lesetipp mit, kurz und knackig präsentiert. Den Anfang machen
Messalina. Intrigen, Macht und Origien im antiken Rom von Honor
Cargill-Martin und Die Buchhandlung der Exilanten von Uwe Neumahr.
Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturhinweise:
Ildikó von Kürthy: »Alt genug«, Ullstein, 272 Seiten, 22,99 Euro
Sophie Passmann: »Wie kann sie nur?«, Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten,
23 Euro
Hape Kerkeling: »Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg«,
Piper, 368 Seiten, 14 Euro
Honor Cargill-Martin: »Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im alten
Rom. Die wahre Geschichte der Skandalkaiserin«, übersetzt von Michael
Bischoff und Ulrike Bischoff, C.H. Beck, 459 Seiten, 34 Euro
Uwe Neumahr: »Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940, Zuflucht und
Widerstand«, 320 Seiten, 26 Euro
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Die Schriftstellerin Hannah Häffner hat mit "Die Riesinnen" einen
modernen Heimatroman geschrieben. Warum ist er so erfolgreich? Ist es
der Schwarzwald, der hier alle betört? Oder fasziniert uns das Schicksal
von drei Frauen aus drei Generationen, die sich in einem Dorf gegen die
Männerwelt behaupten müssen? Und: Suchen wir nicht im Moment alle nach
einem schönen Rückzugsort in einer verrückt gewordenen Welt? Eines ist
sicher: "Die Riesinnen" begeistern gerade viele Leserinnen, und Leser
auch.
Die Schriftstellerin Siri Hustvedt erinnert in "Ghost Stories" an ihr
Leben mit dem Schriftsteller Paul Auster, der vor zwei Jahren nach
schwerer Krankheit verstarb. Wie umgehen mit dem Verlust? Wie lebt
jemand in einem weiter, der nicht mehr da ist? Wie erinnern wir uns
später an die erste Liebe und an gemeinsames Leid?
Unser Klassiker ist in dieser Podcastfolge Wolfgang Herrndorfs noch
heute viel gelesener Roman "Tschick".
Literaturangaben:
- Hannah Häffner: Die Riesinnen. Roman. Penguin Verlag. 416 Seiten.
- Siri Hustvedt: Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung. Rowohlt Verlag.
400 Seiten.
- Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman. Rowohlt Taschenbuch Verlag. 256
Seiten.
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Wie viel Literatur steckt in Taylors Lyrics? Die Harvard-Professorin
Stephanie Burt hat sie untersucht und ein wunderbares Buch über Kunst
und Leben bei Taylor Swift geschrieben: "Taylor‘s Version". Warum macht
sie genau das Gegenteil von dem, was man Songschreibern rät, was hat sie
mit Dichtern wie Horaz zu tun und wie hat sie quasi im Alleingang die
Popkultur umgekrempelt? Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen in
dieser Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" darüber. Einer von
beiden outet sich dabei als Swiftie-Swiftie, als Fan der Swifties.
Außerdem streiten sie über das neue Buch des Philosophen Peter
Sloterdijk. Der schaut sich Trump, Putin, Modi und die anderen 'starken
Männer' unserer Gegenwart an und fragt sich in "Der Fürst und seine
Erben": Wen nehmen sie sich zum Vorbild? Cäsar oder Napoleon? Und was
wird hier gespielt? Sloterdijk sieht vor allem einen modernen
Machiavelli am Werk, aus seiner Feder könnten die wilden Strategien
stammen, mit denen diese Männer mächtig wurden. Eine fulminante Analyse,
ein zukünftiger Klassiker oder zynisch-selbstverliebtes Geschwurbel?
Ein originelles Schlaglicht auf unsere Gegenwart wirft der Philosoph C.
Thi Nguyen mit seinem neuen Buch "Der Score". Ob Schrittzähler,
Klickzahlen oder Politikerrankings: Unsere Gesellschaft ist besessen von
Scores. Nguyen kann erklären, was Punktesysteme so attraktiv macht, wann
sie helfen und wann und wie wir uns davon lösen sollten.
Für das Gespräch über den Klassiker gibt es diesmal einen traurigen
Anlass: Am vergangenen Samstag ist der Philosoph Jürgen Habermas im
Alter von 96 Jahren verstorben. Maja Beckers und Alexander Cammann
erzählen sich gegenseitig ihre liebsten Habermas-Thesen, die
originellsten oder jene, die sie aufgeregt haben. Ein persönlicher Blick
auf den großen Denker.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Die Literaturangaben zur Folge finden Sie hier.
