Folgen

  • Zehn Jahre ist es her, dass der Animationsfilm „Vaiana“ („Moana“) in die Kinos kam. Die Titelfigur will sich nicht der väterlichen Ordnung fügen, will nicht auf der Insel bleiben, sondern in See stechen, um auf diese Weise auch die Natur und ihr Volk, deren Herrscherin sie einmal sein wird, wiederzubeleben. Disney variiert einmal mehr die Heldenreise. Nun ist die Realverfilmung in den Kinos gestartet, in den Hauptrollen zeigen sich Dwayne Johnson und Catherine Laga’aia. Das ist aber auch fast der einzige Realitätsbezug, den es gibt. Ja, die Schauspieler existieren wirklich. Die anderen Bildwelten aber sind keineswegs real, sondern digital erzeugt, sodass sich die Frage aufdrängt: Ist das ein live-action-movie oder doch eher ein Animationsfilm mit ein paar echten Schauspielergesichtern? Wir begeben uns mit diesem schrecklichen Film jedenfalls mitten hinein in unsere generellen Digitalisierungserfahrungen. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!

    Literatur:

    Dirk Baecker: Digitalisierung. Suhrkamp.

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  • Der US-Sender #HBO hat den Klassiker „Vom Winde verweht“ (#GoneWithTheWind) vorerst von seiner Streamingplattform gelöscht. Er soll irgendwann später wieder veröffentlich werden, dann jedoch neu kuratiert, kommentiert und möglicherweise mit Triggerwarnungen versehen. Vorausgegangen war diesem Vorgang der Protest eines berühmten HBO-Abonnenten: John Ridley, der unter anderem das mit einem #Oscar ausgezeichnete Drehbuch zu „12 Years a Slave“ schrieb, hatte in einem Artikel in der „Los Angeles Times“ gefordert, dass HBO das von David O. Selznick prodozierte Melodram nicht wie jeden anderen Film behandeln dürfe, da die Darstellung von Schwarzen massiv diskriminierend sei und überdies die Sklaverei in den Südstaaten des 19. Jahrhunderts verherrlicht werde. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, nicht nur in der Filmwissenschaft wird seit Jahrzehnten Kritik an dem Kultfilm geübt, doch aufgrund gegenwärtiger Ereignisse ist die Debatte neu entflammt. Wie sollte man sich also zu „Vom Winde verweht“ verhalten? Darf und soll der Film noch gezeigt werden? Und wenn ja, wie? Das knapp vierstündige Werk ist vieldeutig, auf eine Triggerwarnung lässt es sich jedenfalls nicht reduzieren. Ignoriert werden darf auch nicht, dass hier nicht bloß die Vergangenheit romantisiert, sondern zugleich der Beginn der Moderne – personifiziert von Rhett Butler (Clark Gable) und Scarlett O’Hara (Vivien Leigh) – zelebriert wird. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!

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  • In „Minions and Monsters“ kehren die kleinen gelben Männlein zurück auf die Leinwand, um eine alternative Geschichte von Hollywood zu erzählen. Was bislang niemand wusste: Die Minions waren früher in der Traumfabrik als Schauspieler und Regisseure tätig. Diese an sich harmlose Geschichte erzählt der neue Film, jedoch hat die Sache einen Haken. Nach etwa 50 Minuten wird aus Spaß plötzlich Ernst. Ein Feindbild muss her, dieses kreiert man mit dem Monster Irene. Jetzt muss dieses bekämpft werden – auch Roboter Dort (gesprochen von Bill Kaulitz) und angelehnt an den Roboter GoRT aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ eilt aus der Luft zu Hilfe. Dieser so albern daherkommende Film verbreitet sehr offen eine militaristische Ideologie – für Kinder und Erwachsene. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!