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Die Schriftstellerin Judith Hermann begibt sich auf die Spurensuche nach
ihrem Großvater, der schon lange vor ihrer Geburt gestorben ist. Sie
fährt nach Radom in Polen, wo ihr Großvater als SS-Mann im Zweiten
Weltkrieg stationiert war. Trotz ihrer Recherchen in örtlichen Archiven
und Museen findet sie nicht heraus, auf welche Weise ihr Großvater an
den deutschen Verbrechen gegen die Juden von Radom beteiligt war. Der
Großvater bleibt eine wirkmächtige Leerstelle in ihrer
Familiengeschichte. Statt Antworten zu finden, stellt Judith Hermann
viele Fragen. Warum wurde in ihrer Familie so viel geschrien und
geschwiegen? Warum fehlen die Worte, um sich der Vergangenheit zu
nähern? Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester versucht die
Autorin, Licht in ein über Generationen reichendes Familien-Trauma zu
bringen. Wir fragen im Podcast: Ist das zu wenig? Weicht sie dem Thema
der deutschen Schuld damit aus?
Der Autor Lukas Rietzschel ist schon seit einigen Jahren ein gefeierter
Chronist der ostdeutschen Provinz. In seinem neuen Roman Sanditz folgt
er den Mitgliedern der Familie Wenzel durch fünf Jahrzehnte in kurzen
erzählerischen Szenen, angefangen bei Großmutter Erika, die friedlich
auf der Gartenbank vor ihrem Haus stirbt bis zu ihrem Enkel Tom, der in
ukrainischen Schützengräben gegen die Russen kämpft. Dazwischen liegen
die großen historischen Ereignisse, der Widerstand der DDR-Kirchen gegen
das System, die Wende, der Kampf um die Hinterlassenschaft der Stasi,
der Einfall der Westdeutschen in die ostdeutsche Kleinstadt und der
Lockdown. Wir diskutieren darüber: Gelingt es dem Autor, ostdeutsche
Geschichte in den kurzen Familienepisoden überzeugend zu erzählen?
Unser Klassiker ist in dieser Podcast-Folge ein neu aufgetauchtes
Notizheft des 1995 verstorbenen Dramatikers Heiner Müller aus dem Januar
1945. Der damals 15-Jährige notiert darin in erstaunlicher Frühreife
seine Überflieger-Gedanken über die Aufgabe europäischer Dichter und
Denker.
Unser Zitat des Monats stammt aus dem autobiografischen Buch Einsamsein
des Journalisten Daniel Haas.
Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Judith Hermann. Ich möchte zurückgehen in der Zeit. S. Fischer
Verlag. 160 Seiten. 23,- Euro.
- Lukas Rietzschel. Sanditz. dtv Verlag. 480 Seiten. 26,- Euro
- Heiner Müller. Zeitschrift Sinn und Form (1/2026)
- Daniel Haas. Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte. Goldmann Verlag,
221 S., 22,- Euro
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In 22 Sprachen erscheinen jetzt die Memoiren von Gisèle Pelicot, in
langen Interviews ist die 73-jährige Französin überall präsent. In der
neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" sprechen Maja Beckers und
Alexander Cammann über ihr Buch "Eine Hymne an das Leben" und das
Schicksal dieser Frau. Seit dem Prozess in Avignon im Jahr 2024, in dem
ihr Ex-Mann und fast 50 weitere Täter wegen Vergewaltigung verurteilt
wurden, ist sie weltbekannt. Wie geht sie selbst mit ihrer Geschichte
um? Und was ist ihre eigene Botschaft für die geschockte Welt?
Alle reden über die neue, gefährliche Macht der Ultrareichen, nicht nur
in Trumps Amerika. Der junge französische Star-Ökonom Gabriel Zucman hat
in seinem Essay "Reichensteuer. Aber richtig!" eine Idee, wie man
riesige Vermögen belasten sollte, damit die Kluft zwischen Arm und Reich
in den westlichen Gesellschaften nicht noch stärker zur Bedrohung für
die Demokratie wird. Kann sie funktionieren?
Das Zitat des Monats liefert diesmal die Philosophin Miriam Metze mit
ihrem Buch "Unerwidert lieben". Erstaunlich, wie viele Denker sich seit
der Antike über diese traurigen Gefühle Gedanken gemacht haben – und wie
wenig Sachbücher es über unglückliche Liebe gibt.
In der Klassikerrubrik stellen wir Reportagen und Erzählungen des
Schriftstellers Jack London vor, die jetzt in dem Band "Das Erdbeben von
San Francisco" präsentiert werden: Er war 1906 als Augenzeuge dabei, als
dieses Ereignis San Francisco komplett zerstörte – eine mythische
Katastrophe des modernen Amerika, bis heute ein Menetekel für das
moderne Kalifornien.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Miriam Metze: "Unerwidert lieben". Eine philosophische Tröstung.
Mairisch, 256 Seiten, 24 Euro
- Gabriel Zucman: "Reichensteuer. Aber richtig!". Aus dem
Französischen von Ulrike Bischoff. Suhrkamp, 63 Seiten, 12 Euro
- Gisèle Pelicot: "Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite
wechseln". Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Piper,
256 Seiten, 25 Euro
- Jack London: "Das Erdbeben von San Francisco. Geschichten aus der
Bay Area". Übersetzt von Alexander Kluy. Limbus, 96 Seiten, 15 Euro
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Die Regisseurin und Schriftstellerin Lola Randl hatte vor einigen Jahren
Berlin den Rücken gekehrt und ist in die brandenburgische Provinz
gezogen. Im uckermärkischen Gerswalde bewirtschaftete die Künstlerin mit
ihrer Familie einen Garten und schuf einen bekannten Treffpunkt für
Wochenendausflügler. Gerswalde wurde zum Ort für Berliner Hipster und
Glückssucher aller Art, die in einem von Japanerinnen betriebenen
Restaurant zusammenfanden. In ihrem neuen Buch "Der lebende Beweis"
erzählt Lola Randl literarisch vom Scheitern dieses Lebensprojekts, vom
distanzierten Verhältnis zu den Einheimischen und brüchigen Beziehungen
– und von einem Aufbruch ins Ungewisse.
Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Michael Wildenhain hingegen
hat einen opulenten Großstadtroman vorgelegt und entführt uns in das
düstere West-Berlin Ende der Sechzigerjahre. Erzählt wird in "Das Ende
vom Lied" aus der Perspektive eines Jugendlichen. Der Vater war mit nur
einem Bein aus dem Krieg zurückgekehrt, die Mutter war aus dem Osten
geflüchtet. Und der Junge? Der wächst jetzt inmitten von Ruinen,
Straßengangs und dreckigen Kneipen auf. Wäre da nicht die Liebe … Und
wären da nicht so viele politische Ideale in der Luft, die leider
schnell ins Militante abdriften.
In unserem Klassiker sprechen wir über das Werk von Annemarie
Schwarzenbach. Die Freundin von Erika und Klaus Mann war eine
hinreißende Reisereporterin und hat in den Dreißigerjahren den Nahen
Osten bereist.
Unser Zitat des Monats kommt aus dem neuen Roman "Mein gelber Pullover"
von Ursula März.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Lola Randl: "Der lebende Beweis". Roman. Matthes & Seitz Verlag,
Berlin 2026, 188 Seiten, 22 EUR
- Michael Wildenhain: "Das Ende vom Lied". Roman. Klett-Cotta Verlag,
Stuttgart 2026, 416 Seiten, 26 EUR
- Annemarie Schwarzenbach: "Orientreisen. Reportagen aus der Fremde".
Ebersbach & Simon Verlag, 2017, 141 Seiten, 18 EUR
- Ursula März: "Mein gelber Pullover". Roman. Piper Verlag, 2026, 176
Seiten, 22 EUR
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Mehr Freiraum, weniger Zwänge, sich nicht mehr ständig einengen lassen:
Wer träumt nicht davon? Ob und wie das klappen könnte, darüber sprechen
Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuchfolge von "Was
liest du gerade?": Der Soziologe Hartmut Rosa hat über dieses Problem
sein neues, bereits viel diskutiertes Buch "Situation und Konstellation"
geschrieben. Wie können wir überhaupt noch selbstständig handeln, wenn
die Spielräume in der Gesellschaft immer kleiner werden?
Familiengeschichten boomen, gerade wenn es um die Verstrickung der Ahnen
in den Nationalsozialismus geht. Christina Strunck hat daraus ein
faszinierendes, erschütterndes Projekt gemacht: Minutiös zeichnet sie in
ihrem Buch "Die Aufsteiger" ein Gesellschaftsporträt am Beispiel der
Kleinstadt Sprendlingen in der Nazizeit – und rekonstruiert die dunklen
Flecken in einer ganz normalen deutschen Familie.
Das Zitat des Monats liefert diesmal Amanda Montell in ihrem Buch
"Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie erkennen": Bei der
Lektüre merkt man, wie wichtig Sprache für unsere Identität ist.
In der Klassikerrubrik stellen wir ein Buch vor, das schon 1963 glasklar
und stilistisch glänzend die Wirkungen rechten Denkens analysierte:
Fritz Sterns "Kulturpessimismus als politische Gefahr" über den Einfluss
reaktionärer Intellektueller in Deutschland lange vor 1933. Der 2016
verstorbene Historiker emigrierte 1938 nach Amerika – pünktlich zum 100.