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  • Zwei große Liebesgeschichten, die uns viel über das Wesen der Liebe und das Begehren erzählen: „Begegnung“ („Brief Encounters“) von David Lean und „Die Brücken am Fluss“ („The Bridges of Madison County“) von Clint #Eastwood sind nicht nur phantastische Filme, sie sind auch ideal miteinander vergleichbar, da sie beide von Liebesaffären handeln, die enden müssen. Rückblickend berichten die beiden Filme von der ganz großen Liebe: In David Leans #Melodrama von 1945 treffen sich Celia Johnson und Trevor Howard heimlich einmal in der Woche in der Stadt, obwohl beide verheiratet sind. In dem #Liebesfilm von 1995 sind es Meryl Streep und Clint Eastwood, die sich zufällig begegnen und wenige intensive Tage miteinander verleben. Wie die Geschichten enden, erfahren wir Zuschauer in beiden Klassikern gleich am Anfang, dennoch fiebern, leiden, lachen und weinen wir mit den Liebenden mit. Die Filme verraten uns viel über unser Begehren, und warum es sich so schwerlich verewigen lässt.

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    Literatur:Tristan Garcia: Das intensive Leben. Eine moderne Obsession. Suhrkamp.Kurt Tucholsky „Danach (Happy End)“: https://www.faz.net/aktuell/feuilleto...Slavoj Žižek: Ich höre dich mit meinen Augen. Anmerkungen zu Oper und Literatur. Konstanz University Press.
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  • Im neuen Q&A der Filmanalyse plus spreche ich ausführlich über aktuelle Kinofilme, die den momentanen Zeitgeist widerspiegeln: In „Masters of the Universe“ hat der Held, der seinen Heimatplaneten lange nicht gesehen hat, einige Mühen im progressiv regierten Großraumbüro. Bald kann der dem entfliehen. Ist He-Man also nun ein anti-woker Kulturkämpfer? Nicht ganz, die Männlichkeit wird auch im Laufe des Films immer wieder ironisch gebrochen, zugleich muss er seine Wehrhaftigkeit unter Beweis stellen. In „The Death of Robin Hood“ wird zwar die Heldenerzählung dekonstruiert, doch auch hier muss man sich schlussendlich gegen Feinde wappnen. Vulgärer, blöder, aber doch mutiger ist hingegen „Scary Movie“. Zwar setzt die Horror-Parodie sich zunächst zwischen alle Stühle, doch die Veralberung trifft vor allem jene, die sich auf der rechten Seite äußerst ernst nehmen. Es geht im neuen Q&A aber auch um Klassiker: Ich analysiere die berühmte Szene mit Mario Adorf in „Kir Royal“ und ich spreche über meine Sicht auf „No Country for Old Men“, mit dem die Coen-Brüder den Neoliberalismus porträtieren.

    Literatur:

    Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft. Suhrkamp.

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  • Curry Barker erobert mit einem Film die Kinocharts, der lediglich 750.000 Dollar gekostet hat. Der durch seinen YouTube-Kanal bekannt gewordene Regisseur mischt mit „Obsession“ Hollywood auf, wo man sich in den vergangenen Jahren immer häufiger an überteuren Produktionen verhoben hatte. Barker legt seinem Horrorfilm eine simple Prämisse zugrunde: Ein schüchterner Mann wünscht sich, dass die Frau, die er lange schon anhimmelt, ihn unbedingt liebt – „mehr als alles andere auf der Welt“. Durch eine kleine Wunschmaschine, einen One-Wish-Willow, wird dies Realität, kehrt sich aber bald schon gegen den Protagonisten selbst. Denn die Frau folgt der erwünschten Unbedingtheit in einer gruseligen Konsequenz: Niemand anderes als er zählt noch in ihrem Leben, was im Gegenzug auch bedeutet, dass er ganz und gar sie lieben muss – und zwar ununterbrochen. „Obsession“ ist ein Film über eine grausame Beziehungsdynamik. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!

    Literatur:

    Ödön von Horváth: Geschichten aus dem Wiener Wald.Catherine Millet über Eifersucht:

    https://www.herlindekoelbl.de/pdf/ZM_Catherine_Millet.pdf

    Friedrich Schiller: Die Glocke.