Geburtstag des 2016 Verstorbenen wird jetzt sein leider brandaktuelles
Buch wieder aufgelegt.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Amanda Montell: "Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie
erkennen". Aus dem amerikanischen Englisch von Florian Kranz und
Andrea Schmittmann. HarperCollins, 350 Seiten, 25 Euro
- Christina Strunck: "Die Aufsteiger. Deutscher Mittelstand unter
Hitler: Eine Familiengeschichte". Rowohlt, 431 Seiten, 28 Euro
- Hartmut Rosa: "Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des
Spielraums". Suhrkamp, 247 Seiten, 25 Euro
- Fritz Stern: "Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse
nationaler Ideologie in Deutschland". Aus dem Amerikanischen von
Alfred P. Zeller. Klett-Cotta, 496 Seiten, 25 Euro
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Der britische Booker Prize zählt zu den renommiertesten
Literaturauszeichnungen weltweit. Erhalten hat ihn vor Kurzem David
Szalay für seinen Roman "Flesh", der auf Deutsch unter dem Titel "Was
nicht gesagt werden kann" erschienen ist. Iris Radisch und Adam
Soboczynski sprechen in der neuen Folge des Bücherpodcasts "Was liest du
gerade?" über dieses hinreißende Werk. Es handelt von István, der mit
seiner Mutter in einer ungarischen Plattenbausiedlung aufwächst – und
auf verschlungenen Wegen in die höchsten Kreise Londons gerät. Gelingt
ihm der soziale Aufstieg? Was bedeutet es heute, männlich zu sein? Ist
er ein Mörder? Und wenn ja, trotzdem ein guter Mensch? Szalay führt uns
in die Abgründe menschlicher Existenz.
Was man auch über Bodo Kirchhoffs umfangreichen Liebesroman
"Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" sagen kann: Terese reist
ihrem Mann nach Indien hinterher, um ihn mit seiner Geliebten zu
erwischen. Kann das gut gehen?
Unser Klassiker ist diesmal Herman Melvilles berühmte Erzählung
"Bartleby der Schreiber". Sie handelt vom großen Neinsager der
Literatur: Sich im Bürojob jeder Tätigkeit zu verweigern, wird hier zum
Lebensmotto der Moderne schlechthin.
Unser Zitat des Monats kommt aus dem Erzählungsband "Stories 2" der
amerikanischen Schriftstellerin Joy Williams.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie
unter [email protected].
Literaturangaben:
- David Szalay: "Was nicht gesagt werden kann". Roman. A. d. Engl. v.
Henning Ahrens. Claassen Verlag, Berlin 2025, 384 Seiten, 25,00 EUR
- Bodo Kirchhoff: "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt". Roman.
dtv, München 2026, 576 Seiten, 28,00 EUR
- Herman Melville: "Bartleby, der Schreiber". A. d. Engl. v. Jürgen
Krug. Insel Verlag, Berlin 2019, 88 Seiten, 14,00 EUR
- Joy Williams: "Stories 2". A.d. Engl. v. Julia Wolf. dtv, München
2025, 320 Seiten, 26,00 EUR
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Das Jahr geht vorbei, Zeit für Bilanzen. Maja Beckers und Alexander
Cammann schauen in dieser letzten Sachbuch-Folge von Was liest Du
gerade? im Jahr 2025 auf Bücher, die für spezielle Trends stehen oder
große Themen des Jahres diskutieren. In der Rubrik „Der erste Satz“ geht
es um ein Zitat aus dem Buch der Journalistin Eva Thöne unter dem Titel
Weibliche Macht neu denken: Steckt im Kampf um Sichtbarkeit auch eine
Gefahr für den Feminismus?
Katja Gloger und Georg Mascolos Buch Das Versagen über die deutsche
Russlandpolitik steht seit Wochen auf den Bestsellerlisten. Ihre
investigative Recherche liefert auf der Basis zahlloser Dokumente und
Interviews mit Akteuren und Zeitzeugen einen schonungslosen Blick hinter
die Kulissen von Außen- und Wirtschaftspolitik vor dem russischen
Überfall auf die Ukraine.
Gesprächsbücher lagen in diesem Jahr im Trend: Die Politikerin Ricarda
Lang und der Soziologe Steffen Mau liefern in ihrem Buch Der große
Umbruch eines davon. Beide melden sich oft in den Medien zu Wort – wie
funktioniert ihr Langgespräch aus zwei ganz unterschiedlichen
Perspektiven über die Krisen unserer Gegenwart?
In der „Klassiker“-Rubrik erinnern wir an den TV-Moderator, Journalisten
und Buchliebhaber Roger Willemsen, der vor zehn Jahren gestorben ist:
Unter dem Titel Liegen Sie bequem? sind viele seiner Texte, Kolumnen und
Interviews in einem Sammelband erschienen, der um seine Begeisterung für
das Lesen und die Literatur kreist. So steigt garantiert die Vorfreude
auf das Lesejahr 2026!
Das Team von "Was liest Du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Eva Thöne: Weibliche Macht neu denken. Hanser Berlin, 240 Seiten, 24
Euro
- Katja Gloger/Georg Mascolo: Das Versagen. Eine investigative
Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein, 496 Seiten,
26,99 Euro
- Ricarda Lang/Steffen Mau: Der große Umbruch. Ein Gespräch über
Krisen, Konflikte und Kompromisse. Ullstein, 400 Seiten, 24,99 Euro
- Roger Willemsen: Liegen Sie bequem? Von Lesen und von Büchern,
hrsg. v. Insa Wilke, S. Fischer, 448 Seiten, 28 Euro
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts „Was liest du gerade?“
stellen Iris Radisch und Adam Soboczynski eine moderne Naturheilige
vor, die in Marion Poschmanns Verslegende „Die Winterschwimmerin“ den
ganzen Winter über in Seen und Flüssen badet und überhaupt eine
beeindruckende Großstadtnixe ist. Außerdem wollen wir wissen, was die
Geschichten in Samantha Schweblins Erzählungsband „Das gute Übel“ so
magisch und intensiv macht. Sind es die unheimlichen Tiere und die
überraschenden Todesfälle? Oder liegt es an der genial verrutschten
Perspektive, aus der die in Berlin lebende argentinische Autorin von den
verrücktesten Ereignissen erzählt?
In jeder Folge wird auch ein Klassiker der Weltliteratur vorgestellt:
Heute ist es der aktuell neu entdeckte Exilroman „Abschied von gestern“
von Lily Körber, der sehr authentisch von der Aufbruchsstimmung und der
Mentalität der europäischen Emigranten in New York während des Zweiten
Weltkriegs erzählt.
Unser Zitat des Monats kommt aus dem Roman der Pariser Journalistin
Adèle Van Reeth „Das gewöhnliche Leben“, der eine echte Entdeckung ist.
Außerdem: Geschenktipps zu Weihnachten.
- Marion Poschmann: Die Winterschwimmerin. Suhrkamp Verlag
- Samantha Schweblin: Das gute Übel, Suhrkamp Verlag
- Lily Körber: Abschied von Gestern; aus dem Englischen von Beate
Swoboda, Verlag das kulturelle Gedächtnis
- Adèle Van Reeth: Das gewöhnliche Leben, aus dem Französischen von
Joachim Unseld, Frankfurter Verlagsanstalt
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Der Advent ist da, Weihnachten steht bald wieder vor der Tür und damit
wie jedes Jahr die große Frage: Was soll man bloß schenken? Bücher sind
schon mal eine großartige Wahl und wer Last-Minute-Fehlkäufe vermeiden
will, für den haben Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen
Sachbuch-Folge von "Was liest Du gerade?" vier Tipps für ganz
unterschiedliche Lesetypen parat.
- Rauschen in der Nacht. "Die Wildgans – eine Geschichte des 20.
Jahrhunderts". Rowohlt Berlin, 272 Seiten, 26 Euro
- Stefan Weidner: "Yoga oder Die sanfte Eroberung des Westens durch
den Osten". Hanser, 46 Seiten, 30 Euro
- Konstantin Richter: "300 Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland
AG". Suhrkamp, 543 Seiten, 30 Euro
- Sarah Iles Johnston: "Von Göttern und Menschen. Die griechischen
Mythen neu erzählt." C. H. Beck, 558 Seiten, 36 Euro
Das Team von "Was liest Du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?"diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski über einen der bestendeutschsprachigen Romane des Herbstes. Nämlich Katerina Poladjanskurzer, aber ungeheuer dichter Roman "Goldstrand". Eine junge Frau geht1922 auf der Überfahrt von Odessa nach Konstantinopel über Bord undbegründet damit ein familiäres Trauma von Verlust und Verlorenheit, dassich in ihrer Familie durch viele Generationen und viele Länder ziehenwird. Zudem sprechen wir über das neue Werk des irischen Altmeisters JohnBanville mit dem Titel "Schatten der Gondeln" – ein Krimi undSchauerroman um einen Londoner Schriftsteller und seine eigentlichschwerreiche, aber leider enterbte Gattin, die nach dem gewaltsamenehelichen Sex im Winter 1899 spurlos in Venedig verschwindet. JohnBanville kombiniert routiniertes Storytelling mit gänzlichüberraschenden Wendungen der Ereignisse. Es kommt immer alles ganzanders, als man denkt. Unser monatlicher Klassiker ist Virginia Woolfs Roman "Die Fahrt zumLeuchtturm" aus dem Jahr 1927. Hier tauchen wir tief ein in den herrlichchaotischen und bewegenden Bewusstseinsstrom einer englischen Familie,die Ferien macht und gerne eine Fahrt zum Leuchtturm unternehmen würde –ein Vorhaben, das erst ein Jahrzehnt später und ganz am Ende deslegendären Romans zu einem glücklichen Ende kommt. Unser Zitat des Monats stammt aus dem neuen Erzählungsband von HarperLee "Das Land der süßen Ewigkeit". Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected]. Literaturangaben:- Katerina Poladjan: Goldstrand. S. Fischer Verlag, gebunden, 160 Seiten, 22,00 Euro- John Banville: Schatten der Gondeln; aus dem Englischen von Elke Link; Ki&Wi Verlag, 384 Seiten, 25,00 Euro- Harper Lee: Das Land der süßen Ewigkeit; aus dem Amerikanischen von Nicole Seifert; Penguin Verlag, 208 Seiten, 25,00 Euro- Virginia Woolf: Die Fahrt zum Leuchtturm, diverse Ausgaben[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partnerfinden Sie HIER.[ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff aufalle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlostesten. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten,testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.