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  • #Verschwörungstheorien sind derzeit beliebter denn je, oft steht dahinter ein Weltbild, wie wir es auch in Peter Weirs Kultfilm „Die Truman Show“ beobachten können: Es wird davon ausgegangen, dass alles von einem Menschen gelenkt wird – derzeit haben sich diverse Verschwörungstheoretiker auf #BillGates festgelegt. Ihm lassen sie eine Rolle zukommen, die der des „Truman Show“-Regisseurs und -Erfinders Christof gleicht, der die Show, in der Truman (#JimCarrey) unwissentlich der Protagonist ist, gänzlich unter seiner Kontrolle hat. Doch was hat die Dystopie uns außerdem heute zu sagen? Geht es hier lediglich um eine Medienkritik am Reality-TV? So sehr wir auch mit Truman sympathisieren, sollten wir doch erkennen, dass wir, die wir uns ständig freiwillig filmen, wenig mit ihm zu tun haben. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!Literatur:Jean Baudrillard: Amerika. Matthes & Seitz.Martin Heidegger: Sein und Zeit. Max Niemeyer Verlag.

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  • Es gibt sie noch, die richtigen Kinowunder. Nicht He-Man oder irgendeine „Star-Wars“-Auskopplung, sondern ein 21-jähriger YouTube sorgt für einen Hype auf der großen Leinwand. „Backrooms“ ist ein Phänomen – zu Recht! Was als 4chan-Post begann und später als YouTube-Serie fortgesetzt wurde, erscheint nun als Spielfilm. Kane Parsons entführt seine Protagonisten und uns in eine Welt hinter der Welt, die nach anderen physikalischen Gesetzen zu funktionieren scheint und in der uns vertraute Gegenstände unheimlich werden. Endlose Gänge, übergroße leere gelbe Räume, winzige Türen und unscheinbare Portale zeigt die Kamera Wie ist das zu deuten? Die Protagonisten haben seelische Schieflagen zu verarbeiten, aber die Trauma-Erzählung allein genügt nicht, eine psychoanalytische Deutung ist nicht hinreichend, um die Faszination zu verstehen. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!

    Literatur:

    Umberto Eco: Das offene Kunstwerk. Suhrkamp.

    Juliane Rebentisch: Theorien der Gegenwartskunst. Junius.

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  • Ein zweites Mal ist Wim Wenders in diesem Jahr in die Schlagzeilen geraten. Nach der Berlinale und der Diskussion um Politik und Film debattiert man nun über ein Frühwerk des Regisseurs. Beim Deutschen Filmpreis nahm er die Lola für sein Lebenswerk entgegen und bezog Stellung zu „Falsche Bewegung“, in dem die damals 13-jährige Nastassja Kinski in einer Szene mit entblößtem Oberkörper zu sehen ist. Kinski hatte über Jahre Kontakt zu Wenders gesucht, damit diese Szene aus dem Film geschnitten wird. Wenders hielt eine lange Rede über sein junges Künstler-Ich, das Filmerbe und nachträgliche Schnitte. Inzwischen hat Wenders den Film von allen Streaming-Plattformen genommen. Dies ist ein guter Anlass, um über das Filmerbe nachzudenken, über die eigenartigen 70er-Jahre mit ihrer Bigotterie, über das Recht von Schauspielern und die Grenzen der Kunst. Die Figur der Kindfrau wurde nicht allein von Kinski in den 70ern verkörpert, sondern auch von Brooke Shields und Jodie Foster. Wir müssen deshalb auch über „Pretty Baby“ und „Taxi Driver“ sprechen. Außerdem geht es um den legendären Tatort „Reifezeugnis“, in dem Kinski als 15-jährige Verführerin inszeniert wird und der nun ebenfalls aus den Mediatheken verschwunden ist. Darum geht es im neuen DeepDive der Filmanalyse plus!