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Richard David Precht ist ein Bestseller-Garant, auch mit seinem neuen
Buch "Angststillstand". In der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du
gerade?" diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann über seine
Thesen zur Meinungsfreiheit und darüber, was hinter seiner Popularität
steckt. Egal, was er schreibt: Warum wird er dafür immer von den einen
gefeiert, von den anderen gehasst?
Ähnlich populär wie Precht ist Carolin Kebekus, ob im Podcast, in ihrer
Fernsehshow oder in ausgebuchten Hallen. Im vergangenen Jahr wurde der
Comedystar Mutter, jetzt erscheint ihr Buch über diese Erfahrung: "8000
Arten, als Mutter zu versagen". Ist das genauso lustig wie ihre
Auftritte? Und welche Botschaften hat sie sonst noch parat?
In der Rubrik "Der erste Satz" geht es um ein Zitat von Annekathrin
Kohout aus ihrem Buch "Hyperreaktiv". Die Kulturwissenschaftlerin
erklärt die gravierenden Veränderungen für die demokratische
Öffentlichkeit, die Diskussionen in sozialen Medien auslösen – und führt
vor, mit welchen Methoden dort um Deutungsmacht gekämpft wird.
Als Klassiker haben diesmal gleich 500 Klassikerinnen und Klassiker
ihren Auftritt: Manfred Pfister hat in einem Prachtband über die
"Englische Renaissance" lauter kluge, lustige und oft ziemlich aktuelle
Texte über den Alltag und das Denken aus dem 16. und 17. Jahrhundert
versammelt, erklärt und übersetzt. Vom Tabakverbot über Utopien, von
Frauenbildern bis zu starken "Hamlet"-Stellen: Plötzlich rückt eine
ferne Epoche ganz nah und zeigt, dass sie mehr als nur Shakespeare
bedeutet.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie
unter [email protected].
Literaturangaben:
- Annekathrin Kohout: Hyperreaktiv. Wie in sozialen Medien um
Deutungsmacht gekämpft wird. 189 Seiten, Wagenbach, 18 Euro
- Richard David Precht: Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit
schwindet. 208 Seiten, Goldmann, 20 Euro
- Carolin Kebekus: 8000 Arten, als Mutter zu versagen. 192 Seiten,
Kiepenheuer & Witsch, 22 Euro
- Manfred Pfister: Englische Renaissance. Shakespeare & Company, 478
Seiten, Galiani, 98 Euro
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?"
diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski dieses Mal auf der
Frankfurter Buchmesse über das neue Buch des frisch gekürten
Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai "Im Wahn der Anderen".
Die Erzählungen des ungarischen Autors lassen uns tief eintauchen in den
Bewusstseinsstrom seltsamer Sonderlinge, mal in den Kopf eines
irrlichternden Ungeheuers, mal in den Kopf eines verrückten New Yorker
Bibliothekars, der gerne eine Bibliothek eröffnen würde, in der die
Bücher mit sich alleine bleiben und nie ausgeliehen werden können: eine
für immer geschlossene Bibliothek. Der diesjährige Nobelpreisträger ist
ein Meister im Bau grotesker Labyrinthe, in denen man sich lustvoll
verlieren kann.