    Filme:

    FALSCHE BEWEGUNG (1975) von Wim Wenders

    TAXI DRIVER (1976) von Martin Scorsese

    TATORT: REIFEZEUGNIS (1977) von Wolfgang Petersen

    PRETTY BABY (1978) von Louis Malle

    GOSSENKIND (1991) von Peter Kern

    PRETTY BABY: BROOKE SHIELDS (2023) von Lana Wilson

    IM LETZTEN SOMMER (2023) von Catherine Breillat


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  • Mit „Gran Torino“ wendet sich Clint Eastwood noch einmal den Themen zu, die ihn seine gesamte Karriere lang beschäftigt haben: Familie, Männlichkeit, kulturelle Identität und die Grenzen des Rechts und die Möglichkeiten des Opferns. Ob in den #Western oder den Polizei-Filmen – immer setzte sich #Eastwood auch mit dem amerikanischen Selbstverständnis auseinander, bisweilen affirmativ, häufig aber subversiv. Das Drama aus dem Jahr 2008 ist zugleich eine kritische Variation, ja, vielleicht sogar eine Revision von Eastwoods #DirtyHarry-Image. Noch einmal will hier ein Einzelgänger Rache üben, doch diesmal ist doch alles anders. „Gran Torino“ ist, auch wenn Eastwood noch immer Filme dreht, so etwas wie ein Schlussstein in seiner eindrucksvollen Filmographie. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Video!

    Literatur:

    Terry Eagleton: Opfer. Selbsthingabe und Befreiung. Promedia.

    Joan Riviere: Weiblichkeit als Maskerade, in: Liliane Weissberg (Hrsg.): Weiblichkeit als Maskerade.

    Fischer. Alexander Hurst über Vigilanten: https://www.blaetter.de/ausgabe/2020/januar/nach-trump-aussichten-auf-den-buergerkrieg

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  • Steven Spielberg ist zurück, und er hat auch gleich den 94-jährigen John Williams mitgebracht, der die Streicher Verklärung tremolieren lässt. Alles wie immer. Auch das Thema ist für Spielberg nicht neu: Aliens. Diese existieren, was jedoch seit 80 Jahren vor der Weltöffentlichkeit verborgen gehalten wird. Ein Cybersecurity-Experte will dies nun ändern, schließlich habe die Menschheit ein Recht auf die Wahrheit. Bei dieser Enthüllung hilft ihm – zunächst widerwillig – eine TV-Wettermoderatorin, die nach dem Besuch eines roten Vogels plötzlich alle Sprachen sprechen kann und durch die die Aliens zu den Menschen kommunizieren. Ein staatskapitalistisches Unternehmen namens Wardex stellt sich diesem Enthüllungsversuch jedoch entgegen, ein langwieriges Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem Spielberg zugleich die großen Fragen der Menschheit beantworten will, aber letztendlich doch wieder nur im eigenen Kinderzimmer ankommt. Emily Blunt, Josh O’Connor und Colin Firth reißen dazu ihre Augen weit auf. „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ ist ein furchtbarer Film, an dem man Spielbergs Fabrikation von Kitsch gut studieren kann. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!

    Literatur:

    Bret Easton Ellis: American Psycho. KiWi.

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  • Es ist schon ulkig, dass jene, die eben noch für die totale Meinungs- und Redefreiheit plädierten und sich ganz groß #FreeSpeech auf die Fahnen schrieben, plötzlich einen Film oder am liebsten gleich die gesamte Plattform, auf der er zu sehen ist, entfernen wollen. Der Hastag #CancelNetflix war tagelang in den Trends. „Cuties“ (französischer Originaltitel: #Mignonnes) von Maïmouna Doucouré erhielt, als er 2020 auf dem Sundance Festival zu sehen war, freundliche Kritiken, nichts Skandalöses lag in der Luft. Doch #Netflix beging tatsächlich einen Fehler, indem man das ursprüngliche Filmplakat gegen ein sensationslüsternes austauschte, auf dem die 11-jährigen Protagonistinnen nun in hypersexualisierten Posen zu sehen sind. Gewiss, das Bild und auch die anderen, in den asozialen Medien geteilten Fotos stammen aus dem Film, doch der Kontext ist ein völlig anderer. Aber wie schon im Fall „Otto – Der Film“ zeigt sich einmal mehr, dass es inzwischen wohl zu viel verlangt ist, sich einen Film komplett anzusehen und dann zu urteilen. Doch was ist die eigentliche Botschaft des Films? Oder ist die Darstellung von Minderjährigen möglicherweise doch problematisch? Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast. Literatur:Gabriel de Tarde: Die Gesetze der Nachahmung. Suhrkamp. Laura Mulvey: Visuelle Lust und narratives Kino, in: Franz-Josef Albersmeier (Hrsg.): Texte zur Theorie des Films. Reclam.

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  • Dieser Film ist eine der großen Überraschungen des Kinojahres. 90 intensive Minuten, die mitreißen, wütend machen und begreifen lassen. Der deutsche Film „Ich verstehe ihren Unmut“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Dokumentarfilm, ist jedoch keiner: Gezeigt wird die Arbeit von Gebäudereinigern und Raumpflegern, im Mittelpunkt steht die Objektleiterin Heike, die auf die 60 zugeht und in einer Mittlerposition zwischen Chef, Mitarbeitern und Kunden steht. Ihr bürdet man die Quadratur des Kreises auf. Mit Heike und den Kameramännern Frederik Seeberg und Louis Dickhaut hasten wir durch Gänge, schleppen uns Treppen hinauf oder verweilen wir in kleinen Pausenräumen. Regisseur Kilian Armando Friedrich entscheidet sich mit seinem Film „Ich verstehe ihren Unmut“ für einen verdichteten Realismus, der empathisch und analytisch zugleich ist. Dabei erleben wir ein schauspielerisches Wunder: Heike wird von Sabina Thalau gespielt, die keine Schauspielerin, sondern Objektleiterin ist. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!

    Literatur:

    Jana Costas: Im Minus-Bereich. Reinigungskräfte und ihr Kampf um Würde. Suhrkamp.

    Das Buch „Selbst schuld“, das ich mitherausgegeben habe, ist jetzt auch als Taschenbuch erschienen: https://shop.autorenwelt.de/products/selbst-schuld?

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  • Auch am #Broadway in New York kann momentan nicht der übliche Spielbetrieb stattfinden, deshalb hat sich #Disneyplus entschieden, die Aufzeichnung von „Hamilton“, deren Veröffentlichung eigentlich erst für 2021 vorgesehen war, bereits jetzt zu zeigen. Das #Musical ist seit Jahren ein Hit, nicht nur das typische Musical-Publikum ist begeistert, auch Politiker wie Barack Obama und die Feuilletons bedeutender Zeitungen feiern das Stück für seine #Diversity. Erzählt wird die weitgehend vergessene Geschichte des US-Gründervaters Alexander Hamilton, der längst nicht so bekannt ist wie George Washington oder Thomas Jefferson. Doch er war der erster Finanzminister der USA und schrieb maßgeblich an der Verfassung mit. Der eigentliche Coup von Lin-Manuel Miranda, aus dessen Feder das Musical stammt und der auch in der Titelrolle zu sehen ist, liegt jedoch in der Besetzung, die bis auf eine Ausnahme aus nicht-weißen Darstellern besteht, die zudem noch im HipHop- und R&B-Stil von den frühen Glanztagen Amerikas singen. Warum aber ist das Musical ein derart großes popkulturelles Phänomen? An der Qualität kann es wahrlich nicht liegen! In Wahrheit spiegeln sich in ihm gleich mehrere Ideologien unserer Zeit wider – progressiv ist das Werk weder inhaltlich noch ästhetisch, aber damit passt es ausgezeichnet in unsere Gegenwart. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast! Literatur:Theodor W. Adorno: „Kulturkritik und Gesellschaft“, in: Ders: Kulturkritik und Gesellschaft I, Gesammelte Schriften, Bd. 10.1.
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  • Mit „Das Schweigen der Lämmer“ schrieb Jonathan Demme Filmgeschichte: Dieses Meisterwerk der Erzählkunst etablierte zudem mit Hannibal Lecter eine mörderische Figur, die so ganz anders ist als die sonstigen Serienkiller aus Horrorfilmen. Dr. Lecter ist kultiviert und barbarisch zugleich. Dieser Charakter fasziniert das Publikum, weshalb es nicht bei dem Film von 1991 geblieben ist. Es folgten drei weitere: „Hannibal“, „Roter Drache“ und „Hannibal Rising“. Noch zweimal übernahm Anthony Hopkins die Rolle des sinisteren Gentlemans, anschließend spielte Gaspard Ulliel den jungen Hannibal, um die Genese des Killers zu erzählen. Was lernen durch diese Filme über das Erzählen und über diesen ungewöhnlichen Charakter, der sich interessanterweise in intelligenten FBI-Agents widerspiegeln kann? Häufig übersehen wird bei den Hannibal-Lecter-Filmen Michael Manns „Manhunter – Roter Drache“ aus dem Jahr 1986, der ganz eigene Qualität hat. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse, die eine Ergänzung zum aktuellen DeepDive zu „Das Schweigen der Lämmer“ bildet!