Außerdem geht es um den neuen Roman "Meine Mutter" der Kölner Fotografin
Bettina Flitner. Nach ihrem Erfolg mit dem Erinnerungsbuch "Meine
Schwester" geht es jetzt um das Leben ihrer Mutter, die genauso wie die
Schwester freiwillig aus dem Leben schied. Gibt es einen Fluch in dieser
Familie? Die Erinnerung führt die Autorin zurück nach Schlesien, wo die
Urgroßeltern einst ein Sanatorium betrieben. Das eindringliche Buch
steht in einer Reihe von aktuellen Erinnerungsbüchern über das Leben und
die Vertreibung deutscher Familien aus den ehemaligen deutschen
Ostgebieten.
Unser Klassiker ist in dieser Podcastfolge das legendäre Mutterbuch
"Wunschloses Unglück" aus dem Jahr 1972 von Peter Handke. In der
Erzählung erinnert sich der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2019
ebenfalls an seine Mutter, die sich 1971 das Leben nahm.
Unser Zitat des Monats stammt aus dem Roman "Huris" des
franko-algerischen Autors Kamel Daoud.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter
[email protected].
Literaturangaben:
- László Krasznahorkai: Im Wahn der Anderen. Drei Erzählungen.
Übersetzung Heike Flemming. Mit 34 farbigen Zeichnungen von Max
Neumann. S. Fischer Verlag.
- Bettina Flitner: Meine Mutter. Kiepenheuer & Witsch.
- Kamel Daoud: Huris. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine
Müller. Matthes & Seitz.
- Peter Handke: Wunschloses Unglück. Suhrkamp Verlag.
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Der Bücherherbst ist da, die Frankfurter Buchmesse steht bevor – und die
Welt starrt immer noch auf den Nahen Osten, voller Mitleid, Verzweiflung
oder einfach Ratlosigkeit. Die Journalistin Sarah Levy hat den Schock
des 7. Oktober vor Ort erlebt: Sie ist 2019 von Deutschland nach Israel
gezogen. Jetzt hat sie über ihre Erfahrungen dort im Alltag ihrer
Familie ein Buch geschrieben, zwischen Ängsten und Hoffnungen: "Kein
anderes Land" liefert diesmal den "ersten Satz", über den Maja Beckers
und Alexander Cammann in der neuen Sachbuch-Folge von "Was liest Du
gerade?" diskutieren.
Geschmack ist etwas, was jeder von uns gerne hätte – und sehr viele
bilden sich ein, ihn zu besitzen. Ulrich Raulff hat jetzt mit "Wie es
euch gefällt" eine originelle Geschichte des Strebens nach gutem
Geschmack geschrieben, von der Mode über Gärten zum Wein, von antiken
Vorbildern, italienischem Stil, New Yorker Luxus und Pariser Glamour.
Hilft das elegante Buch beim Kampf gegen die Geschmacklosigkeit?
In die Tiefsee führt uns die Wissenschaftsjournalistin Laura Trethewey
in ihrem Buch "Bis zum Grund der Welt": Denn anders als die
Mondoberfläche kennen wir den Meeresboden bislang kaum, denn 70 Prozent
von ihm sind noch nicht kartographiert. Seit einigen Jahren hat der
Wettlauf in der Erfassung dieser verborgenen Welt begonnen – die
Reporterin erzählt von ehrgeizigen Forschern und reichen Finanziers, vom
Streben nach Gewinn und Erkenntnis.
Der Klassiker stammt diesmal vom 2019 verstorbenen Kunsthistoriker
Martin Warnke: 1985 hat er mit seinem Buch "Hofkünstler" die Sicht auf
Maler und Bildhauer revolutioniert. Nicht der Markt brachte seit dem 18.
Jahrhundert den Künstlern die Freiheit, sondern Warnke entdeckte sie
schon lange zuvor: Die allmächtigen Herrscher und Päpste in der
Renaissance sicherten ihren Meistern die Autonomie für geniale
Meisterwerke.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie
unter [email protected].
Literaturangaben:
- Sarah Levy: Kein anderes Land. Aufzeichnungen aus Israel. 336
Seiten, Rowohlt, 24 Euro.
- Ulrich Raulff: Wie es euch gefällt. Eine Geschichte des Geschmacks.
480 Seiten, C.H. Beck, 36 Euro.
- Laura Trethewey: Bis zum Grund der Welt. Das abenteuerliche Rennen
um die Kartierung des Meeresbodens. Aus dem amerikanischen Englisch
von Rudolf Mast, 364 Seiten, Mare, 28 Euro.
- Martin Warnke: Hofkünstler. Zur Vorgeschichte des modernen
Künstlers, 512 Seiten, Wagenbach, 42 Euro
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?"
diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski über das neue Buch von
Caroline Wahl und den Streit, der im deutschen Feuilleton und im Netz
über die Bestsellerautorin ausgebrochen ist.