    Literatur:

    Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. Bd. 1. Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes. Suhrkamp.

    Thomas Harris: Das Schweigen der Lämmer. Heyne.

    Robert McKee: Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. Alexander Verlag Berlin.

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  • Geht man aktuell regelmäßig ins Kino, fällt einem immer wieder auf, wie schlecht viele Filme erzählt sind. Hollywood konnte es einmal besser – und im Jahr 1991 wurde die Messlatte für filmisches Erzählen besonders hoch gelegt: Regisseur Jonathan Demme bracht seine Romanverfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ („The Silence of the Lambs“) in die Kinos, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Thomas Harris. Als der Drehbuchautor Ted Tally den Roman zum ersten Mal las, war ihm klar, dieses Werk muss verfilmt werden und könnte so gewichtig wie „Der Pate“ werden. Harris‘ Buch ist 430 Seiten lang – die Kunst des Erzählens beginnt folglich mit der Kunst des Weglassens. Ted Tally verdichtete die Geschichte, Jonathan Demme trieb eine Hitchcock-Technik ins Extrem und Jodie Foster und Anthony Hopkins spielten um ihr Leben. Anhand von „Das Schweigen der Lämmer“ lässt sich studieren, was eine gute Filmerzählung ausmacht und wie das Publikum manipuliert werden kann, auch wenn oder gerade weil man ihm einen Wissensvorsprung gibt. Mehrere Erzählungen verschränken sich in diesem Film, leicht könnte alles zusammenbrechen. Aber die Konstruktion steht fest. Wie ist das zu erklären? Darum geht es im neuen DeepDive der Filmanalyse plus!


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  • Mit seiner Mieter-Trilogie hat Regisseur Roman Polanski nicht nur drei grandiose #Horrorfilme beziehungsweise #Psychothriller geschaffen, sondern auch drei ausgesprochen feministische Filme: Ob in „Ekel“, „Der Mieter“ oder „Rosemary’s Baby“ – immer muss die Frau unter der bürgerlichen Gesellschaft und unter den patriarchalen Verhältnissen leiden. Polanski beschäftigt sich auf geniale Weise mit der Frage: Wie brutal, gruselig und repressiv ist das, was man für gewöhnlich Normalität nennt? #RosemariesBaby ist mit Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon und Sidney Blackmer hervorragend besetzt, auch ästhetisch setzt Polanski für das Horrorgenre neue Maßstäbe. Was aber sagt uns der Film heute, mehr als 50 Jahre nach seinem fulminanten Kinostart? Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Video! Literatur:Louis Althusser. Ideologie und Ideologische Staatsapparate. Bd 1. VSA.
    Das neue Q&A zu David Hain VS. Filmfans, CIA- und Nato-Propaganda in Filmen, dem Horrorklassiker „Cat People“ u.v.m. ist jetzt erschienen. Das komplette 100-minütige Q&As gibt es mit einem Abo bei Steady, Patreon, Apple oder über eine YouTube-Kanalmitgliedschaft zu hören (es handelt sich um reine Audio-Formate). Mit einem Abo erhält man zugleich Zugang zu allen vergangenen Q&As und DeepDives.