Außerdem geht es um ein echtes Meisterwerk: Ian McEwans neuer Roman "Was
wir wissen können". Es spielt in der Zukunft: Großbritannien ist ein
Inselmeer, Hamburg und London sind nach einem Atomunfall untergegangen,
Deutschland gehört zu Russland. Warum, fragen sich die jungen Leute im
Jahr 2119, war die vergangene Zivilisation so bescheuert, einfach
unterzugehen? Für sie sind wir nicht weniger beschränkt als die
Menschen, die sich im Dreißigjährigen Krieg gegenseitig abgeschlachtet
haben. Aber sie bewundern auch unsere Freiheit und unseren Luxus, denn
ihre Lebenserwartung liegt nur noch bei 62 Jahren. Und leckeres Essen
gibt es auch nicht mehr.
Außerdem geht es um Dorothee Elmigers Roman "Die Holländerinnen", der es
auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hat. Eine
Theatergruppe reist auf den Spuren eines echten Kriminalfalls durch
Panama, wo im Jahr 2014 zwei Holländerinnen im Urwald verschwunden sind.
Es wird eine Expedition ins "Herz der Finsternis", auch wenn es nur eine
Kunstaktion ist, ein Reenactment. Die Autorin erzählt besonders
kunstvoll und mit vielen literarischen und philosophischen Anspielungen
von der Faszination des Menschen für das abgrundtief Entsetzliche.
Unser Klassiker ist Goethes Longseller "Die Leiden des jungen Werther",
das schönste und traurigste Buch über die erste ganz große Liebe eines
jungen Mannes.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Caroline Wahl: Die Assistentin. Roman. Rowohlt Verlag. 368 S., 24
Euro.
- Ian McEwan: Was wir wissen können. Roman. Diogenes Verlag. Aus dem
Englischen übersetzt von Bernhard Robben. 480 S., 28 Euro.
- Dorothee Elminger: Die Holländerinnen. Roman. Hanser Verlag. 160 S.,
23 Euro.
- Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther.
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Sie ist wieder da, nach elf Jahren und acht Millionen verkauften
Büchern: Giulia Enders hat nach ihrem Weltbestseller Darm mit Charme ihr
zweites Buch geschrieben. Hat Organisch wie ihr Erstling das Zeug zum
Megaerfolg? Darüber diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann in
der neuen Sachbuch-Folge von "Was liest du gerade?" Enders will den
Leserinnen und Lesern Wissen über den menschlichen Körper vermitteln,
den wir immer noch zu wenig kennen. Was daran ist die typische
Enders-Mischung, was macht die 35-jährige Medizinerin diesmal anders?
Seit einigen Jahren diskutieren wir wieder stärker über soziale
Ungleichheit, Herkunft und ungerecht verteilte Lebenschancen. Da kommt
der Philosoph Hanno Sauer mit seinem Buch Klasse. Die Entstehung von
Oben und unten gerade richtig: Warum existieren Klassen überhaupt und
wie erkennt man sie? Soll man sie abschaffen oder lieber nicht – und was
ist an ihnen eigentlich so schlimm?
Die Rubrik "Der erste Satz" dreht sich diesmal um ein Gefühl, das wir
alle kennen: Nostalgie. Die britische Historikerin Agnes Arnold-Forster
erkundet seine Geschichte im Laufe der Jahrhunderte als private und
gesellschaftliche Emotion – mal als Warnung, mal als Verteidigung.
Die Klassikerin ist diesmal Margaret Fuller: Die 1850 im Alter von nur
40 Jahren verstorbene amerikanische Essayistin, glänzende
Literaturkritikerin und Reporterin gehört zu den bahnbrechenden Figuren
des frühen Feminismus, vor allem mit ihrem Buch Frauen im 19.
Jahrhundert. Jetzt kann man sie in dem Band Die Freiheit ist weiblich
mit ihren besten Texten endlich auf Deutsch wiederentdecken.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Agnes Arnold-Forster: "Nostalgie. Geschichte eines gefährlichen
Gefühls". Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt, 304 Seiten,
Reclam, 28 Euro
- Hanno Sauer: "Klasse. Die Entstehung von Oben und Unten". 368
Seiten, Piper, 26 Euro
- Giulia Enders: "Organisch". Illustriert von Jill Enders, 338 Seiten,
Ullstein, 24,99 Euro
- Margaret Fuller: "Die Freiheit ist weiblich. Schriften zur Romantik
und Revolution". Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt
von Lisa Kunze, 368 Seiten, Wallstein, 34 Euro
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