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  • Mit „The Mandalorian and Grogu“ kehrt die „Star Wars“-Saga auf die große Leinwand zurück. In den vergangenen Jahren wurde das Universum lediglich durch Serien erweitert und fortgesetzt. Pedro Pascal spielt den Mandalorian, jedoch bekommt man den Schauspieler nur für wenige Minuten zu Gesicht, die meiste Zeit über trägt er einen Helm mit geschlossenem Visier. An Mandos Seite watschelt Baby Joda Grogu, das Ziehkind und Merchandise-Plüschtier, das außer Kindchenschema wenig zu bieten hat. Die Mission der beiden: Widersacher der neuen Republik aus dem Weg räumen und zwischendurch Unsinn reden. Der Film ist ein einziges Fiasko. Schlechter kann Storytelling nicht mehr werden. Regisseur Jon Favreau lehnt sich hilflos an die „Star Wars“-Filme von J.J. Abrams an, Ludwig Göransson an John Williams. Ein abgeschmacktes Bild folgt dem nächsten. Es ist unerträglich. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der Filmanalyse!

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  • Im neuen Q&A der Filmanalyse plus geht es zunächst ausführlich um ein Video des YouTube-Filmkritikers David Hain, in dem er seinen Unmut über Filmfans kundtut, die ihn mit hämischen Kommentaren attackieren. Weitere Filmkritiker werden erwähnt, die diese zornigen Reaktionen ebenfalls beklagen und bisweilen aufgehört haben, überhaupt noch Kommentaren zu lesen. Wie damit umgehen? Und woran liegt es, dass insbesondere Fans derart wütend reagieren? Und wie gehe ich persönlich mit solchen Angriffen um? Anschließend berichte ich von guten und schrecklichen Kinoerlebnissen, von der Serie „Bait“, dem Klassiker „Cat People“. Es geht überdies um Künstler und deren Opportunismus – davon handelt ein lesenswerter Roman von Daniel Kehlmann. Außerdem hat der „Guardian“ Informationen darüber erhalten, dass die NATO sich derzeit vielfach mit Filmschaffenden trifft. Worum geht es? Ich länger darüber nachgedacht und pitche ein paar NATO-Propagandafilme. Das und mehr im 100-minütigen Q&A der Filmanalyse!

    Das Video von David Hain: https://www.youtube.com/watch?v=dLq4iqdBAdY


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  • Kaum zu glauben, aber man konnte tatsächlich einst im deutschen Kino lachen. Mit „Ödipussi“ und „Pappa Ante Portas“ hat Loriot (Vicco von Bülow) zwei komödiantische Meisterwerke gedreht, deren Dialoge ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind. Nicht nur wegen der Formulierungskunst der großen Humoristen, sondern auch wegen der grandiosen Stimmen, genannt seien hier vor allem: Katharina Brauren, Edda Seipel, Dagmar Biener, Ortrud Beginnen, Irm Hermann. Und selbstverständlich Loriots kongeniale Drehpartnerin Evelyn Hamann, die in beiden Filmen brilliert und komplexe und ungeheuer komische Frauenfiguren auf die Leinwand zaubert. Heute ist ein solcher Humor weit und breit nicht in Sicht. Es wird zwar auf Bühnen und in YouTube-Video wie blöd permanent gelacht, dennoch leben wir eigentlich in humorlosen Zeiten, nicht zuletzt, weil das Handwerk, auf das Loriot größten Wert legt, nicht mehr beherrscht, ja, es sogar geringgeschätzt wird. Doch auch neben Loriots Talent und Disziplin gibt es einen Grund, warum es solche Komödien heute nicht mehr geben kann. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!Literatur:Sigmund Freud: „Der Humor“, in: Ders.: Studienausgabe, Bd. IV.

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    Außerdem gibt es nun auch die Möglichkeit einer YouTube-Kanalmitgliedschaft: https://www.youtube.com/watch?v=WgLmCvsyi-E

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